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I m Taxi unterwegs nach Bury St Edmunds rief ich Kate an, um mich zu entschuldigen und ihr zu sagen, dass es eine ganze Weile dauern würde. Ich hatte sie im Bedford Lodge zurückgelassen in der Hoffnung, schnell wieder da zu sein, aber das ging jetzt nicht mehr.

»Wer hat dich denn da angerufen?«, fragte sie. »Deine Frau?«

Autsch!

Kate hatte sich nach meinem Abgang offenbar in etwas hineingesteigert und das Schlimmste von mir angenommen, aber wer konnte es ihr verdenken? Der Anruf‌ war zum ungünstigsten Zeitpunkt gekommen.

Und offensichtlich hatte sie auch noch dem Alkohol zugesprochen.

»Damit hat es nichts zu tun«, sagte ich. »Ich habe keine Frau.«

»Deine Freundin?«

»Nein. Ich habe auch keine Freundin.« Außer dir, dachte ich.

»Wer war es denn dann?«

Die Sensationsnachricht von Declans Verhaftung würde mit Schallgeschwindigkeit durch Newmarket ziehen, aber ich wollte nicht, dass sie von mir ausging.

»Entschuldige, das darf ich dir nicht sagen.«

Es ging ihr gegen den Strich. Mir auch.

»Mich haben schon andere Männer abserviert«, sagte sie säuerlich, »aber noch nie, wenn ich mit ihnen auf dem Weg ins Bett war.«

»Ich habe dich nicht abserviert. Ganz im Gegenteil. Es tut mir leid, dass etwas im Zusammenhang mit meiner Arbeit dazwischenkam.«

»Etwas, das du mir nicht erzählen kannst, weil du mir nicht genug traust?«

Noch mal autsch.

»Mit Vertrauen hat das nichts zu tun«, sagte ich. »Es ist schlicht vertraulich. Rechtssache. Ich würde nicht mal meiner Mutter davon erzählen.« Herrje, warum fange ich denn schon wieder von meiner Mutter an? »Kann ich dich morgen früh anrufen?«

»Da bin ich auf der Arbeit.« Es hörte sich fast nach einer Ausflucht an.

»Aber ich darf dich da anrufen?«

»Ich bin verletzt«, sagte sie langsam. »Ich bin angetrunken, ich bin einsam, und ich bin verletzt.«

Sie weinte, und ich kam mir einfach nur erbärmlich vor.

»Es tut mir sehr leid«, sagte ich. »Ich wollte dich nicht verletzen. Aber das hier muss sein. Ich erzähle dir möglichst bald davon, nur jetzt geht es nicht.«

Sie legte wortlos auf, und ich war nahe daran, dem Taxifahrer zu sagen, er solle wenden und zum Hotel zurückfahren, aber wozu? Von Declan konnte ich ihr nichts sagen, und was blieb dann noch? Wir würden uns nur zanken, und daraus entstand vielleicht noch größerer Schaden als der, den ich schon angerichtet hatte.

Wie es aussah, war ich besser darin, die Krisen anderer Leute zu beheben als meine eigenen.

 

»Ich sage doch, ich habe Zoe nicht umgebracht.«

»Warum sind Sie dann hier?«, fragte ich. »Die Polizei glaubt, dass Sie’s getan haben, sonst hätte sie Sie nicht festgenommen. Was glauben Sie, warum sie das getan hat?«

»Ich habe keinen Schimmer«, erwiderte Declan.

Wir saßen uns an einem Tisch in dem für Gespräche zwischen Häftlingen und ihren Rechtsvertretern reservierten Raum im Ermittlungszentrum der Polizei in Bury St Edmunds gegenüber.

Ich war kurz nach Declans Ankunft eingetroffen und hatte warten müssen, während die Vollzugsbeamten ihn abfertigten: Fotos, Fingerabdrücke, DNA -Probe und Entkleidung zur gerichtsmedizinischen Untersuchung. Die Standardprozedur. Schließlich hatten sie ihn aus der Zelle geholt und mich zu ihm gelassen.

Er trug einen mindestens zwei Nummern zu großen Trainingsanzug der Polizei. Wäre die Situation nicht so ernst gewesen, hätte mich das amüsiert.

Die Uhr an der Wand zeigte halb elf an. Anderthalb Stunden, nachdem ich Kate verlassen hatte.

Anderthalb Stunden tiefstes Elend.

»Wann sind Sie heute Morgen aufgestanden?«, fragte ich.

»Um zehn vor fünf«, antwortete Declan. »Wie immer um diese Jahreszeit. Das erste Lot geht um sechs raus. Wieso ist das wichtig?«

»Weil Sie seit fast achtzehn Stunden auf den Beinen sind. Ich kann vielleicht geltend machen, dass Sie erst mal ausschlafen müssen, bevor man Sie befragt.«

»Ausschlafen? In der Zelle? Sie machen wohl Witze. Da ist es nicht gerade gemütlich, und man hat gerade mal eine dünne, wasserdichte Matratze auf einem harten Bett. Viel Schlaf kriege ich da nicht. Nein, packen wir’s an. Dann kann ich nach Hause.«

»Declan«, sagte ich, »haben Sie auch nur die leiseste Ahnung, wie sehr Sie in der Klemme stecken? Die Polizei hätte Sie nicht auf gut Glück mal eben wegen Mordverdachts verhaftet. Die müssen Beweise gegen Sie haben. Was könnte das sein?«

»Ich habe Zoe nicht umgebracht«, wiederholte er.

»Wenn Sie es sagen«, antwortete ich. »Aber was für Beweise könnten sie haben?«

»Keine Ahnung. Nichts. Ich habe sie nicht umgebracht.«

»So kommen wir nicht weiter.«

Ich sah ihn über den Tisch hinweg an, und zum ersten Mal fiel mir auf, dass seine Nase leicht gekrümmt war. Ich fragte mich, ob das von einem Reitunfall kam oder ob Ryan sie ihm in einem Hotel in Doncaster mit einem Faustschlag gebrochen hatte.

Es klopf‌te an der Tür, und sie öffnete sich ein wenig.

»Wir sind so weit«, sagte DCI Eastwood, dessen Kopf im Spalt erschien.

»Einen Moment noch«, erwiderte ich. »Wir kommen gleich raus.«

Die Tür schloss sich wieder.

»Jetzt hören Sie mir zu, Declan«, sagte ich, »hören Sie gut zu. Wir müssen diese Sitzung nutzen, um herauszufinden, was man gegen Sie in der Hand hat, statt ihnen noch mehr Munition zu liefern. Haben Sie verstanden?«

»Die können nichts gegen mich in der Hand haben«, sagte er. »Ich war’s nicht.«

»Wenn man Sie etwas fragt, sagen Sie bitte einfach, Ihr Anwalt hat Ihnen geraten, vorerst keine Fragen zu beantworten. Dann ist es nicht Ihre, sondern meine Schuld, dass Sie nicht antworten. Sie brauchen ja Ihre Unschuld nicht zu beweisen, die müssen Ihre Schuld beweisen. Sagen Sie auch sonst nichts, ohne sich vorher an mich zu wenden. Das ist wichtig. Haben Sie verstanden?«

»Ja«, sagte er, aber ich war mir nicht sicher, ob er es einsah.

»Los, gehen wir.«

Im Vernehmungsraum nebenan setzten wir uns DCI Eastwood und dem anderen Kriminalbeamten gegenüber, der Declan im Streifenwagen begleitet hatte.

Der Chief Inspector drückte einen Knopf am Bedienfeld der Wandschalttafel, und ein langes, lautes Piepen ertönte.

»Fürs Protokoll«, sagte er. »Befragt wird Mr Declan Chadwick, verhaftet wegen des Verdachts der Ermordung von Mrs Zoe Robertson. Ich bin Detective Chief Inspector Eastwood, und mich begleitet Detective Sergeant Venables. Mr Chadwicks ebenfalls anwesender Rechtsanwalt ist Mr Harrison Foster. Mr Chadwick, ich erinnere Sie daran, dass Sie nach wie vor unter Beobachtung stehen, dass Sie nichts zu sagen brauchen, dass es aber Ihrer Verteidigung schaden kann, wenn Sie bei der Befragung etwas nicht erwähnen, worauf Sie sich später vor Gericht berufen. Alles, was Sie sagen, kann als Beweismittel verwendet werden. Haben Sie das verstanden?«

»Ja«, sagte Declan.

»Ich teile Ihnen ebenfalls mit, dass diese Befragung aufgezeichnet wird und dass die Video- und Tonaufnahmen vor Gericht als Beweismittel herangezogen werden können. Haben Sie das verstanden?«

»Ja«, sagte Declan erneut.

»Gut«, antwortete der DCI . »Nennen Sie bitte Ihren vollständigen Namen und Ihre Anschrift.«

»Declan Vincent Parker Chadwick. Rowley House Stables, Hamilton Road, Newmarket.«

»Danke. Also, Mr Chadwick«, sagte der Chief Inspector, »wann haben Sie Ihre Schwester zuletzt gesehen?«

Declan sah mich an. »Mein Anwalt hat mir geraten, vorerst keine Fragen zu beantworten.«

Braver Junge, dachte ich.

DCI Eastwood nahm das ungerührt zur Kenntnis. »Trifft es nicht zu, dass Sie sie vorigen Sonntag gesehen haben?«

Vorigen Sonntag? Die Antwort auf diesen Paukenschlag hätte auch ich gern gehört.

»Mein Anwalt hat mir geraten, vorerst keine Fragen zu beantworten«, wiederholte Declan.

»Trifft es nicht ebenfalls zu, Mr Chadwick, dass Sie Zoe Robertson kurz nach Sonntagmittag am Bahnhof Cambridge abgeholt haben und mit ihr in einem hellblauen Audi A4 , der Ihnen gehört, davongefahren sind?«

Was?

»Mein Anwalt hat mir geraten, vorerst keine Fragen zu beantworten.«

»Wir haben Aufnahmen der Videoüberwachung vom Bahnhofsvorplatz in Cambridge, auf denen zu sehen ist, wie sie in Ihren Wagen steigt. Waren Sie am Steuer, Mr Chadwick?«

»Mein Anwalt hat mir geraten, vorerst keine Fragen zu beantworten.«

»Wohin haben Sie sie gebracht, Mr Chadwick?«

Das jeweils angehängte »Mr Chadwick« gab den Fragen des Kriminalbeamten etwas Bedrohliches. Wer weiß, wie Declan das empfand, wenn es mir schon so vorkam? Nach außen aber wirkte er ruhig und gefasst.

»Mein Anwalt hat mir geraten, vorerst keine Fragen zu beantworten.«

Auch mich irritierte sein Spruch mittlerweile, da ich gern die korrekten Antworten auf Eastwoods Fragen gehört hätte.

Es klopf‌te kurz an die Tür.

»Befragung ausgesetzt«, sagte der Chief Inspector und stoppte die Aufzeichnung per Knopfdruck, ehe er zur Tür hinausging und uns mit Sergeant Venables allein ließ.

Declan wandte sich mir zu, als wollte er etwas sagen.

»Nicht«, kam ich ihm zuvor. »Alles, was Sie hier sagen, kann als Beweismittel verwendet werden, auch wenn Sie es nicht in der förmlichen Befragung äußern.«

Declan nickte und schaute wieder den Sergeant an.

Zu dritt warteten wir stumm auf DCI Eastwood, der nach einigen Minuten mit einer durchsichtigen kleinen Plastiktüte wiederkam.

Der Chief Inspector drückte den bewussten Knopf, und wieder ertönte ein langer Piepton aus dem Rekorder. »Befragung fortgesetzt«, sagte er. »Ich erinnere Sie daran, Mr Chadwick, dass Sie noch unter Beobachtung stehen. Wissen Sie, was das hier ist?« Er hielt die Plastiktüte hoch. Sie enthielt ein Mobiltelefon mit rosa Hülle. »Wieso wurde das hinten in Ihrem Kleiderschrank unter Ihren Kleidern gefunden?«

Declan sah mich an, und zum ersten Mal lag mehr als nur ein Hauch von Panik in seinem Blick. Zeit einzuschreiten.

»Ich würde gerne mit meinem Klienten unter vier Augen sprechen.«

»Zuerst möchte ich eine Antwort auf meine Frage«, sagte Eastwood, doch er war nicht in Unkenntnis der Gesetze zum Rang eines Chief Inspectors aufgestiegen. Ich kannte sie auch. Declan war berechtigt, jederzeit mit seinem Rechtsberater unter vier Augen zu sprechen.

»Befragung ausgesetzt«, sagte er widerstrebend. Er und sein Sergeant standen auf. »Hier drin okay?«

»Nein«, sagte ich. »In dem anderen Raum.«

Er sah mich an, doch mein Blick ging zu der Kamera über seinem Kopf. Ich war nicht so ganz überzeugt, dass die Videoaufzeichnung zugleich mit der Tonaufnahme geendet hatte.

Declan und ich gingen wieder in den Beratungsraum. Ich schloss die Tür.

»Was zum Teufel soll das?«, fragte ich. »Sie sagen mir, die Polizei hat keine Beweise gegen Sie, und dann erfahre ich, dass Sie Zoe am Tag ihres Todes in Cambridge am Bahnhof abgeholt haben. Und wem gehört das Handy?«

»Zoe«, sagte er. »Sie hat es in meinem Wagen liegen lassen.«

»Sie haben sie also wirklich am Sonntag abgeholt?«

Er ließ sich auf einen Stuhl am Tisch sinken, während ich stehen blieb.

»Ja, hab ich«, sagte er. Er beugte sich vor, legte den Kopf auf die Arme und seufzte schwer.

»Warum haben Sie mir das nicht gesagt? Ich bin hier, um zu helfen, aber Sie müssen mir die Wahrheit sagen.«

»Ich habe sie abgeholt und ein paar Stunden mit ihr verbracht. Aber umgebracht habe ich sie nicht. Das ist die Wahrheit.«

»Dann erzählen Sie mir mal genau, was passiert ist.«

»Sie rief mich am Samstagnachmittag völlig aufgelöst an. Sie hat mich am Telefon angeschrien. Sie müsse mit mir reden, aber nicht am Handy. Ursprünglich wollte sie, dass ich nach London komme, aber das lehnte ich ab. Ich habe sogar abgelehnt, überhaupt mit ihr zu sprechen. Am Sonntagmorgen rief sie mich dann an, als ich im Stallbüro war. Sie sitze schon im Zug von King’s Cross und komme zu mir, ob es mir passe oder nicht. Sie hörte sich völlig durchgedreht an.«

»Was gab es denn so Wichtiges?«

»Familienangelegenheiten«, sagte er und wollte offensichtlich nicht näher darauf eingehen. »Damit sie aber auf keinen Fall in diesem Zustand bei uns vorbeikam und Bella aufregte, erklärte ich mich schließlich bereit, sie in Cambridge abzuholen.«

»Wusste Arabella das?«, fragte ich.

»Natürlich nicht«, sagte er entschieden und warf mir einen Blick zu.

»Wie kommt’s?«

»Es schien mir am besten, die beiden getrennt zu halten. Zoe hatte Bella schon genug zugesetzt.«

»Weswegen?«

»Hauptsächlich wegen Geld. Zoe war immer in Geldnot. Sie hätte es nötiger als wir, meinte sie immer, denn sie hätte die Gören am Hals. Und das kam auch nicht gerade gut an.«

Mir fiel Arabellas schroffe Reaktion auf meine Frage ein, ob sie und Declan Kinder hätten.

»Sie und Arabella können also keine Kinder bekommen?«

Wieder sah er mir ins Gesicht. »Nein.«

»An wem liegt’s?«, fragte ich und hoff‌te, damit nicht zu tief zu bohren.

»An ihr. Sie leidet am sogenannten PCO -Syndrom. Hab vergessen, wofür das steht, aber es hemmt ihre Eizellenproduktion. Wir haben es mit sämtlichen erdenklichen Medikamenten versucht. IVF auch. Alles zwecklos.«

»Das tut mir leid.«

»Passiert eben. Besser gesagt, es passiert eben nichts.«

»Wollte Zoe am Sonntag mit Ihnen über Geld reden?«, fragte ich, um das Gespräch auf die vorliegende Angelegenheit zurückzubringen.

»Ja. Hauptsächlich.«

»Wie ging es weiter, nachdem Sie sie vom Bahnhof abgeholt haben?«

»Ich bin ein bisschen durch die Gegend gefahren.«

»Wohin?«

»Weiß ich nicht mehr. Durch Cambridge irgendwo. Eine Zeit lang haben wir vor einem College geparkt, um zu reden. Dann bin ich mit ihr nach Newmarket.«

»Warum?«

»Weil sie mich darum bat. Sie wollte sehen, ob sich seit ihrem Fortgang was verändert hat. Unterwegs haben wir bei McDonalds verspätet zu Mittag gegessen.«

»Und danach?«

»Sind wir ein bisschen in der Stadt herumgefahren. Dann hab ich sie für die Rückfahrt mit dem Zug am Bahnhof Newmarket abgesetzt.«

»Wann war das?«

»Gegen halb vier.«

»Haben Sie sie direkt in den Zug steigen sehen?«

»Nein. Bis zur Abfahrt war’s noch eine halbe Stunde. So lange konnte ich nicht warten. Ich musste heim zur Abendstallzeit.«

»Wie ging es ihr, als Sie sie abgesetzt haben?«, fragte ich.

»Was meinen Sie damit?«

»War sie immer noch aufgelöst? Oder hatte sie sich beruhigt und war wieder normal?«

»Normal?« Declan lachte. »Zoe war nie normal. Aber es ging ihr gut, glaube ich.«

»Glauben Sie?«

»Ja. Sie war immer noch wütend, aber das war sie dauernd.«

»Wütend auf wen?«, fragte ich.

»Auf alle Welt. Auf mich, auf Ryan, auf unseren Vater, auf alle. Psychosen haben viel mit Wut zu tun.«

»Psychosen?«

»Sie hatte kein Realitätsbewusstsein. Wie sie jemals aus einer Nervenklinik entlassen werden konnte, werde ich nie begreifen. Sie hat in einer Blase für sich gelebt.«

Kann schon sein, dachte ich, aber wer hat die zum Platzen gebracht?

 

»Mein Klient möchte eine vorbereitete Aussage vorlesen«, sagte ich. »Er hat allerdings nicht die Absicht, im Anschluss Fragen zu beantworten.«

Das war eine halbe Stunde später, und wir saßen wieder mit DCI Eastwood und Sergeant Venables im amtlichen Vernehmungsraum.

Die Rekorder liefen auch wieder.

Declan und ich waren alles zweimal durchgegangen, und beim zweiten Mal hatte er alles in chronologischer Reihenfolge aufgeschrieben.

»Man muss ihnen was geben«, hatte ich ihm erklärt. »Sie müssen sagen, dass Sie mit ihrer bisherigen Darstellung der Fakten übereinstimmen – wenn sie die Bilder der Überwachungskamera und Zoes Handy haben, ist Leugnen sinnlos –, und dann liefern Sie Ihre Version der Ereignisse vom Sonntag.«

»Meine Version?«, hatte er gefragt. »Ich sage Ihnen doch die Wahrheit.«

»Gut. Dann wird die Polizei alles, was Sie sagen, verifizieren können. Sonst möchten Sie mir wirklich nichts mehr mitteilen?«

»Nein«, bestätigte er.

Ich war dennoch überzeugt, dass er mir nicht die ganze Wahrheit gesagt hatte. Es gab immer noch Dinge, die er nicht herauslassen wollte, zum Beispiel, warum Zoe ihn überhaupt hatte sprechen wollen. Aber jetzt musste es auch so gehen.

Declan begann seine Aussage mit Zoes Anruf‌ aus dem Zug und erklärte, warum er sie in Cambridge abgeholt hatte. Dann schilderte er die gesamte Fahrt im Wagen, von Zoes Einsteigen bis um halb vier, als er sie wegen der Abendstallzeit am Bahnhof von Newmarket abgesetzt hatte.

Zum Schluss sagte er, er habe das Handy am Montagnachmittag neben dem Beifahrersitz gefunden, es müsse Zoe runtergefallen sein. Er sei in Panik geraten und habe es in seinem Kleiderschrank versteckt, damit seine Frau es nicht finde, doch inzwischen sehe er ein, dass er es gleich der Polizei hätte übergeben sollen.

Als er fertig war, legte Declan das Blatt auf dem Tisch ab. Ich sah dem Chief Inspector an, dass er kein Wort davon glaubte, und war mir, ehrlich gesagt, nicht sicher, ob es mir anders ging.

»Kann ich jetzt nach Hause?«, fragte Declan.