Untersuchungsmethoden Für die große Zahl proktologischer Erkrankungen in der täglichen Praxis ist neben der Anamnese die klinische Untersuchung mit Inspektion und rektal-digitaler Austastung Standard. Ergänzend kommen die Spiegelung (Proktoskopie, Rektoskopie) und die transanale Endosonografie zum Einsatz. Bei Störungen der Kontinenz sind Spezialuntersuchungen wie anorektale Manometrie (Druckmessung), Defäkografie (radiologische Visualisierung der Stuhlentleerung) und neurophysiologische Funktionsanalysen indiziert.
Definition
Hämorrhoiden sind krankhafte Erweiterungen des submukösen arteriovenösen Gefäßgeflechts (Corpus cavernosum) im Analkanal.
Ursache In Deutschland ist jeder 5. Erwachsene betroffen. Es besteht eine angeborene Disposition (Bindegewebsschwäche). Obstipation, Schwangerschaft, sitzende Tätigkeit und lokale Infekte (Kryptitis, Proktitis) begünstigen die Entstehung.
Symptome Alle Hämorrhoiden entstehen im Analkanal und sind somit innere Hämorrhoiden. Der Begriff der „äußeren Hämorrhoiden“ wird in Laienkreisen verwendet, wenn man den Befund von außen sieht. In diesem Fall haben die (inneren) Hämorrhoiden eine Größe erreicht, dass sie durch den Anus nach außen prolabieren ( ▶ Abb. 24.1).
Abb. 24.1 Hämorrhoiden. Klinischer Befund Stadium III.
(Abb. aus: Rosenbusch G, Reeders JWAJ. Kolon – Klinische Radiologie, Endoskopie. Thieme; 1993)
Zusatzinfo
Diagnostik. Von den Hämorrhoiden abzugrenzen sind Befunde, die außerhalb des Analkanals entstehen:
Perianalvenenthrombose: Thrombosierung der perianalen Venen, von außen als blauschwarzer Knoten erkennbar
Mariske: verdickte perianale Hautfalte, durch Vernarbung entstanden
Für Hämorrhoiden gibt es mehrere Einteilungen. Die Unterteilung in 4 Schweregrade bzw. Stadien ( ▶ Tab. 24.1 ) entspricht dem klinischen Alltag. Anfänglich sind Hämorrhoiden von außen nicht sichtbar und bereiten keine Schmerzen. Später äußern sie sich durch gelegentliche Blutauflagerung beim Stuhlgang (Stadium I) sowie Jucken. Mit Größenzunahme des varikösen Geflechts prolabieren die Hämorrhoiden bei der Defäkation (Stadium II), reponieren jedoch meist spontan. Besteht der Hämorrhoidalprolaps längere Zeit (Stadium III), so resultiert eine massive ödematöse Anschwellung oder sogar die Einklemmung der vorgefallenen Knoten, was heftigste Schmerzen bereitet (Stadium IV, inkarzerierter Hämorrhoidalknoten).
Pflegepraxis
Stuhlgang. Häufigstes Symptom ist die anale Blutung. Prolabierende Hämorrhoiden behindern die Kontinenz und führen zu Nässen, Schmieren, stuhlverschmutzter Wäsche und Hautentzündung (Analekzem).
Stadium |
Symptome |
Stadium I |
gelegentliche Blutung, kein Prolabieren |
Stadium II |
Prolaps nur bei Defäkation (Pressen) |
Stadium III |
ständiger Prolaps, reponibel |
Stadium IV |
ständiger Prolaps, nicht reponibel (Einklemmung) |
Therapie Abhängig vom Ausmaß (Stadium) der Erkrankung stehen mehrere Behandlungsverfahren zur Verfügung:
Salben und Suppositorien werden im Frühstadium eingesetzt (gelegentliche Blutung, Juckreiz, kein Prolaps).
Eine ballaststoffreiche Ernährung (z. B. Weizenkleie) und reichlich Flüssigkeit sind empfehlenswert.
Kalt-feuchte Verbände mit Bettruhe sind beim Hämorrhoidalprolaps indiziert, damit eine Rückbildung des Ödems erzielt wird. Danach gelingt meist eine digitale Reposition.
Die Sklerosierungsbehandlung(Verödung) des kavernösen Gefäßgeflechts durch Unterspritzen mit einer sklerosierenden Flüssigkeit kommt bei Hämorrhoiden infrage, die nicht oder nur gelegentlich prolabieren.
Die Inzision (Spaltung) in Lokalanästhesie ist bei akut thrombosierten Knoten hilfreich, wobei die „Enukleation“ des thrombotischen Materials sofortige Schmerzlinderung bewirkt.
Die Gummiligatur ( ▶ Abb. 24.2a) wird um die Basis einzelner Knoten gelegt, die dadurch nekrotisch werden und nach ca. 1 Woche abfallen.
Die Hämorrhoidektomie (operative Entfernung, ▶ Abb. 24.2b) ist bei ausgedehntem Befund, wie rezidivierendem Prolaps oder Inkarzeration, indiziert. In Vollnarkose werden die zuführenden Arterien unterbunden und die Hämorrhoidalknoten abgetragen. Die Wunden werden nur teilweise verschlossen (sekundäre Wundheilung durch Granulation). Lokalinfekte gibt es hier praktisch nie.
Die Stapler-Hämorrhoidektomie ist ein Verfahren, bei dem die Hämorrhoiden mit einem endoluminären Klammerapparat (Stapler) zirkulär ausgestanzt werden.
Abb. 24.2 Therapie der Hämorrhoiden.
Abb. 24.2a Gummiligatur: Nach Fassen und Anheben des Hämorrhoidalknotens wird der Gummiring mit dem speziellen Applikator an der Basis des Knotens abgesetzt.
Abb. 24.2b Hämorrhoidektomie: operative Entfernung der Hämorrhoidalknoten.
Postoperative Komplikationen Typische postoperative Komplikationen sind Harnverhalt und Nachblutung.
Pflegepraxis
Darmentleerung. Die Vorbereitung des Patienten für eine Hämorrhoidenoperation erfolgt wie zu einer Rektoskopie (Klysma). Die komplette Säuberung des Dickdarms ist nicht erforderlich.
Wundbehandlung. Nach der Operation wird ein mildes Laxans oral verabreicht (z. B. Agiolax), um einen weichen Stuhlgang zu erzielen. Ein Sitzbad nach jedem Stuhlgang ist reinigend, wohltuend und heilungsfördernd.
Weitere Informationen zur Hautpflege bei Hämorrhoiden finden Sie in Kap. ▶ 24.2.1.
Definition
Unter einer Analfissur versteht man einen schlecht heilenden Einriss in der Schleimhaut des Analrings ( ▶ Abb. 24.3).
Abb. 24.3 Analfissur. Frischer Schleimhauteinriss vor dem After bei 12 Uhr.
Symptome Die Stuhlpassage verursacht einen brennenden Schmerz und gelegentlich leichten Blutabgang. Der Sphinktertonus ist krampfhaft erhöht.
Therapie Bei der akuten Fissur führen Maßnahmen zur Stuhlregulierung und eine adäquate Hautpflege (Kap. ▶ 24.2.2) innerhalb weniger Tage zur Abheilung. Wird die Fissur chronisch, versucht man den krankhaft erhöhten Sphinktertonus zu reduzieren. Dazu erhält der Patient einen Analdehner. Nur wenn konsequent eingesetzte konservative Maßnahmen nicht zur Heilung führen, ist eine operative Behandlung angezeigt: Exzision der Fistel und Einkerbung des Spinktermuskels in seinem unteren Teil (Sphinkteromyotomie). Die Kontinenz wird dadurch nicht beeinträchtigt.
Fallbeispiel
Analfissur. „Gestern beim Stuhlgang tat es extrem weh, direkt am After. Und heute Morgen wieder. Und es brennt danach wie Feuer.“ Herr Fesser hat öfters harten Stuhlgang. Nun hat er Angst vor dem nächsten. Am Toilettenpapier war etwas Blut. „Sind es Hämorrhoiden? Oder habe ich Darmkrebs?“, fragt sich Herr Fesser. Der Hausarzt schaut sich die Sache an. Hämorrhoiden sieht er nicht. Eine rektal-digitale Untersuchung gelingt nicht, weil Herr Fesser den Schließmuskel vor Schmerz zu stark zusammenkneift. „Ich schicke sie zu einem Proktologen“, lautet die Empfehlung. Der Enddarmspezialist sieht einen Schleimhauteinriss am After an typischer Stelle vorne, Richtung Skrotum. „Wir müssen erst mal was gegen die Schmerzen tun“, sagt er. „Der Schmerz verstärkt den Krampf vom Schließmuskel und umgekehrt. Der Teufelskreis muss durchbrochen werden, sonst heilt das nicht ab.“ Herr Fesser erhält eine Salbe mit einem örtlichen Betäubungsmittel und Vlieskompressen zum direkten Auflegen. „Harter Stuhlgang ist ganz schlecht, Sie müssen den Stuhl etwas weicher halten“, heißt es weiter. Herr Fesser soll ein mildes Laxans einnehmen und in 1 Woche wiederkommen. Da sind die Schmerzen schon deutlich besser, sodass der Proktologe den Enddarm spiegeln kann und eine Drucksonde einführt, um die Manometrie durchzuführen. „Ihr Schließmuskel ist chronisch verkrampft“, muss Herr Fesser hören und wird über den Gebrauch eines Analdehners aufgeklärt. Nach weiteren 6 Wochen konsequenter Therapie mit feuchter Analhygiene, Salben, Vlieskompressen und zarter Analdehnung ist die Fissur komplett abgeheilt. Eine Operation ist Herrn Fesser damit erspart geblieben. Eine Stuhlregulierung zur Verhinderung von zu hartem Stuhlgang muss jedoch weiterhin erfolgen.
Beim Analekzem handelt es sich um eine Hautreizung und Entzündung des Afters. Mögliche Ursachen sind ein unkontrollierter Stuhlabgang, allergische Reaktionen und ungenügende Analhygiene. Manchmal treten Analekzeme auch in Kombination mit Hämorrhoiden auf. Weitere Informationen, auch zur Hautpflege beim Analekzem, finden Sie in Kap. ▶ 24.2.3.
Definition
Eine Analfistel ist die Folge von Stau und Entzündung der Proktodealdrüsen am Enddarm, die in den Schleimhautfalten (Krypten) des Darmlumens gelegen sind ( ▶ Abb. 24.4). Breitet sich eine solche „Kryptitis“ in das Weichteilgewebe aus, so entsteht ein periproktitischer Abszess. Erreicht dieser die perianale Haut, spricht man auch vom perianalen Abszess.
Abb. 24.4 Anorektale Fisteln und Abszesse.
Diagnostik Die Basisdiagnostik mit Anamnese, klinischer Untersuchung und Rektoskopie reicht in 90 % der Fälle. Bei komplexen Befunden sind Endosonografie und MRT geeignete Verfahren.
Symptome Man erkennt beim perianalen Abszess neben dem After eine gerötete, äußerst schmerzhafte Schwellung ( ▶ Abb. 24.5). Häufig perforiert ein solcher Abszess spontan, wodurch eine Analfistel entsteht ( ▶ Abb. 24.6). Sie verbindet den Analkanal mit der perianalen Haut und durchquert in ihrem Verlauf häufig die Sphinktermuskulatur (transsphinktäre Fistel). Bei hoher Mündung in den Mastdarm spricht man von Rektalfistel.
Zusatzinfo
Analfisteln treten gehäuft bei Morbus Crohn auf.
Abb. 24.5 Perianaler Abszess. Der Abszess äußert sich durch schmerzhafte Schwellung neben dem After, hier kurz vor der Perforation (Pfeil).
Abb. 24.6 Analfistel. Man sieht im Bild links und unterhalb des Anus je eine perianale Fistelöffnung.
Therapie Ein Abszess wird zur Schmerzbeseitigung lediglich inzidiert (Abszessspaltung) und die Fistelsanierung in einer späteren Operation nachgeholt.
Bei einfachen Fisteln ist die Spaltung der über der Fistel liegenden Weichteile das beste Verfahren (Fistulotomie, Fissurektomie). Die Wunde bleibt zum besseren Sekretabfluss offen und heilt sekundär durch Granulation. Ein Teil des Schließmuskels kann dabei gespalten werden (Sphinkterspaltung), ohne dass die Kontinenz beeinflusst wird.
Je nach Ausdehnung der Fistel gibt es weitere Methoden, wobei die Fistel vorher operativ ausgekratzt wird (Kurettage):
Einlegen eines Fadens zum Offenhalten der Fistel (Faden- oder Seton-Verfahren)
Einspritzen von Medikamenten (Fibrinkleber)
Einbringen von resorbierbarem Fremdmaterial (Fistelplugs)
operative Weichteilverschiebung (Lappenplastik = Flap)
Definition
Als Analprolaps bezeichnet man den Vorfall der Analschleimhaut. In schweren Fällen kann sich die gesamte Rektumschleimhaut ausstülpen (Rektumprolaps).
Ursache Eine Muskelschwäche des Beckenbodens in höherem Alter ( ▶ Abb. 24.7) kann nach mehreren Geburten sowie nach chronischer Obstipation auftreten.
Therapie In leichten Fällen können digitale Reposition und Stuhlregulierung genügen. Andernfalls muss die Wand des Enddarms durch Laparoskopie operativ fixiert werden.
Abb. 24.7 Rektumprolaps. Bei schwerer Beckenbodeninsuffizienz kann sowohl das Rektum (R) als auch die Vagina (V) vorfallen.
Definition
Eine Steißbeinfistel (Pilonidalfistel, Pilonidalsinus) ist eine präsakrale Weichteilfistel.
Ursache Die Steißbeinfistel ist eine erworbene Erkrankung. Sie entsteht, wenn Haare in das Subkutangewebe einwachsen und sich entzünden.
Symptome Die häufige Pilonidalsinus-Erkrankung betrifft junge Erwachsene. Bei akutem Verlauf bildet sich ein schmerzhafter Abszess. Bei chronischer Entwicklung bilden sich über dem Kreuz- und Steißbein nässende juckende Fisteln mit geröteter Haut ( ▶ Abb. 24.8).
Therapie Es gibt eine Vielzahl von Behandlungsverfahren, jedoch keine allgemein akzeptierte Standardtherapie. Traditionell wird das entzündlich veränderte Gebiet oval exzidiert und offen gelassen. Nach Abklingen der entzündlichen Erscheinungen kann in zweiter OP eine plastische Deckung erfolgen (z.B. Limberg-Plastik). Die Rezidivrate ist mit über 30 % hoch, unabhängig vom eingesetzten Behandlungsverfahren.
Pflegepraxis
Wundpflege. Die offene Wunde nach Exzision der Steißbeinfistel wird feucht verbunden, was die Sekundärheilung durch Granulation fördert. Die Patienten sollten die Exzisionswunde mehrfach täglich ausduschen.
Abb. 24.8 Pilonidalfistel. Lokalisation der Fistelöffnung als dunkler Kreis über dem Steißbein. Die Hautläsionen seitlich davon sind vom Pflasterverband verursacht.
Den Weg zum Proktologen finden Menschen mit Analerkrankungen oder Stuhlkontinenzstörungen meist erst dann, wenn der Leidensdruck sehr hoch ist. Die vielfältigen Erkrankungen in diesem sensiblen Bereich sind mit Verschwiegenheit, Tabuisierung und Scham behaftet.
Im Volksmund werden die unterschiedlichsten Analerkrankungen oft pauschal unter der Rubrik „Hämorrhoidenerkrankung“ geführt. Viele Betroffene gehen erst dann zum Proktologen, wenn die Beschwerden, wie ständiger Juckreiz, Brennen, Schmerzen oder gar Blutabgang, nicht mehr mit den üblichen Hausmitteln (z. B. Salben und Zäpfchen, Sitzbäder) in den Griff zu bekommen sind.
Einen großen Stellenwert nimmt die Hautpflege ein, die hier exemplarisch für Hämorrhoiden, die Analfissur und das Analekzem beschrieben wird.
Die Vergrößerung der Hämorrhoiden und die Verlagerung nach außen (Prolaps) stellen den Krankheitswert dar. Die Beschwerden bei vergrößerten Hämorrhoiden äußern sich in Jucken, Brennen oder Nässen im Analbereich teils mit frischem, hellrotem Blutabgang.
Es gibt konservative und chirurgische Therapien zur Behandlung des Hämorrhoidalleidens (Kap. ▶ 24.1.1). Zur konservativen Therapie gehört unter anderem die Behandlung der erkrankten Analhaut, z. B. durch eine Verbesserung der Analhygiene.
Jucken und Brennen in der Analregion kommen daher, dass bei einer Vergrößerung des Hämorrhoidalpolsters die Schließfunktion des Afters eingeschränkt ist. Dadurch kann Darmsekret auf die Analhaut fließen. Das Sekret oder auch Stuhlpartikel bleiben auf der empfindlichen Analhaut liegen und verursachen so eine Rötung der Analhaut, ein Jucken und Brennen bis hin zum Fremdkörpergefühl am After.
Häufiges Reinigen der Analregion mildert das Jucken und Brennen meist nur für kurze Zeit. Die sensible Analhaut verliert durch die häufige mechanische Reinigung den natürlichen Säureschutz-Fettfilm, die Haut trocknet aus und wird empfindlicher und ungeschützter gegen das aggressive Sekret. Die darin beinhalteten Darmbakterien können leichter in die Haut eindringen (die Haut ist durch die Nässe aufgeweicht) und die Beschwerden auslösen.
Pflegepraxis
Analhygiene. Die beste Analhygiene ist die feuchte Reinigung der Analregion mit lauwarmem Wasser ohne Seife oder Duschgel (Bidet, Duschbad). Feuchtes Toilettenpapier enthält viele Zusatzstoffe, auf die die Haut allergisch reagieren kann, wirkt entfettend und ist hier nicht empfehlenswert. Ungeeignet sind auch unkomfortables Toilettenpapier („zu hartes Papier“) oder Intimwaschlotionen, Intimsprays usw.
Zum Schutz der erkrankten Haut eignen sich unsterile, weiche Vlieskompressen (10 × 10 cm), um das Darmsekret oder die Stuhlpartikel aufzufangen. Eine einzelne Kompresse wird leicht angefeuchtet oder trocken, je nach Zustand der Analhaut, direkt an den After vorgelegt. Die Wirkung dieser einfachen Maßnahme liegt darin, dass das Sekret nicht mehr direkt mit der Haut in Kontakt kommen kann und diese schädigt. Außerdem mildert eine leicht angefeuchtete Kompresse durch die Verdunstungskälte die Beschwerden. Das Vliesmaterial der Kompresse ist angenehm weich und so gut hautverträglich.
Das Bedürfnis, die Analregion mit einer Salbe zu pflegen, ist verständlich. Wie bei allen Hautpflegeprodukten gibt es hier auch ein vielfältiges Angebot. Es ist daher sorgfältig mit dem behandelnden Arzt abzuklären, welches Produkt momentan infrage kommt.
Pflegepraxis
Salben. Zu unterscheiden sind Salben, die einen therapeutischen Zweck erfüllen sollen und in den After eingeführt werden, oder pflegende Produkte, die auf die Analhaut aufgetragen werden.
Eine Analfissur (Fissura ani) ist ein schmerzhafter Einriss der Analhaut (Kap. ▶ 24.1.2).
Bei der akuten Form ist die Passage des harten Stuhlgangs für den Einriss der Haut verantwortlich. Symptomatisch verspürt man bei der Defäkation einen krampfartigen, stechenden Schmerz mit lang anhaltendem Brennen nach dem Stuhlgang. Blutauflagerungen auf dem Stuhlgang oder bei der Reinigung des Afters auf dem Toilettenpapier sind möglich.
Die Therapie beginnt mit der Stuhlregulation. Für die Schmerzminderung ist eine Salbe mit dem Zusatz eines Lokalanästhetikums (Wirkstoff: Cinchocain oder Lidocain) hilfreich, dies hat gleichzeitig einen therapeutischer Zweck. Die feuchte Analhygiene in Verbindung mit den Vlieskompressen unterstützt den Heilungsprozess.
Bei der chronischen Analfissur bestehen die beschriebenen Symptome seit einem längeren Zeitraum. Durch den ständigen Entzündungszustand verliert die Analhaut ihre Elastizität. Der Schleimhauteinriss wird mit Bindegewebe am Rand umbaut, verdickt und kann so schlecht abheilen. Des Weiteren verhindert ein zu hoher Muskeltonus (innerer Schließmuskelring) eine ausreichende Blutversorgung. Die Minderdurchblutung des Gewebes beeinträchtigt die Wundheilung der Fissur. Heilungsunterstützend wirken das konsequente Training mittels Analdehner und eine Salbe, die den Schließmuskel entspannt.
Die Indikation zur operativen Therapie ist dann gegeben, wenn eine chronische Fissur nach 3 Monaten konservativer Therapie nicht abheilt.
Bei der Nachbehandlung der Operationswunde kommen die gleichen pflegerischen Maßnahmen wie bei Hämorrhoiden zur Anwendung (Kap. ▶ 24.2.1).
Unter einem Analekzem versteht man die akut- oder chronisch-entzündliche Reaktion der Perianalhaut (After und die anale Hautumgebung) bzw. der endodermalen Auskleidung des Analkanals.
Das Analekzem ist die häufigste Begleiterscheinung der unterschiedlichen Analerkrankungen. Es gibt viele Formen: von zarter Rötung des Afters der perianalen Hautumgebung bis hin zu großflächigen, verletzten Hautarealen.
Die Grunderkrankung muss zuerst diagnostiziert und behandelt werden.
Pflegepraxis
Wundbehandlung. Die feuchte Analhygiene ist obligat. Die Verwendung der oben beschriebenen Vlieskompressen ist empfehlenswert.
Das erkrankte Hautareal braucht eine spezielle Hautpflege. Am besten ist ein pflegendes W/O-Salben-Präparat (W/O = Wasser in Öl), das der Haut Feuchtigkeit spendet, aber auch für die Rückfettung der Haut sorgt, wie z. B.:
Bepanthen Salbe (Wirkstoff: Dexpanthenol, Salbengrundlage: Lanolin)
Linola Fett (Wirkstoff: ungesättigte Fettsäuren – Linolsäure, 65 % Fettgehalt)
Bei einem ausgedehnten Analekzem kann vorübergehend auch die Abdeckung der Haut mit zinkhaltigen Salbenpräparaten vonnöten sein. Sie sollen die Haut vor dem Sekret aus dem After schützen, gleichzeitig sekretbindend wirken, wie z. B.:
weiche Zinkpaste (Wirkstoff: Zinkoxid)
Mytosil N Salbe (Wirkstoff: Zinkoxid 27 %, Wollwachs, Lebertran, Methylsalicylat, weiße Vaseline, Wasser, Pelargoniumöl)
d-line ZincCream (Wirkstoff: Zinkoxid, Aloe Vera, Ceramid, Glycerin, Panthenol, Urea, Vitamin-Komplex usw. )
Zusatzinfo
Zinkhaltige Salbenpräparate sind nicht zur dauerhaften Pflege der Analregion gedacht.
Zur Prophylaxe eines Analekzems, z. B. bei einer bestehenden Stuhlinkontinenz, gibt es auch sog. Barriere-Schutzcremes, die die Haut vorbeugend vor der Ausscheidung schützen. Sie bilden einen Film auf der Haut – dadurch wird die Haut weniger angegriffen, z. B.:
Aktiv Schutzcreme der Fa. Coloplast (ph-neutrale, fettfreie Schutzcreme)
3M Cavilon Langzeit-Hautschutz-Creme (bietet lang anhaltenden Schutz und spendet der Haut Feuchtigkeit)
Coryt Protect der Fa. Coryt Health and Care (hochwirksame Hautschutzcreme, atmungsaktiver Schutzfilm)
Diese Barriere-Schutzcremes sind besonders zu empfehlen, wenn das Tragen von Inkontinenzeinlagen oder -hosen notwendig wird.
Pilzinfektion Eine weitere Form des Analekzems kann sich durch die Besiedlung der erkrankten Region mit Pilzsporen ergeben (Analmykose). Im feucht-warmen Milieu der Analregion können sich Pilze sehr schnell vermehren und die erkrankte Haut sekundär besiedeln. Es zeigt sich eine rote, nässende Fläche, teils mit Bläschenbildung, der Rand zur gesunden Haut ist schuppig aufgeworfen.
Pflegepraxis
Wundbehandlung. Bei Pilzbesiedelung ist die lokale Anwendung von Antimykotika (Salben, Cremes, Lösungen, Gels) notwendig.