Falls es sich bei dem Mörder doch um jemanden handeln sollte, der sie kannte, würde das die Frage beantworten, wie sich derjenige so leicht Zutritt zu dem Reihenhaus hatte verschaffen können: ganz einfach mittels Schlüssel und dabei natürlich auf dem geheimsten Weg – durch den Keller.
Eine vierte Kategorie von Jugendlichen 1965 waren die Päronen (in Anlehnung an «Playboys» manchmal auch plebbar genannt). Sie waren zwar oft langhaarig, aber gepflegter in Stil und Sprache, trugen oft weiße Hemden und Schlips und galten sowohl den Mods als auch den Sunar als Snobs. Außerdem war da natürlich noch die fünfte Gruppe: die skinnknuttar, die Gangs aus jugendlichen Motorradfahrern.
Nach Einschätzung der Polizei waren 20 Prozent der Teilnehmer an den Krawallen unter 15 und die jüngsten Personen, die in Gewahrsam genommen wurden, 8 Jahre alt.
Dass Stockholm während der letzten zwanzig Jahre mehrfach Krawalle erlebt hatte, war dem kollektiven Gedächtnis ebenfalls entfallen. Die schlimmsten waren natürlich die Berzeliikrawalle 1951, doch auch im Sommer 1954 und 1956 waren Ausschreitungen vorgekommen – Tumulte im Långholmspark – sowie 1957 eine Massenprügelei im Gebiet Helgalund auf Söder. Den Unterschied machte wohl das Fernsehen aus, das viele schockierende und dramatische Bilder von den Hötorgskrawallen zeigte, die im ganzen Land zu sehen waren. Ich kann mich noch daran erinnern, besonders auch daran, wie aufgebracht mein Vater war.
Und bis heute fehlt jede Spur von ihnen.
Ich habe keine Definition gefunden, was unter einer «Intervention» zu verstehen ist, aber darunter fiel vermutlich alles von der Verhinderung von Vandalismus bis zu einfachen Verwarnungen.
Wyler hatte unter anderem solche bekannten Werke wie «Sackgasse», «Mrs. Miniver», «The Memphis Belle», «Ein Herz und eine Krone» – in dem Audrey Hepburn ihr berühmtes Debüt hatte – und natürlich den Monumentalfilm «Ben Hur» geschaffen, der in jenem Jahr immer noch in den Kinos lief und elf Oscars gewonnen hatte. «Sound of Music» – der zu einem der großen Publikumserfolge des Jahres 1965 wurde – hatte er übrigens abgelehnt, um stattdessen «Der Fänger» machen zu können.
Er wurde im Untersuchungsgefängnis allerdings anständig behandelt: Die Beamten ließen seine Zellentür einen Spaltbreit offen, um seine Angst zu dämpfen.
Seine Frau beteuerte zudem, dass sie pleite waren und kein Geld für eine Taxifahrt hatten. Ihre letzten Münzen hatten sie für das Gespräch aus der Telefonzelle ausgegeben.
Anspielungen auf ihren Freund dienten ihr in bestimmten Situationen als Schutz gegen unwillkommene Annäherungen. Als ein junger Mann in dem Krankenhaus, in dem sie Anfang des Jahres gearbeitet hatte, fragte, ob er sie zum Abendessen ausführen dürfe, antwortete Kickan spöttisch, das dürfe er gern, vorausgesetzt, dass er auch ihren Verlobten mitnehme.
Die Konditorei existiert nicht mehr. An der Stelle liegt heute ein kleiner Laden, der sich auf asiatische Lebensmittel spezialisiert hat.
GW Larsson nahm das wirklich zur Kenntnis: Die Zeitungsausschnitte liegen noch in einem Umschlag mit seinem Namen im Polizeiarchiv.
Der große Bekanntheitsgrad von Lillans Vater Arvid Sundin ist auf seine Mitwirkung in Fernsehsendungen zurückzuführen, vor allem seinen Auftritt in «Hylands hörna».
So wurde der schlimmste Unsinn sowohl aus den Ermittlungen heraus- als auch von der Öffentlichkeit ferngehalten. Anders heute, wo solche Dinge in den sozialen Medien und ähnlichen Foren landen und dadurch eine maximale Verbreitung erfahren. Hat uns das glücklicher gemacht?
Ein Artikel in Expressen aus diesem Jahr vermeldet: «Der Computer plant für Sie, wählt Ihren Beruf, Ihre Ausbildung und Ihr Auftreten. Er sucht auch Ihre Wohnung und das Ziel Ihrer Urlaubsreise für Sie aus. Er hilft Ihnen, das richtige Hobby zu finden, das richtige Hemd, das richtige Bügeleisen. Natürlich sucht er Ihnen auch den idealen Ehepartner. Der Computer wird Ihr Merkzettel – Großmutters Geburtstag, die Telefonnummer von Charlies Sommerhaus in Amerika. Und er ersetzt auch alle Nachschlagewerke, Bilder, Schallplatten und Filme.»
Die Berufsbezeichnung kam nicht von ungefähr: Die Polizeischwestern benötigten eine Krankenschwesternausbildung und sollten unter anderem als eine Art Krankenpfleger fungieren.
Fußstreifen waren immer noch die übliche Art, wie Polizisten sich in der Öffentlichkeit bewegten. Musste man eine festgenommene oder in Gewahrsam genommene Person zur Wache bringen, nahm man ein Taxi. Eine weitere Aufgabe der Streifen war die Regelung des Verkehrs, wobei sie lange weiße Manschetten trugen, um besser gesehen zu werden. Es gab zwar Ampeln, doch die wurden oftmals manuell bedient, was bedeutete, dass ein Polizist danebenstand und auf einen Knopf drückte, wenn sie Grün, Rot usw. zeigen sollten.
Berüchtigt sowohl wegen des Aufsehens, das die Tat erregt hatte – die nackte Mädchenleiche wurde in einer Reisetasche im Albysee westlich von Fittja gefunden –, als auch weil der Fall ein altes Rätsel wieder zum Leben erweckte: den Fall Olle Möller. Möller war vor dem Krieg ein bekannter Leichtathlet gewesen, der 1941 in einem Indizienprozess wegen Vergewaltigung und Totschlags an einem zehnjährigen Mädchen verurteilt wurde, obwohl er seine Unschuld beteuert hatte. Möller wurde im Fall Blom als Verdächtiger vernommen, und angeblich soll er besonders schwer zu befragen gewesen sein, doch GW Larsson wurde mit ihm fertig und konnte sogar ein hieb- und stichfestes Alibi ermitteln. Als Kerstin Bloms wirklicher Mörder neun Jahre später gefasst wurde, deuteten seine Aussagen darauf hin, dass er, und nicht Möller, die Zehnjährige ermordet hatte, was ihm jetzt aber nicht mehr nachgewiesen werden konnte. Möller wurde im Übrigen für einen anderen Mord verurteilt, den an Rut Lind in Fjugesta 1959, wieder in einem Indizienprozess.
Ein zur damaligen Zeit legendäres Tanzlokal, in dem unter anderen Lill-Babs ihr Debüt hatte. Heute befindet sich dort ein großes Casino, und von der alten Einrichtung – dort hing zum Beispiel seit 1944 Schwedens erste Discokugel – ist nichts mehr übrig.
Der entpuppte sich als sein Onkel, ein gewisser Vilhelm Lindgren, der «wilde Ville», eine berüchtigte Erscheinung in der Stockholmer Taxibranche, der Alkohol und Frauen liebte (es kam durchaus vor, dass er seine Nachtschicht dazu nutzte, den Wagen abzustellen und anderen Frauen als seiner angetrauten Ehefrau beizuwohnen) und schon mehrfach verurteilt worden war für Dinge wie Erregung öffentlichen Ärgernisses, Falschaussagen und gemeinschädliche Straftaten.