Nun begann eine Zeit, die zwar noch nicht die des Triumphes war, aber auch nicht mehr die der Hetze. Die Akademie von Liverpool verlieh ihren Preis jedes Jahr an einen der P.R.B.’s Ruskin erwarb Aquarelle von Rossetti mit einer solchen Großzügigkeit, dass der Maler über dem Reichtum des Sammlers die Inspiration durch den edlen Kritiker ganz vergaß. Kunsthändler oder reiche Amateure lieferten ein paar Subsidien bei. Die Präraffaeliten vermehrten daraufhin ihre Anstrengungen. Hunt, Millais und Collins, der Bruder von Wilkie Collins, verbrachten einen Sommer im Surrey, um für den Hintergrund ihrer Bilder die Natur genau zu studieren. Dort bereiteten sie in der ländlichen Stille und Ruhe berühmte und unvergessliche Werke vor. So schuf Millais Ophelia und Der Hugenotte, Hunt den Mietschäfer und Das Licht der Welt. Noch nie wurde für die Einzelheiten eines Hintergrundes ein solches Maß von Beobachtung und Hartnäckigkeit aufgebracht. Millais wollte seine Ophelia im Fluss treibend malen, mit dem Gesicht zum Himmel, die Hände halb ausgestreckt im Wasser wie zur Danksagung, der Leib halb untergegangen zwischen den Gräsern, Nesseln, Maßliebchen, Weidenblättern und Kuckucksblumen. Das Kleid und die Umhänge blähen sich auf und verlieren nach und nach die Leichtigkeit, die sie noch an der Wasseroberfläche hielt, mit allem, was die junge Frau gewesen war, die unter den tief hängenden Blättern und den geradlinigen Schilfrohren langsam vom Wasser zu einem großen Fluss und zum Tode hin getrieben wird. Jedes Blatt der Bäume, das er malte und jeder Vers des Dichters, dessen Wortlaut er nachzeichnete, brachten Millais endlose Mühen, denn er wollte Shakespeare ebenso gerecht werden wie der Natur.[16]

Ihm zur Seite stehend, beendete Hunt den Hintergrund seines Mietschäfers und begann den für Das Licht der Welt. Das Licht der Welt ist ein mit Gold und Dornen gekrönter Christus, der eine lange Tunika trägt und den Chorrock, den die Priester anhaben, wenn sie die Vesper singen. Er geht in der Nacht durch eine baumbestandene Landschaft, hält eine Laterne in der Hand und bleibt vor einer armseligen Tür stehen, die zur Hälfte von Unkraut, von schmarotzenden Pflanzen, überwachsen ist und klopft an. Es ist ein Kommentar folgender Worte aus der Heiligen Schrift: „Hört! Ich steh’ an der Türe und klopfe. Wenn ein Mensch meine Stimme hört und die Tür öffnet, so werde ich bei ihm eintreten und mit ihm essen und er mit mir.“ Um die Bäume im Hintergrund und den Efeu im Vordergrund ganz naturgetreu darzustellen, ohne etwas zu erfinden oder zu verallgemeinern, ganz gewissenhaft und der Wahrheit entsprechend und in dem durch das Thema erforderlichen Licht, zwang sich Hunt, drei Monate lang draußen, in einem Obstgarten, von neun Uhr abends bis fünf Uhr früh bei allen Vollmondphasen zu arbeiten.

Als die beiden Freunde nach London zurückkamen, fanden sie lächelnde und wohlwollende Gesichter vor und Hände streckten sich ihnen entgegen. Die Stunde des Erfolgs rückte näher. Als Erster trug Millais im Salon von 1852 den Sieg davon. Seine Ophelia und vor allem Der Hugenotte wurden zwar noch von ein paar Kritikern angegriffen, machten ihn aber in den Augen der Öffentlichkeit zum Gewinner des Prozesses. In ganz England wurden Kopien verbreitet. Ein Jahr später wurde er zum Mitglied der Royal Academy ernannt und tauschte das Anhängsel P.R.B. gegen A.R.A. ein.

Dann hatte Holman Hunt mit Das Licht der Welt seinen Triumph. Die elegantesten Besucherinnen kamen in sein Atelier, um das Bild noch auf der Staffelei zu bewundern. Später, 1855, drang ihr Lehrmeister und Ratgeber Madox Brown mit seinem Der Letzte Blick auf England tief in die Seele des Publikums ein. Das Gemälde zeigte die Ausreise mehrerer erfolgloser Kameraden, die in Australien ihr Glück suchen wollten. Es zeigt ein junges Paar auf einem Segelboot, das mit dem Ausdruck tiefer Verzweiflung das Heimatland verlässt.[17]