Noch unglücklicher als über Männer war N über ihr Hinterteil, das ziemlich ausladend war. Ihr Leben lang verfluchte sie ihren Hintern. Versuchte ständig, ihn durch Übungen und Diäten zu verkleinern. Für meine Hochzeit habe ich überall abgenommen, klagte sie, nur nicht an meinem verdammten Hintern! Es war, als würde sie sich ständig von hinten betrachten. Am Oberkörper trug sie Kleidergröße 38 und 44 bei Hosen und Röcken. Nein, nein, beruhigte ich sie immer wieder, dein Hintern ist gar nicht groß. Aber wenn ich hinter ihr herging, betrachtete ich ihn staunend. Es war ein ganz und gar amerikanischer Hintern. Ich habe keine Erklärung dafür, warum Amerikaner oft so riesige Hinterteile haben. Weil sie so viel im Auto sitzen? So wenig zu Fuß laufen? N versuchte, ihr Hinterteil durch Kleidung zu kaschieren. Ich bewunderte ihren Stil, einen wilden Mix aus Secondhand-, Ethnokram, Glitzer, zerrissenen Punk- und teuren Designerklamotten von Donna Karan und Ralph Lauren, die ihr ihre Mutter kaufte, wie sie mir verschämt gestand. Ständig tauschten wir unsere T-Shirts, Jacken, Kleider, nur unsere Hosen und Röcke passten nie. Als mein allererster Film in New York lief, stattete N mich mit einem goldglitzernden Kleid aus, hängte mir ein paar Ketten um den Hals, lieh Stöckelschuhe und Netzstrümpfe von einer Freundin und schubste mich in ein Taxi. Als wir vorm Lincoln Center ankamen, gab es eine lange, lange Schlange vor der Kinokasse. Oh my god, rief N aufgeregt, das ist deine Schlange! Deine Schlange! Sie war außer sich vor Begeisterung und Mitfreude. Sich am Erfolg eines anderen freuen konnte niemand so gut wie sie. Wie sehr habe ich versucht, das von ihr zu lernen. Versuche es immer noch.
Als ich das erste Mal aus Amerika nach Hause zurückkam, sagte mein Vater zu mir: Donnerwetter, Kind, was hast du für einen riesigen Hintern in Amerika bekommen.
Ich hatte mir angewöhnt, Spiegeleier und english muffins zum Frühstück zu essen und Pfannkuchen mit Ahornsirup. Nichts liebte ich mehr als BLTs, bacon, lettuce and tomato sandwiches, in denen der Speck zentimeterweise aufgeschichtet wird.
Ich beneidete N um ihren schmalen Oberkörper, ihre Taille, und sie mich um meine langen Beine. Sie nannte mich legs. Look at those legs, sagte sie immer wieder. Sie hatte sehr lange, schmale Hände, mit denen sie das Essen zerzupfte, was mich rasend machte. Nie biss sie in ein Sandwich, sondern zupfte Bissen für Bissen ab und schob ihn sich in den Mund, zwischen ihre perfekten, weißen, amerikanischen Zähne. Alles, was ich esse, geht geradewegs in meinen Hintern, seufzte sie, my damn butt. Versehentliche Anrufe auf dem Handy nannte sie butt calls, weil man sich aus Versehen aufs Handy in der Hosentasche gesetzt hatte.
Als sie so große Schmerzen hatte, dass sie es nur noch in der Badewanne aushielt und wir uns die meiste Zeit im Badezimmer aufhielten, sah ich sie zum ersten Mal nackt. Sie und ihr Hinterteil, einen wunderschön gerundeten, perfekten, großen Po.
Scheib über den Körper eines Freundes, einer FreundinErinnere dich an den Körper eines Freundes, einer Freundin. Wie hast du ihn wahrgenommen? Wie über ihn gesprochen? Was hast du dir heimlich gedacht? An welche Details kannst du dich erinnern?
Schreib über deinen KörperSchreib über deinen eigenen Körper. Über deinen Bauchnabel, deine Ohren, deine Zehen, deine Hände. Nicht nachdenkenUnd vergiss nicht: Nicht nachdenken!