Achtes Kapitel

Nicht ein Weg, sondern verschiedene Wege

Als Seelsorger weiß Johannes Tauler: Es hat wenig Sinn, die Menschen mit einem religiösen Ideal zu überfordern. Auch wenn er immer wieder von der Einheit des Menschen mit Gott spricht, so ist ihm dennoch bewusst, nicht jeder ist für einen solchen Weg geschaffen. Nicht jeder kann in einem Orden, als Priester oder als Begine leben. Deshalb muss jeder den richtigen Weg für sich finden. Denn für jeden hat Gott einen bestimmten Weg vorgesehen, der ihn nicht überfordert: Gott sucht den Menschen auf „maniger wise“1286 („mannigfache Weise“). Denn so

„ungelich die lúte sint, also sint och ir wege zuo Gotte: das eins menschen leben were, daz were des anderen dot, und also als der lúte conpleccien sint und naturen, dar nach rihtet sich dicke ir genade.“1287

„verschieden die Leute sind, ebenso (verschieden) sind auch ihre Wege zu Gott: Was für den einen Menschen Leben wäre, das wäre für den anderen Tod, und nach der Leute Beschaffenheit und Natur richtet sich oft ihre Gnade.“

Es gibt also nicht nur den einen richtigen Weg zurück in den göttlichen Ursprung. Deshalb ist es die Aufgabe jedes Menschen, den richtigen Weg zu finden: „Des nim fúr allen dingen war weliches din ruof si in deme daz Got geruoffet hat, in deme volge“1288 („Das nimm vor allen Dingen wahr, welches dein Ruf sei, zu dem Gott dich gerufen hat“). Die Selbsterkenntnis bei der Einkehr in den Grund hat also neben der Erkenntnis der eigenen Gebrechen1289 auch die Erkenntnis des eigenen Weges zum Ziel1290:

„Wir súllent uns ... keren zuo uns selber und warten unsers ruoffes, wie, war und in weler wise uns der herre geruoffet het: den einen in ein innerlich schowen, den andern in ein wúrken, den dirten verre úber dise alle beide in ein minnenclich innerlich rasten, in eime stillen swigende anzuohangende in einikeit des geistes dem goettelichen vinsternisse.“1291

„Wir sollen uns ... zu uns selbst kehren und auf unseren Ruf warten, wie, wo und in welcher Weise uns der Herr gerufen hat: den einen in ein innerliches Schauen, den anderen zum Wirken, den dritten weit über diese beiden Weisen in ein liebevolles innerliches Rasten, in einem stillen schweigenden Anhangen in Einheit des Geistes mit der göttlichen Finsternis.“

Auch wenn manche von Gott zu einem „höheren Weg“ berufen sind, zur vollkommenen Einung, soweit das auf Erden möglich ist, so bedeutet das keinesfalls, dass diese Christen bessere Christen sind als die übrigen. Für Tauler gibt es keine zwei Kategorien von Christen:

„Ir lieben erbern lúte, nút enfúrchtet úch, es sint och lúte und lebent och die wasser trinken und guot girstin brot essent. Sie koment och also hin; enwellent ir nút hoeher komen, so enfúrchtet úch nút.“1292

„Ihr lieben, ehrbaren Leute, fürchtet euch nicht. Es gibt auch Leute, und sie leben auch, die Wasser trinken und gutes Gerstenbrot essen. Sie kommen auch dorthin; wollt ihr nicht höher kommen, so fürchtet euch nicht.“

Tauler ist völlig klar, dass nicht jeder zu dem Weg bestimmt ist, der ihn über alle irdische Seinsweise in Gott emporhebt: „Den nút ein iekliches verstot“1293 („Diesen Weg versteht nicht jeder“). Nur diejenigen könnten darüber sprechen, die diesen Weg gehen und ihn leben, aber da dieser Weg über alles Denken und Fühlen hinausgeht, „wissen“ die Betroffenen zwar davon, aber sie „enkúnnen doch nút gentzlichen do von gesagen“1294 („können doch nicht vollständig darüber sprechen“). Warum die Wege zurück zu Gott verschieden sind, erklärt Tauler ekklesiologisch aus der Konstitution der Kirche.

I. Verschiedene Ämter, aber ein Geist

Für Tauler besteht die Kirche – gemäß 1 Kor 12,6-12 – aus verschiedenen Berufungen oder Diensten, d.h. Ämtern, in denen der eine göttliche Geist wirkt.1295 So wie der Leib aus vielen Gliedern besteht, so sind alle Christen „ein licham und gelider under ein ander, und Christus ist dis lichams hobt“1296 („ein Leib und [viele] Glieder untereinander, und Christus ist dieses Leibes Haupt“). An diesem Leib gibt es für Tauler, der in einer mittelalterlichen Ständegesellschaft lebt, ganz selbstverständlich hierarchische Unterschiede.1297 Dabei gilt allerdings Taulers Wertschätzung immer wieder den „einfachen Leuten“, z.B. den Handwerkern1298 oder Bauern1299:

„Der eine kan spinnen, der ander der kan schuoch machen, und etliche die kúnnen wol mit disen uswendigen dingen, das si wol gescheffig sint, und das enkan ein ander nút. Und dis sint alles gnaden die der geist Gotz wúrket. - Wissent, und wer ich nút ein priester und wer under einer samenunge, ich nems fúr gros ding das ich koende schuoch machen, und die wolt ich in allen vor machen, und och wolt ich gerne min brot mit minen henden verdienen.“1300

„Der Eine kann spinnen, der Andere kann Schuhe machen, und etliche können wohl mit diesen äußeren Dingen (umgehen), mit denen sie beschäftigt sind, und das kann ein anderer nicht. Und dies sind alles Gnaden, die der Geist Gottes wirkt. – Wisset, und wäre ich nicht ein Priester und in einem Ordenskonvent, ich hielte es für ein großes Ding, könnte ich Schuhe machen, und das wollte ich besser machen als alles andere, und auch wollte ich (dann) gerne mein Brot mit meinen Händen verdienen.“

Der Mensch soll seine Fertigkeiten aus Liebe zum Wohle des Nächsten einsetzen und dadurch die Fähigkeiten des anderen ergänzen.1301 Auf diese Weise erweisen sich die Menschen „gnade ... umbe gnade“1302 („Gnade … um Gnade“). Wer aber seine Gnadengaben nicht für den Mitmenschen einsetzt, der muss vor Gott „rede und antwúrt dar ab geben“1303 („Rede und Antwort dafür stehen“). Worum es Tauler geht: Gott in das eigene Tun und Handeln mit einzubeziehen. Der Mensch soll „Got luterlichen und allein“1304 („Gott lauter und allein“) im Sinn haben und nicht an das Eigene denken, weder an „gevallen noch missevallen ... weder nutz noch lust ..., denne allein die ere Gotz“1305 („Gefallen noch Missfallen [bei den Leuten] ... noch an Nutzen, noch an Lust ..., sondern allein die Ehre Gottes“) ist das Ziel allen Strebens. Hierfür soll der Mensch in sich einkehren, d.h. ganz bei sich selber bleiben und Gott in sich hineinziehen, um vor allem wahrnehmen zu können1306, „was in jage oder tribe zuo dem werke“1307 („was ihn jage oder treibe zum Werk“): Ist es Gottes Geist oder der eigene? Allein auf Gottes Geist kommt es an. Wem es in allen Dingen einzig und allein um die Ehre Gottes geht, und wer sich deswegen dem Willen Gottes überläßt, der gerät in all seinem Wirken niemals in Unfrieden1308: „dannan von wirt geborn und gat us der weseliche fride ... . Aber der fride der von innen kumet, den enmag in nieman benemen“1309 („Daraus wird geboren und geht hervor der wesentliche Friede ... . Aber dieser Friede, der von innen kommt, den kann ihnen niemand nehmen“). Darüber hinaus wird der Mensch sensibel für das, was wirklich notwendig ist; er lernt, die „Unterscheidung der Geister“.1310 Er wird

„innerlichen war nemen wenne in der geist Gotz mane och ze lidikeit oder ze wúrklicheit, das er einem ieklichen volge und tuo usser der anwisunge des heiligen geistes: nu rasten, nu wúrken, und tuo denne sine werk als guetlichen und fridelichen. Do ein alt, krank oder unbehulfen mensche ist, dem sollte man engegen loffen und striten einr fúr den anderen, minne werk ze tuonde, und trage ieklichs des anderen búrdin.“1311

„innerlich wahrnehmen, wann ihn der Geist Gottes mahnt zum Ruhen oder zum Wirken, dass er einem jedem (Antrieb) folge und handle nach der Anweisung des Heiligen Geistes: nun Rasten, nun Wirken, und (dass er) dann sein Werk gut und friedlich tue. Wenn da ein alter, kranker oder hilfloser Mensch ist, dem sollte man (noch ehe er darum bittet) entgegenkommen, und einer streite mit dem anderen, (wenn es darum geht), Liebeswerke zu tun, und es trage jeder des anderen Bürde.“

Wer sich so verhält, kann innerlichen Trost und Freude erfahren. Jede „innerlich beruerunge“1312 („innerliche Berührung“) motiviert den Menschen, Gott noch mehr in die Werke mit einzubeziehen.1313 Er wird sich noch stärker in den Tugenden üben, die dabei helfen, sich Gott zu überlassen.1314 Die Tugenden aber werden vor allem im Dienst am Nächsten geübt, und darauf legt Tauler großen Wert:

„Wan du muost dich ueben, solt du kúnnen. Nút enwarte das dir Got die tugende in stúrze sunder din arbeit.“1315

„Denn du musst dich üben, sollst du (ein Meister werden). Erwarte nicht, dass dir Gott die Tugenden eingießt ohne deine Mitarbeit.“

Vielmehr sind die im Dienst am Menschen geübten Tugenden eine notwendige Voraussetzung dafür, dass der „vatter und der sun und der heilig geist in den menschen flussen“1316 („Vater und der Sohn und der Heilige Geist in den Menschen fließen“).

II. Gott ruft zu verschiedenen Wegen

Von Gott geht die Initiative aus. Er ruft den Menschen in seine göttliche Gemeinschaft.1317 Doch die Wege – bzw. die „Antworten“ des Menschen – sind verschieden, weil die Lebensumstände der Menschen verschieden sind:

„Unser herre ruoffet driger hande lúten. Den einen mit offenbaren schanden, umbe daz er ime den grunt behalte und in nochmoles erwerke ... . Die andern lúte zúhet er mit penitencien ... . Den dirtenmenschen zúhet Gott mit ime selber.“1318

„Unser Herr ruft dreierlei Art von Leuten. Den einen mit offenbaren Lastern, damit er ihm den Grund erhalte und er ihn (dann erneut) erwecke ... . Die anderen Leute zieht er zu sich durch Buße ... . Den dritten Menschen zieht Gott zu sich durch sich selbst.“

Auf dem ersten Weg erkennt der Mensch seine Sünden. Durch diese Erkenntnis findet er wieder den Weg zurück in seinen Grund, so dass ihm die Beziehung zu Gott nicht verloren geht. Auf dem zweiten Weg wird der Mensch zu Gott gerufen durch den bewussten Verzicht auf Dinge, welche die Sinne ansprechen, oder indem der Mensch schweigt, wenn er am liebsten reden möchte.1319 Der dritte Weg führt in die vollkommene Einheit mit Gott, den der Mensch nur gehen kann, wenn er sich Gott und allen Menschen völlig beugt, d.h. überlässt, im bewussten Verzicht auf den Eigenwillen und jegliche Selbstgefälligkeit.1320 Ähnliches gilt auch für die Tugendübungen. Der Gebrauch von Tugenden ist abhängig von der jeweiligen Situation des Menschen:

„Alleine uns ir aller not si, doch ist ein mensche an eime teile kranker wan an dem andern, und danvon bedarf er me flisses sich mit underscheide zuo uebende an einer me dan an der andern.“1321

„Obwohl wir (aller Tugenden) bedürfen, ist doch ein Mensch an einem Teil kränker als an dem anderen, und deshalb bedarf er mehr des Fleißes, sich mit Unterscheidung zu üben, an einer (Tugend) mehr als an der anderen.“

Nicht jeder ist also auf den selben Weg berufen, weshalb „ein ieklichs sehe och mit offenen innerlichen ogen weles sin weg si, und denne in welen in Got welle“1322 („ein jeder auch mit offenen, innerlichen Augen schaue, welches sein Weg sei und auf welchem Weg ihn Gott [führen] will“).

1. Dreierlei Leute: Beginnende, Zunehmende, Vollkommene

Tauler unterscheidet zwischen den beginnenden, den zunehmenden und vollkommenen Leuten.1323 Diese Einteilung darf man allerdings nicht im Sinne eines einzigen „Stufenweges“ verstehen1324, denn Tauler spricht beispielsweise von dreierlei Leuten, die zu verschiedenen „geistigen Graden“ berufen sind:

„Das sint drijer lúte. Das sint zuo dem ersten die anhebende lúte; die werdent geruffet in den nidersten grat. Dar nach zuonemende lúte in den andern grat. Das dritte das sint volkomene lúte und die in den obersten grat der volkomenheit.“1325

Das sind dreierlei Leute. Das sind zum Ersten die beginnenden Leute; die werden gerufen auf den niederen Grad. Danach die zunehmenden Leute auf den (nächsten) Grad. Die dritten sind die vollkommenen Leute, die auf den obersten Grad der Vollkommenheit (gerufen werden).“

Und in einer anderen Predigt heißt es:

„Got enzúhet sine diener nút in einen weg noch in ein werg noch in eine wise, sunder er zúhet sú do er ist, daz ist in alle werg, wege und wise, wanne Got ist in allen dingen alleine guot.“1326

„Gott zieht seine Diener nicht (nur) auf einem Weg noch durch ein Werk, noch auf eine Weise, sondern er zieht sie dort hin, wo er ist, durch alle Werke, auf allen Wegen und Weisen, denn Gott ist in allen Dingen, die gut sind.“

Es sind also nicht alle Menschen zum gleichen Weg berufen, aber alle Wege führen zu Gott, wenn auch die Intensität der Einung mit Gott – wie sie auf Erden möglich ist – auf dem oberen Grad am höchsten ist.1327 Auf den ersten beiden Wegen agiert der Mensch zwar stärker mit seinen sinnlichen Kräften und mit seiner natürlichen Vernunft1328, aber auch diese für Tauler „unvollkommenen Wege“ führen zu Gott, wenn sie in rechter Weise beschritten werden.1329 Auf welche Weise „antworten“ nun die Menschen im Einzelnen auf den Ruf Gottes? Bei Tauler zeigt sich immer wieder, dass er die konkrete Situation der Menschen im Auge hat. So kann sich der Mensch z.B. von den zehn Geboten leiten lassen1330:

„Etliche ding die sint uns gebotten und etliche die sint uns verbotten. Die ding die uns gebotten sint, das ist das hoechste gebot: das wir Got vor allen dingen súllen minnen. ... Das ander: du solt minnen dinen nechsten als dich selber, das ist zuo dem selben guote do du dich selber minnest.“1331

„Etliche Dinge sind uns geboten und etliche sind uns verboten. Unter den Dingen, die uns geboten sind, ist dies das höchste Gebot: Dass wir Gott vor allen Dingen lieben sollen. ... Das andere (Gebot): Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; das heißt, dass du ihm das gleiche Gute wünschst wie dir selbst.“

Unterlassen soll man es, dem Anderen an Leib, Gut und Ehre mit Worten und Taten Schaden zufügen zu wollen, sein Eigentum zu begehren; schließlich ist es verboten, unkeusch zu sein.1332 Unter Unkeuschheit versteht Tauler nicht in erster Linie die leibliche, sondern eine geistige, die schädlicher ist als die andere1333:

„Das ist in einem geistlichen sinne, ob es nút groblich enist, do zuo dem minsten bist verbliben uf den bilden. Und dem froemden dem du nach bist gangen, dinem minner, das sint alle die froemden bilde und fúrwúrffe.“1334

„Das ist in einem geistlichen Sinne zu verstehen, wenn es nicht grob ist, dass du zumindest bei den Bildern [d.h. bei den bildhaft-sinnlichen Vorstellungen] verblieben bist. Und dem Fremden, dem du nachgegangen bist, deinem Liebhaber, das sind alle die fremden Bilder und Gegenstände.“

Tauler sieht in der Lehre der Kirche eine notwendige Hilfe für den Weg des Christen zurück in Gottes Gemeinschaft. Ihre maßgebliche Aufgabe ist es, dem Menschen zu einer Vertiefung seiner Gottesbeziehung zu verhelfen1335:

„Weler mensche disen weg recht gat und in dem woren rechten gelouben undertenig und gehorsam si der heiligen kilchen nach rechter ordenunge, so ist es der niderste grat in dem man dem ruoffe Gotz volget.“1336

„Welcher Mensch diesen Weg recht geht und im wahren, rechten Glauben untertänig und gehorsam ist der heiligen Kirche in rechter Ordnung, so ist das der niedere Grad, auf dem man dem Rufe Gottes folgt.“

Auf dem höheren Grad geht der Gläubige den Weg des göttlichen Rates, womit Tauler die Evangelischen Räte meint, „kuscheit des lichamen und armut und gehorsamkeit“1337 („Keuschheit des Leibes und Armut und Gehorsam“), die vor allem von Ordensleuten und Priestern in rechter Weise gelebt werden können.1338 Auf dem Weg des göttlichen Rates kommt der Mensch weiter als auf dem des ersten Weges.1339 Mit diesem Weg verbindet Tauler jedoch keine besonderen Privilegien. Denn der höchste Weg ist keinem Menschen verschlossen. Der oberste Weg besteht darin,

„nach ze volgende den minneklichen bilden sines aller gemintesten suns uswendig und indewendig, in wúrklicher wise und in lidelicher wise und in biltlicher oder in schowelicher wise úber alle bilde.“1340

„nachzufolgen äußerlich und innerlich dem liebevollen Bild seines geliebten Sohnes, in wirkender und in leidender Weise, in bildlicher Weise [d.h. in der Betrachtung mit Hilfe der Vorstellungskraft] oder in beschauender Weise jenseits aller Bilder.“

Tauler geht es um ein tiefes religiöses Leben, wofür man weder Priester noch Ordensangehöriger sein muss. Grundsätzlich kann jeder Mensch das „aller hochste zil“1341 („allerhöchste Ziel“) erreichen, die „úberformunge der geschaffenen geiste von dem ungeschaffenen geiste“1342 („Überformung der geschaffenen [menschlichen] Geister durch den ungeschaffenen Geist [Gottes]“), indem er sich äußerlich und innerlich mit Christus vereinigt und ihm „weselichen und wúrklichen“1343 („in Sein und Wirken“) nachfolgt.

In einer anderen Predigt unterscheidet Tauler ebenfalls zwischen drei verschiedenen Wegen1344: Jesus Christus ist wie ein Gutsbesitzer, der Menschen sucht, die in seinem Weinberg – Himmel und Erde – arbeiten, weil der Mensch dazu geschaffen worden ist.1345 Die Menschen gehen aber „ungelich“1346 („ungleich“, d.h. auf verschiedene Weise) in diesen Weingarten:

„Die einen daz sint anhebende lúte, die gont darin mit usserliche arbeite, in sinnelicher wisen und mit iren eigen ufsetzen und verblibent doch in dem daz sú grosse werg tuont, also vasten und wachen und bettent vil.“1347

„Die einen sind die beginnenden Leute, die gehen dort hin mit äußerlicher Arbeit, in sinnlicher Weise und mit ihren eigenen Vorsätzen und verbleiben doch darin, indem sie große Werke tun, wie Fasten und Wachen, und sie beten viel.“

Weil sie aber in ihrem äußeren Tun verharren, können sie nicht tiefer in ihren Grund einkehren, was sich im äußeren Verhalten bemerkbar macht.1348

Die Nächsten haben sich einem „hoehern grote“1349 („höheren Grad“) zugekehrt, weil sie ihre sinnliche Befriedigung abgelegt und manche größere Verfehlung überwunden haben. Diese Menschen „wandelent in der vernúnftigen uebunge“1350 („wandeln in der vernünftigen Übung“), doch finden sie in der Gotteserkenntnis mit Hilfe der Vernunft solch eine Freude, dass sie darauf nicht mehr verzichten wollen und somit die „aller nehesten worheit“1351 („allertiefste Wahrheit“) nicht erreichen. Die Dritten sind die „minnencliche menschen“1352 („liebreichen Menschen“). Sie haben alle Abhängigkeit von sinnlichen und vernünftigen Übungen überwunden und streben nach Gott in seiner reinen Seinsweise – nach dem einen Gott:

„Die gont úber alle ding und gont ordenlichen und edellichen in den wingarten, wanne die menschen die enmeinent noch enminnent nút denne Got, in ime selber und ensehent weder uf lust noch uf nutz noch uf enkein ding, niht uf alle die usflússe die zu Gotte gefliessen múgent, dan sú versinkent inrelichen einvalteklichen in Got und sú alleine Gotz lop und sin ere, daz sin ewig wolgevelleclicher wille alleine gewerde in in und in allen creaturen.“1353

„Diese (Menschen) gehen über alle Dinge, und sie gehen ordentlich und edel in den Weingarten, denn diese Menschen meinen und lieben nichts als Gott, so wie er in sich selber ist, und sie sehen weder auf Lust noch auf Nutzen, nicht auf all die Ausflüsse, die aus Gott fließen können, denn sie versinken innerlich (und) in Einfalt in Gott und suchen alleine Gottes Lob und Ehre, damit sein ewiger wohlgefälliger Wille allein erfüllt (werde) in ihnen und in allen Geschöpfen.“

Diejenigen, die den dritten Weg gehen, leben die von Tauler und Eckhart geforderte Gelassenheit.1354 Sie sind bereit, um des Willens Gottes wegen zu leiden, sich von allem zu lösen, was Gott ihnen geschenkt hat, um ihm alle Gnadengaben auf diese Art zurückzugeben, weil sie sein Eigentum sind:

„Wanne so sú alle ire goben wieder tragent und nút werdent enthalten weder in luste noch in nutzen noch dis noch daz, sus noch so, so muos Got von not ir enthalt sin inrelichen.“1355

„Denn weil sie alle ihre Gaben wieder (zu Gott) tragen und nichts für sich behalten, weder durch Lust noch durch Nutzen, noch dies noch das, weder so noch so, so muss Gott notwendigerweise ihr Aufenthalt sein, innerlich.“

Gott beruft also den Menschen, entsprechend seiner individuellen Veranlagung, auf einen ganz bestimmten Weg – z.B. den des Beginnenden, Zunehmenden oder Vollkommenen. Tauler gibt jedoch dem dritten Weg den Vorzug. Für ihn besteht kein Zweifel: Die Wege führen nicht gleichermaßen vollkommen in den göttlichen Ursprung. Wer jedoch auf den vollkommenen Weg berufen ist, muss zuvor auf den ersten beiden Wegen geschritten sein.1356 Festzuhalten gilt aber: Auf allen diesen Wegen kann der Mensch zu Gott gelangen. Nicht derjenige ist der bessere Christ, der den vollkommenen Weg eingeschlagen hat, sondern wer der ihm bestimmten Richtung auf rechte Weise und in Treue folgt.

Die bisherigen Ausführungen zeigen, dass die Dreierzahl bei Tauler eine wichtige Bedeutung einnimmt. Mit der Einteilung in drei Grade folgt Tauler der Tradition.1357 Doch der Eindruck, es gehe dabei nur um drei Wege bzw. um einen Stufenweg, täuscht.1358 Es sind viele Wege, die zu Gott führen.

2. Verschiedene Heilige

An Allerheiligen spricht Tauler – in einer Predigt über die Seligpreisungen – von der Schar der Heiligen und deren Bedeutung für den Christen.1359 Die Heiligen sind für Tauler vor allem Vorbilder. Sie weisen durch ihr Leben auf das Ziel des menschlichen Lebens hin, denn sie sind Jesus auf den Berg der Seligkeiten gefolgt, d.h. in die Seligkeit und in das göttliche Sein Jesu Christi – in die eine Göttlichkeit.1360 Dabei betont Tauler: Jeder Heilige folgte dabei „sime ruoffe also ime got geruoffet hat“1361 („seinem Ruf gemäß, so wie ihn Gott gerufen hat“). Jeder Mensch wird auf ganz individuelle Weise in die Nachfolge gerufen. Deswegen soll jeder Christ auf das Vorbild aller Heiligen achten, und

„ein iegliches sol sins ruoffes warnemen vor allen dingen, weliches sin ruof si do ime got inne geruoffet hat, und volge demme.“1362

„ein jeder soll seinen Ruf wahrnehmen vor allen (anderen) Dingen, welches sein Ruf sei, womit ihn Gott hineingerufen hat, und (diesem Ruf soll er dann) folgen.“

Wahre Heiligenverehrung besteht von dorther aus einem praktischen Tun, nämlich dem Beispiel der Heiligen zu folgen, sich von allem loszulösen, was nicht zu Gott führt, und mit den Heiligen in den Seelengrund zu versinken, wo diese ihre Seligkeit gefunden haben.1363 Die unterschiedlichen Wege der Heiligen entsprechen dabei den verschiedenen Wegen der Menschen zu Gott.

Diese Wege deutet er sodann im Kontext des Alten und Neuen Testaments. Die Ersten, die Christus nachfolgten, sind für Tauler die Väter des Alten Testaments. Sie lebten „in quellender begerunge, und geloubten das er kummen solte“1364 („in drängendem Verlangen und im Glauben, dass er kommen werde“). Ihr Vorbild für den Christen besteht nun darin, dass sie „von innen lidig und blos alles das nút got enwas“1365 („innerlich ledig und bloß von all dem sind, was Gott nicht ist“). Doch innerlich abgeschieden, sind sie vom Äußeren nicht gelöst, weil sie mit Israel, dem „erwelten volke“1366 („erwählten Volk“), „in grosser minne teilten“1367 („in großer Liebe teilten“), was sie an Liebe und Hoffnung von Gott erhalten hatten und dadurch der Geburt Christi dienten. Nach den Patriarchen des Alten Testaments folgen die Apostel Jesus Christus auf einem „vil höhern weg“1368 („viel höheren Weg“), denn sie lebten nicht nur innerlich ledig und losgelöst, sondern sie verzichteten auch äußerlich auf allen Besitz und lebten im höchsten Grad in geistiger und materieller Armut.1369 Den Aposteln schließen sich die Märtyrer an, die neben ihrem Besitz auch noch ihr Leben ließen.1370 Dann kommt die Schar der „heiligen bihtere“1371 („heiligen Bekenner“), die ihrem Ruf „in maniger wise gevolget“1372 („in unterschiedlicher Weise gefolgt“) sind. Gemeinsam ist den Bekennern, dass sie sich von allem und sich selbst loslösten, um Gottes Willen allein zu befolgen.1373 Auch ihre Wege sind verschieden:

„Die einen hant gotte alleine gelebet in abegescheidenheit, und hant der worheit von innen wargenummen in eime stillen swigende hören was got, daz ewige wort, in in spreche; und sóliche geflúhen in die welde, in die hule; die anderen, in die heiligen òrdene, und man die hielt; sólich hant in der heiligen cristenheit gelebet mit bredigende und mit schribende und mit bihte hörende, und lerende und stroffende.“1374

„Die Einen haben (in) Gott allein gelebt in Losgelöstheit und haben die Wahrheit von innen wahrgenommen in einem stillen Schweigen, um zu hören, was Gott, das ewige Wort, in ihnen spreche; andere sind in die Wälder geflohen, in eine Höhle; die anderen in die heiligen Orden und haben (deren Regeln) gehalten; (wieder) andere haben in der heiligen Christenheit gelebt mit Predigen, Schreiben, Beichte hören, Lehren und Strafen.“

Es folgen sodann die Jungfrauen und schließlich die Schar der „gemeinen lúte“1375 („einfachen Leute“). Obwohl diese mit den äußeren Dingen zu tun haben, gelangen auch sie in Gottes Reich „durch den glouben und gotzfrunde gebet“1376 („durch ihren Glauben und durch das Gebet der Gottesfreunde“).

Tauler entwirft ein Bild der Kirche als ein Volk von Heiligen, in welchem die einzelnen Glieder der Kirche auf unterschiedlichen Wegen unterwegs zu Gott sind, jedoch dasselbe Ziel vor Augen haben, die Seligkeit. In den Heiligen sieht Tauler jeden Gläubigen, der seiner persönlichen Berufung in Treue folgt, um mit dem trinitarischen Gott eins zu werden.

3. Vier Maße – zwei Wege

In zwei Predigten spricht Tauler von den vier Maßen, die dem Menschen von Gott zuteil werden sollen.1377 Tauler beschreibt dabei den gesamten spirituellen Weg des Menschen zurück zu Gott. Dabei deckt sich die „vierfache oder – reduziert – dreifache Maß-Metaphorik ... teilweise mit der Drei-Wege-Lehre und mit dem Ternar jubilacio, getrenge, úbervart“1378 (Jubel, Bedrängnis [verstanden als Nacht und Gottesferne], Durchbruch).1379 Welches Maß dem Menschen gegeben wird, ist abhängig davon, wieweit das Gemüt1380 – die äußeren und inneren Kräfte – des Menschen auf Gott hin ausgerichtet ist: „do mit wirt gemessen. In diser mosse so wirt Got gemessen, was dir des werden sol“1381 („Damit wird gemessen. Und dieses Maß wird von Gott gemessen, [um zu bestimmen], was er dir geben wird“). Das Maß aber, mit dem Gott misst, ist die „minnende kraft, das ist der wille“1382 („Liebeskraft, der Wille“), d.h. die gelebte Gottes- und Nächstenliebe.1383

Das gute Maß besteht darin, dass der Mensch „sinen willen zu Gotte kere und lebe in den gebotten Gotz und der heiligen kilchen“1384 („seinen Willen zu Gott kehre und lebe nach den Geboten Gottes und der heiligen Kirche“): den rechten Empfang der Sakramente, wahre Reue und Umkehr, ein Leben der Buße, wahre Gottesfurcht und aufrechte Gottes- und Nächstenliebe.1385 Um dieses gute Maß1386 zu erlangen, soll sich der Mensch von aller Abhängigkeit befreien, um von der Liebe, den Gedanken und der Gunst der Mitmenschen unabhängig zu werden.1387 Ziel ist es, frei zu sein für das Wirken von Gottes Geist im Menschen.1388 Dieses gute Maß ist ein Weg unter anderen, zu dem Gott „etteliche lúte geladen und geruoffet“1389 („viele Leute geladen und gerufen“) hat, und er „enhoeischet nút me von in denne dis“1390 („verlangt nicht mehr von ihnen als dies“). Die Christen dieses Weges gelangen ebenso geradewegs in das ewige Leben wie die des höheren Weges; sie erfahren keinerlei „Benachteiligung“.1391

Diejenigen, die zu einem höheren Grad berufen sind, sollen innerliche Menschen werden.1392 Dafür benötigen sie ein „úberstrichende“1393 („übervolles“) bzw. ein „zu gegeben mosse“1394 („zu gegebenes Maß“1395). Dieses Maß wird dem Menschen von Gott zuteil, wenn er „in kert allen sinen flis Got ze suochende in dem grunde, wan do ist das rich Gotz“1396 („einkehrt mit allem seinem Fleiß, um Gott zu suchen in dem Grunde, denn dort ist das Reich Gottes“). Tauler fordert konkret, das gesamte Leben zu überprüfen und das, was hindert, loszulassen:

„Besich dich selber in aller diner wandelunge und minne und meinunge, wort, werk, kleider, kleinoeten, frúnt, mage, gut, ere, gemach, gelust, gelas und sitten: so was an allem dinem lebende ist das dich hindert das Got in dir nút enlebet noch nút enwúrket noch ein wore sache enist, entrúwen kint, das solt du alles abstrichen, solt du ein inwendig edel mensche werden. So solt du prueven die uswendigen uebungen, die einen grossen schin habent: vindest du das si dich hinderent, so strich si ab!“1397

„Sieh dich selber an in allem deinem Wandel, in deiner Liebe, in deinen Absichten, in Wort und Werk, Kleider und Kleinodien, in Freunden und Verwandtschaft, in Gut und Ehre, in Bequemlichkeit, Freuden, Haltung und Sitten: Alles, was dich in deinem Leben hindert, so dass Gott in dir nicht leben noch wirken noch eine wahre Sache ist, wahrhaftig Kind, das sollst du abstreifen, wenn du ein innerlicher Mensch werden sollst. So sollst du (auch) die äußerlichen (Frömmigkeits)übungen prüfen, die einen (schönen) Anschein haben (können). Findest du, dass sie dich behindern, so streife sie ab.“

Die äußeren Übungen1398 haben nur eine Aufgabe, den Menschen für ein Leben in Gott vorzubereiten; die Übungen haben ihren Zweck nicht in sich selbst. Vor allem sollen sie dem Menschen niemals Schaden zufügen: „Aber do ein krank mensche ist eines kranken hobtes ... und bevint der mensche das, das es sin nature qwetschet und wil verderben, so striche er abe“1399 („Aber wenn ein kranker Mensch Kopfschmerzen hat ... und er findet, dass es seine Natur bedrückt und verderben will, so streife er es ab“). Außerdem verlange auch die Kirche nicht, dass sich jemand „solte verderben“1400 („sollte [seine Gesundheit] verderben“). Der Unterschied zu dem, der ein gutes Maß besitzt, besteht darin, dass der innerliche Mensch auf alles, was Gottes Wirken behindert, bewusst verzichtet, während der andere mit den Hindernissen weiter lebt. Wer aber den Weg des übervollen Maßes geht und alle Hindernisse loslässt,

„so engegen loft ime manig wunneklich fúr wurf, das im grosse suessekeit und so grosse wollust inkumet in bevintlicher wise das die wollust durch gat geist und nature. Und die genuegde, der trost und das bevinden das gat unsprechlichen úber aller diser welte froeide, das in den menschen geborn wirt, das lustlich und wunneklich ist.“1401

„so kommt ihm manches erfreuliche Ding entgegen, so dass ihm große Süßigkeit und so großer Genuss in fühlbarer Weise zuteil wird und die Lust durch Geist und Natur (des Menschen) geht. Und die Genugtuung, der Trost und die Erfahrung gehen unaussprechlich über alle Freude dieser Welt; was im Menschen geboren wird, das ist lustvoll und wonnevoll.

Doch bei dieser Freude bleibt es nicht auf Dauer, denn Freude und Trost sind nur ein Mittel, um den Menschen zu motivieren, sich Gott immer mehr zu überlassen.1402 Da die Gefahr besteht, dass sich der Mensch in seinem Trost ausruht, er bequem und träge wird und deshalb nicht mehr Gott im Sinn hat1403, verleiht ihm Gott ein „getrukte und zesamen gejagte mosse“1404 („gedrücktes und zusammengepresstes Maß“) bzw. ein „gehuffete getrukte mosse“1405 („gehäuftes, gedrücktes Maß“):

„Kinder dar úber wirt dem geiste fúr gehalten alsolicher truk das im alle die suessikeit und wollust wirt als gar ze mole benomen als es nie nút engewunne, und wirt im do ein als in getrukte und zesamen gejagte mosse, und wirt ze grunde in sich selber geslagen, das im wollust als zemole wirt benomen.“1406

„Kinder, darüber wird dem Geist (des Menschen) ein solcher Druck zuteil, dass ihm alle Süßigkeit und Lust genommen wird, so als wenn er sie nie gewonnen hätte, und ihm wird dabei ein gar sehr gedrücktes und zusammengepresstes Maß (zuteil), und er wird in sich selbst zugrunde geschlagen, so dass ihm die Lust völlig genommen wird.“

Durch das Leiden am gedrückten Maß soll der Gläubige zu bedingungslosem Gottvertrauen gelangen, d.h. zu einem bedingungslosen Glauben. Im Leiden übt der Mensch, alles anzunehmen und sich dem Willen Gottes zu überlassen, unabhängig vom äußeren Geschehen.1407 Wer diesem Druck standhält im Vertrauen auf Gott, den erfüllt Gott mit seinem wahren Frieden.1408

Positiv nennt Tauler das gedrückte Maß auch die „fliessende minne“1409 („fließende Liebe“). Diese Liebe „zuhet alle ding zuo ir: alle guote werk, alle leben, alle liden, alles in ir vas, das in aller der welte guotes geschicht von allen menschen guot und boese“1410 („zieht alle Dinge an sich: alle guten Werke, alles Leben, alles Leiden; alles nimmt sie in sich auf1411, was an Gutem in aller Welt geschieht, von allen Menschen, ob gut oder böse“). Die Liebe steht höher als alles gute Tun, so dass das gute Werk dem „gehört“, der die wahre Liebe in sich hat.1412 Wer also das gedrückte Maß annimmt, der hat Anteil an allem Guten, das in der Welt geschieht: „Hat ieman út boeses, das blibe ime; aber was do guotes ist, das wirt der minne“1413 („Hat jemand etwas Böses getan, das bleibt ihm; aber was da an Gutem ist, das wird der Liebe zugeschrieben“).mKennzeichen des gedrückten Maßes ist auf der einen Seite das Leiden; auf der anderen Seite erhält der Mensch Anteil an allem, was die wahre Liebe in sich zieht. Diese wahre Liebe aber ist Gott, der sich dem Menschen schließlich als „úberflússige mosse“1414 („überfließendes Maß“) selbst schenkt:

„Denne kumet der herre mit der úberflússigen mosse und gússet sich selber in die mosse, wan ir enmag anders genuegen nút, und macht die mosse als úber fliessende von dem úberweselichen guote das er selber ist, das si an allen enden úber gat.“1415

„Dann kommt der Herr mit dem überfließenden Maß und gießt sich selber in das Maß (des Menschen), denn anderes mag ihm nicht genügen, und er macht das Maß zu einem überfließenden, mit dem alles übersteigenden Gut, das er selber ist, (so) dass es nach allen Seiten überquillt.“

In diesem Maß vereinigt sich Gott mit dem Menschen: Der Mensch versinkt im göttlichen Abgrund; er ist wie ein Krug, der im grundlosen Meer – in Gott – untergetaucht wird, ohne dass Gott dabei an neuem Sein hinzugewinnt.1416 In dieser Vereinigung schenkt Gott dem Menschen „sinen einbornen sun..., und in dem aller sussesten kusse in gússet er ir alzumole die oberstes úberweseliche suskeit des heiligen geistes“1417 („seinen eingeborenen Sohn ... und in dem allersüßesten Kusse gießt er ihr [d.h. der Seele] die oberste, alles Sein überschreitende Süßigkeit des Heiligen Geistes ein“).

Der Mensch wird als Sohn und Gott eins mit dem innertrinitarischen Leben, d.h. mit der Liebe zwischen Vater und Sohn, die als Heiliger Geist ausströmt. So wie der trinitarische Gott seine Liebe nicht für sich behalten will, so lässt auch der Mensch die ihm von Gott verliehene überfließende Liebe ebenso überfließen in die Welt1418:

„Willen, wissen, minnen, kennen; es ist alles úber geflossen, es ist alles in Gotte verlorn und ein mit im worden; Got minnet sich in in und er wúrket alle ir werk in in. Noch enkan sich der úber gus nút uf gehalten in in; si habent ein minneklich begeren.“1419

„Willen, Wissen, Lieben, Erkennen; alles ist übergeflossen, es ist alles in Gott verloren und eins mit ihm geworden; Gott liebt sich in ihnen, und er wirkt alle ihre Werke in ihnen. Doch es kann sich das Überfließen nicht aufhalten in ihnen; sie haben ein Begehren, ihre Liebe (wirken zu lassen).“

Auch wenn sich Tauler an der Tradition des mystischen Stufenweges orientiert, so beschreibt er nicht diesen einen Weg, sondern zwei Wege, die in Gottes Gemeinschaft führen. Auf dem Weg des guten Maßes ist allerdings die Vereinigung mit Gott, die zu Lebzeiten möglich ist, weniger vollkommen als auf dem Weg des übervollen, gedrückten und überfließenden Maßes. Dennoch sind beide Wege gut, denn sie führen am Ende des irdischen Lebens zur endgültigen Gemeinschaft mit Gott. Tauler übernimmt also die traditionellen Vorstellungen über den Weg des Menschen zu Gott, um zu zeigen, dass die Wege zu Gott vielfältig und gut sind.

III. Mensch und Gott suchen einander – aktives und passives Suchen

Tauler spricht in seinen Predigten immer wieder von der wirkenden und leidenden Weise, Christus nachzufolgen.1420 Wie im dreieinen Gott gibt es auch im Menschen ein aktives und passives Prinzip.1421 Wie tritt nun dieses geistige Prinzip bei der Rückkehr des Menschen zu Gott konkret in Erscheinung?

In einer Predigt vom dritten Sonntag nach Dreifaltigkeit wird der Weg des Menschen in Gott als ein sich gegenseitiges wirkendes und leidendes Suchen bezeichnet; Gott sucht den Menschen, und der Mensch sucht Gott1422:

„Wie geschicht diese suochunge die in den menschen geschicht? Die eine die ist in im wirklich und die ander ist lidelich. Die wirklich das ist da der mensche suocht; in der anderen so wirt er gesuocht.“1423

„Wie geschieht diese Suche, die im Menschen geschieht? Die eine, die ist in ihm wirkend und die andere ist leidend. Die Wirkende ist, wenn der Mensch sucht; in der anderen wird er gesucht.“

1. Das wirkende Suchen – äußerliche gute Werke und die Einkehr in den Grund

Das wirkende Suchen des Menschen unterteilt Tauler in ein äußeres und inneres Suchen.1424 Beide Arten sind ineinander verwoben:

„Die uswendige suochunge do der mensche Got mit suocht, das ist in uswendigen uebungen guoter werke in maneger hande wise, als er von Gotte gemant und getriben wirt und von sinen frúnden angewiset wirt, und aller meist mit uebunge der tugende, als demuetkeit, senftmuetkeit, stillikeit, gelossenheit und mit allen anderen tugenden die man uebet oder geueben mag.“1425

„Die äußere Suche, wenn der Mensch Gott sucht, die besteht in äußeren Übungen guter Werke, in mancherlei Weise, so wie er von Gott gemahnt, getrieben und wie er von seinen Freunden angewiesen wird und am allermeisten mit Übungen der Tugenden, wie Demut, Sanftmut, Stille, Gelassenheit und mit allen anderen Tugenden, die man übt oder üben mag.“

Das innere Suchen steht allerdings höher als das äußere Suchen1426:

„Das ist das der mensche in gange in sinen eiginen grunt, in das innerste, und do suoche den herren, als er uns och selber dar gewiset hat, do er sprach: ´das rich Gotz das ist in úch.´ Der das rich vinden wil – das ist Got mit allem sinem richtuom und in sin selbes eigenem wesen und naturen -, die muostu dor suochen do es ist: das in dem innersten grunde, do Got der selen naher und inwendiger ist verrer wan si ir selber ist.“1427

„Das ist, dass der Mensch eingehe in seinen eigenen Grund, in das Innerste, und dort den Herrn suche, wie er es uns auch selbst angewiesen hat, als er sprach: ´Das Reich Gottes ist in euch.´ Wer dieses Reich finden will – das ist Gott mit all seinem Reichtum und seinem ihm eigenen Wesen und Natur –, das musst du dort suchen, wo es ist: Es ist in dem innersten Grunde, wo Gott der Seele näher und innerlicher ist, weit mehr als sie sich selbst.“

Das innere Suchen ist die Einkehr des Menschen in den Grund seiner Seele. Bei dieser Einkehr kommt es nun darauf an, dass alle sinnlichen Vorstellungsweisen – z.B. die Phantasiebilder – und ebenso alle Gotteserkenntnis mit Hilfe der natürlichen Vernunft „verloren gehen“.1428 Der Verzicht auf den Gebrauch der Sinnes- und Verstandeskraft geschieht aktiv durch den Menschen; dieser ist aber zugleich der Übergang zur passiven Haltung, d.h. zum Leiden. Allerdings kann man die Phasen des aktiven und passiven Suchens nicht stringent voneinander trennen, denn es gibt bereits während des aktiven Suchens die passive Form, z.B. als Resultat der Selbsterkenntnis das Leiden an der Erfahrung der eigenen Unzulänglichkeit, das Wissen von der eigenen Sündhaftigkeit oder das Leid am bewussten Verzicht auf Liebgewonnenes, weil es den Weg zu Gott behindern würde.1429 Dazu kann auch die Sinnes- und Verstandeskraft gehören. Durch den Verzicht aber bereitet der Mensch Gott den Weg, denn dann „kumet Got und sucht den menschen und kert das hus alzemole umb und umbe“1430 („kommt Gott und sucht den Menschen und kehrt das Haus ganz und gar um und um“). Hier beginnt nun das aktive Suchen Gottes bzw. die passiv-leidende Suche – das Gesuchtwerden – des Menschen.

2. Das leidende Suchen – von Gott gesucht werden

Was sich hinter diesem Suchen verbirgt kann nicht von jedem verstanden werden: „Mer die verstont disen sin allein, den dis etwas fúr gespilt hat und etwas in gelúchtet hat, und anders nieman“1431 („Nur die verstehen diesen Sinn, denen etwas davon aufgegangen und eingeleuchtet ist und sonst niemand“). Trotzdem versucht Tauler den Sinn dieses Suchens zu erklären:

„Dis umbe keren dis hus und dis suochen das Got den menschen hie suochet, das ist alle die fúrwurfe und die engegenwúrfe in aller der wise im Got hie fúr gehalten wirt, als er in den inwendigen grunt kumet, in dis hus, das im das alzemole als gar benomen wirt, und wirt als gar umbekert als er es nie noch nie engewunne; und aber und aber, alle die wise, alle die liechter, und in allem dem das do gegeben wirt und geoffenbart wirt oder ie sich fúr getruog, das wirt in disem suochende alzemole umgekert.“1432

„Das Umkehren dieses Hauses und das Suchen, dass Gott den Menschen hier sucht, das ist: alle Vorstellungen und alle Weisen der (Lebens)entwürfe, in denen Gott sich ihm darstellt, werden ihm ganz und gar genommen, wenn (Gott) in den inneren Grund kommt, und wird ganz umgekehrt, als ob er es niemals gewonnen hätte; und wieder und wieder, alle die Weisen, alle die Lichter und alles, was ihm je gegeben und geoffenbart wurde oder je sich zutrug, das wird in diesem Suchen völlig umgekehrt.“

Auch wenn der Mensch – in seiner aktiv-leidenden Suche – auf den Gebrauch seiner Sinnen- und Vernunftkraft verzichtet, so kann er dennoch von seinen bisherigen „geistlichen Erfahrungen“ „leben“, denn der Trost, die Freude und die bildhaften Vorstellungen sind Teil seines Unbewussten und seiner Erinnerung geworden. Diese Erinnerungen aber werden ihm nun auch noch genommen; sie werden gänzlich gelöscht, als habe er sie niemals besessen.

Hier beginnt nun die „Arbeit der Nacht“1433, eine spirituelle Krise, in der sich der Mensch von Gott völlig verlassen glaubt, weil er ihn mit seinen Sinnen und mit seiner natürlichen Vernunft nicht mehr erfahren kann.1434 Doch auf diesem Weg der „Nicht-Erfahrung“ Gottes wird der Mensch mit dem einen, aber fernen Gott verbunden.1435 Diese „dunkle Nacht“ ist die notwendige Voraussetzung dafür, dass Gott den Menschen in sich führen kann:

„Da wirt der mensche unsprechenlichen verre gefuert, ob er sich her in gelossen koende denne in allen den werken und wisen und ufsetzen die er ie oder ie erdocht oder ie funden wurde.“1436

„Da wird der Mensch so unaussprechlich weit geführt, wenn er sich hier in Gelassenheit (üben) könnte, weiter als er in allen den Werken und Weisen und Vorhaben, die je erdacht oder gefunden wurden.“

Das Ziel ist die vollkommene Gelassenheit, in der sich der Mensch völlig Gott überlässt.1437 Er soll gelassen – d.h. frei und unabhängig – gegenüber allen Bedingungen menschlichen Lebens und auch seiner eigenen irdischen Existenz sein1438, um zu einem „minneclicheste menschen“1439 („liebenswerten Menschen“) zu werden. Dieser vermag es, zu jeder Zeit in seinen Grund einzukehren und von Gott über seine menschliche Natur hinaus gehoben zu werden.1440

„Och kinder, die disem wege volgeten und sich alsus von innan und von ussen liessen, wi e went ir das Got mit den lúten varn solte? Och, er solte si also minneklichen úberfueren úber alle ding.“1441

„Ach Kinder, wer diesem Weg folgt und sich so von innen und außen (Gott) (über)ließe, wie glaubt ihr, wird Gott mit diesen Leuten verfahren? Ach, er würde sie also liebreich überführen über alle Dinge.“

Gott vereinigt sich mit dem Menschen. Die Seele des Menschen wird „gotvar, gotlich, gottig“1442 („gottfarben, göttlich, gottförmig“). Das heißt: „Si wirt alles das von gnaden das Got ist von naturen“1443 („Sie wird all das von Gnaden, was Gott ist von Natur“). Mit dieser Vereinigung werden also die Unterschiede zwischen Gott und Mensch nicht einfach aufgehoben: Der Mensch ist zwar göttlich, aber nicht gleich Gott; der Mensch wird nicht in „göttliche Natur“ verwandelt, und die göttliche Natur erfährt keine Bereicherung.1444

1286 V 36, 139,22. Vgl. Weilner 1961, 165f.

1287 V 81, 433,28 – 31 (H 73).

1288 V 81, 433,34f. (H 73).

1289 Vgl. Haas 1971, 94 – 100. Vgl. Ders. 1971, 108: „Der ganze Prozeß [der Selbsterkenntnis] ist ein Vorgang wachsender Selbstverantwortung vor Gott, eines immer intensiveren Wahrnehmens des göttlichen Willens, einer immer kräftigeren Zustimmung zum göttlichen Ruf.“

1290 Vgl. Haas 1971, 131f.; Gnädinger 1993, 127f.

1291 V 74, 400,7 – 13.

1292 V 37, 146,10ff.

1293 V 37, 144,21.

1294 V 50, 226,9 (H 56).

1295 V 42 (H 47). Predigt zu 1 Kor. 12,6ff. am 10. Sonntag nach Dreifaltigkeit II: „Es gibt verschiedene Ämter, der Geist aber ist der gleiche.“

1296 V 42, 177,10 (H 47); vgl. 1 Kor. 12,12-30

1297 Vgl. V 42, 177,11 – 18 (H 47). Vgl. dieser Teil, siebtes Kapitel, II. Tauler und die Kirche vgl. Gnädinger 2004, 180 – 204; Dies. 1993, 347 – 356; Mieth 1969, 266 – 271; Hoffmann 1961, 232 – 249.

1298 Vgl. u.a. V 42, 179,20 – 24 (H 47); V 53,243,13 – 16 (H 65): Es ist vor allem das Verhalten der „kleinen Leute“ ohne theologische Bildung, das Tauler in seinen Predigten gerne als leuchtendes Beispiel hervorhebt, als Gegensatz zum Verhalten der „geistlichen Leute“.

1299 Vgl. u.a. V 24, 97,20f.; V 42, 179,16f. (H 47).

1300 V 42, 177,19 – 25 (H 47).

1301 Vgl. V 42, 177,34f. (H 47).

1302 V 42, 177,35 (H 47).

1303 V 42, 178,2 (H 47).

1304 V 42, 178,12 (H 47).

1305 V 42, 178,13ff. (H 47)

1306 Vgl. V 42, 178,27ff. (H 47). Vgl. V 42,179,24 – 29: Tauler rät, dass sich jeder mindestens einmal am Tag oder in der Nacht Zeit zur Einkehr nehme, um Gottes Willen vernehmen zu können; ein jeder aber nach der Art und Weise – auch hier hat Tauler die verschiedenen Wege der Menschen im Sinn -, die für ihn bestimmt ist: „Die edele menschen die mit luterkeit und an bilde und an formen sich in Got kúnnen keren, die súllen tun nach ir wise. Und die anderen nach ir wise súllent sich da ein gute stunde inne uben“ („Die edlen Menschen, die in Lauterkeit und ohne Bilder und Formen sich in Gott kehren können, sollen es auf ihre Weise tun. Und die anderen sollen sich auf ihre Weise darin eine gute Stunde üben“) (V 42,179,26-29).

1307 V 42, 178,29 (H 47).

1308 Die Unzufriedenheit in der eigenen Arbeit wird laut Tauler nicht durch die Arbeit selbst ausgelöst, sondern durch die Unzufriedenheit im Inneren: „Was dir disen unfriden machet, das entunt nút die werk, nein nút, es tut din unordenunge, du hast in den werken“ („Was dir diesen Unfrieden macht, das tun nicht die Werke, nein nicht, das tut deine Unordnung, die du hast in den Werken“) (V 42,178,10f.(H 47)). Die Unordnung in der Tätigkeit wird vor allem durch zuviel Sorge ausgelöst, die in die Arbeit hineingetragen wird; die Sorge aber ist ein Hinweis auf mangelndes Vertrauen in Gott – Tauler bezieht sich auf die Perikope über Maria und Martha (Lk 10,38-42) (Vgl. V 42, 178,23f.; V 66 (H 62)).

1309 V 42, 180,1 – 5 (H 47).

1310 Vgl. V 42, 180,25 (H 47); V 11, 54,34f.; V 68, 375,18ff. (H 67).

1311 V 42, 178,30 – 179,4 (H 47).

1312 V 42, 179,7 (H 47).

1313 Vgl. V 42,179,7ff. (H 47).

1314 Tauler nennt in dieser Predigt keine konkreten Tugenden. Mehr dazu in diesem Teil, zehntes Kapitel.

1315 V 42, 179,10ff. (H 47).

1316 V 42, 179,13 (H 47).

1317 Vgl. u.a. V 53, 240,15 – (H 65). Siehe u.a. in diesem Teil, erstes Kapitel. Vgl. u.a. V 7: Hier wird Christus als der Suchende beschrieben; V 15 (H 15b): Jesus ruft den Jünger Johannes und die Menschen auf dreierlei Weise zu sich; V 19 – 23, V 60b (H 18): Christus zieht den Menschen zu sich durch seine Himmelfahrt; V 27: Gott eilt dem Menschen zu jeder Zeit „dürstend“ entgegen; V 36: Christus sucht das verlorene Schaf; V 37: Gott sucht den Menschen wirkend und leidend; V 55 (H 64): Der Herr spricht den Menschen innerlich an; dieser soll ihm nachfolgen; V 65 (H 59), Hel 1 (H 60): Christus ruft den Menschen durch sein Kreuz; er zieht den Menschen durch sein Kreuz zu sich; V 68 (H 67): Christus wirkt ohne Unterlaß im Menschen, auch durch seine Engel.

1318 V 14, 65,17 – 27.

1319 Vgl. V 14, 65,23 – 26.

1320 Vgl. V 14, 65,29 – 66,10.

1321 V 8, 35,23 – 26.

1322 V 53, 243,4f. (H 65).

1323 Vgl. V 53 (H 65). Predigt am 17. Sonntag nach Pfingsten I zu Eph.4,1-6: „Als der Gefangene im Herrn ermahne ich euch, Brüder.“ Zur Tradition der auf Origenes zurückgehenden „drei Wege“: Siehe Haas 1995, 22ff. mit weiteren Quellenangaben.

1324 Vgl. die Konzeption Gandlaus 1993.

1325 V 53, 241,16 – 21 (H 65).

1326 V 77, 413,7ff. (H 72).

1327 Vgl. u.a. V 40, 168,27f. (H 43): Tauler spricht von einem „guten“, „besseren“ und „besten Weg“. Er beschränkt sich in dieser Predigt jedoch darauf, nur den „besten Weg“ zu beschreiben.

1328 Vgl. u.a. V 7, 29,29 – 30,5.

1329 Hier werden vor allem die verschiedenen Tugenden, auf die wir noch zu sprechen kommen, eine wichtige Rolle einnehmen: Siehe dieser Teil, zehntes Kapitel.

1330 Vgl. V 53, 242,1 – 3 (H 65).

1331 V 53, 241,24 – 27.32f. (H 65).

1332 Vgl. V 53, 242,5 – 8 (H 65).

1333 Vgl. V 2, 13,29.

1334 V 60b, 289,13 – 16 (H 18). Vgl. u.a. V 2, 13,20 – 29.

1335 Vgl. u.a. V 69, 377,4ff. (H 68).

1336 V 53, 242,11ff. (H 65).

1337 V 53, 242,19f. (H 65).

1338 Vgl. V 53, 242,22ff. (H 65).

1339 V 53, 242,17ff.20f. (H 65).

1340 V 53, 243,23 – 26 (H 65). Siehe u.a. dieses Kapitel, III.

1341 V 53, 243,27f. (H 65).

1342 V 53, 244,10f. (H 65).

1343 V 53, 243,31 (H 65).

1344 V 7. Predigt am Sonntag Septuagesima: „Das Himmelreich ist gleich einem Gutsbesitzer“ (Mt. 20,1-16).

1345 Vgl. V 7, 29,2 – 8.

1346 V 7, 29,28.

1347 V 7, 29,29ff.

1348 Vgl. V 7, 29,32 – 30,2: Diese Leute sind in ihrem Tun von der Zu- und Abneigung ihrer Mitmenschen abhängig. Sie urteilen über andere Menschen negativ und reden schlecht über sie. Ihr Wesen wird von Tauler als ungestüm, eigenwillig und störrisch bezeichnet. Sie sind voller Hoffart. Das sind die Christen, die Tauler mit den Pharisäern und Schriftgelehrten vergleicht: Siehe dieser Teil, sechstes Kapitel, I, 1 u.2.

1349 V 7, 30,3.

1350 V 7, 30,4.

1351 V 7, 30,5.

1352 V 7, 30,6.

1353 V 7, 30,6 – 12.

1354 Siehe dieser Teil, neuntes Kapitel. Zur Gelassenheit vgl.auch Haas 1995, 35 – 55; Zekorn 1993, 80 – 88; Völker 1972.

1355 V 7, 30,18ff.

1356 Vgl. u.a. V 53, 244,3 – 6 (H 65).

1357 Zu dieser Tradition vgl. Haas 1995, 22f.

1358 Vgl. die Konzeption von Gandlau 1993, der den Stufenweg auf Taulers Predigten überträgt.

1359 Hel 2 (H 71), Predigt an Allerheiligen: „Als Jesus die Volksscharen sah, stieg er auf einen Berg“ (Mt. 5,1ff.).

1360 Vgl. Hel 2, 352 (H 71).

1361 Hel 2, 352 (H 71).

1362 Hel 2, 352 (H 71).

1363 Vgl. Hel 2, 352 (H 71).

1364 Hel 2, 352 (H 71).

1365 Hel 2, 352 (H 71).

1366 Hel 2, 352 (H 71).

1367 Hel 2, 352 (H 71).

1368 Hel 2, 352 (H 71).

1369 Vgl. Hel 2, 353 (H 71).

1370 Vgl. Hel 2, 353 (H 71).

1371 Hel 2, 353 (H 71).

1372 Hel 2, 353 (H 71).

1373 Vgl. Hel 2, 353 (H 71).

1374 Hel 2, 353 (H 71).

1375 Hel 2, 354 (H 71).

1376 Hel 2, 354 (H 71).

1377 V 38, V 62 (H 39). Predigten am vierten Sonntag nach Dreifaltigkeit: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist...“ (Lk. 6,36). Zur Predigt V 38: Siehe auch Übersetzung und Interpretation von Gnädinger 1993, 194 – 241. Vgl. Gandlau 1993, 274ff.; Vogt-Teerhorst 1920, 123f.

1378 Gnädinger 1993, 218. Siehe dieser Teil, elftes Kapitel, I.

1379 Vgl. Gnädinger 1993, 160 – 169; Haas 1979, 290f.. Zu dieser Tradition Siehe Haas 1995, 23.

1380 Siehe dieser Teil, drittes Kapitel, II, 3.2.

1381 V 38, 149,15ff.

1382 V 62, 337,3f. (H 39).

1383 Vgl. dieser Teil, drittes Kapitel, II, 2.3; zehntes Kapitel, III.

1384 V 62, 337,9ff. (H 39).

1385 Vgl. V 62, 337,12ff. (H 39).

1386 Vgl. V 38, 149,14 mit H 38,281: Hofmann übersetzt die „gute mosse“ mit „vollem Maß“. Eventuell eine stillschweigende Korrektur? Immerhin kann man die Beschreibung mit dem „zu gegebenen“ und „übervollen Maß“ durchaus gleichsetzen. Sinnvoller scheint es jedoch, dem Vetterschen Original zu folgen. Denn es geht Tauler beim „guten Maß“ m.E. noch nicht darum, dass sich der Mensch von allem Äußeren trennt, sondern dass er den Dingen mit ausgeglichenem Gemüt begegnet, d.h. frei zu sein von der Abhängigkeit an Äußeres. Darüber hinaus gehört die Sündenerkenntnis zum guten Maß; der Mensch soll all seine Sünden Gott übergeben. Der Mensch übt sich also in dieser „ersten Stufe“ ein, sich Gott zu überlassen, z.B. mit den Abhängigkeiten und den erkannten Sünden. Dadurch aber wird er frei im Gebrauch der Dinge und in der Begegnung mit den Menschen; nichts und niemand kann nun die tiefere Gottesbeziehung behindern.

1387 Vgl. V 38, 149,28f.

1388 Vgl. V 38, 149,29ff.

1389 V 62, 337,18 (H 39).

1390 V 62, 337,18 (H 39).

1391 Vgl. u.a. V 62, 337,19f. (H 39).

1392 Vgl. V 38, 150,25f.; V 62, 337,21f. (H 39).

1393 V 38, 150,26.

1394 V 62, 337,29 (H 39).

1395 Hofmann übersetzt „volles Maß“, H 39,291.

1396 V 62, 337,30f. (H 39).

1397 V 38, 150,27 – 34.

1398 Zu den äußeren Frömmigkeitsübungen zählen laut Tauler u.a. mündlich Beten (Psalmen, Chorgebet), sich vor Gott niederwerfen, Fasten, Wachen usw. (vgl. V 38,150,35; V 62,337,28 (H 39)). Zu Taulers Gebetsverständnis vgl. Zekorn 1993, 94 – 148; Mieth 1969, 283 – 290.

1399 V 38, 151,1 – 4.

1400 V 38, 151,9.

1401 V 38, 151,17 – 22.

1402 Vgl. u.a. V 24, 99,30 – 100,8f.

1403 Vgl. u.a. V 24, 98,25 – 99,21.

1404 V 38, 151,24f.

1405 V 62, 338,26f. (H 39).

1406 V 38, 151,22 – 26.

1407 Vgl. u.a. V 38, 151,28 – 152,6f.26-30. Zur Bedeutung des Leidens: Siehe in diesen Teil, neuntes Kapitel, III, IV.

1408 Vgl. u.a. V 38, 151,26. Wahrer Friede bedeutet nicht, dass der Mensch vom Druck des Leidens gänzlich befreit wird, sondern dass der Mensch mit Gottes Hilfe das Leiden auszuhalten vermag, er wirklich unabhängig und frei wird gegenüber allem, was ihm zustößt. Gottes Frieden hat den Menschen völlig erfüllt, so dass äußerliches und innerliches Leiden seine beherrschende Bedeutung verliert. So hat der Mensch zwar einen Leib voller Leiden, aber die Seele voll Gott (vgl. V 50, 230,7f. (H 56); V 54, 253,18 (H 52)). Siehe in diesen Teil, neuntes Kapitel.

1409 V 62, 338,26f. (H 39).

1410 V 62, 338,27f. (H 39).

1411 Wörtlich „in ihr Gefäß“. Vgl. Übersetzung H 62,292: „Schrein“.

1412 V 62, 338,29f. (H 39). Diese Aussage bezieht Tauler auf 1 Kor 13,3: „Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts“ (vgl. V 62, 339,3f. (H 39)).

1413 V 62, 339,5f. (H 39).

1414 V 38, 152,32; V 62, 340,20 (H 39).

1415 V 38, 152,32 – 35. Vgl. V 62, 340,20f. (H 39).

1416 Vgl. V 38, 152,35 – 153,3. Vgl. Gnädinger 1993, 234100.

1417 V 38, 153,16ff.

1418 Vgl. u.a. V 38, 153,23ff.; V 62, 340,32ff. (H 39).

1419 V 62, 340,25 – 28 (H 39).

1420 Vgl. Gandlau 1993, 54f.296.

1421 Vgl. Mieth 1969, 302.

1422 V 37. Predigt am dritten Sonntag nach Dreifaltigkeit III: „Eine Frau besaß zehn Drachmen...“ (Lk. 15,8f.).

1423 V 37, 143,24ff.

1424 Vgl. V 37, 143,28f.

1425 V 37, 143,30 – 35. Tauler geht nicht genauer auf die Tugenden ein.

1426 Vgl. V 37, 144,1.

1427 V 37,144, 1 – 7.

1428 Vgl. V 37, 144,8 – 14.

1429 Vgl. u.a. V 3, 16,28 – 17,3; V 40, 163,13 – 164,3 (H 43).

1430 V 37, 144,19f.

1431 V 37, 144,22f.

1432 V 37, 144,26-32.

1433 V 63, 345,12 (H 42).

1434 Vgl. u.a. V 39, 161,15ff. (H 40). Siehe in diesen Teil, neuntes Kapitel, IV.

1435 Vgl. in diesem Teil, fünftes Kapitel.

1436 V 37, 145,1 – 4. Vgl. 145, 26ff.; 147,5f.

1437 Vgl. Voigt 2005, 114 – 118; Zekorn 1993; Völker 1972.

1438 Vgl. V 37, 145,18f.30f.

1439 V 37, 145,4f.

1440 Vgl. V 37, 145,5f.

1441 V 37, 146,7ff.

1442 V 37, 146,21.

1443 V 37, 146,21f.

1444 Vgl. u.a. V 15, 69,14f. (H 15a); V 32, 121,26 – 30.