Das Schulschwimmen findet in einem eiskalten Hallenbad statt. Bibbernd stehe ich am Beckenrand, von Kopf bis Fuß nur Gänsehaut. Der Schwimmlehrer, ein bedrohlich großer Mann, hält eine Stange mit Ring ins Wasser, aber wer danach greift, ist ein Baby. Also laufe ich heimlich unter Wasser, mache mit den Armen Schwimmbewegungen, aber trippele mit den Füßen über den glitschigen Boden und glaube, dass man das über Wasser nicht sehen kann. Der Schwimmlehrer kommentiert es nie. So verbringe ich eine Schwimmstunde nach der anderen, bis es heißt, wir würden nun ins tiefe Becken wechseln, da ja alle einigermaßen schwimmen könnten, worauf mich Panik befällt und ich kurz vor der Schwimmstunde furchtbare Halsschmerzen bekomme. Mein Vater legt seine kühle Hand um meinen Hals und befühlt die Mandeln, was ich liebe, und als ich röchele, ich könne kaum sprechen vor Schmerzen, sagt er zweifelnd: na, na, na, aber ich muss nicht schwimmen gehen. Gleichzeitig will ich unbedingt das

Der Tag der Prüfung naht. Ich will sterben,

Schreib über eine Prüfung, einen Test deines CharaktersSchreib über eine Prüfung, einen Test deines Charakters. Wer hast du geglaubt zu sein, und wer bist du wirklich? Noch einmal das alte Zen-Koan: Wer bist du, wenn dir keiner zuschaut? Wahrheit und FiktionBeim Schreiben schaust du dir selbst zu, und ob du die Wahrheit schreibst oder nicht, weißt oft nur du allein. Wahr ist, dass ich betrogen habe beim Seepferdchenabzeichen, aber wie der Schwimmlehrer aussah, habe ich vergessen. Da gibt es nur noch ein vages Gefühl – aber war er wirklich groß und grob? Die Welt um sich herum wahrnehmenIch beschreibe die Welt so, wie ich sie wahrnehme, mit meinem ganz und gar eigenen Blick. Alles ist meine Interpretation. Ihr auf die Schliche zu kommen bedeutet auch, meinen Blick auf mich und die Welt verändern zu können. Das Glück des SchreibensDie Welt darf reicher, lebendiger und bunter sein, wenn ich sie nicht mehr mit meiner Interpretation belästige, sondern sie, ohne zu werten, aufmerksam beobachte und notiere.