Die positiven Wirkungen regelmäßigen Sports auf das körperliche Wohlbefinden, auf die Muskelkraft, die körperliche Leistungsfähigkeit und die Ausdauer sind wohl bekannt. Zudem schützt er vor Stoffwechselkrankheiten, Bluthochdruck und Arterienverkalkung. Sport ist daher unbedingt empfehlenswert, auch nach dem Einbau einer Hüftprothese.
Ob eine regelmäßige Sportaktivität der Hüftprothese schadet oder ihr sogar nützt, ist bis jetzt in der Wissenschaft umstritten. Studien haben zwar gezeigt, dass sich bei jungen, aktiven Menschen die Prothese früher lockert; in Untersuchungen über Sportler mit künstlichen Hüftgelenken ließ sich aber nachweisen, dass die Prothesen bei ihnen sogar länger halten als bei unsportlichen Personen: Die höchste Lockerungsrate trat bei Patienten auf, die völlig inaktiv waren. Man nimmt heute an, dass der Knochen, der als lebendes Gewebe dem Auf- und Abbau wie der übrige Körper unterworfen ist, immer eine regelmäßige Belastung (Gehen, Laufen) braucht, um seine Struktur zu festigen und zu erhalten.
TIPP
Keine Scheu vor dem Sport!
Mangelnde körperliche Aktivität mündet häufig in ein höheres Körpergewicht, was für eine Hüftprothese mit Sicherheit schädlich ist. Sport ist hier eine ideale Prophylaxe.
Übereinstimmend wird als frühester Zeitpunkt für den Beginn der sportlichen Betätigung der siebte Monat nach der Operation genannt. Im Hinblick auf die Reaktionen und Umbauvorgänge im Knochen nach Protheseneinbau sollte dieser Zeitraum unbedingt eingehalten werden. Auch Ihr Trainingszustand, Ihr Alter und vor allem Ihre sportliche Erfahrung sind zu berücksichtigen. Indessen haben auch gute Sportler meist vor Einbau der Prothese nur noch wenig Sport getrieben, sodass die Koordination und die kraftsparenden Bewegungsmuster erst langsam wieder auftrainiert werden müssen.
Besonders einen Sturz auf die operierte Hüfte gilt es zu verhindern, denn das Risiko eines Bruchs des Oberschenkelknochens und eines Defekts der Hüftprothese ist in einem solchen Fall sehr hoch. Einige Krafteinwirkungen lassen sich durch Hilfsmittel (Polsterungen, Hüftprotektor; s. → S. 62) oder eine veränderte Sporttechnik vermindern.
Empfehlenswert ist
Vermieden werden sollte
Nicht zu empfehlen ist Sport mit einer Hüftprothese bei
Treten während oder nach einer sportlichen Belastung Schmerzen im operierten Bein auf, dann muss der Sport beendet und eine ärztliche Untersuchung angeschlossen werden.
Ballspiele sind wegen der schnellen Richtungswechsel und des Körperkontaktes (Sturzgefahr) nicht unbedingt empfehlenswert. Unter folgenden Einschränkungen können sie durchgeführt werden:
Gute Badmintonspieler sind äußerst gewandt und schnell. Leider führen gerade diese Eigenschaften zu einer hohen Belastung der operierten Hüfte. Es ist daher die Frage, ob Badminton überhaupt für Menschen mit einer Hüftprothese sinnvoll ist. Wenn aber die Sprünge beidbeinig durchgeführt werden, ein langsamer Federball verwendet wird und die Regeln etwas verändert werden (z. B. keine kurzen Lobs hinter die Netzkante), dann kann es durchaus erlaubt werden.
Basketball kann sehr dynamisch mit schnellen Richtungswechseln, einbeinigen Absprüngen und Körperkontakt gespielt werden. Dies ist für Menschen mit einer Hüftprothese nicht sinnvoll. Werden aber die oben aufgezählten Verhaltensregeln beachtet, können Sie als Anspielpartner und »Ball-Verteiler« mitspielen.
Das Training auf dem Fahrradergometer stellt ein sehr gutes Herz-Kreislauf-Training sowie ein Krafttraining für die Beinmuskulatur dar. Durch seine Standfestigkeit bietet es auch wenig geübten Radfahrern die Möglichkeit, sich körperlich zu betätigen. Das Radfahren auf dem Heimtrainer ist witterungsunabhängig, aber leider auch »langweilig«. Empfehlenswert ist es deshalb, das Rad vor dem Fernseher zu platzieren, um das »Nützliche« mit dem »Informativen« zu verbinden. Ein tägliches Training zur Nachrichtenzeit (ca. 15–20 Minuten) ist für einen positiven Effekt auf den Kreislauf ausreichend.
Bei einer Ergometerleistung von 100 Watt treten an der Hüfte nur Kraftwerte bis 60% des Körpergewichts auf (s. Tabelle auf → S. 46). Bereits kurz nach einer Hüftoperation gewährleistet das Ergometerfahren ein optimales Ausdauer- und Krafttraining. Folgende Hinweise für die Einhaltung einer Teilbelastung eines Beins sollten beachtet werden:
Fußball ist immer kampfbetont, gleich in welcher Liga gespielt wird. Kollisionen sind auch und vor allem bei Hobbyspielern nicht zu vermeiden. Zudem führt ein Bein den Ball, während das andere zur Erhaltung der Stabilität, zum Richtungswechsel, und für Täuschungsmanöver fast immer allein Bodenkontakt hat. Dies bewirkt eine große Belastung des Hüftgelenks. Fußball ist daher für Menschen mit einer Hüftprothese nicht zu empfehlen.
Auf dem Golfplatz legt der Spieler im Allgemeinen längere Wege zurück, was als Gehtraining gesundheitsfördernd ist. Die Verwendung eines Wagens zum Transport der Schläger ist anzuraten. Beim Schlag tritt eine mehr oder weniger starke Rotation in der Hüfte ein, weshalb Sie nach der Operation ein halbes Jahr warten sollten, bevor Sie diese Sportart wieder aufnehmen. Es sollten auch keine Schuhe mit Spikes getragen werden, denn sie bewirken eine Fixierung der Füße und Beine, während sich der Oberkörper weiterdreht.
Die Belastung des Hüftgelenks beim Gehen bzw. beim Laufen nimmt mit der Geschwindigkeit zu. Beim langsamen Gehen entspricht die Belastung der Beingelenke etwa dem Körpergewicht bzw. liegt leicht darüber, beim Laufen (10 km/h) beträgt sie etwa das Drei- bis Fünffache (s. Tabelle, → S. 46). Aufgrund der hohen Gelenkbelastung beim Laufen und Joggen raten manche Wissenschafter von der Ausübung dieser Sportart ab. Klar dagegen stehen aber die positiven Effekte des Laufens auf das Herz-Kreislauf-System und die letztlich guten Langzeitergebnisse von sportlich aktiven Prothesenträgern. Eine Vielzahl von Menschen mit einer Hüftprothese üben regelmäßig Langlauf und Jogging aus, ohne einen negativen Effekt festzustellen.
Daher ist unter folgenden Bedingungen durchaus das Jogging zu empfehlen:
Unter Freizeitaspekten ist Kegeln durchaus empfehlenswert. Beim Ausfallschritt sollte das operierte Bein nach hinten gesetzt, das vordere im Kniegelenk gebeugt und stärker belastet werden.
Paddeln ist eigentlich unbegrenzt möglich, wenn das Ein- und Aussteigen gut gewährleistet ist. Dies ist bei einigen speziellen Booten (Wildwasserkajaks u.a.) schwierig. Falls das Boot einmal umkippt, könnte der Versuch, eine Eskimorolle zu probieren, zu einer Luxation der Hüftprothese führen.
Die Belastung der Sprung-, Knie- und Hüftgelenke ist beim Radfahren in sitzender Position niedriger als beim Gehen. Das Gewicht des Rumpfes, des Kopfes und der Arme wird annähernd komplett über die Sitzbeine auf den Fahrradsattel übertragen. Die Beine tragen nur ihr Eigengewicht, und auf die Beingelenke wirken zusätzlich nur noch die Muskelkräfte der unteren Extremität ein.
Da das Körpergewicht beim Radfahren die Hüftgelenke nicht belastet, dürfen Patienten mit einer Hüftprothese schon wenige Tage nach der Operation das Fahrradergometer benutzen, wenn der Arzt es erlaubt.
Freies Radfahren ist im Allgemeinen erst sechs Monate nach der Operation anzuraten, denn für Prothesenpatienten ist ein abruptes Abspringen beim plötzlichen Bremsen bedenklich. Patienten, die jahrelang nicht mehr Rad gefahren sind, muss jedoch von der Ausübung abgeraten werden, denn die Sturzgefahr ist zu groß. Sie sollten besser auf einem Ergometer trainieren.
MERKE
Helm und Hüftprotektor tragen!
Die Unfallstatistiken zeigen eine Reihe von Verletzungen durch das Radfahren, gerade bei älteren Menschen. Das Auf- und Absteigen, aber auch glatter Untergrund, eine unebene Strecke und Kollisionen sind gefährlich. Schenkelhalsfrakturen und Kopfverletzungen nach einem Fahrradsturz sind bei Menschen über 40 Jahren sehr häufig. Das Tragen eines Fahrradhelmes muss daher genauso obligatorisch sein wie ein Hüftprotektor.
Beim Fahren auf einem Rennrad sollten keine Pedale zum Einhaken verwendet werden, weil bei einem Sturz die Hüfte verdreht werden könnte. Beim Mountainbikefahren über unebenes Gelände ist nicht nur eine gefederte Vordergabel, sondern auch eine Federung im Hinterradbereich sinnvoll, weil bei holprigen Abfahrten der Sportler auf den Pedalen steht und die Schläge von den Pedalen auf die Hüftgelenke wirken können.
Bei passionierten Reitern ist erfahrungsgemäß mit einer frühen Lockerung der Hüftprothese zu rechnen. Die Ursachen sind unklar, möglicherweise ist eine zu starke Abspreizung schädlich. Auch ist die Sturzgefahr erheblich. Reiten ist deshalb nicht ratsam.
Auf das Rudern sollten Sie in den ersten drei Monaten nach Hüft- oder Knieprotheseneinbau verzichten, um keine Luxation oder Lockerung zu provozieren. Dann ist diese Sportart jedoch sehr zu empfehlen. Allerdings sind zum Tragen der Boote spezielle Rollwagen erforderlich.
Das Training auf einem Ruderergometer ist in den ersten 6 Wochen nicht sinnvoll, weil durch die Oberkörper- und Beinbewegung eine zu starke Hüftbeugung eintreten kann. Auch ist das Auf- bzw. Absteigen zu unsicher.
Übungen im Bewegungsbad sind sehr hilfreich und empfehlenswert, sobald die Wunde verschlossen ist. In den ersten drei Monaten darf kein Brustbeinschlag durchgeführt werden, um eine unwillkürliche Anspreizung zu vermeiden, nach drei Monaten ist auch Brustschwimmen mit Beingrätsche erlaubt. Schwimmen ist nun unbegrenzt möglich und sehr empfehlenswert.
Segelsport kann auf einem kleinen Optimisten oder auf einem Dreimaster betrieben werden. Demgemäß sind auch die Belastungen sehr unterschiedlich: Beim Ausreiten einer kleinen Jolle können teilweise starke Kräfte auf die operierte Hüfte einwirken. Auf einem Dickschiff dagegen lebt es sich bequemer, sofern kein Sturm aufkommt. Man sollte als Skipper mit einer Hüftprothese immer im Hinterkopf behalten, dass im Extremfall (Kenterung, Seenotfall) die Hüfte luxieren kann. Zu vermeiden sind auf jedem Fall Sprünge auf den Steg oder auf das Boot. Hier treten laut Statistik die meisten Verletzungen auf.
Beim Skifahren werden beide Beine belastet, wodurch die operierte Hüfte – ähnlich wie beim beidbeinigen Stehen – eher gering belastet wird. Zwar ist Skifahren wegen der Sturzgefahr und der möglichen Rotationskräfte bei Verdrehungen für Patienten mit einer Hüftprothese nicht unbedingt empfehlenswert, doch überwiegen die vielen positiven Auswirkungen auf Körper und Seele. Viele Hüftpatienten fahren seit Jahrzehnten Ski, ohne dass eine Lockerung der Prothese eingetreten ist.
Beim alpinen Skifahren mit einer Hüftprothese ist eine spezielle Fahrweise sinnvoll: Vermeidung von starker Druck- und Knickbelastung in der Hüfte, schulterbreites Fahren, keine Sprünge, möglichst keine Stürze. Eine spezielle Schontechnik wird im deutschen Skiverband zur Vermeidung von hohen Gelenkbelastungen gelehrt, dabei wird das Hüftgelenk nur mit dem 1,2-fachen des Körpergewichts belastet. Der operierte Skifahrer muss Eisplatten (Gefahr des seitlichen Sturzes auf den großen Rollhügel der Hüfte) ebenso meiden wie nassen oder verharschten Schnee (Gefahr der Hängenbleibens und damit der Hüftrotation oder des Sturzes). Eine seitliche Polsterung der Hüften ist zur Vermeidung von direkter Krafteinwirkung beim Sturz sinnvoll. Empfehlenswert sind relativ kurze Ski; zu lange Ski bergen die Gefahr größerer Rotationskräfte in sich, zu kurze Ski können allerdings einen Sturz nach hinten provozieren.
Die Verletzungsrate beim Skilanglauf wird mit 0,2 bis 1,5 Verletzungen pro 1000 Skitagen angegeben. Es ist zu bedenken, dass im Vergleich zum Alpinski die Skilanglauf-Bindung deutlich weniger Halt gibt, die Ski schmaler sind und die Schuhe eine schlechtere Skiführung ermöglichen. Deshalb sind Stürze durchaus häufiger, auch bei geringen Geschwindigkeiten. Die meisten Skilanglaufverletzungen entstehen durch Verdrehen des Unterschenkels. Deshalb sollte auch hier die seitliche Hüfte gepolstert und zur Dämpfung der Oberschenkelstauchung bei Stürzen sollten Knieschoner getragen werden. Vorsicht ist geboten bei engen, steilen, eisigen oder überfüllten Loipen: Hier kann man schon einmal »einfädeln« und mit der Skispitze hängen bleiben, wodurch die Hüfte in starker Rotation gezerrt wird. Eine gute Selbsteinschätzung ist hier gefragt.
Beim Stepptraining erfolgt die Bewegung der Füße meist vertikal in einem großen Bewegungsausschlag, wodurch eine starke Beugung im Hüftgelenk entstehen kann. Daher ist der Crosstrainer dem Stepper vorzuziehen, denn hierbei handelt es sich eher um eine weiche, ellipsenförmige Bewegung, bei der die Gelenke in begrenztem Umfang bewegt werden. Bei erlaubter Vollbelastung des Hüftgelenks ist dieses Gerät durchaus für ein Kraft- und Ausdauertraining zu empfehlen. Vorsicht ist angebracht beim Auf- oder Absteigen von diesen Geräten. Sie sollten daher in den ersten Wochen nur unter Anleitung der Therapeuten benutzt werden.
Die abrupten Stoppbelastungen beim Tennis sind eigentlich ungeeignet für Menschen mit einer Hüftprothese. Indessen können geübte Spieler die Belastung der Beine wohl dosieren: Nicht jeder Ball muss erlaufen werden und die Rotation in der Hüfte muss nicht bis zum Äußersten erfolgen. Manchmal ist das Spielen im »Doppel« daher sinnvoller. Auch ist es günstiger, auf einem Ascheplatz zu spielen, weil die Rutschphase einen Teil der beim Aufkommen wirkenden Kraft abfängt. Das Tennisspielen auf hartem Boden und stumpfem Belag (Filz) ist nicht zu empfehlen. Nicht wenige Menschen spielen nach Implantation einer Hüftprothese regelmäßig Tennis, sogar Tennislehrer sind jeden Tag mehrere Stunden auf dem Platz und haben auch nach zehn Jahren keine Probleme mit ihrer Hüftprothese.
Professionelles Volleyballspiel zeichnet sich durch einen hohen Anteil an Sprüngen und Bodenarbeit in tiefer Hockstellung aus. Es ist daher für Personen mit einer Hüftprothese nicht geeignet. Wird es aber modifiziert gespielt (keine Sprünge in extremen Situationen, etwa bei dem Versuch, einen schlecht gestellten Ball noch zu schlagen), so ist es durchaus erlaubt. Beim Blocksprung mit beidbeinigem Absprung und beidbeinigem Aufkommen ist die Belastung der Hüfte deutlich geringer als bei einbeinigem Sprung. Eine gute Halle mit Schwingboden verringert die Gelenkbelastung. Noch besser ist das Spielen im Sand, hier sind keine großen Kompressionskräfte auf die Hüfte nach einem Sprung zu erwarten.
Beim Walking ist der Aufprall der Ferse auf dem Boden (und damit die Gelenkbelastung) sanfter als beim Jogging. Zügiges Gehen unter Beachtung der Körperhaltung, des Armeinsatzes, des Rhythmus und des Tempos ist zum Training der aeroben Ausdauer zu empfehlen. Beim Walking sollte das Tempo bei etwa 4–5 km/h liegen, beim schnelleren Gehen bei 5–7 km/h. Auf Sportgehen mit Geschwindigkeiten von 8–16 km/h (und mehr) sollten Sie verzichten, da es dabei zu einer starken Hüftrotation und ungünstigen Belastung der Gelenke kommt. Das Gehen mit Stöcken beim Nordic Walking führt zu keiner messbaren Gelenkentlastung im Vergleich zum Walking, jedoch bedeutet der Einsatz der Stöcke für den Hüftpatienten mehr Sicherheit.
Längere Wanderungen, selbst flottes Gehen sind nach Implantation einer Hüftprothese erlaubt, am besten unter Verwendung von Ski-, Teleskop- oder Nordic-Walking-Stöcken. So waren bei einem 77-jährigen sportlichen Patienten, der regelmäßig am Wochenende 20 km wanderte und sogar einen mehrwöchigen Fußmarsch im Himalaja absolvierte, auch nach zehn Jahren keine Anzeichen einer Prothesenlockerung zu erkennen. Bergaufwandern und Bergabfahren mit der Seilbahn ist eine weitere Möglichkeit, das Hüftgelenk vor der Mehrbelastung beim Abwärtsgehen zu schonen.