11 — Transporte zwischen Pragmatismus und Politik

Mit Yosef Katznelsons Bestellung zum Leiter der gesamten revisionistischen Alija änderte die NZO ihre Prioritäten.120 Als sichtbarstes Anzeichen dafür schlug Katznelson sein Hauptquartier in Warschau auf. Nicht mehr Wien, sondern Osteuropa stand damit ab dem Beginn des Jahres 1939 im Fokus. Das dahinterliegende Motiv lässt sich leicht ausmachen. Der Großteil der Wiener Betarim war mittlerweile emigriert, daher verlor die NZO das Interesse an Österreich. Relativ deutlich belegt wird dies unter anderem durch ein Telegramm, in dem Eri Jabotinsky – ebenfalls von Warschau aus – den rumänischen NZO-Vorsitzenden Kanner in Bukarest anweist, für die weitere Entwicklung der Transporte die Beteiligung der Wiener energisch einzuschränken und diesen nur 20 Visa für den nächsten Transport zuzugestehen.121

In diesem Zusammenhang ist auch ein Bericht über einen Besuch von Jabotinskys Privatsekretär Hans Löw in Wien interessant. Aus ihm geht hervor, warum die NZO keine Transporte mehr von dort wollte: In der Stadt gab es nur mehr 300 bis 400 Revisionisten und Betarim. Für diese sowie die Eltern der Betarim sollte noch eine Möglichkeit zur Auswanderung gefunden werden, danach war die NZO zu weiteren Transporten aber nur unter der Bedingung bereit, dass ein Mindestbetrag von 16 Pfund gezahlt wurde und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausnahmslos national gesinnt waren, wie Hans Löw dem Direktor der Jüdischen Gemeinde Wien, Josef Löwenherz, bei einem persönlichen Treffen erklärte.122

Die Tendenzen, Wien den Rücken zu kehren, können bereits ab Herbst 1938 festgestellt werden. So hatte Heinrich Haller, der seit der Auswanderung seines Bruders die Geschicke in Perls ehemaliger Kanzlei am Stubenring leitete, sich im November bei Jabotinsky in London erkundigt, ob dieser gedenke, die Aktion fortzuführen oder das Büro aufzulösen. Für den Fall einer Fortführung hatte er die NZO ersucht, eine geeignete Persönlichkeit nach Wien zu schicken, weil er selbst eine Reise nach Shanghai plante und es in Wien niemanden gab, dem er seine Agenden überantworten wollte.123 Hallers Ansuchen war jedoch ignoriert worden, sodass dieser Ende Dezember erneut um Ablöse bat. Er brachte zudem sein Missfallen über die Neigung zum Ausdruck, „bei künftigen Transporten Wien zu umgehen, ja auszuschalten“, weil die Stubenring-Kanzlei nicht in der Lage war, „Beträge in der Höhe aufzubringen, wie es die ausländischen Organisationen zu tun“ vermochten.124

Aus Hallers Sicht war dies ein Skandal. Denn einerseits war in Wien das gesamte Unternehmen ins Leben gerufen worden und andererseits war die Lage in der „Ostmark“ bei Weitem dringlicher als anderswo. Aus diesem Grund drohte er auch damit, aus Protest das Büro von sich aus zu sperren und damit die Verantwortung auf diejenigen zurückfallen zu lassen, die seiner Meinung nach das, was von der Aktion übriggeblieben war, zum Stillstand bringen wollten.

Haller wusste vermutlich nicht, dass die NZO in London sich bereits Anfang Dezember 1938 bei Perl in Rumänien über ihn erkundigt hatte. Perl zeichnete damals ein durchaus positives Bild seines Nachfolgers und beschrieb ihn als ruhig und seriös, als sachlichen und fleißigen Mitarbeiter, zu keiner Gemeinheit fähig. Haller habe zudem sehr geschickt die seinerzeit von ihm zur Gestapo und zur Devisenbank aufgenommenen Beziehungen übernommen und sei auch der Einzige, der als Partner für die NZO dort in Frage komme.125

Trotz dieser lobenden Worte würde Hans Löw, an den Perl seine Einschätzung adressiert hatte, Haller zwei Monate später vorwerfen, ein Doppelspiel gespielt zu haben und die ganze Zeit über mit seinem in Ungnade gefallenen Bruder Paul in Kontakt gewesen zu sein.126 Hallers Drohung verpuffte wirkungslos und das Stubenring-Büro ging nach seiner Abreise vollständig in die Hände der Aguda unter Julius Steinfeld und Moritz Pappenheim über. Doch die Dinge dort schienen nicht mehr rund zu laufen, wie auch Perl in seinen Memoiren anklingen lässt, sodass das Büro Ende Januar 1939 von der Gestapo geschlossen wurde und die Aktion damit endgültig Geschichte war.

Perl erwähnt in seinen Memoiren die genauen Gründe für die Schließung seiner Kanzlei nicht, sie finden sich allerdings in den Akten der Gestapo. Diesen zufolge fürchtete das Stubenring-Büro, bei dem Ende Januar 9000 Anmeldungen von Juden zur Auswanderung nach Palästina vorlagen, die Konkurrenz der Wiener Filiale eines Hamburger Reisebüros, das ebenfalls heimliche Auswanderungsfahrten nach Palästina organisierten wollte. Um diesen Rivalen auszuschalten, soll Heinrich Haller einen bereits vorbereiteten Transport des Hamburger Büros mit 500 Personen an die Briten verraten haben. Durch eine „vertrauliche Mitteilung“ erfuhren allerdings die deutschen Behörden von Hallers Vorgehen, und aus Angst vor „aussenpolitische[n] Verwicklungen zum Nachteile des Reiches“ untersagten sie den 500 Flüchtlingen die Abreise aus Wien. Das bezahlte Geld erhielten sie zurück.127 Die führenden Mitarbeiter des Stubenring-Büros – darunter ein weiterer Haller-Bruder namens Hermann – wurden verhaftet, kamen aber laut Heinrich Haller, der sich zu diesem Zeitpunkt bereits in Tel Aviv aufhielt, nach vielen Mühen und Interventionen schließlich wieder frei.

Heinrich Hallers Versuch, sich eines Mitbewerbers zu entledigen, stand möglicherweise in Verbindung mit den Umtrieben seines Bruders Paul. Dieser versuchte mittlerweile, einen Transport in der Schweiz zu organisieren. Auch die ehemaligen Stubenring-Mitarbeiter Fritz Herrnfeld und Paul Ellbogen tauchten in Zürich auf und gaben sich wie Haller bei der Auswanderungsaktion des Schweizer Fluchthelfers Ernst Fink als Wiener Vertreter des internationalen Sportverbands Maccabi aus. Damit gerieten sie ihrerseits offenbar in Konkurrenz zum dortigen Vertreter der Revisionisten, Perls späterem Freund Reuben Hecht, was den Unmut der NZO hervorrief. Dafür spricht ein Schreiben Heinrich Hallers nach London, in dem er die Einstellung seiner persönlichen Tätigkeit am Stubenring plötzlich damit erklärt, dass er nach dem in Zürich entstandenen Zwiespalt den Freunden – gemeint ist wohl die NZO – keine Handhabe geben wolle, Wien vollständig im Stich zu lassen. Haller wiederholt in diesem Brief allerdings seine Kritik an der Politik der NZO: „Ich weiss nicht, wie weit die Arbeit in Wien weitergeht, ich darf es aber nicht unterlassen, immer wieder zu betonen, dass die Partei eine viel grössere Tat vollbringt, wenn sie nur einen Juden aus Wien herausführt, als wenn sie zehn aus irgend einem anderen Land herausbrächte.“128

Die Frage stellt sich allerdings, ob Heinrich Haller den Transport des Hamburger Reisebüros überhaupt an die Briten verraten hatte. Denn ein weiteres und äußerst pikantes Detail über die Auflösung des Stubenring-Büros liefert abermals das Geheimdossier des CID Jerusalem vom Mai 1939. Diesem zufolge hatte eine Intrige zur Schließung von Perls ehemaliger Kanzlei geführt – eingefädelt von Moses Krivoshein. Es ist daher wahrscheinlich, dass Krivoshein die im Gestapo-Bericht erwähnte „vertrauliche Mitteilung“ getätigt hatte und diese womöglich gar nicht der Wahrheit entsprach. Tatsächlich saß auch er Anfang 1939 in Wien im Gefängnis, nachdem er offensichtlich nach Österreich zurückgekehrt und wegen der Affäre von Arnoldstein verhaftet worden war. Er schob jede Verantwortung dafür allerdings Paul Haller zu und wollte mit weiteren Anschuldigungen gegen das Stubenring-Büro möglicherweise seinen Kopf aus der Schlinge ziehen. Gegenüber dem ebenfalls im Zuge der Stubenring-Affäre verhafteten Mithäftling Kurt Schallinger, bei dem es sich vermutlich um den Leiter des Betar in Baden bei Wien handelte, drohte er jedenfalls, den Briten Passagierlisten auszuhändigen und die Namen der Transportleitungen bekanntzugeben, sollte er von den deutschen Behörden nach Palästina abgeschoben und dort interniert werden.

Vieles spricht also dafür, dass die Gestapo genug von den internen Streitereien der Revisionisten und deren Konflikten mit möglichen Mitbewerbern hatte. Dies brachte ein Beamter gegenüber Schallinger – den Jabotinskys Sekretär Löw als „unseren verlässlichen und tüchtigen Mann in Österreich“ bezeichnete und der aus Sicherheitsgründen schnell außer Landes gebracht werden sollte – in einem Verhör jedenfalls unmissverständlich zum Ausdruck: „[W]enn sich die Juden selbst auf den Kopf sch[eißen], dann gibt es keine Transporte mehr.“129

Angesichts dieser Drohung ist es sehr wahrscheinlich, dass die Vorfälle rund um die Kanzlei am Stubenring auch Auslöser für den überstürzten Aufbruch der als „China-Gruppe“ bezeichneten Flüchtlinge waren. Deren Ankunft in Rumänien führte sofort zu Querelen zwischen Perl und Katznelson, der seinerseits Ende Januar 1939 in Bukarest eingetroffen war. Katznelson hatte die bisherige Organisation der Transporte kritisiert, weil Perl seiner Meinung nach bislang zu viel für die Schiffsmiete bezahlt hatte. Nun erteilte er auch dem Vorschlag, die „China-Gruppe“ an Bord der Chepo mitzunehmen, eine harsche Absage.130 Dabei soll er sich Mila Epstein zufolge sogar einer direkten Anweisung Jabotinskys widersetzt haben, nachdem Epstein bei ihrem Onkel zugunsten der Flüchtlinge interveniert hatte.131

Wieder einmal ging es ums Geld. Katznelson erkannte die Abmachungen nicht an, die Perl mit Steinfeld und Pappenheim von der Aguda getroffen hatte, und forderte die Überweisung von weiteren 1645 Pfund – offensichtlich hatte Perl „ausnahmsweise […] in Anbetracht der Tatsache, dass der größte Teil dieser Teilnehmer aus Dachau zurückkam, ausgewiesen war und dringend abreisen musste“, nur 9,25 Pfund pro Person in Rechnung gestellt.132 Steinfeld sollte Perl später unterstellen, den Transport mit diesem Entgegenkommen leichtsinnig initiiert zu haben, anders lässt sich eine in einem Schreiben an NZO-Finanzreferent Siegfried Graubart vom 14. März 1939 gemachte Aussage nicht interpretieren.133 Wie Perl allerdings an Shlomo Jacoby schrieb, hatte nicht er, sondern Eri Jabotinsky den Fahrpreis verhandelt.134

So oder so war die „China-Gruppe“ vorerst in Constanţa gestrandet. Sie durften ihr Quartier im Unterbau des Hafenbahnhofs nicht verlassen, wo sich die hygienischen Bedingungen von Tag zu Tag verschlechterten. Die Angelegenheit entwickelte sich allmählich zu einem ernsten Problem für die NZO und belastete deren Verhältnis zu den Behörden zunehmend, denn die provisorische Unterbringung im Hafenbahnhof war nur unter der Bedingung genehmigt worden, dass die Gruppe das Land so schnell wie möglich wieder verließ. Dass sich die Revisionisten für sie nicht verantwortlich fühlen wollten, war den Behörden gleichgültig. Schließlich hatte sich die NZO beim rumänischen Konsul in Wien um Einreisevisa für die Gruppe bemüht, nachdem sie mit Julius Steinfeld bereits im Dezember 1938 eine entsprechende Vereinbarung getroffen hatte.135

Als auch noch Scharlachfieber ausbrach und die Sanitätsbehörde mehrfach drohte, die Gruppe zu „evakuieren“, musste die NZO reagieren. Der rumänische NZO-Vorsitzende Kanner ersuchte Anfang März 1939 die rumänische Aguda, sich der Angelegenheit anzunehmen, bot aber an, sich an einer Lösung zu beteiligen. Dabei schob er die Schuld an der Angelegenheit Steinfeld in Wien zu, der den vereinbarten Preis nicht bezahlen wollte oder konnte, sodass die NZO noch versucht hatte, die Ausstellung der Visa durch das rumänische Konsulat in Wien und damit die Abreise der „China-Gruppe“ zu verhindern.

Steinfeld widersprach dieser Darstellung auf Schärfste.136 Er beharrte darauf, die mit Perl als Bevollmächtigtem der NZO getroffenen Vereinbarungen eingehalten zu haben, und beschwerte sich bei der NZO in London über Kanner sowie den „sattsam bekannten Herrn Katznelson“ und dessen überzogene Geldforderungen.137 Er warf ihnen vor, für seine Leute nichts übrig zu haben, nur weil sie von der Aguda seien, und es sei ein Verbrechen und eine Dummheit, „was diese Herren mit Wien aufführen“.138 Schließlich, so Steinfeld, habe die NZO kein Monopol auf die Transporte und obwohl er eigentlich nicht wolle, müsse er angesichts dieses Undanks und dieser Unverantwortlichkeit zu anderen Organisationen übergehen.

Schon zuvor hatte Steinfeld wie Heinrich Haller die Bevorzugung von Flüchtlingen aus der Schweiz, Belgien, Frankreich, Ungarn oder der Tschechoslowakei kritisiert und „endlich richtige Massnahmen [für] eine geordnete Auswanderung aus der Ostmark nach Übersee“ gefordert, auch von Perl: „Sie müssen sich unbedingt mit Ihren Freunden in London, Paris, Zürich, Warschau und Prag ins Einvernehmen setzen, ebenso auch mit denjenigen in Palästina, um die Gründung dieser Filialorganisationen in den verschiedenen Zentren Europas und Palästinas […] mit allen Mitteln zu verhindern […]. Wir sind heute soweit, dass wir über genügend Valuta im Auslande verfügen können. […] Ich bitte Sie daher konkret die Anzahl der Teilnehmer an den Transporten, die Höhe des Pfundbetrages per Kopf genauestens zu kalkulieren und uns auch bekanntzugeben, wann mit geregelten Transporten in geregelter Art begonnen werden wird.“139

Die NZO-Funktionäre in London zeigten Steinfeld allerdings die kalte Schulter. Als Steinfeld sich direkt an Jabotinsky wandte und die Notwendigkeit betonte, den österreichischen Juden finanziell entgegenzukommen, wurde ihm lediglich mitgeteilt, dass dieser krank sei und sich ohnehin nicht mit solchen Angelegenheiten beschäftige.140 Katznelson sei der „entscheidende Faktor“, von ihm hänge die ganze Sache ab und London könne nur „einen geringen Einfluss auf seine Entscheidungen nehmen“.141 Zudem wurde Steinfeld an Eliyahu Gleser verwiesen, der den tschechoslowakischen Betar sowie das Alija-Zentralbüro in Prag leitete. Diesem und Katznelson oblag es als Einzigen, bindende Arrangements über Transporte zu treffen. Solange jedoch das Scharlachfieber grassierte und jeder neue Fall eine potenzielle Abreise um weitere Wochen hinauszögerte, war an einen Transport nach Palästina ohnehin nicht zu denken. Der machtlose Perl besuchte die isolierte und zunehmend verzweifelte Gruppe immer wieder, die unter anderem von Mila Epstein betreut wurde. Epstein ersuchte die Behörden sogar um Erlaubnis, ein vierjähriges Mädchen zu sich nach Hause mitzunehmen, allerdings vergeblich.142

Wie schlimm die Lage war, schildert ein an Jabotinsky adressierter Hilferuf des Reiseleiters Emil Patlaschenko, der sich auch von Perl nur mehr vertröstet fühlte: „Sechswöchentlicher Aufenthalt in einem Keller, Schlafen auf einem Steinboden, Entbehrungen, Krankheiten und Epidemien haben wir bisher mit Geduld und Disziplin ertragen. Nicht ertragen auf die Dauer aber können wir die Tatsache, dass die Führung der N.Z.O. [...] uns verraten hat und uns in unserer derzeitigen Lage im Stich lässt. Die Juden von [C]onstanta [...] sind nicht mehr imstande, uns weiter zu unterstützen. Die Lebensmittelvorräte, ohnedies nur mehr Kartoffel[n,] reichen nur mehr für einige Tage. Die Polizei wollte uns schon vor einer Woche ausweisen und über die Grenze abschieben. Bis dato konnten es die Juden von Constanta verhindern. Jetzt aber [...] müssen wir jede Stunde mit einer für uns katastrophalen Wendung rechnen. Unser Transport besteht zum Teil auch aus Nichtrevisionisten. Sie machen uns Revisionisten die grössten Vorwürfe, denn sie haben sich dem revisionistischen Transport anvertraut [...] und benutzen nun die Gelegenheit, die ganze N.Z.O. als unfähig, korput [sic!], als Menschenhaendler, Diebe, kurzum als Verbrecher hinzustellen. [...] Nur noch wenige Tage lässt sich bei grösster Energie die ohnedies schon sehr gelockerte Disziplin der Reiseteilnehmer aufrechterhalten. Dann droht der Zerfall und die völlige Auflösung des Transportes. Betrugsanzeige, Intervention der Polizei und Regierungsstellen – Skandal. Dass dies alle weiteren derartigen Transporte durch Rumänien [...] unmöglich machen wird, versteht sich von selbst.“143

Katznelson sah die Schuld an der ganzen Misere bei Willy Perl, weil es diesem nicht gelungen war, die Abreise der Gruppe aus Wien zu verhindern. Doch das war noch längst nicht alles an Vorwürfen. Dem zum Sündenbock gemachten Perl wurde von seinem neuen Vorgesetzten auch mitgeteilt, dass die NZO überaus unzufrieden mit ihm war, und zwar wegen der Missstände in seinem ehemaligen und mittlerweile geschlossenen Büro am Stubenring. Diesen Vorwurf konnte Perl schon gar nicht nachvollziehen, denn nach seiner Abreise aus Wien hatte er auf die dortigen Vorgänge keinerlei Einfluss mehr. Genau aus diesem Grund hatte er sogar einen Anruf von Eichmann erhalten, der dem Stubenring-Büro vor der Schließung noch einen persönlichen Besuch abgestattet und ihn zur Rückkehr aufgefordert hatte, um in Wien wieder die Führung zu übernehmen und die Dinge in Ordnung zu bringen. Perl hatte trotz der Zusicherung freien Geleits selbstverständlich abgelehnt. Die Worte, mit denen Eichmann daraufhin das Gespräch beendet hatte, sollte er niemals vergessen: „Wir kriegen dich trotzdem, Perl.“