Drei Jungs liegen auf dem Bauch im Gras, ein Bier in der Hand, alle drei tragen dunkle Brillen, in denen sie sich gegenseitig spiegeln. Drei vielleicht vierzehnjährige Mädchen treiben in regenbogenfarbenen Einhornschwimmreifen auf dem Eisbach vorbei, sie kreischen, und die drei Spiegelbrillen wenden langsam die Köpfe. Ein Vater hält im Wasser sein kleines Kind an der einen Hand, mit der anderen telefoniert er. Hochgekrempelte gute Hosen und ein weißes Oberhemd. Neben ihm stehen ältere Damen in schlottrigen Badeanzügen im Wasser und kühlen sich die Beine. Eine Gruppe junger Spanier schleppt Bierkästen vorbei. Eine Eisverkäuferin in einem blauen Dirndl sitzt im Schatten hinter ihrem Eismobil und schaut mürrisch. Ein weißer Spitz kläfft sie an. Auf dem Rasen übt eine Capoeiragruppe mit seltsamen bogenförmigen Instrumenten komplizierte Bewegungen. Drei ältere afrikanische Herren in Anzügen schlendern vorbei, alle tragen Herrenhandtaschen. Ein Vater wirft immer wieder

Schreiben ohne ErwartungenDie Welt um sich herum wahrnehmenSchreib zehn Minuten über deine nächste UmgebungSchreiben ohne Ehrgeiz, ohne Ziel. Nur notieren und sich so des eigenen Lebens vergewissern. Mehr ist es oft nicht. Das Glück des SchreibensDurch das Schreiben fühlt man sich wieder in der Welt zu Hause. Man nimmt Kontakt mit ihr auf, fliegt nicht melancholisch davon, sondern sitzt mit dem Hintern im Rasen unter allen anderen. Mit oder ohne Einhornschwimmreifen.

FlanierenFlaniere und schreibe darüberDie zweite Übung: flanieren und notieren. Von einem Ort zum anderen wandern, anhalten, zehn Minuten schreiben, weitergehen. Ich bezeichne mich als Flaneuse. Nicht Fritteuse, sondern Flaneuse. Das war immer eine Männerbeschäftigung: die Welt durchstreifen, sie betrachten und über sie berichten, während die Frauen zu Hause die Unterhosen der Flaneure wuschen, Socken stopf‌ten und auf sie warteten. Aber nicht alles muss man

Schreib über deine WohnungWenn das Wetter zu schlecht ist, um draußen zu flanieren, flaniere durch deine Wohnung. Schreib über jeden Gegenstand, der dir begegnet.