Watts glaubte, dass die unteren Farben, wenn sie mit der Zeit hervorkamen, sein Bild heller machen würden statt es zu verdüstern, und genau das ist passiert. Das alles ist heute für niemanden mehr ein Geheimnis, aber damals, als Watts, Hunt und Millais anfingen, musste man Scharfsinn und beträchtliche Energie besitzen, um es wirklich zu tun.[28] Und dann bemühte Watts sich auch noch, keine Farben mit verschiedenen Grundbestandteilen zu verwenden, deren Mischung zerstörerische chemische Kombinationen ergab. Er kam auf die Idee, sie nebeneinander und nicht übereinander zu setzen, wenn er also einen rötlich-gelben Farbton brauchte, mischte er nicht Gelb und Rot, sondern setzte einen Tupfen Gelb neben einen Tupfen Rot und reihte sie auf diese Weise aneinander anstatt sie zu mischen, was bei einem gewissen Abstand ungefähr dieselbe Wirkung für das Auge hat. Und dieses Vorgehen, das die französischen Pointillisten als Entdeckung feierten, verbindet Watts mit der großen Schule der Präraffaeliten. Die Ursprünglichkeit der Geste und die Klarheit der Farbe: Watts wollte das Gleiche wie sie und zur gleichen Zeit wie sie, und wenn er der kleinen Gemeinde auch nicht angehörte, so hat doch die Seele der Gemeinde ihn unaufhörlich inspiriert.

Von Madox Brown zu Millais und von Watts zu Rossetti, von den Entwürfen für das Parlament bis zu Der letzte Blick auf England, von Isabella bis zum Hugenotten, wie auch von der Verkündung bis zu Dantes Traum. Zusammengefasst war die Bewegung von 1850 das: Neue Männer, die eine neue Kunst wollten, die die banale und verallgemeinernde Geste durch die neugierige, noch nie da gewesene und individuelle Geste ersetzen wollten. Und sie wollten die verschwommene, durch Überlagerung verstärkte Farbe durch die klare, trocken und ohne Grundierung aufgetragene und durch die nebeneinander gesetzte glänzende Farbe, mit einem Wort, die die ausdrucksstarke Linie an die Stelle der dekorativen Linie setzen und den lebhaften Farbton an die Stelle des warmen Farbtons. Das war, einfach ausgedrückt, die Bewegung der Präraffaeliten. Alles andere sind nur Wortgefechte.[29]

Aber dieser Bodensatz der Wahrheit, den wir am Grunde der präraffaelitischen Theorien finden, dieser „Niederschlag“, wenn man will, der im Destillierkolben der Analyse zurückbleibt, nachdem die Konzepte der hohen Ästhetik sich in Nebel aufgelöst haben, ist nicht zu verachten. Die präzise anstelle der vagen Bewegung suchen, auch wenn es der Genauigkeit eines Meissonier bedarf, und zu einer ausdrucksstarken anstelle einer rein dekorativen Form kommen, auch wenn es der außergewöhnlichen Fantasie eines Gustave Doré bedarf, ist ein großer Schritt, und genau dieser Schritt musste 1850 getan werden. Wenn die Verallgemeinerung eine Akademie oder eine Schule beherrscht, dann ist diese Schule verloren; um irgendwie vorgehen zu können, muss das Bündel der Vorschriften entknotet werden. Dann müssen die Stereotypen durchbrochen und die Gussformen weggeworfen werden. Dann müssen die Modelle verjagt werden, die sich von sich aus in die Pose des Donnergottes Jupiter und der Venus, die dem Meer entsteigt, werfen, und all die pompösen Linienführungen müssen aufgelöst werden, die keine bestimmte Haltung ausdrücken, sondern eine Geistes- und Körperhaltung, die für ein ganzes Ensemble von Ideen und Gefühlen benutzt werden. Denn dann lehrt man die Geschicklichkeit und nicht das genaue Studium, und man führt den Schüler zum Ergebnis, ohne dass ihm bewusst wird, wie er dort hinkam.