Und der Autor sagt weiter:

„… natürlich ist es für einen Maler unmöglich, der Natur in allem genau zu folgen; er kann sich nicht zu dem gleichen Grad der Ordnung und der Unendlichkeit emporschwingen, aber er kann eine Art geringere Unendlichkeit erreichen. Zum Malen hat er nicht ein Tausendstel dessen zur Verfügung, was die Natur besitzt; aber er kann zumindest nicht ein Atom des Raumes, den er besitzt, leer und unbesetzt lassen. Wenn die Natur über Kilometer hinweg Allerkleinstes schafft, dann gibt es für ihn keine Entschuldigung dafür, wenn er auf ein paar Quadratzentimetern verallgemeinert. Und wenn er es schafft, uns alles zu geben, was er geben kann, und wenn er uns ein Gesamtbild liefert, das ebenso vollständig und geheimnisvoll wie das der Natur ist, dann werden wir ihm nicht vorwerfen, dass es das Gesamte einer Schale ist anstelle des Gesamten eines Ozeans. Unverzeihlich ist jedoch, wenn er unter dem Vorwand, dass er keinen Kilometer zu füllen hat, nicht einmal einen Zollbreit Leinwand füllt, und wenn er, weil ihm weniger Möglichkeiten zur Verfügung stehen, die Hälfte derer, die er besitzt, brach liegen lässt.

Noch weniger werden wir es ihm verzeihen, wenn er sich weigert, die Natur in ihrer sorgfältigen Arbeit nachzuahmen, und ihr nur in den Ruhestunden folgt, ohne zu beachten, was sie getan hat, um diese zu verdienen. Nachdem sie Jahrhunderte gebraucht hat, um einen Wald wachsen zu lassen, den Verlauf eines Flusses zu zeichnen und die Gebirge zu formen, triumphiert sie nun in aller Freiheit des Geistes über ihr Werk und spielt mit einem glänzenden Lichtstrahl oder mit einer schwebenden Wolke. Der Maler muss sich jedoch dieselben Mühen aufladen, wenn er dieselben Freuden genießen will. Deshalb soll er seinen Felsen gewissenhaft ziselieren, seinen Wald sorgfältig mit Blättern versehen, und dann soll er sich der Zerstreuung von Schatten und Licht hingeben, und man wird ihm dankbar dafür sein. Aber er soll nicht das Spiel vor dem Unterricht erlauben, das Beiwerk anstelle des Wesentlichen, die bildliche Darstellung statt der Tatsache“[8].

Und der junge Maler, der immer weiter las in der Hoffnung, dass er, bevor er in den Schlaf fiel, die Losung gegen die akademische Verallgemeinerung finden werde, die er so lange gesucht hatte, das höchste Modell, das den Modellen der Schule entgegenzustellen sei, kam zu jener letzten Seite des Werkes, der kühnsten, die bis dahin je geschrieben worden war:

„… von den jungen Künstlern darf in der Landschaft nichts toleriert werden als die getreue und reine Nachahmung der Natur. Sie sollen nicht die Ausführungen der Meister nachäffen, schwache und unvollständige unnötige Wiederholungen stottern und die Gesten des Predigers nachahmen, wenn sie weder dessen Gedanken verstehen noch seiner Gefühle teilhaftig werden können. Wir brauchen ihre formlosen Vorstellungen von der Komposition nicht, ihr unvollständiges Verständnis von der Schönheit, ihre vernunftlosen Versuche des Erhabenen. Wir verachten ihre Virtuosität, weil sie keine Richtung hat; wir lehnen ihre Entscheidung ab, weil sie unbegründet ist; wir stoßen ihre Komposition von uns, weil sie ohne Materie ist; wir ächten ihre Auswahl, weil sie keinem Vergleich standhält. Es ist nicht ihre Sache, etwas auszuwählen, zu komponieren, sich auszudenken oder auszuprobieren, sondern bescheiden und gewissenhaft den Wegen der Natur zu folgen und der Spur der Schöpfung Gottes.