Barbo, der Affe, saß weit oben in den Bäumen des Nebeldschungels. Sein haariger Schwanz schwang hin und her.
Er hob die Nase und schnupperte. In der Nähe wuchsen reife Früchte. Vor sich hin plappernd, hüpfte er vom Ast und ließ sich kopfüber an seinem Schwanz herunterhängen. Auf dem Nachbarbaum entdeckte er eine Frucht. Barbo streckte den Arm und pflückte eine reife Papaya.
Kopfüber hängend biss der Affe in sie hinein und saugte hungrig ihren Saft aus.
Auch die anderen Mitglieder der Affengruppe saßen auf den umliegenden Bäumen und schmatzten genüsslich.
Barbo aß die Papaya auf und ließ die Schale fallen. Dann richtete er sich wieder auf. Eine Sternfrucht fiel ihm ins Auge, nur ein paar Armlängen entfernt. Er sprang über zwei Äste und pflückte die fleischige Frucht von den Blättern.
Während er aß, sah Barbo seine Schwester Chiro auf sich zukommen. Die beiden Affen begrüßten sich und grunzten freudig. Chiro begann, Barbos Fell zu kämmen und nach Flöhen zu durchsuchen. Satt und zufrieden machte Barbo es sich auf dem breiten Ast gemütlich und fing an zu dösen. Plötzlich hörte er ein knisterndes Geräusch unten auf dem Waldboden und riss die Augen auf.
Die anderen Affen schrien alarmiert. Mit hoch aufgerichteten Schwänzen liefen sie aufgeregt auf den Ästen umher. Durch das dichte Blätterdach sah Barbo dunkle Wolken am Himmel aufziehen. Blitze zuckten und tauchten den Nebeldschungel in grelles Licht. Chiro wippte ängstlich mit den Füßen auf dem Ast, öffnete das Maul und zeigte ihre gelben Zähne. Barbos Nackenhaare stellten sich auf. Er witterte Gefahr!
Die Affengruppe kletterte auf die Baumspitzen, um nachzusehen, was das alles zu bedeuten hatte. Barbo folgte ihnen. Er streckte die Arme nach den Ästen aus und zog sich nach oben.
Mehr Blitze durchschnitten den Himmel, weiß und bedrohlich. Diesmal waren sie schon näher. Barbo war verwirrt. Normalerweise folgte auf Blitze immer Regen, aber es regnete nicht.
Die anderen Affen kreischten nervös. Ihre Warnrufe hallten durch den Dschungel. Barbo spürte Chiro neben sich, die ihn vorwärtsschob. Barbo hatte Angst, aber er zwang sich, trotzdem weiterzuklettern.
Ein Blitz zuckte auf und zerschmetterte einen nahe stehenden Baum in zwei Hälften. Es krachte laut und der Baum fing an zu brennen. Obwohl Barbo von dem grellen Licht geblendet wurde, sah er einen riesigen Schatten unter den Bäumen. Rauch stieg in Barbos Nase und er schrie vor Panik. Wo war Chiro? Barbo rief verzweifelt nach ihr, aber in all dem Lärm waren seine Rufe kaum zu hören. Der Affe raste über einen Ast und wagte es nicht, sich umzudrehen. Etwas Großes jagte sie. Die anderen Affen waren nur verschwommen zu erkennen. Sie rannten in alle Richtungen davon, sprangen durch die Luft und suchten an den Baumspitzen weiter unten nach Halt. Einige taumelten und stürzten durch die Blätter.
Barbo wollte auf den nächsten Baum springen, doch er wusste, dass der Abstand zwischen den Bäumen zu groß war, um hinüberzuspringen.
Er musste es versuchen! Mit aller Kraft katapultierte er sich in die Luft.
Plötzlich traf ihn etwas von hinten. Barbos Fell stellte sich auf und er konnte riechen, dass es brannte. Der Affe verlor das Gefühl in den Gliedern und stürzte in die Tiefe.
Barbo drehte sich in der Luft und versuchte, den Sturz mit Schwanz und Pfoten abzufangen.
Er landete am Fuß eines Baums und rang nach Luft. Die Rufe der anderen Affen verloren sich in der Ferne.
Er war allein.
Ein Schatten fiel über Barbos Kopf. Der Affe wurde starr vor Angst, als er eine riesige Gestalt vor sich sah. Sie war lang und dick wie ein Baum, mit Flossen auf dem Rücken, die in allen Regenbogenfarben schillerten. Ihr Kopf war schmal und glatt und erinnerte Barbo an den einer Schlange. Eine gigantische Schlange! Eine lange, gespaltene Zunge zuckte zwischen den Lippen, als ob sie Barbos Angst schmecken würde.
Wieder blitzte es. Der Blitz schien das Biest zu treffen. Es schwankte und duckte sich. Doch es war nicht verletzt. Stattdessen erschien ein pulsierender blauer Schimmer auf den Schuppen des Biests. Seine blutroten Augen richteten sich auf Barbo. Sie glänzten hungrig. Das Biest richtete sich auf, öffnete sein schreckliches Maul und zeigte seine langen Zähne.
Als es nach vorne sprang, wusste Barbo, dass sein Leben vorbei war.