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Annie SandersMister Mädchen für alles Roman Deutsch von Antje Nissen Kapitel 1«In meinem Bett! Die beiden waren in meinem verdammten Bett!»«Unmöglich!»«Doch, genau dort haben sie es getrieben. Er hatte sein behaartes Hinterteil in die Luft gereckt, und Manuelas Beine … O Gott, ich will nicht mehr daran denken.»«Bestimmt hast du sie zu Tode erschreckt!»«Hm, mag sein. Wahrscheinlich habe ich den Kerl für den Rest seines Lebens impotent gemacht. Hässlicher Typ. O Gott, Saff … ich fühle mich so beschmutzt, als hätte man mich missbraucht oder so ähnlich.»«Willst du vorbeischauen?»«Darf ich? Hat Max nichts dagegen?»«Natürlich nicht. Er mag dich doch. Komm einfach her – ich muss mich allerdings noch um die Kinder kümmern.»«Ich bringe etwas zu trinken mit. Was ich jetzt brauche, ist eine Betäubung, ich stehe unter Schock.»Saffron lachte. «Immer schön locker bleiben.»Alex legte auf und wandte sich wieder dem Chaos im Zimmer zu – überall waren Kissen verstreut, ein Glasbehälter mit Münzen ausländischer Währungen lag zerschmettert auf dem Boden, und den zerknüllte Kapitel 2Saffron stieg von der Leiter herab und bewunderte das Werk, das sie an diesem Morgen geschaffen hatte. Die türkisblaue Farbe war absolut die richtige Wahl gewesen. Sie betrachtete das lila-blaue Blumenstoffmuster, das über dem Stuhl lag. Es war das Ergebnis eines wundervollen, eineinhalbstündigen Aufenthalts im Inneneinrichtungsladen, bei dem sie die Stoffmusterbücher durchforstet hatte – ihre zweitliebste Beschäftigung nach dem Stöbern in Kochbüchern. Millie würde es gefallen, ganz sicher. Welches neunjährige Mädchen könnte dem schon widerstehen? Sie würde bestimmt ganz aufgeregt sein, wenn sie von der Schule nach Hause kam.Geistesabwesend schob sich Saffron das Haar zurück, das sie an der Nasenspitze gekitzelt hatte, und strich am Rand des Farbeimers die überschüssige Farbe vom Pinsel ab. Sie stellte ihre Flip-Flops auf dem Abdecktuch ab, um nicht mit ihren Schuhen die Farbe auf dem neuen Teppich im Flur zu verteilen, und trug den Eimer nach unten, wobei sie peinlich darauf Kapitel 3«Und Sie fühlen sich f-f-fruchtig!!!»Frankie wartete angespannt vor dem Mikrophon, bis das Aufnahmesignal erloschen war, und seufzte dann tief auf. Das wievielte Mal war das jetzt gewesen? Um den achtundzwanzigsten Versuch herum hatte er aufgehört zu zählen. Er war absolut sicher, dass sich eine Banane keinesfalls verzweifelt anhören durfte. Die Stimme des Regisseurs drang schon wieder leicht ungeduldig über die Kopfhörer an sein Ohr.«Immer noch nicht ganz. Können Sie es noch ein wenig – ein wenig gelber klingen lassen? Sie wissen schon – wie eine richtig reife Banane, aber keine, die schon erste braune Flecken hat. Nicht einen einzigen braunen Fleck. Alles klar? Hübsch fest, aber auch irgendwie weich. Sie verstehen schon. Keine, die gerade aus dem Kühlschrank kommt. Versuchen Sie es noch einmal.»Frankie nickte langsam, während er versuchte, diese Fülle an Informationen zu verarbeiten. Was zum Teufel tat er hier? «Fruchtighurt, die Siebenunddreißigste», hörte er die gelangweil Kapitel 4«Danke, ich nehme gern eine Tasse Kaffee. Aber nur, wenn es keine Umstände macht.»Frankie streifte sein bestes Jackett ab und hängte es über die Lehne des Regiestuhls aus Chrom und Leder. Dann blickte er sich aufmerksam um, während die kleine, attraktive Frau, die sich ihm als Saff vorgestellt hatte, in die Küche ging. Sie warteten noch auf jemanden – wahrscheinlich ihren Ehemann –, doch sie hatte bereits zwei Anrufe auf ihrem Handy entgegengenommen und erfahren, dass er im Stau steckte. Frankie sah auf die Uhr. Er war pünktlich um sechs Uhr hier gewesen und wollte sich um acht mit den Jungs in Tooting im Pub treffen. Wenn derjenige, der beim Vorstellungsgespräch mit anwesend sein wollte, nicht langsam auftauchte, musste er ohnehin wieder los. Er ging zum Fenster hinüber. Die Wohnung war nicht besonders groß und spartanisch eingerichtet. Der kleine Tisch war leer bis auf die Unterlagen, die die Frau dort abgelegt hatte.Was, in aller Welt, machte er überhaupt hier? Diese verdam Kapitel 5Ella wachte auf. Sie rieb sich die Augen mit den Fäusten und wischte sich hektisch blinzelnd die Spucke vom Kinn. Die Lichter brannten, und alle schienen gegangen zu sein. Das heißt, alle außer Chris, dem Geschäftsführer des Kinos, der mit verschränkten Armen vor ihr stand. Ach, du Schande.«Oh! Äh, ich war nur gerade … meine Kontaktlinse. Ich habe versucht, sie – sie ist mal wieder verrutscht. Man muss die Augen schließen, um sie … äh … ja genau.»Chris seufzte tief und schüttelte den Kopf. «Netter Versuch, Ella. Netter Versuch. Aber der Film ist seit … warte …», er warf einen theatralischen Blick auf seine Uhr, «seit dreizehn Minuten zu Ende. Ich stehe bereits seit fünf Minuten vor dir, und wir beide, du und ich, wissen, dass du gar keine Kontaktlinsen trägst. Erinnerst du dich, wie du mir erzählt hast, dass Menschen mit schlechtem Sehvermögen genetisch benachteiligt wären und dass die Frauenrechtlerin Marie Stopes nicht zuließ, dass ihr Sohn ein kurzsichtiges Mädchen heiratet Kapitel 6Igitt, igitt, igitt. Alex wich einer weiteren Pfütze aus und wischte sich den Regen aus den Augen. Sie hatte es gestern nicht geschafft, joggen zu gehen, doch heute wollte sie das Laufen nicht versäumen. Als sie beim Aufwachen den prasselnden Regen an der Fensterscheibe gehört hatte, wäre sie am liebsten wieder unter die Decke gekrochen. Dabei war selbst die Aussicht, klatschnass zu werden, besser als ihr schrecklich unbequemes Gästebett. Während sie lief, bemerkte sie ein Stechen im Rücken, das sie den wenigen Nächten in ihrem Gästebett verdankte. Doch wenn die Spedition hielt, was sie versprach, müsste morgen ihre brandneue Matratze angeliefert werden. Sie war gestern in der Mittagspause zum nächsten Kaufhaus gestürzt und wie ein durchgedrehtes Kind auf einigen Matratzen in der Bettenabteilung auf und ab gehopst, bis sie sich schließlich für eine breite Matratze für ihr Bett und ein etwas bequemeres Modell für das Gästebett entschieden hatte, in dem ihre Mutter schlafen soll Kapitel 7Skihosen, Handschuhe, Sonnenblocker, Ohrenschützer für Millie – Saff hakte die Punkte auf ihrer Liste ab, als sie die Skisachen für ihre Familie in den Koffer packte. Dann erhob sie sich langsam aus der Hocke. Ihre Füße waren eingeschlafen, doch wenigstens hatte sie jetzt das meiste zusammen, außer den Dingen, die erst zum Schluss eingepackt werden konnten, natürlich. Die würde sie dann morgen bei Tagesanbruch verstauen. Nach der Aufregung heute Morgen war es endlich still im Haus. Die Kinder waren vor lauter Vorfreude auf den Flug nach Courchevel früh am nächsten Morgen ganz außer Rand und Band gewesen, doch alles, was sie jetzt noch hörte, war das Brummen des Geschirrspülers und das Rascheln von Millies Hamster in seinem Käfig in der Ecke.«Großer Gott, Oscar, jetzt beruhige dich doch mal!», hatte sie ihrem Sohn zugerufen, als sie versuchte, auf dem Schulweg einen Mülllaster zu überholen und ihr der Gegenverkehr entgegenrauschte. «Du wirst noch explodieren, wenn du den ganzen Kapitel 8«Wie konntest du nur?»Ella klatschte mit den Händen auf eine Tüte Salz- und Essig-Chips, die sich mit einem Knall öffnete und scharf riechende Brösel ausspie, und bot Frankie davon an. Doch er schüttelte wütend den Kopf. «Ich verstehe gar nicht, warum du jetzt böse bist. Du hättest den Job doch ohnehin nicht bekommen.»«Darum geht es nicht – du bist einfach hinterhältig. Und außerdem hast du die ekelhaftesten Essgewohnheiten der Welt.» Frankie funkelte Ella zornig an, während sie ihr bunt zusammengewürfeltes Frühstück verspeiste. Bis jetzt hatte sie eine Schokoladenmousse, ein Stück kalte Pizza und eine Scheibe Toast mit Erdnussbutter verdrückt und dazu mehrere Gläser Milch getrunken. Die Chips, so hoffte Frankie inständig, waren ihre Nachspeise.«Aber warum macht es dir dann etwas aus? Du wolltest den Job von Anfang an nicht, und das weißt du auch. Du hast wahnsinnig herumgejammert, als ich den Termin für das Bewerbungsgespräch für dich vereinbart habe. Und du hast gesagt, dass Kapitel 9Frankie sperrte die Tür mit dem Schlüssel auf, den Ella ihm in die Hand gedrückt hatte, bevor sie – offenbar auf Wolke sieben – nach Croydon entschwebt war. Wenigstens hatte er es so weit geschafft, sie auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen, dass sie bei Alex’ Mutter anrief, um ihr zu sagen, dass in Kürze ein «vertrauenswürdiger Freund» zu ihr käme, der sie zu ihrem Termin fahren würde, und dass sie, Ella, etwas später als gedacht zurückkäme. Frankie hatte ihr dafür eine Reihe von Versprechen abgerungen, wie, ihm das Frühstück ans Bett zu bringen, die Wäsche im Waschsalon zu waschen und den Müll runterzubringen. Wenn sie all ihre Versprechen einhielt, wäre der Rest von Frankies Leben das reinste Paradies. Doch das war so wahrscheinlich wie …Er rief nach der alten Dame, als er nach oben ging. «Hallooo? Mrs. Hill? Sind Sie da? Ich bin Ellas Freund. Ich bin hier, um Sie zu Ihrem Termin abzuholen …»«Das wird aber auch Zeit! Ich bin hier», überrumpelte ihn eine herrische Stimme Kapitel 10«Verdammte Katastrophe!»Camilla machte es sich auf dem Stuhl gegenüber von Alex bequem. «Wie meinst du das?»«Ich glaube nicht, dass ich mich jemals in meinem Leben so blamiert habe», fuhr Alex fort, streifte sich die Tasche von der Schulter und ließ sie unter den Schreibtisch fallen. Vorsichtig bewegte sie den Kopf, um die Verspannung zu lösen, die die Tasche ihr auf dem Rückweg von Heathrow in der heißen, überfüllten U-Bahn verursacht hatte. Es war unmöglich gewesen, ein Taxi zu bekommen. «Kannst du versuchen, die IT-Abteilung zu erreichen? Sie sollen sich diesen bescheuerten Laptop vornehmen und ihn wieder reparieren.»«Was ist denn schiefgelaufen?»«Frag lieber, was nicht schiefgelaufen ist!» Alex wandte sich wieder dem Schreibtisch zu und holte einige Unterlagen aus ihrer Tasche. Ihr tat alles weh, der Nacken, der Kopf, doch am schlimmsten hatte es ihren Stolz erwischt. «Da stehe ich also vor zweihundert Mitarbeitern aus dem Vertrieb, die mich erwartungsvoll ansehen – mich, Kapitel 11Mit einem Tablett in der Hand, auf dem sie einen dampfenden Becher Tee und einen Teller mit Vollkorntoasts und Honig balancierte, klopfte Ella behutsam an Frankies Schlafzimmertür. Sie wartete, bis sie ein leises Ächzen hörte, und trat dann vorsichtig ein. «Frankie!», rief sie sanft. «Frankie, hier ist dein Frühstück. Genau so, wie du es wolltest.»Ein langer, blasser Arm kam unter der Bettdecke hervor und schob die schneeweißen Stofffalten beiseite, dann erschien der verstrubbelte Kopf und das unrasierte Gesicht ihres Bruders. Normalerweise legte Frankie ja schon frühmorgens einen fatalen Ordnungswillen an den Tag, aber neuerdings sah er beim Aufstehen aus, als hätte er nachts mit einem Tiger gekämpft. Er strich sich das dunkle Haar aus dem Gesicht und blinzelte sie an. «O Gott, ist es schon so spät?»Ella lächelte ihm mitfühlend zu. «Ich fürchte, ja. Hier – trink einen Schluck Tee. Das hilft vielleicht.»Frankie stemmte sich hoch und schüttelte den Kopf. «Tee allein wird da ni Kapitel 12Frankie erhob sich vom Sofa, streckte sich behaglich und spazierte unter die Dusche. Die Ranke würde zwar noch ein paar Stunden schlafen, doch wenn er früher da war, konnte er die Hausarbeit erledigen, bevor sie aufwachte. Er rasierte sich sorgfältig, während er sein Gesicht im Spiegel, den er mit der Hand vom Wasserdampf befreit hatte, betrachtete. Die Ranke hatte gestern gesagt, er sehe wie David Hemmings in Blow Up aus, und so strich er sich das Haar ins Gesicht und sah sich aus halbgeschlossenen Lidern an, um eine Ähnlichkeit zu erwirken. Davon war allerdings nichts zu erkennen. Aber wenn die Ranke dieser Ansicht war, hatte er bestimmt nicht vor, sich mit ihr darüber zu streiten.Nachdem er sich abgetrocknet hatte, streifte er sich das hellblaue Hemd über, das Ella für ihn gebügelt hatte. Hmmm, Ella. Er grinste in sich hinein. Junge, was für eine Freude, sie so kuschen zu sehen. Manchmal war er kurz davor, ihr die Wahrheit zu sagen, doch sein gesunder Menschenverstand setz Kapitel 13«Mummy! Er bewegt sich nicht!» Millie hatte die Autotür schon geöffnet, noch bevor sie den Wagen vor der Haustür geparkt hatten, und war in die Küche gerannt, ehe Max den Motor abgestellt hatte. Nachdem Saff sich mit den Koffern auf der Treppe abgekämpft und sie im oberen Flur abgestellt hatte, bog sie die Finger durch, um das taube Gefühl in den Händen loszuwerden. Die Koffer waren schwerer, als sie angenommen hatte. Sie konnte hören, wie Max die Skier im Schuppen verstaute.«Was ist denn los, Millie? Warte, ich komme gleich nach unten.» Obwohl nur eine Woche vergangen war, hatte sie das Gefühl, dass die Luft im Haus vollkommen abgestanden war. Sie konnte es nicht erwarten, die Fenster aufzureißen, um die Frühlingsluft hereinzulassen.«Aaaah! Er ist tot. Widget ist tot!» Millies Gesicht war von Trauer verzerrt, als Saff zu ihr vor den Hamsterkäfig trat. Ihre Tochter umschlang sie und hielt sich verzweifelt an ihr fest. «Sie hat ihn getötet!»«Jetzt warte mal, Süße, lass mich ma Kapitel 14Ella durchwühlte den Stapel mit Unterlagen ein weiteres Mal, als könnte sie allein dadurch die Liste zum Vorschein bringen, nach der sie suchte. Aus dem Büro nebenan hörte sie, wie Mikes Finger im Stakkato über die Tastatur flogen. Ihr neuer Chef tippte stoßweise – ein paar Minuten lang schrieb er wie besessen, um dann, in der Hoffnung auf neue Einfälle oder Inspiration oder was auch immer, innezuhalten. Ach, Inspiration. Wenn Ella nur ein wenig davon aufbringen könnte!Heute Morgen hatte sie dieses entscheidende Stück Papier noch besessen, nachdem sie es gestern mühselig auf Frankies Laptop geschrieben hatte. Er hatte scherzhaft zweimal hinsehen müssen, als traute er seinen Augen nicht, dass sie an etwas arbeitete. Gereizt hatte sie sich das Haar aus dem Gesicht gestrichen und ihr Zwei-Finger-Suchsystem für einen Moment eingestellt, um ihm die Zunge herauszustrecken. Danach hatte sie verbissen weitergemacht.«Die Sache scheint ernst zu sein», hatte er sie aufgezogen. «Machst d Kapitel 15«Ich denke da an Bagels.» Maurice, schmalziger Oberboss der Großartigen Gourmets, senkte seine Unterlagen, als habe er soeben verkündet, ein Heilmittel gegen Erkältungen erfunden zu haben. Dann blickte er sie erwartungsvoll an.«Bagels?»«Für Ihr Event. Winzige, klitzekleine Bagels, wissen Sie, die unnachahmlich süß schmecken oder mit geräuchertem Lachs oder Schokolade gefüllt sind. Selbst Gänsestopfleber …»Alex knurrte der Magen. Sie war heute Morgen in derartiger Eile gewesen, dass ihr Frühstück lediglich aus einer Scheibe von Ellas herrlich saftigem Früchtebrot bestanden hatte, das sie in der Brotdose in der Küche entdeckt hatte. Ihr üblicher Zwischenstopp bei Starbucks auf dem Weg zur Arbeit war durch einen Anruf von Todd verhindert worden, der sich auf dem Weg nach München befand und die Wartezeit am Flughafen totzuschlagen versuchte. Sie hatten sich seit zwei Wochen nicht gesehen, und er war offensichtlich frustriert deswegen.Maurice schwärmte mittlerweile in den höchsten Kapitel 16Bis Alex endlich Donatella Cappuccios pompöse Frisur – eine Mischung aus Cruella de Vil und dem Fell eines Stinktiers – durch das Büro auf sich zukommen sah, hatte sie zwei Anrufe nach Italien und Holland erledigt und sich ein großes Schokoladencroissant einverleibt. Die zweifellos angesagteste Stylistin Londons, die in ihren Vivienne-Westwood-Pumps über einen Meter zweiundachtzig maß, ließ sich in ihrer Leopardenjacke, den schwarzen Strumpfhosen und knappen Karoshorts auf dem Stuhl nieder, von dem sich Maurice erst kurz zuvor erhoben hatte. In dieser geheiligten Stätte für Lycra und Laufschuhe wirkte Donatella so deplatziert, dass Alex fast lachen musste, als sie an sich herabsah und ihre einfache Jeans und das dunkelblaue Sweatshirt betrachtete. Donatella hatte noch nichts gesagt und ihr nur die kühle, schlaffe Hand entgegengestreckt, doch der Ausdruck vollkommener Abneigung auf ihrem Gesicht sprach Bände. Und er wandelte sich in schiere Fassungslosigkeit, als sie einen Bli Kapitel 17«Noch etwas Tee?», rief Frankie durch die geöffneten Türen der Ranke zu, die, in einer ärmellosen Bluse und Jeans, ihren frischbefreiten Arm tätschelte. Ohne den Gips, der ihr vor ein paar Tagen abgenommen worden war, sah der Arm schrecklich aus, bleich, schlaff und spindeldürr. Schnell wandte Frankie den Blick ab. Doch nicht schnell genug. Die Ranke wollte sich ihren seidenen Hausmantel schnappen und zuckte zusammen, als sie den Arm weiter ausstreckte, als es ihr in den letzten Wochen möglich gewesen war.«Himmel nochmal», blaffte sie. «Kann man nicht wenigstens ein paar Minuten seine Ruhe haben? Müssen Sie das ständig tun? Sich an Leute heranschleichen? Das ist wirklich enorm nervtötend.»Frankie zog sich in die Küche zurück – mit Tempo. Was sollte das heißen? Sich anschleichen? Er schlich sich nicht an! Er hatte sich in seinem ganzen Leben noch nie irgendwo angeschlichen. Schwungvoll stellte er das Tablett auf der Anrichte ab. Es war nicht das erste Mal, dass die Ranke ihn a Kapitel 18Saff blickte auf die Uhr, während sie die Schublade mit den Pfannen zuknallte. Max war zu spät dran. Eigentlich rief er immer an, wenn er wusste, dass es sehr viel später wurde.«Komm schon», drängelte sie Oscar, der auf dem Sofa lag und sich die Simpsons ansah. «Du übst jetzt Klarinette, und dann geht es ab ins Bett.»Der Junge stöhnte. «Warum? Klarinettespielen ist ätzend.»«Weil du üben musst.» Sanft zog sie ihn an den Beinen und schüttelte das Kissen hinter ihm auf. Er schien mittlerweile so groß geworden zu sein, dass er das ganze Sofa besetzte. Wie konnte er so gewachsen sein, ohne dass sie es bemerkt hatte? Vielleicht wuchs er nachts, wie die magische Bohnenranke im Märchen. Wo steckte Max bloß?«Aber Mum, das ist sooo langweilig, und Mr. Tredington ist ein Idiot, und außerdem kann ich die Tonleitern schon.»«Aber du spielst die Stücke noch nicht so gut, Oscar», erwiderte sie mit einer Strenge, die sie überraschte. «In der Prüfung wirst du wie ein Idiot dastehen, wenn du si Kapitel 19Ella wischte sich die Hände an der gestreiften Schürze ab, die sie an der Rückseite der Küchentür gefunden hatte. Als sie sich die Schürze umgebunden hatte, war ihr ein Hauch von Frankies Duschgel in die Nase gestiegen. Das gab ihr ein Gefühl von Sicherheit, als wäre er hier bei ihr und nicht unten auf dem Gehsteig, wo er hektisch auf und ab lief. Am Nachmittag hatten sie alles etliche Male durchgesprochen, und die Liste befand sich in ihrer Tasche. Was sollte schon schiefgehen? Und doch fühlte sich Ella, als müsste sie einen Jumbojet voll kreischender Passagiere zur Landung bringen, nachdem der Pilot ohnmächtig geworden war – und das, ohne jemals vorher ein Flugzeug gesteuert zu haben.Als sie vorhin angekommen war, hatte Alex sie herzlich umarmt. Ein merkwürdiges Gefühl, denn sie hatte nicht eines der großartigen Dinge getan, für die Alex sich bei ihr bedankte. Seit ihrer ersten Begegnung hatten sie sich nicht mehr gesehen. Sie war absolut bescheiden geblieben und hatte beto Kapitel 20Von ihrer Position vor dem Café aus konnte Alex die vorbeigehenden Leute beobachten und trotzdem noch den Eingang der Agentur im Auge behalten. Sie war noch nie in Mailand gewesen, obwohl sie, seit sie diesen Job angenommen hatte, zunehmend zu einem wandelnden Lexikon wurde, was Europa anging, und das bereitete ihr große Freude. Nun, der Himmel wusste, dass sie genügend Gelegenheiten gehabt hatte, den Kontinent zu entdecken. Sie wollte unbedingt Bettina Gordino, das Supermodel, an Bord holen, um sich Donatellas Mitarbeit zu sichern. Und so hatte sie Stunden um Stunden am Telefon damit zugebracht, Bettinas praktisch unauffindbaren Mailänder Agenten, Matteo Corniani, an die Strippe zu bekommen. Er hatte schließlich mit einem Hauch von Optimismus durchblicken lassen, dass sich seine wunderbare Klientin eventuell dazu herablassen könnte, auf der Produkteinführung zu modeln, woraufhin Alex ihn noch heftiger belagert hatte. Deshalb hatte sie an diesem Vormittag bereits drei Stunden Kapitel 21Frankie nahm erneut den Hörer ab, um zu prüfen, ob sein Telefon noch funktionierte. Dann checkte er zum wiederholten Male seine E-Mails: Doch da waren nur ein paar Angebote für Viagra oder besser für vi*a*gra, ein schlauer Spam-Trick, gegen den sein Computer sich offenbar nicht wehren konnte. Er seufzte und sah sich zur Ablenkung in der Wohnung um. Es gab nichts mehr, was er noch aufräumen oder putzen konnte. Also lief er im Zimmer auf und ab und raufte sich dabei das ordentlich frisierte Haar, bis es ihm in alle Richtungen vom Kopf abstand. Das Vorsprechen heute war seine große Chance gewesen – vielleicht seine einzige große Chance. Und er hatte es vermasselt. Er wollte jetzt niemanden sehen – nicht einmal Ella. Ihre vorlaute Art machte alles nur noch schlimmer. Und sie hatte mit Sicherheit kein Verständnis dafür, wie sehr ihm die ganze Angelegenheit mit Alex zugesetzt hatte. Einmal abgesehen vom nun fehlenden Einkommen, das sein Versagen mit sich brachte, konnte Ella nicht Kapitel 22Ella schlürfte ihren Kaffee und tippte weiter. Sie wurde definitiv schneller, auch wenn es ihr wahrscheinlich rein körperlich kaum möglich war, noch langsamer zu tippen. War es denkbar, vor lauter Langsamkeit rückwärts zu schreiben? Sie hatte den Dreh immer noch nicht raus, aber wenigstens streckte sie mittlerweile die Zunge nicht mehr aus dem Mund, während sie schrieb – eine Angewohnheit, über die sich ihr Chef Mike gnadenlos lustig gemacht hatte. Sie hörte, wie er in der Höhle, die er sein Büro nannte, herumfuhrwerkte. Heute Morgen war er ihr noch übellauniger als sonst vorgekommen, und sie hatte nicht vor, noch mehr Ärger auf sich zu ziehen, als absolut nötig war. Obwohl sie in der Zwischenzeit festgestellt hatte, dass er eigentlich gutmütig war, ihr gegenüber zumindest. Allerdings zog er sie jedes Mal, wenn er dachte, sie sähe unbeschäftigt aus, ab und ließ sie Unterlagen kopieren oder die Ablage machen – und Ella hasste beides. Schnell zog sie die Zunge ein und widmete s Kapitel 23Saff ließ die Wäsche in den Korb fallen und öffnete das Badezimmerfenster. Heute war es so drückend heiß und schwül, dass es ihr nicht einmal Erleichterung verschaffte, wenn sie alle Fenster aufmachte. Der glückliche Max saß in seinem klimatisierten Büro. In den letzten Wochen war er so beschäftigt gewesen, dass sie kaum Zeit hatten, sich auszutauschen. Und wenn er nach Hause kam, vergrub er sich in seinem Arbeitszimmer, um an einem neuen Projekt zu arbeiten, einer investigativen Dokumentation, bei der es um Betrugsfälle mit Spendengeldern ging. Oder etwas Ähnliches.Saffron wischte ein paar Gewitterfliegen von der Fensterscheibe und betrachtete das trockene Rasenstück im Garten. Wie wunderbar wäre es, mit Blick auf die Felder zu wohnen und sich Hühner zu halten oder mit einem Hund im Wald spazieren zu gehen. Wenigstens hätte sie dann etwas Interessantes zu tun. Ein paar ihrer Freundinnen wollten sich später bei Starbucks auf einen Kaffee treffen, doch Saff konnte das inhaltlo Kapitel 24Drüben in Chelsea sah die Welt nicht viel besser aus, sondern deutlich schlechter. Die Ranke hatte Frankie die Tür zu ihrem kleinen Cottage geöffnet und ihn geistesabwesend begrüßt. Sie steckte noch in ihrem Morgenmantel, auf dessen Ärmel die Spuren eines kargen Frühstücks zu sehen waren. Neugierig verfolgte sie im Fernsehen die Bemühungen zweier übereifriger Immobilienmakler, ein adrettes japanisches Paar für ein Haus zu interessieren, das drei Duschbäder, aber keine Badewanne besaß. Sie wandte kaum den Blick vom Fernseher, als Frankie begann, um sie herum Ordnung zu schaffen. In den drei Tagen, seit Alex sie vor die Tür gesetzt hatte, schien sie körperlich geschrumpft zu sein und wirkte ermüdet, wie damals, als er ihr zum ersten Mal begegnet war. Bis jetzt hatte Frankie nicht bemerkt, wie sehr die Ranke in der Zeit bei Alex aufgeblüht war. Als sie sich das letzte Mal dort gesehen hatten, hatte sie Witze gerissen, wild beim Pokern geschummelt und groteske Imitationen von ver Kapitel 25Alex löschte die Entschuldigungs-SMS von Saff, ohne sie gelesen zu haben. Das war schon die fünfte, die sie von ihr erhalten hatte. Sie hatte die ersten beiden überflogen und es dann nicht mehr ausgehalten. Sie feuerte das Handy zurück in ihre Tasche.An diesem Abend hatte sie endlich ihre lang ersehnte Ruhe. Erst hatte sie geduscht, dann Eiscreme aus der Packung gelöffelt, und zum ersten Mal seit einer Ewigkeit lag die Macht über die Fernbedienung ganz bei ihr. Ihre Mutter hatte angerufen und ihr eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen, um zu fragen, wie es ihr ging. Doch Alex schenkte dieser Unterbrechung keine Beachtung. Sollten sie doch alle zur Hölle fahren, dachte sie trotzig und goss sich noch ein Glas Wein ein. Eine Zeit lang zappte sie durch die Kanäle, aber es kam nur Mist über drittklassige Promis, die sich selbst zur Schau stellten. Sie ließ den Blick durch die Wohnung streifen. Überall waren ihre Sachen verstreut, ihre Laufkleidung lag in einem Haufen Kapitel 26Frankie zog die Haustür hinter sich zu und trat auf die Straße hinaus. Na großartig, das lief ja hervorragend, du Idiot. Er hatte die perfekte und unerwartete Gelegenheit gehabt, mit Alex über ihre deprimierte Mutter zu sprechen, und sie vollkommen in den Sand gesetzt. Sie schien ziemlich klare Ansichten über die Ranke zu haben, und er hatte es lediglich fertiggebracht, sie noch wütender zu machen. Frankie schüttelte den Kopf. Die ganze Angelegenheit ging ihn sowieso nichts an. Warum sollte er sich dafür einsetzen, dass zwischen den beiden wieder Frieden herrschte? Wütend kickte er eine Cola-Dose über die Straße und ging nach Hause.Er hörte das Telefon klingeln, während er mit dem Schlüssel herumhantierte. «Hallo?», japste er, als er das Telefon auf dem Sofa gefunden hatte, wo Ella es zuletzt hatte liegen lassen. Er hörte die kratzende Raucherstimme am anderen Ende der Leitung. «Wann soll ich da sein? Ja, wieder in St. John’s Wood? Klar, kein Problem. Soll ich eine bestimme S Kapitel 27«Du lieber Himmel, sag bloß, du hast schon wieder einen Kuchen gebacken?» Max beugte sich zu ihr vor und drückte ihr einen Kuss auf das Haar. «Du bist doch nicht etwa schwanger, oder? Oder versuchst du mich zu mästen, damit ich meine Anziehungskraft auf junge Frauen vollends einbüße?»Saff kam sich plötzlich dämlich vor und ließ den Kochlöffel abrupt in die Spüle fallen, um sich dem Notizblock zuzuwenden, auf dem sie ein paar Dinge notiert hatte. «Nein, nein – ich hatte einfach nur ein wenig Zeit und wollte etwas ausprobieren, das ist alles. Es ist ein Bananenkuchen …» Sie verstummte langsam, als sie bemerkte, dass er ihr nicht mehr zuhörte, weil er gerade die Telefonrechnung öffnete, die auf dem Küchentisch lag. Sie wischte sich die Hände an der Schürze ab und ging zum Kühlschrank. «Ein Bier, Schatz?»«Hmm», murmelte er abgelenkt. «Mensch, die Rechnung ist aber hoch. Weil du tagsüber ständig mit Alex und anderen Leuten quatschen musst.»«Das tue ich überhaupt nicht – die Rechnu Kapitel 28Am folgenden Nachmittag befand sich Frankie wieder auf der Probebühne des Theaters in der Kirche in St. John’s Wood. Wenn man bedachte, wie viele Stars die Truppe normalerweise unter Vertrag hatte, war dieser Ort reichlich schäbig, aber vielleicht war es gerade die Anonymität, die ihnen gefiel. Es wäre nicht sehr hilfreich, von seinen Fans verfolgt zu werden, während man dabei ist, seinen Job zu machen.Frankie bahnte sich einen Weg zurück durch die dick mit Farbe bepinselten Türen, hinein in das schummerige Bühnenlicht, das einen starken Gegensatz zu dem hellen Sonnenschein draußen bildete. Dann wurde er von der Besetzungschefin begrüßt, die er vom letzten Mal kannte. Das Haar, zu blond für das ledrige, gebräunte Gesicht, war zu einem lockeren Knoten gebunden, wieder trug sie mehrere Schichten aus verwaschenem Leinen und hatte sich trotz der Wärme einen verfilzten Cardigan um die Schultern geschlungen. Sie strich sich eine Strähne aus dem Gesicht und hakte seinen Namen auf de Kapitel 29«Hör zu, Alex, ich bin’s wieder. Ich weiß, dass du nicht mit mir sprechen willst, aber mich macht das ganz schön fertig, und ich muss mit dir reden. Dir alles erklären.» Saff haspelte weiter, fest entschlossen, nicht zu weinen. Sie starrte angestrengt auf die Florentiner, die auf einem Rost neben dem Ofen abkühlten. Sie hatte keine Ahnung, wie viel Aufsprechzeit Alex’ Anrufbeantworter bewilligte, also musste sie schnell sein.«Alex, ich hatte wirklich gedacht, dass das, was wir getan haben, nur zum Besten aller war. Du hast doch auch ohne die Ranke schon mehr als genug Stress um die Ohren. Ich weiß doch, wie sie manchmal sein kann, Alex. Erinnerst du dich an diesen schrecklich verregneten Urlaub in Prestatyn, als wir zehn waren? Sie war sogar noch gelangweilter als wir und hat die ganze Zeit in ihrem Zimmer Trübsal geblasen. Gütiger Gott, du bist in der Woche damals eine echte Heilige gewesen … jedenfalls, das ist alles, was ich dir sagen wollte.» Ihre Stimme verebbte, als sie Kapitel 30Sie trafen sich auf neutralem Boden. Es schien irgendwie nicht angemessen zu sein, sich wieder in ihrem Apartment zu treffen, deshalb hatte Frankie dies gar nicht erst vorgeschlagen. Und sie ebenfalls nicht, wie ihm aufgefallen war. Sie war überrascht gewesen, so kurz nach ihrer letzten Konfrontation von ihm zu hören, aber sie hatte den Hörer nicht aufgeknallt, wie er befürchtet hatte. Und als er ihr eröffnet hatte, dass er mit ihr über die Ranke sprechen wollte, hatte sie sofort zugestimmt. Nun standen sie sich am Palace Gate in Kensington Gardens gegenüber und sahen sich nach einem peinlich berührten Hallo schweigend an. Mit einem Schlag wurde ihm klar, dass sie auf eine Erklärung für seinen Anruf wartete. Die frühabendliche Sonne schien durch die Bäume, aber es war noch warm genug, sodass Alex ihre Jacke ausgezogen hatte. Frankie führte sie in den Park und dort zu einer Bank, auf der sie sich gemeinsam niederließen. Sie schien sich ebenso unsicher zu fühlen wie er, also ve Kapitel 31Als Alex am nächsten Abend von der Arbeit nach Hause kam, saß Frankie auf dem Mäuerchen vor ihrem Apartment, wie sie es mit ihm vereinbart hatte. Sie erkannte seine hochgewachsene Gestalt, als sie um die Ecke bog. Er bohrte irgendetwas mit der Schuhspitze in den Boden und hielt einen Eislutscher in der Hand. Sie verlangsamte ihre Schritte, bevor er sie entdeckte. War es wirklich eine gute Idee gewesen? Sie waren innerhalb von vierundzwanzig Stunden von Konfrontation zu Konspiration übergegangen. Konnte sie ihm vertrauen?Er lächelte ihr zu, als sie näher kam, und hielt den Eislutscher entschuldigend hoch. «Tut mir leid, ich hätte dir gern einen mitgebracht, aber ich wusste nicht, wie lange es bei dir dauern würde.»Alex ließ ihre Tasche an der Türschwelle fallen und kramte ihren Haustürschlüssel hervor. «Wäre keine schlechte Idee gewesen – aber offen gesagt hätte ich jetzt rasend gern ein Glas Wein.»Frankie schob die Hand in den kleinen Rucksack, den er bei sich trug, und zog m Kapitel 32«Na, dann komm.» Ella hob den Korb vom Küchentisch. «Lass uns losziehen und die Geschmacksknospen sämtlicher Besitzer von Delikatessenläden in South London kitzeln. Zeigen wir ihnen, wie echtes Selbstgebackenes schmecken muss.»«O mein Gott, ich bin noch nicht bereit!», hörte sich Saff quieken. Ihr war schlecht vor Aufregung.«Du wirst sie alle begeistern. Diese Bananen-Pistazien-Mischung ist zum Sterben gut. Eine super Idee von der Mutter seiner Ex. Wenigstens hat Frankie seine Zeit nicht völlig an ihr verschwendet. Auch die Müslikekse sind himmlisch, und erst recht die Florentiner. Also, wenn wir jetzt nicht loskommen, esse ich alles auf. Sie werden dir zu Füßen liegen. Nimmst du bitte mein Handy mit?» Ella ging zur Tür, und Saff griff nach dem Mobiltelefon und ihrer Tasche und trottete ihr hinterher. Sie war erschöpft von den letzten Stunden, in denen sie versucht hatte, Ellas raschen Gedankensprüngen zu folgen. Sie sprang noch schneller von einem Thema zum anderen als Milli Kapitel 33Frankie fand, dass man sich an dieses Leben gewöhnen könnte. Wenn er nicht wegen des Vorsprechens bei Herschmann so nervös gewesen wäre, hätte er es sogar durchaus genießen können. Die klimatisierten Büros, regelmäßigen Meetings, die Telefonkonferenzen und geschäftlichen Mittagessen, all das besaß einen gewissen Glamour für ihn, weil es ihm so wenig vertraut war. Er war Alex die letzten beiden Tage auf Schritt und Tritt gefolgt, und je mehr Zeit er mit ihr verbrachte, desto erstaunter war er, wie sie den endlosen Strom von Zahlen, der über ihren Schreibtisch floss, beherrschte, und war beeindruckt von ihrer gedanklichen Beweglichkeit und der Zuversicht, mit der sie jedes Detail der Produkteinführung überwachte. Doch er war immer weniger davon überzeugt, dass es jemanden gab, der ihr an den Kragen wollte. Sosehr er sich auch anstrengte, bislang war ihm noch kein Beweis untergekommen. Sie wurde von allen mit nichts als ausgesuchtem Respekt behandelt.Während der Mittagspausen ha Kapitel 34Alles in allem schlägt er sich nicht schlecht, dachte Alex, als sie Frankie dabei beobachtete, wie er im Büro umherging und mit allen plauderte. Er besaß die natürliche Gabe, Leute in ein Gespräch zu verwickeln und sie dazu zu bringen, dass sie von ihrem Lieblingsthema sprachen – von sich selbst.Einige Male hatte sie von ihrem Schreibtisch aufgeblickt und bemerkt, wie er auf einige Leute zuging, und wenig später hatte er sie zum Lachen und Plaudern gebracht. Das war ein wertvolles Talent.Doch es war Frankies neuer Look, der sie am meisten aufwühlte. Als er an jenem ersten Morgen in der Tür auftauchte, war ihr fast das Herz stehen geblieben. Er hatte diese Sache mit der Kleidung wirklich ernst genommen und die Rolle so gespielt, wie es vereinbart war. Verschwunden waren die ausgebeulten T-Shirts und Jeans, der lässige Schauspielerlook. Stattdessen war ein hochgewachsener und, sie musste es zugeben, gutaussehender Mann in Todds pinkfarbenem, gestreiftem Hemd auf der Bildfläche Kapitel 35Um elf Uhr saßen alle bis auf Alex im Konferenzraum. Nach einer kurzen Weile entschuldigte sich Frankie und schlüpfte hinaus. Er traf sie auf allen vieren unter ihrem Schreibtisch an.«Ich kann das Ladegerät für mein Handy nicht finden», murmelte sie. «Und ich erwarte einen Anruf von Donatella, die mich wegen einiger Punkte, die wir gestern besprochen haben, auf den neuesten Stand bringen wollte. Oh, verdammt!»«Alex, alle warten auf dich. Kannst du nicht später danach suchen? Vielleicht hat jemand anderes das gleiche Ladegerät.»«Was?» Alex kam unter ihrem Schreibtisch hervorgekrochen. Ihr stand das Haar nach allen Seiten ab, und ihre Augen hatten einen verzweifelten Ausdruck angenommen. «Ich dachte, das sollte erst um elf stattfinden.»«Ja, und jetzt ist es fünf nach. Komm schon, beeil dich. Ich folge dir in ein paar Minuten.»Alex warf einen verständnislosen Blick auf die Wanduhr. «Aber meine Uhr zeigt an, dass es erst zehn vor ist. Sie geht plötzlich nach. Jemand muss sie heut Kapitel 36Alex verbrachte das Wochenende in einem völlig entrückten Zustand. In einer Minute war sie entsetzt über das, was sie und Frankie getan hatten, in der nächsten betrachtete sie ihren Körper, während sie in der Wanne lag, und erinnerte sich daran, wie seine Hände ihre Haut gestreichelt hatten und wie sich sein Körper an ihrem angefühlt hatte. Nicht so massig und hart wie Todds, auch straff, aber doch weicher unter ihrer Berührung. Sie konnte sich kaum erinnern, ob sie miteinander gesprochen hatten, außer an den Moment, als er flüsternd gefragt hatte, ob es sicher war, und sie im gleichen Moment vor Lust aufgeschrien hatten.Sie wollte mit jemandem reden und hatte schon einen Augenblick lang die Hand auf den Hörer gelegt, um Saff anzurufen, sie dann aber weggezogen. Nach allem, was zwischen ihnen geschehen war, wäre dies eine seltsame Methode, die Scherben zu kitten. Zuzugeben, dass sie mit Frankie geschlafen hatte, wenn es doch seine Anwesenheit gewesen war, die für das Zerwürfn Kapitel 37Ella blätterte ohne große Begeisterung durch die Stadtzeitung. Keine der ausgeschriebenen Stellen interessierte sie auch nur im Geringsten. Vor der lebhaften Arbeitsatmosphäre beim Radiosender verblasste alles andere zu Bedeutungslosigkeit, sogar die Aussicht, Saff zu helfen. Sie seufzte und warf gereizt die Zeitung beiseite. Sie würde sich einfach nochmal bei Mike melden müssen und nachfragen, ob einer ihrer letzten Vorschläge angenommen worden war. Er hatte sich noch nicht auf das Bombardement von E-Mails gemeldet, das sie auf ihn abgefeuert hatte. Vielleicht wäre es besser gewesen, erst alles ein wenig sacken zu lassen und dann nett, ordentlich und professionell abzuschicken, statt so wild durcheinander, wie die Ideen ihr in den Sinn gekommen waren. Ach, verdammter Mist! Vielleicht war er einfach nur nicht interessiert. Sie schlenderte zum Kühlschrank hinüber und ignorierte die Reste des Brathähnchens, das Frankie am Tag vorher zubereitet hatte.Es war ein schrecklich ödes Kapitel 38Als Alex am nächsten Morgen das Büro betrat, klangen ihr noch die Worte der Ranke im Ohr, die meinte, dass man jeden Tag genießen sollte, bevor alles vorbei war. Alex war sich nicht sicher, ob sie die Situation hier wirklich genießen konnte, aber sie hatte das sichere Gefühl, dass bald alles vorbei sein würde. Sie hatte gehofft, dass sie heute als Erste in die Abteilung käme und bereits völlig in Arbeit vertieft wäre, wenn Frankie auftauchte, damit sie nicht mit ihm sprechen müsste. Sie hatte keine Ahnung, was sie zu ihm sagen sollte. Wie es ihm wohl gehen mochte, nachdem sie sich geliebt hatten und er dann so abrupt aufgebrochen war. Obwohl sie sich das ganze Wochenende über beschäftigt hatte, hatte sie regelmäßig überprüft, ob sich eine Nachricht von ihm auf dem Anrufbeantworter befand. Aber warum sollte er anrufen? Sie hatte ihn praktisch in ihrer Panik hinausgeworfen, als Todd anrief.Doch da es nur noch einen Tag dauerte, bis der Produkt-Launch begann, wollte sie ohnehin, Kapitel 39Frankie schloss seinen Sitzgurt. Er war noch völlig außer Atem. Erst war er für seinen Pass in sein Apartment und dann weiter nach Heathrow gehetzt, hatte in Windeseile türkische Währung gekauft und war schließlich über das Rollfeld zum Flugzeug gelaufen, dessen Triebwerke sich nun mit kreischendem Dröhnen in Bewegung setzten. Er warf der großen Frau neben sich ein dünnes Lächeln zu und versuchte, sich noch enger an die Kabinenwand zu quetschen.«Machen Sie auch Urlaub?», fragte die Frau ungezwungen. «Wir werden uns mit einigen Freunden treffen und eine Woche segeln gehen. Die Türkei ist ja so wundervoll. Sind Sie schon einmal da gewesen?»Da sie keine Antworten zu erwarten schien, gestattete sich Frankie, während des unaufhörlichen Fragenstroms darüber nachzudenken, was, zur Hölle, er hier eigentlich tat. Er hasste das Fliegen, er hasste es, wenn ihm zu heiß wurde, er hasste es, wenn er nicht wusste, was auf ihn zukam, und er hasste unerwartete Ereignisse, die ihn aus seinem T Kapitel 40Zwischen dem Abwiegen von Mehl und Butter versuchte Saff immer wieder, Frankie anzurufen, aber ihr wurde jedes Mal mitgeteilt, dass er sein Handy ausgeschaltet hatte. Dabei wollte sie lediglich in Erfahrung bringen, ob er die Rolle bekommen hatte. Bedeutete die Funkstille nun, dass es gute Nachrichten gab oder schlechte? Sie versuchte, sich beide Szenarien vorzustellen – Frankie, der noch immer betrunken war, nachdem er erfahren hatte, dass man ihm die Rolle geben wollte, und Frankie, der sich umgebracht hatte, nachdem er das Gegenteil erfahren musste. Sie würde die Ranke anrufen, denn sie wusste bestimmt Bescheid.«Nein, Darling, nicht der kleinste Spatz hat etwas vom Dach gepfiffen», raunte Alex’ Mutter in den Hörer. «Vielmehr habe ich auch etliche Male versucht, ihn zu erreichen. Ich komme ebenfalls vor Neugier schier um. Der arme Junge wird von der Warterei ganz außer sich sein.»«Haben Sie etwas von Alex gehört?», fragte Saff leichthin. Es war nun einige Tage her, und Saff Kapitel 41Frankie stopfte hastig seine Reisetasche auf den Rücksitz von Meliks altem Peugeot und kämpfte damit, sein Handy aus der Tasche zu ziehen. Als er auf dem Beifahrersitz Platz nahm, stieg ihm der Geruch nach Leder, Aftershave und starken Zigaretten in die Nase. «Ist es okay, wenn ich kurz telefoniere?», fragte er, woraufhin Melik seine dichten, buschigen Augenbrauen hochzog, die wie zwei schwarze Raupen über seine Stirn wuchsen.«Selbstverständlich, mein Freund», erwiderte der Türke, bevor er mit quietschenden Reifen losfuhr und krachend die Gänge einlegte.Es trat eine Verzögerung ein, als das Mobiltelefon auf ein Netzsignal wartete, und so scrollte Frankie rasch durch das Menü. Dann drückte er schließlich auf den Knopf für die kürzlich gewählten Telefonnummern. Oh, verdammt! Er hatte sich nicht die Mühe gemacht, die internationale Vorwahl für Ellas Nummer einzuspeichern. Wie lautete diese noch gleich? Er lauschte in die Stille hinein, während die Sekunden verstrichen, dann ertö Kapitel 42Alex rieb sich die Augen und suchte in den Tiefen ihrer Tasche nach etwas, um die Schwellung abzudecken. Natürlich fand sie nichts außer Lippenbalsam, daher nahm sie eine Handvoll Taschentücher, hielt sie unter kaltes Wasser und bedeckte ihre Augen damit. Sie hatte einmal in einer Frauenzeitschrift, die sie sich am Flughafen gekauft hatte, gelesen, dass man dies mit Gurkenscheiben tat, aber vielleicht würde der Trick ja auch so klappen.Keine deutliche Verbesserung, fand sie, als sie kurz darauf in den Spiegel blickte. Die schwarzgestrichenen Wände und das grelle Licht auf der Damentoilette enthüllten mehr im Spiegel, als sie gerade zu ertragen imstande war. Zum ersten Mal seit Ewigkeiten betrachtete sie sich einen Augenblick lang. Ich bin dünn, aber nicht auf gesunde Art, sagte sie sich. Sie zupfte an der Haut um ihre Augenpartie und betrachtete die Blässe auf ihren Lidern. Die Schatten unter ihren Augen waren violett, und sie konnte die Venen erkennen. Was mochte Frankie nur Kapitel 43Der letzte Ort, an dem sich Ella jemanden wie Alex vorgestellt hätte, war ein Hip-Hop-Club in Brixton. Aber Frankie war so nachdrücklich gewesen, als er aus der Türkei angerufen hatte, dass Ella sich umgehend mit Alex in Verbindung gesetzt hatte. Alex hatte mit höchst gestresster Stimme erklärt, dass sie vor Ort sein und so lange bleiben würde, bis die Beleuchtung stimmte und der Soundcheck abgeschlossen war, und Ella gefragt, ob sie dorthin kommen könnte. Zunächst schien Alex ein wenig verwirrt gewesen zu sein, verständlicherweise, weil ihre ehemalige Haushaltshilfe sie anrief, aber als Ella ihr erklärte, dass Frankie sie kontaktiert habe, schien Alex bereitwilliger auf sie einzugehen.Die Halle war riesig und schwarz gestrichen. Am auffälligsten waren die Beleuchtungsschienen an der Decke, an denen Lichttechniker herumturnten und weitere Scheinwerfer befestigten. Männer mit schwarzen T-Shirts und Kopfhörern liefen überall umher, und Zimmermänner schlugen Nägel in einen Laufs Kapitel 44Die grellen Lichter des Flughafens kamen in Sichtweite. Obwohl die Fahrt nur kurz gedauert hatte, war Frankie zu Meliks bestem Freund geworden. Er wusste alles über Meliks Familie, und Frankie hatte ihn eingeladen, ihn im kommenden Jahr einmal in London zu besuchen. Sie waren gerade im Begriff, sich herzlich voneinander zu verabschieden, während Melik mit quietschenden Reifen vor der Abflughalle hielt, und Frankie war schon fast ausgestiegen und wollte soeben die Autotür zuschlagen, die Arme vollbehangen mit Taschen, da schlug sich Melik plötzlich an die Stirn.«Frankie, wir haben ein Problem. Wo ist deine Zollabfertigung?»«Meine was?»«Nun, wenn wir Güter außer Landes transportieren, müssen sie erst durch den Zoll …»«Oh, verdammt. Was soll ich jetzt machen?» Er könnte die Outfits einfach in seiner Tasche verstecken, aber dann kam ihm wieder diese eine Szene aus Midnight Express in den Sinn. Sie würden alles finden, und dann würde er mit dem Gesicht auf dem Gehsteig liegen, die Kapitel 45Alex gelang es gerade mal, fünfunddreißig Minuten zu schlafen. Sie hatte den Club in Brixton nicht vor zwei Uhr morgens verlassen und war vier Stunden später bereits wieder zurück und stand an ebenderselben Stelle mit dem einzigen Unterschied, dass sie eine frische Unterhose und ein T-Shirt mit dem Logo ihrer Firma trug. In der Zwischenzeit hatte sie Listen abgehakt, war auf und ab gelaufen, hatte Kaffee getrunken und sich Sorgen gemacht. Sorgen über die Leute, die kommen würden, über Models, die ihr doch noch absagen würden, Sorgen über das Essen, dass zu wenig, zu spät und ungenießbar sein würde. Sie sorgte sich über Stromausfälle, unfähige Stylisten, explodierende Lautsprecher und ein Wiedersehen mit Todd, nachdem sie sich mit Frankie geliebt hatte. Hatten sie sich geliebt? Nannte man einen solchen verrückten Augenblick so, auch wenn es sehr gut gewesen war … geradezu elektrisierend?Und sie machte sich Sorgen um Frankie. Dass er auf ganzer Linie versagte. Irgendwie wusste Kapitel 46Frankie wankte zu Alex hinüber, deren Miene reine Ratlosigkeit zeigte. Er wusste nicht, wie lange er es noch aushalten konnte.«Frankie! Gott sei Dank, du hast es geschafft! Wo sind die Outfits? Und was, um alles in der Welt, ist mit dir los?»«Bin ich noch pünktlich?», quiekte er. «Wo ist Bettina? Kannst du mir sagen, wo hier eine Toilette ist?»«Was? Was hast du …? Ach, du liebe Güte! Frankie! Du hast sie doch nicht etwa …?»«Doch», keuchte er. «Doch, ich habe alles an! Das war der einzige Weg, ohne die entsprechenden Dokumente durch den Zoll zu kommen. Ich musste alles in Istanbul am Flughafen anziehen. Ganz zuunterst habe ich Bettina Gordinos Outfits und zwei T-Shirts, die Melik mir geschenkt hat.» Er zeigte mit behäbiger Geste auf seinen gutgepolsterten Körper. «Du hättest mir sagen sollen, dass sie mehr als einmal ihr Outfit wechseln muss. Du kannst dir nicht vorstellen, wie schrecklich unbequem das hier ist! Welche Größe trägt sie eigentlich, um Himmels willen? Das Zeug de Kapitel 47Saff hätte nicht gedacht, dass Max jemals so schnell fahren würde. Er hatte bereits sechs Punkte in seinem Register, aber das schien ihn nicht zu interessieren, als er über die Straße brauste und sie, Oscar und Millie in dem Van von Offcut Productions allesamt hin und her gerüttelt wurden. Saff murmelte «Denk bitte an das Essen», aber weitere Ermahnungen sparte sie sich. Er hatte sich während der letzten Stunden so phantastisch verhalten, dass sie sich nicht beschweren wollte. Sie wusste, sie würde es büßen müssen, dass ihre Kinder die ganze Nacht über kein Auge zugetan hatten, aber im Augenblick war der Adrenalinpegel ihrer Familie so hoch, dass es eigentlich auch keine Rolle mehr spielte.«Gut», hatte sie gesagt, nachdem ihr das gigantische Ausmaß von Alex’ Bitte vergangene Nacht erst richtig bewusst geworden war. «Alle Mann an den Ofen, und ich meine alle Mann.» Wie ein Feldmarschall hatte sie ihre Befehle gebellt, und schon nach wenigen Minuten stand Oscar an den Teigschüs Kapitel 48«Was gibt es für ein Problem?» Alex blickte in die Richtung, in die der Roadie, der sie unterbrochen hatte, zeigte.«Ich habe keine Ahnung, aber das Mädchen dort drüben hat mich gedrängt, dass ich dich so schnell wie möglich zu ihr bringe.»Alex bahnte sich einen Weg quer durch die Halle. Die Spannung der Vorfreude war nun förmlich mit Händen zu greifen. Drähte, die jemand auf dem Laufsteg vergessen hatte, wurden in letzter Minute von den überall umherschwirrenden Zimmerleuten und Technikern weggeholt. Die PR-Manager der Firma, darunter auch Todd, hingen an ihren Telefonen oder instruierten die Übersetzer. Donatella kam und ging durch die Tür zum Backstage-Bereich wie ein Frettchen auf High-Heels und prüfte noch einmal ganz genau, aus welchem Winkel das Licht einfiel, damit sie die Models und Tänzer entsprechend instruieren konnte.Alex seufzte. Bei dem Mädchen handelte es sich um Ella, und diese winkte Alex wie verrückt zu. «Ella, was in Gottes Namen hat das alles zu bedeuten? Kapitel 49Frankie starrte auf die blasse Gestalt im Dämmerlicht. Aus der Halle hörte man, wie das Summen der Vorfreude weiter anschwoll. Die Show würde jede Sekunde starten. Er musste schnell handeln.Camilla fuhr erschrocken zusammen, als sie seine Stimme vernahm, wandte sich um und sah ihn an. Sie lächelte, und einen fürchterlichen Augenblick lang hatte er Angst, einen schrecklichen Fehler gemacht zu haben, merkte aber dann, dass sie etwas hinter ihrem Rücken zu verstecken versuchte. Ihr unsteter Blick wich seinem aus. «Frankie! Da bist du ja. Alex hat überall nach dir gesucht. Du steckst in großen Schwierigkeiten! Geh mal lieber los und suche nach ihr, schnell.»Frankie trat näher und hoffte, dass das Mikrophon, das Ella ihm an sein Polohemd geklemmt hatte, stark genug war, um sowohl Camillas als auch seine Worte wiederzugeben. «Ich denke nicht. Ich bin ganz sicher nicht derjenige, der in Schwierigkeiten steckt, nicht wahr, Cam? Was hast du da? Zeig es mir.»Mit dem Rücken zur Wand mac Kapitel 50Nichts von dem Drama ahnend, das sich hinter der Bühne abspielte, bahnte sich Saff einen Weg durch die wachsende Menge und bot allen von dem Teller mit den Muffins an. Die Gäste, wenn man sie denn so nennen wollte, waren nicht so freundlich wie die auf den Partys, bei denen sie als Oberstufenschülerin in den Ferien gekellnert hatte. Diese Leute hier zogen säuerliche Mienen und besaßen die Abgeklärtheit von Menschen, die diese Art Spektakel schon oft erlebt hatten. Die Anzahl der vertretenen Nationalitäten war beeindruckend. Sie sah orientalische Gesichter und welche mit Herkunft aus dem Mittelmeerraum. Da waren amerikanische Akzente und Sprachen, die Saff nicht erkannte, weil sie mit enormer Geschwindigkeit und noch höherer Lautstärke gesprochen wurden. Wenn sie mit ihren Speisetabletts näher kam, sahen einige sie an, als wäre sie unter einem Stein hervorgekrochen. Sie hoffte nur, dass man Millie und Oscar nicht mit derselben Herablassung begegnete. Sie spähte an verschiedene Kapitel 51Alex hielt sich noch immer in der Halle auf, um Fragen zu beantworten und sicherzugehen, dass alle ausgemachten Interviews stattfanden – die Times brauchte ewig –, und sie hatte dafür gesorgt, dass Bettina zurück ins Hotel gebracht wurde, begleitet von Dizzy Zee, der Alex auf die Wange geküsst und ihr eröffnet hatte, dass er die Show «hammermäßig» fand und dabei die Frage fallen ließ, ob sie ihm nicht etwas von der Kollektion in sein Hotel schicken lassen könnte? Sanferino hatte ihr die Hand geschüttelt und ihr dabei fast das Gelenk ausgerenkt, als er mit einem sonoren, rollenden Lachen verkündete, er könne sich glatt daran gewöhnen, als Model zu arbeiten. Von Frankie und Ella fehlte jede Spur.«Hast du sie gesehen?», fragte Alex die Ranke, die neben ihr stand. «Ich möchte mich bei ihnen bedanken.»«Vielleicht sind sie nach Hause gegangen, Darling. Der arme Junge muss ganz erschöpft sein von dem Mitternachtstrip. Und dann saß er ziemlich lange mit Camilla und Gavin und so einem Kapitel 52Ella aß ihre Ricicles auf und spülte anschließend ihre Schüssel und den Löffel ab. Dann verharrte sie und lauschte. Noch immer drang kein Geräusch aus Frankies Schlafzimmer. Er war darin verschwunden, seit sie von dem Launch zurückgekehrt waren, und als Ella wieder nach Hause kam, nachdem sie Mike die Ausrüstung zurückgebracht hatte und ihn anschließend zum Mittagessen einlud, um ihm zu danken, und dann wiederum, nach einem wunderbaren Nachmittag im Bett, mit ihm zum Abendessen ausging, damit er sich bei ihr dafür bedanken konnte, dass sie ihn zum Mittagessen eingeladen hatte, schlief Frankie noch immer tief und fest in seinem Zimmer. Sie hatte die kalten Überreste einer Pizza entdeckt und aufgefuttert, und eine leere Flasche Rotwein lag umgekippt neben dem Sofa. Frankies Glas stand unabgespült auf dem Abtropfbrett. Das war schon schlimm, aber am schlimmsten war, dass der Film Die durch die Hölle gehen im DVD-Spieler lag. Wenn er so etwas ansah, war die Lage ernst. Ella hatte Kapitel 53Alex hielt das Gemälde über dem Kamin hoch. Ja, dort würde es sich gut machen. Die feurigen Farbstriche wirkten vor den schlichten Wänden sogar noch dramatischer. Genau das konnte der Raum gebrauchen. Ein wenig Leben. Als das Telefon klingelte, lehnte sie das Gemälde ans Sofa.«Hi, hier ist Saff. Was treibst du gerade so?»Alex lächelte. «Du wirst es nicht glauben, aber ich versuche, ein Bild aufzuhängen.»«Was? Etwas Neues? Ein Echtes?»«Ja, ein echtes Gemälde. Ich habe gerade etwas absolut Unvernünftiges getan …» Sie erzählte Saff, wie sie auf dem Nachhauseweg an einer Galerie vorbeigekommen war, etwas, das sie schon Hunderte Male gemacht hatte. «Aber da stach es mir plötzlich ins Auge, Saff. Und bevor ich wusste, wie mir geschah, war es schon in braunes Papier gewickelt und befand sich unter meinem Arm. Und meine Kreditkarte ist um zweihundert Pfund erleichtert. Ich werde wohl gerade wie meine Mutter.»Saff kicherte. «Du könntest dich schlimmer anstellen. Wie schön für dich! Du Kapitel 54Freitagabend. Ausgehzeit. Frankie lächelte schief und richtete seinen Hemdkragen, als er vor der Haustür der Ranke stand. Er hatte sie sofort angerufen, um ihr zu erzählen, dass er die Rolle bekommen hatte, aber sie hatte erst heute Zeit für ihn gehabt, sodass sie ihre Feier verschieben mussten. Die Ranke hatte ihm außerdem am Telefon mitgeteilt, dass sie nach gründlicher Überlegung beschlossen habe, ihr Cottage zu verkaufen, und es Zeit für eine Veränderung sei. Sie wollte lieber in der Nähe eines Parks wohnen, aber für Frankie fühlte es sich an wie das Ende einer ganzen Ära. Doch so war es ihm schon während der letzten Tage vorgekommen. Es war eine seltsame, auf den Kopf gestellte Woche gewesen, seit seiner Rettungsreise nach Istanbul und dem Produkt-Launch. Trotz der phantastischen Nachricht, dass man ihn für die Rolle ausgewählt hatte, fühlte er sich trübselig und war niedergeschlagen. Ella hatte sich nicht zurückgehalten und ihm gesagt, wie grässlich er aussah, doch er h Kapitel 55Sie standen beide stumm da, als die Schlussleuchten der Limo aus der Wohngegend Richtung Hauptstraße verschwanden.«Ich glaube», sagte Frankie langsam und sah noch immer geradeaus, «dass man uns so richtig gründlich übers Ohr gehauen hat.»Alex lachte peinlich berührt. «Das ist die Geschichte meines Lebens! Die alte Hexe. Sie hat ganz genau gewusst, dass sie ausgehen würde.»Jetzt wandte sich Frankie ihr zu. «Hättest du etwas dagegen?»«Wogegen?»«Den Abend mit mir zu verbringen? Schau uns mal an – wir haben uns solch eine Mühe gegeben, uns herauszuputzen.» Er blickte sie vorsichtig an, ein Lachen in den Augen. «Wenn du mir nicht Gesellschaft leisten willst, dann komme ich mir wie ein Mauerblümchen vor, und ich werde das ganze Essen niemals allein schaffen. Du tust mir also einen Gefallen.»«Nun, Frankie», erwiderte Alex, «ich schulde dir schließlich einen Gefallen. Einen großen sogar. Wenn du nicht gewesen wärst, würde ich heute Abend Bewerbungen schreiben und Bettina hätte splitt DankWir wollen nicht so tun, als wüssten wir aus erster Hand, wie das Leben einer Marketingspezialistin aussieht – deswegen schreiben wir ja Romane –, also mussten wir uns hilfesuchend an jemanden wenden. Ein riesiges Dankeschön geht an Caroline Whaley, eine ganz besondere Freundin, für ihre vielen Ratschläge in Sachen Leben auf der Überholspur in der Sportbekleidungsbranche. Ohne sie wären wir verloren gewesen. Dank auch an Jill Stanton, Alex Fraser, Anthony King und Adrian McLoughlin. Nicht zu vergessen Jane Wood, Sara O’Keeffe und alle anderen bei Orion für ihren Enthusiasmus und ihre liebenswürdige Umgangsweise. Informationen zum BuchFrau sucht Hausfrau Alex Hill macht Karriere und hat außer für den Job für nichts Zeit. Sie engagiert deshalb eine Haushaltshilfe: Ella soll sich um die Wohnung und vor allem um die kranke Mutter kümmern, die vor kurzem bei der Tochter eingezogen ist. Doch dann stellt sich heraus, dass nicht Ella, sondern deren Bruder Frankie den Haushalt in Schuss hält. Für Alex gibt es nur eine Lösung – die sofortige Scheidung vom neuen Hausmann. Aber das ist einfacher gesagt als getan … Informationen zu den AutorinnenAnnie Ashworth und Meg Sanders sind ein Autorenduo, das in England mit Sachbüchern wie Romanen sehr erfolgreich ist. Die beiden Journalistinnen leben mit ihren Familien in Stratford-upon-Avon. Weitere Veröffentlichungen:Gucci und GummistiefelPack die Regenjacke einWeihnachten für AnfängerFamilienpause ImpressumDie Originalausgabe erschien 2007 unter dem Titel «Busy Woman Seeks Wife» bei The Orion Publishing Group Ltd., London. Rowohlt Digitalbuch, veröffentlicht im Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, Juni 2010Copyright © 2009 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg«Busy Woman Seeks Wife» Copyright © 2007 by Annie Ashworth and Meg SandersRedaktion Anne HeuerDieses Werk ist urheberrechtlich geschützt, jede Verwertung bedarf der Genehmigung des VerlagesUmschlaggestaltung any.way, Sarah Heiß(Abbildungen: Getty Images, Corbis)Schrift DejaVu Copyright © 2003 by Bitstream, Inc. All Rights Reserved. Bitstream Vera is a trademark of Bitstream, Inc.Konvertierung Zentrale Medien, BochumISBN Buchausgabe 978 - 3 - 499 - 24801 - 6 (1. Auflage 2009)ISBN Digitalbuch 978 - 3 - 644 - 42631 - 3www.rowohlt-digitalbuch.de
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