Wenn das Kunstwerk also von allen geschaffen wird, wird es dann das Privileg einiger weniger wieder herstellen wie das Staffeleibild? Nein, die Kunst soll das Eigentum aller werden. Dann erst wird sie wirklich und eigentlich ein nützliches Werk sein.

„Wenn Sie delikate und harmonische Farbtöne und schöne Formen bei der Ausführung der Fenster sehen werden, wenn Sie auf der Straße hübsche Kleider sehen werden, die die schöne Silhouette derer hervorheben, die sie mit der Anmut einer Blume tragen, wenn Sie einen gewissen Sinn im Verhältnis und in der Harmonie der Farbtöne der alltäglichsten Arrangements der Bemalungen und Tapeten in Ihren Wohnungen spüren werden, wenn Ihre Stühle und Ihre Betten anmutige Linien aufweisen werden, wenn Sie auf Ihren Tischen Bücher vorfinden werden, die von ihren Verlegern und Zeichnern als der Literatur entsprechende Kunstwerke angesehen werden und die Ihre Freude verdoppeln, weil sie mehr als einen Ihrer Sinne ansprechen, dann werden Sie anfangen zu denken, dass etwas geschehen ist, dass ein neuer Geist das Land behaucht hat, der es möglich gemacht hat, dass solche Schönheiten auch dem geringsten Bürger zugänglich sind, und sich daran erinnern, dass man sie früher gar nicht bekommen konnte, nicht für Gold und auch nicht für Liebe.“[42]

Will man trotzdem die großartigen Entwürfe der Schöpfer von Palästen, von Bildern und von aristokratischer Pracht benutzen, dann wenigstens für solche Paläste, die jeder betreten und für Bilder, die jeder sehen kann und schließlich auch für große Volksfeste. So sieht es Watts. Aber auch Ruskin, der meint, dass die großen Werke des Mittelalters ihre Entstehung und ihren Glanz dieser Idee verdanken.

„Die wichtigste Voraussetzung für die Kunst ist, dass sie wahre Dinge ausdrückt oder eine nützliche Sache verschönert. Im segensreichen 13. Jahrhundert wurde durch die Kunst eine Religion ausgedrückt, die die Seelen damals verstehen konnten, und es wurden Gebäude von Bürgern verziert, die ihr höchstes Glück in der privaten Ehrbarkeit und in der öffentlichen Pracht sahen. Öffentlich, weil die Sitten einfach waren, und weil sie für die Monumente des gesamten Volkes arbeiteten, diese Maler, Schmiede, Sticker, Bildhauer, Juweliere und Zimmerleute, die zusammen mit den Händlern einen bedeutenden Dritten Stand bildeten. Damals wurde der Kanal von Naviglio Grande gebaut, der das Wasser aus dem Tessin über dreißig Meilen bis nach Mailand führte, dann die Stadtmauer von Mailand, die beiden Lagerhäuser in Genua und die Mauern der Kais und Aquädukte in den beiden Städten. Diese riesenhaften Arbeiten brachten Heere von Arbeitern und Künstlern auf den Plan, die sich damals noch nicht unterschieden, jeder Handwerker war gleichzeitig auch Künstler. Sie wurden vernünftig bezahlt; sie verließen ihre Gesellschaftsklasse nicht und arbeiteten auf edle und einfache Weise für die Stadt, so gut sie konnten.“[43]