Sie ist so verliebt. Er ist der schönste von allen Männern dieser Welt, mit seinen dichten dunklen Haaren und dem Vollbart, seinen samtschwarzen Augen. Er sieht aus wie Che Guevaras schöner Bruder, aber mit linker Politik hat er nichts am Hut, er schreibt Gedichte und kann Howl von Allen Ginsberg fast komplett auswendig. Er ist blass und nicht tiefgebräunt wie die anderen, er kann nicht surfen, fährt nicht an den Strand, er ist mager und zeigt seinen Körper nicht gern. Er liebt den Regen, der hier nie fällt. Wie ein Fremdkörper sieht er aus auf dem Campus, sie hat ihn von Weitem entdeckt, ist ihm sachte immer näher gekommen, bis sie sich eines Abends ganz dicht zu seinen Füßen auf den Boden setzt. Sie hat einen Plan. Sie lauschen mit anderen den Grateful Dead, die ihr unbekannt waren, was alle sehr komisch finden. Auf welchem Planet lebt sie denn? In Hannover mit zwei n. Sie kennen nur Hanover mit einem n in New Hampshire, von dem wiederum sie noch nie gehört hat. Er schaut sie nicht

Im Käfer fühlt sie sich zu Hause. Ihre Eltern hatten einen Käfer. Als Kind sah sie einen riesigen ausgestopf‌ten Wal auf dem Marktplatz von Hannover, er lag auf einem LKW-Anhänger. Es gab einen hellblauen Begleitzettel, auf dem stand, dass das Herz eines Wals so viel wiegt wie ein VW Käfer. Auf dem Rücksitz des Käfers versuchte sie es sich immer wieder vorzustellen, ein Herz so groß wie ein ganzes Auto. Sie saß im Herzen des Wals, und ihr eigenes, so viel kleineres Herz pochte vor Aufregung, weil es schier unvorstellbar schien. Ihr Gehirn hatte keine Kapazität für so ein großes Herz, es passte einfach nicht hinein.

Die ersten Tage mit der frischen Dauerwelle schiebt sie Entschuldigungen vor, warum sie ihn nicht sehen kann. Sie hat Angst, er könne entdecken, dass ihre Locken falsche Locken sind. Dass sie eine Lügnerin ist. Sie geht in Dauerwellenquarantäne und fragt sich, warum sie ihm nicht die Wahrheit sagen kann. Seine Liebe zu verlieren, ist das Schlimmste,

Als sie verheiratet ist und ein Kind hat, fährt sie noch einmal an den Stinson Beach. Immer noch ein schöner Strand, und dieses Mal scheint die Sonne. Sie kann sich nicht an sich selbst von früher erinnern, als wäre die Person von damals verblasst. Ihre kleine Tochter hat ein kleines gelbes Plastikpony mit langer Mähne dabei, das sie hingebungsvoll mit einer Minibürste bürstet. Eine Möwe kommt, schnappt das Pony aus der Hand der Tochter und fliegt davon. Sie hält es wohl für etwas Essbares, ein Stück Käse vielleicht. Die gelbe Mähne des Ponys flattert im Schnabel der Möwe im Wind. Das Kind heult, und ihre Mutter lacht. Sie lacht so sehr, dass sie sich im Sand wälzt. Das Kind verzeiht ihr das nie. Während sie noch lacht, erinnert sie sich, dass sie, als sie so jung und so verliebt war, eigentlich

Schreib über deine Haare, deine FrisurenSchreib über deine Haare. Deine verschiedenen Frisuren.

Schreib über einen Ort, den du zwei Mal besucht hastSchreib über einen Ort, den du zwei Mal besucht hast.

Wahrheit und FiktionSchreiben in der ersten und dritten PersonWie ist es, in der dritten Person zu schreiben? Fällt es dir leichter? Schwerer? Wer ist diese dritte Person? Ist es noch die Wahrheit oder bereits Fiktion? Und ist das überhaupt wichtig? Die Wahrheit berichten zu wollen über diese eine Person, die wir glauben zu sein, ist immer Fiktion. Wir sind viele. Immer andere, und dann überraschend auch ab und zu wieder dieselben.