II. Kapitel Die Jagd Auf Den Täter

Es verdrängte das ältere Narkosemittel Äther, das genauso wirkte, aber sehr feuergefährlich war und außerdem einen unangenehmeren Geruch verströmte.

Dass es Kickan selbst gewesen war, konnte man ausschließen, zum einen, weil sie keinerlei Grund gehabt hätte, die Fingerabdrücke abzuwischen, zum anderen, weil das Haus hellhörig war und Lillan, solange sie wach war, kein Staubsaugergeräusch gehört hatte.

Zwischen Juni 1962 und Januar 1964 wurden in der Gegend von Boston dreizehn Frauen ermordet. Viel Aufmerksamkeit fand die Tatsache, dass der Täter seine Opfer offenbar dazu gebracht hatte, ihn freiwillig ins Haus zu lassen (während gleichzeitig die Angst so zugenommen hatte, dass Frauen sogar die Gegend verließen). Wie schaffte er das? Dass die Polizei in ihrer Verzweiflung auch einen Parapsychologen zu Rate zog, machte die Sache nicht besser. Seit gut einem halben Jahr saß jedoch ein Verdächtiger in einer psychiatrischen Klinik. Einige Jahre später sollte Tony Curtis diesen Mann in einem netten, aber witzlosen Film spielen, über den unter anderem der Rezensent der New York Times schrieb: «This is essentially a work of fiction ‹based› on the real events. And based on them in such a way to entertain us, which it does, but for the wrong reasons, I believe. This film, which was made so well, should not have been made at all.» Wer unbedingt mehr über den Fall wissen möchte, dem sei Sebastian Jungers A Death in Belmont empfohlen.

Pilsener, Bier der Klasse II mit einem Alkoholgehalt von höchstens 3,2 Gewichtprozent, war die Lebensgrundlage dieser Bierstuben. Es hatte den großen Vorteil, dass man es ohne Ausschankgenehmigung verkaufen konnte.

Auch in diesem Fall lagen weitere Beweise vor: GW Larsson und seine Leute konnten insgesamt elf Tatsachen finden, die Lövgren mit dem Mord in der Fleminggatan in Verbindung brachten.

Dieser Fall inspirierte später Per Wahlöö und Maj Sjöwall, als sie ihren Krimi «Der Mann auf dem Balkon» schrieben, der 1967 erschien. Auch das erste Buch der Serie, «Roseanna», enthielt einige Elemente eines realen Falles.

Brent Turvey, «Criminal Profiling – An Introduction to Behavioral Evidence Analysis».

Aus einer großen Menge an Einzelbeobachtungen gezogene Schlüsse nennt man induktives Wissen. Das bedeutet jedoch nicht – um bei der obenstehenden Beschreibung von Vergewaltigern zu bleiben –, dass ausnahmslos alle Täter diesem Muster folgen. Darin besteht auch das Problem bei Täterprofilen: Es handelt sich dabei im besten Fall um statistische Wahrheiten. Nur weil alle Elche, die du jemals gesehen hast, braungrau waren, bedeutet das nicht, dass du nicht beim nächsten Mal einen weißen Elch zu Gesicht bekommen könntest.

Nach der damaligen Gesetzeslage konnte ein Ehemann seine Frau per definitionem nicht vergewaltigen.

Er war außerdem ein sogenannter Sekretor, eine logische Folge aus der Blutgruppenbestimmung. Sekretor zu sein –  circa 79 Prozent der Bevölkerung gehören zu dieser Gruppe – bedeutet, dass die Antigene des Bluttyps auch in anderen Körperflüssigkeiten wie Blut, Speichel, Schweiß und Sperma nachweisbar sind. Wäre er ein Nicht-Sekretor gewesen, hätte man also seine Blutgruppe nicht anhand der Spermaprobe bestimmen können.

Astrid Lindgren hatte sich ihre Kenntnisse in Kriminalistik, die sich in den Blomkvistbüchern manifestieren, während ihrer Zeit als Sekretärin des legendären Harry Söderman («Revolver-Harry») angeeignet. Er war ein weltberühmter Pionier der Kriminaltechnik, der unter anderem das Kriminaltechnische Institut in Stockholm begründet hatte und der indirekt dafür verantwortlich war, dass die Kriminaltechniker, die am Fall Granell arbeiteten, allen voran Wincent Lange, so gut ausgebildet und so professionell waren.

Man hatte auch das Vorkommen von Kartoffelmehl in gewöhnlichen Haushalten abgeglichen, indem man Proben aus den Staubsaugern in den Wohnungen der ermittelnden Polizisten heranzog. In den Fällen, in denen überhaupt Partikel der Kartoffelstärke nachgewiesen werden konnten, handelte es sich um äußerst geringe Mengen: 1–3 Körner pro Milligramm Staub.

Alle Briefe, Kalender und Notizbücher, die Kickan gehört hatten und für die Ermittlungen ausgewertet wurden, wurden der Familie im März 1966 zurückgegeben und sind, soweit ich weiß, verschollen.

Hier hat Kickan das Wort «geht» vergessen und nachträglich mit einem Schrägstrich ergänzt. Gleichzeitig hat sie vom doppelten Zeilenabstand auf einfachen gewechselt.

«Drop-In» war damals die einzige Sendung im schwedischen Fernsehen, die sich ausschließlich an das immer wichtiger werdende jugendliche Publikum richtete. Sie war unglaublich populär. Die bekannte Titelmelodie konnte man oft beim Spielen von Kindern und auf Schulhöfen hören, mit Händeklatschen und allem, was dazugehörte. In der Sendung, die vor Publikum in einem Theater in Gröna Lund in Stockholm aufgezeichnet wurde, waren unter anderem im Oktober 1963 die Beatles aufgetreten. Damals waren sie noch ziemlich unbekannt – es war ihre erste Auslandstournee –, und der Topact waren nicht sie, sondern Lill-Babs. Nachher baten John, Paul, George und Ringo sie um Autogramme, und nicht umgekehrt.

The Mascots waren eine weitere jener Bands in Anzügen, mit langen Haaren, gekämmtem Pony, schrillen Gitarren und grauenhafter englischer Aussprache, die in Schweden aufgekommen waren, als die englische Pop-Welle um 1964 unser Land erreichte. In jenem Jahr hatten sie mit «Baby, Baby» einen großen Hit in den Top Ten. Der im Brief erwähnte Gunnar ist der Sänger und Gitarrist der Band Gunnar Idering, damals kenntlich durch seine cool getönte Brille. The Mascots spielten übrigens schon früh psychedelisch gefärbten Pop. Zahlreiche Bandmitglieder wurden bald von der Welle der Neuen Linken mitgenommen und gründeten das Fria Proteater.

Handschriftlich.

Carlström war ein herausragender Forscher, der auch dafür bekannt war, dass er ohne Wissen seiner Eltern eine Klasse im Gymnasium übersprungen und sie damit überrascht hatte, ein Jahr früher mit dem Abitur nach Hause zu kommen. In mehreren Fällen von Fälschung wertvoller Briefmarken griff man auf seine Expertise zurück.

Nicht allein die Zusammensetzung, sondern die Mischungsverhältnisse machten die Farbe einmalig. In jeder anderen Farbe, egal ob Öl-, Kunststoff- oder Lackfarbe, Puder, Schminke oder Pastellen, dominiert jeweils eine farblose Zutat, wie zum Beispiel Weiß. In dieser Farbe dominierten jedoch die Pigmentfarben, was darauf hindeutete, dass derjenige, der die Mischung hergestellt hatte, ein Amateur war. Diese Farbe eignete sich auch nicht für kosmetische Zwecke, da Bleiweiß giftig ist und deshalb in Schminke nicht enthalten sein darf.

Ein möglicher Zugang war die früher erwähnte Kellertür am Giebel, doch um nach oben in die Wohnung zu gelangen, musste man die verschlossene Tür aufbrechen, die vom Kellergeschoss zum Wohngeschoss führte. Es gab jedoch wie gesagt an keiner der Türen Anzeichen von Gewalteinwirkung. (Vorausgesetzt, dass man keinen Schlüssel hatte.) Da es ja vorkam, dass die Giebeltür unverschlossen gelassen wurde, führte die Polizei diverse Versuche durch, um festzustellen, ob die Geräusche, die Lillan in ihrer Wohnung gehört hatte, möglicherweise von jemandem stammen konnten, der sich unten im Kellergang bewegt hatte.