Das gleiche Verlangen nach Genauigkeit hat Bob Boot auf die Idee gebracht, seine Ansichten vom Meer und von den Flüssen an Bord eines für Fahrten zur See und im Süßwasser geeigneten Atelierschiffes zu malen, das er Thelis getauft hatte und dessen Ausfahrten bei den englischen Künstlern berühmt waren. Es stimmt zwar, dass Alma-Tadema viel schuf, aber er sagte und bewies es durch sein Beispiel, dass nichts ohne Mühe zu erreichen ist, und er hatte nicht die geringste Nachsicht für sein eigenes Werk. Wenn ihm ein Ausschnitt, der ihn tausend Mühen gekostet hatte, unnütz oder gefährlich erschien, sagte er: „Die Kunst lebt von Opfern!“ und zerkratzte ihn. Wenn ihm das ganze Werk nicht gut erschien, zerstörte er es ohne Zögern und mit lebhafter Fantasie. Eines seiner Werke, das er zur Ausstellung nach Brüssel geschickt hatte, wurde 1859 von der Jury abgelehnt. Das kam einer Brandstiftung gleich. Er bat seine Freunde, sich dieses Bild in seinem Atelier anzusehen, es zu durchlöchern und wie durch eine Tür hindurchzugehen. Er machte es selbst vor und sprang mit dem Kopf voran durch sein brennendes Bild. Dieser Scherz zeigt Mut. Er zeigt, dass es notwendig ist, sich anzustrengen, dass Durchhalten einen Preis hat und dass der Wille Macht verleiht. Das ist die wichtigste Lehre aus der englischen Malerei.
Es gibt noch andere, zahlreiche und nützliche Lehren über die Phänomene der Natur, über die historischen Ereignisse und über den Sinn des Lebens. „Jede große Kunst ist mehr oder weniger didaktisch“, sagt Ruskin, und auch: „Für das Volk muss die Kunst als Hauptziel didaktisch sein.“ Da ist die Erklärung und bis zu einem gewissen Grad auch die Entschuldigung für die äußerst genau ausgeführten Details und für die zahllosen Accessoires auf Kosten der Gesamtwirkung, mit denen die meisten englischen Gemälde überladen sind. Sie sollen den Betrachter instruieren. Nicht weil er eitel auf sein Können, sein Geschick und seine Virtuosität ist, studiert der englische Maler jedes Detail einer Blume oder eines Felsens: Es geht darum, das man nicht eine zweikeimblättrige mit einer einsamenlappigen Pflanze verwechselt oder granithaltigen Grund mit schieferhaltigem.
Schließlich hatte ja einer ersten P.R.B.’s, Collins, in einem seiner Bilder eine Alisma Plantago gezeigt, mit der er die Botaniker für seine Sache gewann. Chesneau erzählt von einem Gelehrten, der sich wunderte, in einem Museum für Zoologie das Bild Der Mietschäfer von Hunt zu finden und sich freute, im Vordergrund einen bewundernswert dargestellten Totenkopfschwärmer zu entdecken, eine Geranium Roberlianum und andere Pflanzen, die mit so einer wissenschaftlichen Genauigkeit gemalt sind, dass man das Bild für den Naturkundeunterricht benutzen könnte.[37] „Daher“, sagt Ruskin, „ist die Frage, ob man ein fertiges oder unfertiges Bild will, gar keine Frage des Geschmacks: es geht nur darum, zu wissen, ob man richtig oder falsch sehen will. Wer eher zur Dunkelheit als zum Licht tendiert, eher zur Illusion als zur Tatsache, der sollte lieber irgendetwas anderes machen als Kunst.“
Ruskin selbst erklärte ohne Zögern, dass die wissenschaftliche Lehre von den Gesetzen des Universums und von den historischen Ereignissen das wichtigste Ziel des Malers sein muss. Für ihn es gar nicht wichtig, über David Tenier Bescheid zu wissen, denn von diesem erfährt man weder etwas über den geologischen Aufbau des Bodens noch über die Familien der dort wachsenden Pflanzen oder über die dort stehenden Ruinen: „Ich sehe nicht,“ sagt er, was einen Meister von einem Neuling unterscheidet, wenn nicht das Vermögen, jene feineren Wahrheiten zu verkünden, von denen ich hier spreche. Denn einen Pinsel führen und den Rasen und die Gräser sorgfältig genug malen, dass sie Gefallen finden, das kann der Erstbeste in ein oder zwei Jahren lernen. Aber mit dem Rasen und den Pflanzen die Geheimnisse der Erfindung und der Kombination nachvollziehen, mit denen die Natur sich an die Intelligenz wendet, den feinen Bruch und die fallende Kurve oder die schattigen Wellen der aufgebrochenen Erde mit leichter Hand und so präzise wie die Berührung des Regens selbst darstellen, in all dem, was am unwichtigsten und verachtenswertesten erscheint, ein neues Zeugnis dessen zu entdecken, was die Göttliche Macht „… für den Ruhm und für die Schönheit“ tut, es erklären und denen zeigen, die nicht sehen und nicht denken, das ist gleichzeitig die ihm eigene Domäne eines höheren Geistes und genau die Aufgabe, die die Gottheit von ihm erwartet.[38]