Zu Hause balsamierte sie es ein, versteckte es in einem Blumentopf und setzte eine Basilikumpflanze darüber, die sie mit ihren Tränen goss. Von da an vergaß sie alles über dem geliebten Basilikum. Tag und Nacht weinte sie an der Pflanze, die herrlich wuchs und gedieh. Das erstaunte ihre Brüder, sie sahen nach, was unter dem Basilikum war, und „… obwohl die Sache aschgrau und abstoßend war, mit einem grünen Fleck darauf“, erkannten sie Lorenzos Haupt. Erschrocken ergriffen sie die Flucht und verließen ihre Heimat mit dem, was von dem Opfer noch übrig war. Aber von dem Tag an, da sie nicht mehr ihre geliebte Pflanze hatte, schwand Isabella dahin. Voller Trauer fragte sie alle, die sich ihr näherten, sogar die Rückkehrer von den Pilgerfahrten aus fernen Ländern, was aus ihrem Basilikum geworden war, erhielt keine Antwort und starb bald.

Das war die Geschichte, von der jeder der Präraffaeliten eine Szene darstellen sollte, wobei die Theorien der neuen Schule gewissenhaft angewendet werden mussten. Keine Nachahmung der Meister, keine Verallgemeinerung, jede der Figuren soll nach einem und nur nach einem einzigen Modell dargestellt werden, die Zeichnung sollte so ursprünglich und individuell wie möglich sein. Es wird auf weiße, nicht präparierte Leinwand gemalt, die Wahrhaftigkeit wird bis zum Äußersten getrieben. Mit einem Wort, Klarheit und Anwendung: earnestness. Aber während Rossetti noch diskutierte und Hunt sich daran machte, jedes Detail seines Themas auf das Genaueste zu studieren, hatte Millais sein Bild entworfen, gezeichnet und beendet. Bei den Ausstellungen von 1849, auf die sie alle drei hingearbeitet hatten, legte nur Millais ein von Keats inspiriertes Werk vor.[12]

Dieses Werk zeigt Isabella und Lorenzo, wie sie an einem Tisch sitzen und er ihr eine halbe Orange auf einem Teller reicht, während von den beiden Brüdern ihnen gegenüber einer eine Nuss zerbricht, der andere ein Glas an seine Lippen hebt, und beide argwöhnische Blicke auf das Paar werfen. Der näher sitzende tritt nach Isabellas Windhund und das arme Tier presst sich an die Knie seiner Herrin. Die meisten Gäste auf dem Bild essen oder trinken, ohne sich um die anderen zu kümmern. Es scheint ein Tisch in einem Gasthaus zu sein. Wenn die Liebenden etwas aufmerksamer wären, dann sähen sie das umgefallene Salzfass auf dem Tisch, ein böses Vorzeichen! Hinter ihnen steht ein eifriger Diener mit einer Serviette über dem Arm, und wacht über das Fest. Die Kleidung entspricht dem Florentiner Stil um das 14. Jahrhundert.

So sieht das Gemälde aus, das Hunt, und er hat ein wenig Recht damit, das erstaunlichste Bild nennt, das je von einem jungen Mann von zwanzig Jahren gemalt wurde. Die Theorien der Schule wurden darin durch Zufall gewissenhaft befolgt. Jede der Figuren war nach einem Modell und nur nach einem einzigen Modell gemalt. Jede Falte, jede Bruchstelle in den Stoffen war nach der Natur dargestellt, jede Ader der Finger, jede Lichtspiegelung auf den Fingernägeln, jeder Lichtstrahl entsprach der Realität, „… ohne etwas zu vernachlässigen, ohne etwas auszuwählen.“ So war jede Figur ein Porträt: Isabella war das der Madam Hodgkinson, der Frau des Halbbruders von Millais, und Lorenzo war das von William Rossetti, einem echten Italiener. Der Bruder, der zum Trinken ansetzt, ist das Porträt von Dante Rossetti. Ein alter Gast, der sich mit der Serviette die Lippen abwischt, ist das Porträt von William Bell Scott, einem guten Freund der Präraffaeliten, der ein mittelmäßiger Poet und ein sehr schlechter Maler war und nur ein Gemälde, Before the Flood, in der National Gallery sowie Radierungen und zwei Bände Erinnerungen hinterlassen hat. Ein eklektischer Mensch, der vor allem seinen Spaß daran hatte, Denker zum Materialismus hin zu bringen, die sich so hartnäckig dagegen sträubten wie Hunt und Rossetti.