Angkor Thom

Image Datierung: spätes 12. Jh. und danach; einige Monumente sind auch älter

Image Königliche Erbauer: Jayavarman VII. (reg. 1181–1220) und seine Nachfolger

Image Stil: Bayon; einige Monumente frühere Stile

Image Religion: Buddhismus

Image Lage: 1,7 km nördl. von Angkor Wat

Image Besuch: Kleine Tour; mehrere Stunden (vgl. die einzelnen Monumente)

Image Nicht verpassen: Südtor, Bayon, Baphuon, die königlichen Terrassen

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Als Jayavarman VII. die Cham besiegt hatte, die 1177 bis ins Zentrum Kambodschas vorgedrungen waren und den König Tribhuvanadityavarman (reg. ca. 1165–1177) getötet hatten, schwor er sich, eine neue Hauptstadt zu bauen, die uneinnehmbar sein sollte: Angkor Thom. 3 km lang und 8 m hoch waren die Mauern, die an allen vier Seiten das quadratische Areal der Stadt umgaben. Ein 100 m breiter Wassergraben, über den vier breite Steinbrücken führten, die jeweils an dem massiven Gopuram endeten, durch den die Stadt betreten wurde, umschloss die Mauern. Im Zentrum der Stadt befanden sich der fantastische Bayon, der Staatstempel Jayavarmans, sowie weitere Tempel, Paläste, Terrassen und Türme. Und der groß angelegte Plan des Gründerkönigs ging auf: 250 Jahre lang blieb Angkor Thom die Hauptstadt des Khmer-Reiches.

Heute nähert sich der Besucher, von Angkor kommend, meist von Süden. Die Brücke, die zum südlichen Eingang führt, ist mit zwei Balustraden gesäumt: 54 Dämonen auf der rechten und 54 Götter auf der linken Seite ziehen an einer gewaltigen Naga-Schlange: eine Erinnerung an die Geschichte vom Kirnen des Milchozeans (Kasten siehe >>). Die Köpfe sind Repliken. Vorsicht: nicht anlehnen! Im Sommer 2014 hat ein koreanischer Tourist, der an eine Statue gelehnt für ein Foto posieren wollte, eines der Häupter von den Schultern geschubst. Die Beton-Nachbildungen halten nicht besonders gut auf den Sandsteinkörpern und sollen nach und nach durch Sandsteinköpfe ersetzt werden.

Schließlich passiert man den südlichen Gopuram, ein mächtiges, beeindruckendes Monument: 23 m hoch, mit vier riesigen Gesichtern gekrönt, die in die vier Himmelsrichtungen schauen – willkommen in der alten Hauptstadt.

Bayon

Image Datierung: spätes 12. Jh. bis spätes 13. Jh.

Image Königliche Erbauer: Jayavarman VII. (reg. 1181–1220) und Nachfolger

Image Stil: Bayon

Image Religion: Mahayana-Buddhismus, später Hinduismus

Image Lage: im Zentrum von Angkor Thom

Image Besuch: ganztags, 2 Std. Vormittags sind hier viele Tourgruppen anzutreffen; am späten Nachmittag ist es ruhiger, wenn die Gruppen Angkor Wat oder Phnom Bakheng zum Sonnenuntergang aufsuchen.

Image Nicht verpassen: die tanzenden Apsaras und fliegenden Vögel an den Pfeilern der äußeren Galerien, die Basreliefs der inneren und äußeren Galerie, die lächelnden Gesichter an den Türmen (kann man gar nicht verpassen)

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Detailansicht der Karte folgt

Legende:

Image Militärparade (obere Ebene)/Alltagsszenen (untere Ebene)

Image Boot

Image Seeschlacht zwischen den Cham und den Khmer (obere Ebene)/Alltagsszenen (untere Ebene)

Image Siegesfeier

Image Armbrust und Katapult

Image Asket auf der Flucht vor dem Tiger

Image Straßenkampf

Image Fisch verschlingt Reh

Image Zirkusszene

Image Kämpfe zwischen den Cham und den Khmer

Image Shiva zwischen Palastleben und Eremitendasein

Image Berg Mehru

Image Militärparade/Musikanten/Fischer

Image Shiva und Vishnu

Image Vishnu-Darstellungen

Image Bauszene

Image Das Kirnen des Milchozeans

Image Palastszene; Shiva und Kama

Image Shiva-Darstellungen

Image Militärparade

Image Legende des Leprakönigs

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Der Bayon, Staatstempel von Jayavarman VII. und seinen Nachfolgern, ist eines der interessantesten und geheimnisvollsten religiösen Gebäude der Welt. Die Anlage ist nicht allzu groß, aber äußerst komplex, sowohl in architektonischer als auch symbolischer Hinsicht. Der Bayon wurde im Laufe der Zeit mehrfach ergänzt und umgebaut, was dazu führt, dass er nun sehr kompakt wirkt, vor allem im Zentrum. Nähert man sich dem Bayon von der Ferne, so wirkt er zunächst wie ein amorpher grauer Berg – ein beabsichtigter Effekt, denn seine Bauweise als dreistufige Pyramide mit einem zentralen Turm und vielen niedrigeren Nebentürmen versinnbildlicht den Weltberg Mehru. Kommt man näher, sieht man an den Seiten der Türme zahllose große, lächelnde Steingesichter – wohl eine Darstellung des Bodhisattva Lokeshvara, mit dem Jayavarman VII. sich identifizierte. Die Gesichter, die in alle vier Himmelsrichtungen blicken, sollten dem ganzen Reich Schutz gewähren.

Erst beim Betreten der Anlage entschlüsselt sich ihre Grundstruktur. Der Zugang erfolgt von Osten über eine breite, 72 m lange Terrasse, die von Löwenfiguren bewacht wird. Der innere Tempelbereich ist von zwei umlaufenden, fast quadratischen Galerien umgeben. Beide weisen faszinierende Flachreliefs auf (s. u.). Die äußere misst 156 x 141 m und beinhaltet vier Gopurams und vier Eckpavillons. Sie umfasst die erste Ebene und bietet auch Raum für zwei „Bibliotheken“ im nordöstlichen bzw. südöstlichen Bereich. Die Säulen sind mit tanzenden Apsaras und Medaillons fliegender Vögel geschmückt; ähnliche Darstellungen finden sich auch in Angkor Wat.

Die innere Galerie misst 80 x 70 m und steht auf der zweiten Ebene. Sie wurde mehrfach umgebaut und war zu Beginn wohl kreuzförmig. Erst später erhielt sie durch Anbauten ihren heute fast quadratischen Grundriss, der nun allerdings durch die vielen Vorsprünge recht verwinkelt wirkt. Nach innen gehen weitere Galerien und Gänge ab; ein enges Labyrinth, das sich an die dritte Ebene des Tempels schmiegt. Steile Treppen führen zu der annähernd kreuzförmigen Plattform empor. Darauf erhebt sich das zentrale Heiligtum. Die Basis hat einen Durchmesser von 25 m, die Gesamthöhe über Grund beträgt 43 m. Das Heiligtum war wohl ehemals kreuzförmig, wirkt heute durch die ergänzenden kleinen Kapellen an den Seiten jedoch fast rund.

Das ganze Arrangement wird dominiert durch die vielen mit Gesichtern geschmückten Türme, die sich zum Teil über den Gopurams oder den Eckpavillons aufbauen und zum Teil frei auf der Terrasse stehen. Sie erheben sich auf den verschiedenen Ebenen und in verschiedenen Höhen: ein Wald von Türmen, der zum großen Turm in der Mitte hinzustreben scheint. Wohin man auch blickt – stets begegnet einem ein Lächeln des erleuchteten Bodhisattva.

Die Reliefs

Neben den Gesichtertürmen sind die Reliefdarstellungen eines der Highlights am Bayon. Sie sind zu unterschiedlichen Zeiten geschaffen worden; diejenigen an der Außengalerie stammen wohl vom Anfang des 13. Jhs. und haben Historikern viele Anhaltspunkte zum alltäglichen Leben zu Zeiten von Angkor geliefert. An der Innengalerie ließ Jayavarman VIII. in der Mitte des 13. Jhs. hinduistische Motive anbringen, als er versuchte, den Buddhismus zurückzudrängen. Die Beschreibungen (in Ausschnitten; es gibt noch viel mehr Details zu entdecken) erfolgen im Uhrzeigersinn und beginnen an den östlichen Eingängen.

Äußere Galerie

Ostseite, südlicher Abschnitt: Wendet man sich vom Ost-Gopuram nach Süden, so kann man eine Khmer-Armee marschieren sehen. Auf zwei Ebenen kommt einem das nach rechts marschierende Heer mitsamt Elefanten und Musikern entgegen. Die Nachhut bilden Prinzessinen in Sänften und ganze Familien mitsamt Haustieren. Nach der Zwischentür schließen sich weitere, diesmal nach links ziehende Soldaten an. Es folgen Szenen aus dem kambodschanischen Alltag um 1200 – erstaunlich, wie sehr manche Bilder der Gegenwart ähneln.

Südseite, östlicher Abschnitt: Hier wird eine Schlachtszene gezeigt, bei der die Heere der Khmer und der Cham aufeinandertreffen. Jayavarman VII. ließ hier wohl seine Erfahrungen beim Vertreiben der Feinde verewigen. Während am Ufer das Alltagsleben weitergeht, gejagt und gefischt wird, Kinder geboren und feine Damen frisiert werden, kämpfen die Krieger – wer zu Boden geht, fällt den Krokodilen zum Opfer. Die Cham-Krieger sind an ihren Kopfbedeckungen zu erkennen, die an eine umgedrehte Blume erinnern. Die Khmer-Krieger sind barhäuptig. An einigen Stellen kämpfen auch Cham-Krieger aufseiten der Khmer: Das Cham-Reich zerfiel in mehrere einzelne Königtümer, und so kam es wohl zu wechselnden Allianzen.

Südseite, westlicher Abschnitt: Auf einer Militärparade werden einige große Waffensysteme vorgeführt, eine Armbrust auf einem Elefanten, die von zwei Personen bedient werden muss, und ein Katapult auf Rädern.

Westseite, südlicher Abschnitt: Hier und auf den folgenden Abschnitten bis zum Erreichen der Ostgalerie sind die Reliefs nur teilweise fertiggestellt. Wieder marschiert eine Armee, diesmal durch einen Wald, in dem Einsiedler leben. Zwei von ihnen sind vor einem Tiger auf einen Baum geflüchtet. Hinter der Zwischentür eine Szene auf erst drei, dann vier Ebenen, die Historiker für die Darstellung eines Bürgerkrieges halten, der 1182 in Malyang, südlich des heutigen Battambang, ausbrach: Ansammlungen gestikulierender Menschen, manche bewaffnet, einige im Begriff zu kämpfen, und an einer Stelle werden zwei abgeschlagene Köpfe hochgehalten.

Westseite, nördlicher Abschnitt: Fortsetzung der Kriegsgeschichte auf zwei Ebenen. Der König war siegreich, die feindliche Armee flüchtet. An einer Stelle verschlingt ein großer Fisch einen kleinen Hirschen. Hinter der Zwischentür wird der König (auf dem von Schirmen umgebenen Elefanten) mit einer Prozession begleitet. Nach einer Inschrift verlässt er hier den Wald, um sich zur Krönung zu begeben.

Nordseite, westlicher Abschnitt: Im ersten Bereich schauen der König und sein Hofstaat Musikern und Akrobaten zu. Hinter der Zwischentür beginnen wieder Kämpfe zwischen den Cham und den Khmer.

Nordseite, östlicher Abschnitt: Fortsetzung der Kämpfe. Die Khmer werden geschlagen und flüchten in die Berge; vielleicht eine Erinnerung an die Niederlage von 1177. Es ist verlockend, die gesamten äußeren Reliefs als steinernes Geschichtsbuch zu interpretieren …

Ostseite, nördlicher Abschnitt: Der Höhepunkt der Kämpfe zwischen den Cham und den Khmer. Sogar die Elefanten kämpfen miteinander: Einer hat seinen Rüssel um den Stoßzahn eines anderen geschlungen. Die Khmer-Armee, die von Süden heranmarschiert, ist eine direkte Fortsetzung derjenigen, die an der südlichen Hälfte zu sehen ist (Beginn des Rundgangs).

Innere Galerie

Ostseite, südlicher Abschnitt: Hier sieht man einen asketischen Shiva mit einem erhobenen Arm zwischen Darstellungen des Palastlebens (links) und des Daseins als Eremit (rechts).

Südseite, östlicher Abschnitt: Eine marschierende Armee, unterbrochen von zwei kämpfenden Prinzen. Auf einem Berg sitzt ein König oder Gott; Eremiten und Tiere umgeben die Szene.

Südseite, westlicher Abschnitt: In verschiedenen Szenen wird Shiva dargestellt; etwa auf einem Thron oder einem Lotos sitzend, sowie mit Dreizack und begleitet von Apsaras. Etwas weiter hält er Hof, umgeben von Frauen und Priestern. Im mittleren Bereich sieht man einen vierarmigen Vishnu, umgeben von fliegenden Apsaras, zu dessen Füßen ein König kniet.

Westseite, südliche Hälfte: Mehrere Vishnu-Darstellungen, u. a. eine, die ihn auf Garuda sitzend einem feindlichen Heer entgegentreten lässt. An einer Stelle wird auf drei Ebenen der Bau eines Tempels gezeigt: Man sieht, wie sich Sklaven mit den schweren Steinen abmühen.

Westseite, nördliche Hälfte: Wieder marschiert eine Armee unter der Führung von zwei Königen oder Generälen in ihren Streitwagen, ergänzt durch eine Palastszene und eine Darstellung vom Kirnen des Milchozeans.

Nordseite, westliche Hälfte: Hier sind neben einer Palastszene einige Hindugötter versammelt, die Trimurti Vishnu, Brahma und Shiva (tanzend in der Mitte), und weiter unten Ganesha und Rahu. Im linken Bereich sieht man einen meditierenden Shiva, auf den der Liebesgott Kama einen Pfeil abschießt. Der zornige Shiva verbrennt ihn daraufhin mit seinem dritten Auge; sterbend sieht man den Liebesgott in den Armen seiner Gemahlin Rati liegen. Die Geschichte hat jedoch ein versöhnliches Ende: Shivas Gefährtin Parvati, auf deren Bitten Kama den Pfeil abgeschossen hatte, damit Shiva sie endlich beachtet, konnte den Gott später besänftigen, Kama wiedergeboren werden.

Nordseite, östliche Hälfte: In verschiedenen Szenen wird Shiva dargestellt, mit seiner Gefährtin auf dem Bullen Nandi reitend, Shiva und der Bogenschütze Arjuna auf der Jagd. Außerdem der Dämon Ravana, der den Berg Kailash erschüttert.

Ostseite, nördliche Hälfte: Eine marschierende Armee auf zwei Ebenen – unten die Soldaten, Musiker und Streitwagen, oben der König mit zwei Frauen auf einem großen Wagen mit sechs Rädern. Eine weitere Szene zeigt Männer und Elefanten bei der Bergung einer Statue aus einem Gewässer. Ein Taucher scheint ein wertvolles Objekt geborgen zu haben: Es ist zwar nicht zu erkennen, doch die herumfliegenden Apsaras verleihen der Szene etwas Heiliges. Zwischen dem nördlichen und dem Zentralturm dann eine Szene, die mit einer Legende in Verbindung gebracht wird: Von links nach rechts gelesen sieht man hier die Geschichte des „Leprakönigs“, der mit bloßen Händen gegen eine große Schlange kämpft. Sie scheint ihn gebissen zu haben, denn im nächsten Bild sieht man, wie seine Hände von Frauen untersucht werden. Später liegt er krank danieder. Die Legende berichtet, der König habe sich durch den Schlangenbiss mit Lepra infiziert.

Baphuon

Image Datierung: Mitte 11. Jh. (wahrscheinlich 1060 geweiht)

Image Königlicher Erbauer: Udayadityavarman II. (reg. 1050–1066)

Image Stil: Baphuon

Image Religion: Hinduismus (Shiva)

Image Lage: in Angkor Thom, 200 m nordwestlich des Bayon

Image Besuch: ganztags, 45 Min. Strenge Vorschriften: Schultern und Knie müssen bedeckt sein; Zutritt verboten für Schwangere und Kinder unter zwölf Jahren; Rauchen, lautes Husten oder Rufen sowie Filmen sind untersagt. Es gibt einen vorgeschriebenen Besuchsweg durch den Tempel.

Über 50 Jahre lang war der Baphuon für Besucher gesperrt. Nachdem 1943 ein großer Teil des schon in einem schlechten Zustand befindlichen Staatstempels Udayadityavarmans II. zusammengefallen war, beschloss die EFEO in den 1960er-Jahren seine Restaurierung nach der Methode der Anastylosis; damals ein Wagnis bei einem Tempel dieser Größenordnung. Die Ruine wurde vollständig abgebaut und über 300 000 Steine auf einem Gebiet von über 10 ha ausgebreitet. Dabei wurden die einzelnen Fundorte exakt notiert. In den 1970er-Jahren mussten die Arbeiten dann eingestellt werden, da die Roten Khmer die Herrschaft in dem Gebiet übernommen hatten – wertvolle Unterlagen wurden bei folgenden Kriegshandlungen dann vollständig zerstört. Erst 1995 konnte die Arbeit wieder aufgenommen werden; und die ersten sieben Jahre war das Team allein damit beschäftigt, die Positionen der einzelnen Steine wieder zu rekonstruieren. Dann konnte endlich der Wiederaufbau beginnen; und seit 2011 ist das mächtige Monument nun wieder zugänglich.

Man nähert sich dem Tempel von Osten durch das große Osttor, das fast so breit ist wie der Tempel selbst. Es ist mit ein paar Devatas verziert, aber nicht richtig fertiggestellt: Vermutlich kam es später hinzu. Über einen von Säulen gestützten, 172 m langen Damm führt der Weg durch einen in der Mitte liegenden Pavillon (vielleicht der frühere Eingang, bevor der große im Osten dazukam) hin zur äußeren der drei Einfassungen. Hier passiert man die Eingangskontrolle (s. o.; Besuch). Eine Holztreppe ist über die alten steinernen Stufen gebaut, und man erreicht die erste Ebene der Pyramide. Ein erhöhter Weg verbindet hier das Osttor mit den zwei „Bibliotheken“; vermutlich eine spätere Hinzufügung.

Der Weg wendet sich nach links hin zum südlichen Aufgang. Über eine weitere Treppe erreicht man das Tor der zweiten Einfassung (120 x 100 m), das ebenso wie die anderen Tore auf dieser Ebene reich mit Motiven aus der Hindu-Mythologie verziert ist. Die Reliefs sind ein Highlight dieses Tempels, und wer genug Zeit hat, sollte die Plattform einmal umrunden, um sie alle zu sehen.

Besonders steil ist die Treppe auf die letzte Ebene. Die sie umgebende Galerie ist nur noch in Teilen erhalten und zeigt sehr schöne Reliefs. Viele der Steine sind jüngeren Datums. In der Mitte der Plattform steht das sternförmige Heiligtum – heute zumeist abgesperrt. Türrahmen an seiner Spitze lassen vermuten, dass es dereinst von einem Turm gekrönt war.

Folgt man dem vorgeschriebenen Weg, so beginnt nun der Abstieg über die steile Treppe im Norden. Auf der untersten Ebene lohnt ein Blick auf den (unvollendeten) großen ruhenden Buddha, der an der Westseite der Pyramide liegt. Am frühen Nachmittag herrscht das beste Licht, um den Kopf des Buddha zu erkennen. Schließlich verlässt man das Gelände durch den westlichen Gopuram. Von hier aus kann man seinen Weg zum nächsten Tempel fortsetzen: dem Phimeanakas.

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Der Aufstieg auf den Baphuon belohnt mit einem Ausblick auf seinen Dammweg.

Phimeanakas

Image Datierung: spätes 10. oder frühes 11. Jh., nach einigen Theorien auch früher

Image Königliche Erbauer: Suryavarman I. (reg. 1001–ca. 1050) oder Rajendravarman II. (reg. 944–968)

Image Stil: Khleang

Image Religion: Hinduismus

Image Lage: in Angkor Thom, auf dem Gelände des Königspalastes

Image Besuch: ganztags, 30 Min. Achtung, steile Treppen: Für Kinder unter sechs Jahren (und weniger sportliche Naturen über 60) nicht geeignet

Der Staatstempel von Suryavarman I. gibt einige Rätsel auf: Jüngste Ausgrabungen auf dem Gelände legen nahe, dass Vorläufer des heutigen Monuments bereits um 900 oder sogar noch früher errichtet wurden. Noch streiten sich die Gelehrten. Sicher ist jedoch, dass hier seit dem 11. Jh. über Jahrhunderte der Königspalast stand. Von den hölzernen Gebäuden ist jedoch nichts übrig geblieben. Umfasst wird das Areal von einer 5 m hohe Lateritmauer, 585 x 246 m lang. Den Zugang zum Palastgelände gewährten fünf Gopurams, zwei im Norden, zwei im Süden und ein größerer im Osten, der mit der Elefantenterrasse (siehe >>) und dem Siegestor (siehe >>) verbunden war. Nördlich des Tempels finden sich zwei Wasserbecken, die mit Steinplatten eingefasst sind: Badestellen für Männer (größeres Becken) und Frauen (kleineres Becken).

Der Phimeanakas selbst ist relativ klein (35 x 28 m an der Basis) und schmucklos. Sehr steile, verwitterte Steinstufen führen nach oben; benutzt werden sollte die schmale Holztreppe an der Westseite. Hat man die dreistufige Pyramide erklommen, so lockt noch das zentrale Heiligtum zu einer Kletterpartie – auf eigene Gefahr! (Heraufkommen ist einfacher als herunter).

Um das kleine Zimmer ganz oben rankt sich eine Erzählung des chinesischen Chronisten Chou Ta-Kuan (siehe >>). Er berichtet, dass außerhalb des Palastes ein goldener Tempel steht, dessen Spitze der König nachts erklimmt. In dem Turm wohnt ein Geist, geformt wie eine neunköpfige Schlange, der Herr des gesamten Königreiches ist. Jede Nacht erscheint dieser Geist in Form einer Frau, mit der sich der Herrscher vereinigen muss. Sollte der Geist einmal nicht erscheinen, wäre das ein Zeichen für den nahen Tod des Königs. Würde aber der Herrscher sein Rendezvous verpassen, käme großes Unheil über das Reich.

Die königlichen Terrassen

Image Datierung: 13. Jh.

Image Königliche Erbauer: Jayavarman VII. (reg. 1181–1220) und seine Nachfolger

Image Stil: Bayon

Image Lage: in Angkor Thom

Image Besuch: unbedingt vormittags, denn nachmittags liegen die Reliefs im Schatten; ca. 30 Min.

Die 300 m lange Elefantenterrasse muss einst den Rand des Komplexes der königlichen Gebäude gebildet haben. Hier wurde Hof gehalten, hier gingen die großen Prozessionen vorbei. Ihren Namen hat die in Nord-Süd-Richtung verlaufende, 3 m hohe Terrasse, die sich im südlichen Bereich bis zum zweiten der fünf Treppenaufgänge zieht, von den abgebildeten Elefanten. Die Elefanten scheinen mit ihren Mahouts auf der Jagd zu sein; einige sind in Kämpfe mit Tigern verwickelt. Im zentralen Bereich folgen Löwen und Garudas, die die Plattform rund um den mittleren Aufgang auf erhobenen Armen zu tragen scheinen. Nördlich des mittleren Treppenaufgangs wiederholt sich dies spiegelbildlich. An allen Aufgängen wachen zu beiden Seiten dreiköpfige Elefanten (Airavatas), deren Rüssel auf Lotosblüten ruhen. Der weiter vorgezogene Hauptaufgang ist mit Naga-Balustraden und Wächterlöwen flankiert. Von ihm führt eine Straße geradewegs zum Siegestor, dem Osteingang von Angkor Thom.

Sehenswert ist auch der nördliche Treppenaufgang, der wohl mehrfach erweitert wurde. Erst in den 1990er-Jahren legte die EFEO eine zweite Mauer frei, auf der ein seltenes fünfköpfiges Pferd (entspricht dem siebenköpfigen Pferd Uchaishrava aus der Hindu-Mythologie – oder dem Pferd Balaha aus dem buddhistischen Kosmos?) von menschlichen Figuren umgeben ist. An anderer Stelle sieht man eine Art Polospiel. Es ist denkbar, dass solche Wettkämpfe vor der Terrasse stattgefunden haben.

Die sich nördlich anschließende Terrasse des Leprakönigs hat ihren Namen von einer Legende, derzufolge eine hier gefundene Statue von Yama, dem Herrscher der Unterwelt, den an Lepra erkrankten König Yashovarman I. (reg. 889–ca. 915) darstellten sollte. Die Statue, deren Original aus dem 14. oder 15. Jh. stammt und inzwischen im Nationalmuseum in Phnom Penh zu sehen ist, wurde an dieser Stelle durch eine Kopie ersetzt. Auch diese Terrasse wurde nachträglich erweitert, sodass nun zwei Mauern vorhanden sind. Beide sind reich verziert. Einige Forscher vermuten, dass hier früher ein Krematorium stand, in dem die Körper von verstorbenen Angehörigen der Königsfamilie eingeäschert wurden.

Weitere Gebäude in Angkor Thom

Image Datierung: 10. bis 16. Jh.

Image Lage: in fußläufiger Entfernung der königlichen Terrassen

Image Besuch: nicht unbedingt erforderlich. Wer Angkor Thom im Rahmen der „Kleinen“ oder „Großen Tour“ besucht, kann sich ggf. mit einem Blick aus der Ferne begnügen und hat so mehr Zeit für die anderen, bedeutenderen Tempel.

Östlich des großen Platzes, der sich vor der Elefantenterrasse erstreckt, stehen zwölf gleichförmige Tempeltürme, die Prasat Suor Prat; jeweils sechs nördlich und südlich der Siegesstraße. Sie sind zum Teil unvollendet und von unbekannter Funktion. „Suor Prat“ bedeutet Seiltänzer, doch ob solche hier einmal ihre Kunst zeigten, bleibt Spekulation. Gebaut wurden sie zur Zeit von Jayavarman VII. Die beiden dahinterliegenden, Khleang („Warenhaus“) genannten Gebäude aus dem späten 10. und frühen 11. Jh. dienten vermutlich religiösen Zwecken, denn dort wurden buddhistische und hinduistische Figuren gefunden. Doch wer weiß: Vielleicht waren sie auch antike Souvenirshops? Der chinesische Chronist Chou Ta-Kuan wartet mit einer weiteren interessanten Erklärung auf. Nach seiner Überlieferung wurden hier Gottesurteile gefällt: Streitende Kontrahenten wurden hier so lange eingesperrt, bis einer krank wurde – und somit seine Schuld bewiesen war.

Nördlich der Khleang liegt Preah Pitu, eine Gruppe hinduistischer und buddhistischer Tempel aus dem 12. Jh. Ein ausgetrockneter Wassergraben umgibt die fünf kleinen Heiligtümer. Die Gruppe wird selten von Touristen besucht, und so kann man hier in Ruhe die schönen Reliefs und die verzierten Terrassen mit ihren steinernen Elefanten und Löwen genießen.

Geht man von der Terrasse des Leprakönigs aus Richtung Nordtor, so kann man in einen kleinen Weg abbiegen, der zum Tep Pranam führt. Auf einer Terrasse, zu der ein teilweise erkennbarer 75 m langer Weg aus Laterit führt, sitzt eine fast 6 m hohe Buddhafigur. Sie stammt vermutlich aus dem 16. Jh. und zeigt, dass auch nach dem Niedergang des Reiches Angkor weiter ein Ziel für Pilger war. Heute ist sie mit einem Holzgerüst und orangefarbenen Tüchern vor dem Wetter geschützt.

150 m weiter nordwestlich liegt Preah Palilay. Umgeben von einer 50 x 50 m messenden Mauer erhebt sich hier ein Sandsteinturm, der aus dem 13. oder 14. Jh. stammt; jedenfalls aus der Zeit nach dem hinduistischen Bildersturm unter Jayavarman VIII., denn hier finden sich viele schöne, unzerstörte Buddha-Darstellungen (am Ost-Gopuram). Diese und die Lage im Wald machen ihn zu einem kleinen Geheimtipp in Angor Thom. Die östlich vorgelagerte Naga-Terrasse ist eine der am besten erhaltenen in ganz Angkor.

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Die Tempel der „Kleinen Tour“

Angkor Wat und Angkor Thom werden bei fast jeder Tour angesteuert. Die folgenden Tempel sind die zusätzlichen Ziele der beliebten „small tour“ (17 km), die sich im Laufe der Jahre bei Tuk-Tuk-Fahrern und Reiseleitern etabliert hat.

Thommanon

Image Datierung: frühes 12. Jh.

Image Königlicher Erbauer: Suryavarman II. (reg. 1113–ca. 1155)

Image Stil: Angkor Wat

Image Religion: Hinduismus

Image Lage: 500 m östlich des Siegestores von Angkor Thom, 100 m nördlich der Straße, Zugang von Süden

Image Besuch: bestes Licht am Vormittag; ca. 30 Min.; kombinieren mit Chau Say Tevoda gegenüber

Auf einer Rundtour verlässt man Angkor Thom durch das Siegestor und stößt nach einem halben Kilometer auf zwei kleine, interessante Tempel. Links der Straße befindet sich der kompakte Thommanon-Tempel, der in vielen Details große Ähnlichkeiten zu Angkor Wat aufweist. Daher wird (mangels Inschriften) vermutet, dass er kurz vor diesem gebaut wurde. In den 1960er-Jahren wurde die Ruine von der EFEO weitestgehend wiederhergestellt; daher lässt sich seine Architektur gut erkennen. Die Anlage hat eine zentrale West-Ost-Achse; an beiden Enden befindet sich jeweils ein Eingangsturm. Östlich neben dem zentralen Turm steht eine Vorhalle, die mit dem Zentralheiligtum durch einen Korridor verbunden ist. Südlich der Hauptachse befindet sich eine einzelne kleine „Bibliothek“. Die Tatsache, dass deren nördliches Gegenstück völlig fehlt (ebenso wie die Eingangstürme im Norden und Süden), lässt vermuten, dass dieser Tempel seinerzeit nicht vollendet wurde.

Das zentrale Heiligtum steht auf einer fein verzierten Basis. Auch die Außenseite des Heiligtums ist aufwendig mit Hochreliefs geschmückt: Hübsche, mild lächelnde Devatas mit Blumenkronen sind mit ornamentalen Rankenmotiven umgeben. Am Türsturz des östlichen Eingangs ist innen ein Hochrelief von Vishnu, der auf Garuda steht, wegen der Dunkelheit nur schlecht zu erkennen. Die anderen „Eingänge“ sind mit fein geschmückten falschen Türen verschlossen. Über dem Südeingang erkennt man eine Darstellung von Ravana (die Figur mit den vielen Armen und Köpfen), der den Berg Kailash zu erschüttern versucht, auf dem Shiva wohnt. Der innere Türsturz des Zentralheiligtums zeigt Vishnu auf Garuda stehend.

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Der Thommanon ist mit lächelnden Devatas verziert.

Chau Say Thevoda

Image Datierung: Mitte 12. Jh.

Image Königlicher Erbauer: Suryavarman II. (reg. 1113–ca. 1155)

Image Stil: Angkor Wat

Image Religion: Hinduismus

Image Lage: 500 m östlich des Siegestores von Angkor Thom, 100 m südlich der Straße, Zugang von Norden

Image Besuch: vormittags; gut zu kombinieren mit Thommanon, ca. 15 Min.

Chau Say Thevoda und der ihm 200 m gegenüberliegende Thommanon könnten fast Geschwister sein: Sie entstammen der gleichen Epoche und haben den gleichen Grundriss. Beim Chau Say Thevoda ist allerdings die komplette Struktur erkennbar: das Zentralheiligtum mit der Vorhalle östlich daneben, beide „Bibliotheken“ und alle vier Eingangstürme. Die Gebäude sind jedoch in einem schlechteren Zustand. Bei Renovierungen in jüngster Zeit wurden nun einige Säulen etc. nachgebildet – die frischen, makellosen Ersatzsteine nehmen dem Tempel etwas von seiner Atmosphäre. Doch es wird wohl nicht lange dauern, bis auch hier die Witterung ihre Spuren hinterlässt.

Den kleinen Tempel umgibt eine 33 x 42 m lange Mauer, von der nur noch die Lateritplattform übrig ist. Beachtenswert sind einige fein gestaltete Devatas am zentralen Heiligtum, vor allem an der Westseite. Die südliche „Bibliothek“ lohnt einen Blick wegen der vielen noch erkennbaren Kinderfiguren, mit denen die Plattform geschmückt ist. An einer Stelle im westlichen Bereich erkennt man einen Prinzen, der seine Prinzessin zärtlich im Arm hält. Am Osttor erblickt man im südlichen Abschnitt den Affenkönig Sugriva, dessen Thron von Apsaras getragen wird.

An den Bereich des Tempels schließt sich östlich ein Dammweg an, der zu einer kreuzförmigen Terrasse führt. Von hier geht es über einen mit Randsteinen markierten Weg weiter zum Ufer des Siem-Reap-Flusses; das lässt vermuten, dass der Tempel früher per Boot angesteuert wurde. Diese Bereiche wurden wahrscheinlich nachträglich während der Regierungszeit von Jayavarman VIII. ergänzt.

Spean Thma

Image Datierung: unklar

Image Lage: an der Straße östl. von Angkor Thom

Image Besuch: wird meist im Vorbeifahren gesehen; wer stoppen will, muss ggf. seinem Fahrer Bescheid sagen.

Fährt man von Thommanon und Chao Say Thevoda weiter nach Osten, so passiert man die Reste der Brücke Spean Thma, die einst den Siem-Reap-Fluss überquerte – bis der Fluss seinen Lauf änderte. Über ihre Datierung sind sich die Gelehrten nicht einig; für manche stammt sie aus dem 12. oder 13. Jh., für manche aus dem 16. Jh. Die Anordnung der unterschiedlich großen Steine legt die Vermutung nahe, dass diese Brücke aus den Materialien eines älteren Gebäudes gefertigt wurde; vielleicht ein Tempel oder eine andere Brücke.

Die kaum beachteten Steine können jedoch eine wichtige Geschichte erzählen: Denn vergleicht man die Höhe der Brücke mit der Höhe des heutigen Flussbettes, so sieht man, dass sich der Fluss durch Erosion im Laufe der Jahrhunderte immer tiefer in das Land eingeschnitten hat. Dies mag mit zum Niedergang der Angkor-Kultur beigetragen haben, denn mit sinkenden Wasserständen konnten die barays und die Bewässerungsgräben ihre Funktion nur noch unzureichend erfüllen, und es wuchs einfach nicht mehr genug Reis, um die riesigen Städte zu versorgen.

Ta Keo

Image Datierung: spätes 10. Jh.

Image Königlicher Erbauer: Jayavarman V. (reg. 968–1001)

Image Stil: Khleang

Image Religion: Hinduismus (Shiva)

Image Lage: zwischen Angkor Thom und Östlichem Baray, am Ostufer des Siem-Reap-Flusses

Image Besuch: ganztags, ca. 45 Min.

Ta Keo ist einer der großen „Tempel-Berge“ von Angkor, leider blieb die Anlage unvollendet. Vielleicht war der Tod des Königs der Grund, denn nach dem Ableben Jayavarmans V. folgte eine unruhige Zeit, und seine Nachfolger haben sich wohl eher um den Machtgewinn bzw. -erhalt gekümmert – und vielleicht um eigene Bauprojekte. Das ist schade: Die innovative Anlage würde sonst wohl zu den bedeutendsten Bauwerken von ganz Angkor zählen. Sie war die erste, die fast vollständig aus Sandstein errichtet wurde. Auch die Platzierung ist ungewöhnlich: Nicht, wie zuvor, im Zentrum seiner Hauptstadt, sondern an der westlichen Ecke des Östlichen Baray.

Die Abwesenheit von dekorativen Elementen und Reliefs reduziert die Betrachtung der Anlage auf das Wesentliche: Eine 22 m hohe, quadratische Pyramide, auf deren oberster Plattform fünf Türme stehen – Symbol des Weltberges Mehru, wie auch der Bakheng (siehe >>). Zwei Einfassungen mit Gopurams aus Sandstein umgeben den Tempel: Die äußere misst 122 x 106 m; eine Mauer aus Laterit und Stein umgibt diese erste Ebene. Die innere Plattform liegt 5,5 m höher und misst 80 x 75 m. Sie ist von einer durchgehenden Galerie umgeben – zur Bauzeit eine architektonische Innovation. Geht man durch den östlichen Gopuram in den inneren Bereich des Tempels, fallen links und rechts zwei „Bibliotheken“ auf. Die Tempelpyramide selbst erhebt sich nun in drei Stufen weitere 14 m. Am Fuß der Treppe steht eine Figur des Stieres Nandi, Shivas Reittier. Eine steile Treppe führt nach oben, wo das zentrale Heiligtum seine Satelliten-Prasats überragt, da es auf einer 4 m hohen Basis steht.

Durch die Straße, die an zwei Seiten vorbeiführt, ist der Tempel am besten von Süden und Westen zugänglich. Im Jahr 2014 waren umfangreiche Restaurationsarbeiten im Gange, die, wenn sie im gleichen Ausmaß fortgeführt werden, einen Besuch weniger interessant machen: Baukräne und Plastikplanen stören die Atmosphäre; und einige Teile sind abgesperrt.

Ta Prohm

Image Datierung: 1186

Image Königlicher Erbauer: Jayavarman VII. (reg. 1181–1220)

Image Stil: Bayon

Image Religion: Buddhismus

Image Lage: südöstlich von Ta Keo, 1,7 km östlich der Stadtmauer von Angkor Thom

Image Besuch: Der Zugang erfolgt meist über den Westeingang; man durchquert den Tempel und wird hinter dem Osteingang von seinem Fahrer wieder aufgepickt. Am späten Nachmittag hat man so ein gutes Licht (die Sonne im Rücken), allerdings betritt man den Tempel auf diese Art durch den Hintereingang. Empfehlenswerter ist der Besuch vormittags von Osten aus durch den Haupteingang. Nach dem Durchqueren kann man sich hinter dem Westeingang wieder mit seinem Fahrer treffen. Besuchsdauer: ab 1 Std. Ein Kompass kann sich im Tempel als nützlich erweisen.

Image Nicht verpassen: Die Wurzeln der riesigen Bäume, die Teile des Gebäudes fest im Griff haben, sind ein spektakuläres Fotomotiv. Die fein ausgeführten Wandreliefs mit interessanten Motiven lohnen ebenfalls längere Betrachtung.

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Ein Besuch im Ta Prohm („Ahnherr Brahma“) zählt zu den Highlights bei einer Rundfahrt durch die Tempel: Er ist noch fast im gleichen Zustand, wie ihn die französischen Entdecker vorgefunden haben. Eingestürzte Gänge, von herabgefallenen Steinen versperrte Wege, wurzelumranktes Mauerweg – kein Wunder, dass dieser romantische Ort als Kulisse für Lara Crofts verfilmte Abenteuer in Angkor diente. Letzteres ist auch ein Grund, warum seit Jahren immer mehr Touristen durch die alten Gemäuer strömen. Hölzerne Wege erleichtern das Gehen, und einige Teile wurden abgesperrt: Das erhöht die Sicherheit, vermindert aber etwas den Reiz. Einige der Baumriesen, die mit ihren Wurzel die Mauern umschlungen halten, wurden bereits gekappt – zu groß die Gefahr, dass sie umstürzen und schweren Schaden anrichten; sei es am Tempel oder an den Besuchern. Zuletzt wurden im September 2014 vier betroffene Bäume gefällt; drei davon waren bereits abgestorben, der vierte drohte bei Wind die ihn haltende Wand einzureißen. Doch noch immer strahlt der Ort etwas Besonderes aus; und mancher kommt gern ein zweites Mal hierhin zurück.

Im Gegensatz zu den meisten großen Tempeln der Angkor-Zeit ist der Ta Prohm nicht einem Hindu-Gott gewidmet, sondern buddhistisch geweiht. Jayavarman VII., der ihn zum Gedenken an seine Mutter errichten ließ, widmete ihn dem weiblichen Bodhisattva Prajnaparamita. Der ursprüngliche Name des Komplexes war rajavihara, „königliches Kloster“. Es muss ein wirklich bedeutender Ort gewesen sein: Inschriften zufolge „besaß“ es 3140 Dörfer mit 79 365 Bewohnern, die für den Unterhalt sorgten. 18 hohe Priester, 2740 Beamte mit 2202 Assistenten und nicht weniger als 615 Tänzerinnen waren hier beschäftigt. Zu den Tempelschätzen gehörten ein goldenes Tischgedeck, das mehr als 500 kg schwer gewesen sein soll, 35 große Diamanten, 40 602 Perlen, 4540 Edelsteine … die Liste könnte fortgesetzt werden. Auch wenn die Zahlen kaum überprüfbar sind, vermitteln sie doch das Bild eines sehr belebten Ortes.

Der Gesamtkomplex ist von einer 700 x 1000 m langen Lateritmauer umgeben. Der Grundriss der Anlage ist wegen des Zustands der Ruine heute auf den ersten Blick nicht so leicht zu erkennen wie in anderen Tempeln. Kommt man von Osten, passiert man nach ungefähr 500 m zuerst die vierte Einfassung (250 x 220 m) durch einen kreuzförmigen Gopuram, der mit buddhistischen Motiven geschmückt ist, und stößt auf die Reste der Halle der Tänzerinnen. Ein Wassergraben umgab den dahinter liegenden inneren Bereich, der einen annähernd quadratischen Grundriss aufweist. Er ist von außen durch die dritte Einfassung abgetrennt, die 112 x 106 m misst. Innerhalb dieser Einfassung beginnt dann ein Irrgarten teilweise verfallener Gänge und Galerien, die das fast vollständig eingefallene zentrale Heiligtum umgeben. Sich ein bisschen zu verlaufen, hat hier aber noch niemandem geschadet … Es gibt überall etwas zu entdecken: Zum Teil überraschend gut erhaltene Reliefs zeigen himmlische Devatas, aber auch Szenen aus Buddhas Leben. Viele Nischen und Winkel laden ein, sich ein wenig hinzusetzen und die Atmosphäre aufzusaugen. Fotografen finden immer wieder neue, spannende Blickwinkel – und warten auf den Moment, in dem kein anderer Tourist durchs Bild läuft. Die dramatischen Baumwurzel-Bilder zeigen sich vor allem im nördlichen und östlichen Bereich.

Banteay Kdei

Image Datierung: spätes 12.–frühes 13. Jh.

Image Königliche Erbauer: Jayavarman VII. (reg. 1181–1220), vergrößert von Indravarman II. (reg. 1220–1243)

Image Stil: Bayon

Image Religion: Buddhismus

Image Lage: an der Straße, südöstlich des Ta Prohm, gegenüber Srah Srang

Image Besuch: Zugang von Osten, am besten morgens oder spätnachmittags. 30–60 Min.

Banteay Kdei gehört wie Ta Prohm und Preah Khan (siehe >>) zu den Gründungen von Jayavarman VII. und wirkt fast wie eine kleinere Ausgabe der beiden. Auch er ist als „Flachtempel“ in einer Ebene angelegt, von einer äußeren Lateritmauer umgeben (720 x 475 m), die mit viergesichtigen Gopurams im Bayon-Stil durchbrochen sind, und hat eine Halle der Tänzerinnen auf der Ost-West-Achse. Das wenig auffällige zentrale Heiligtum ist von recht kompakt stehenden Galerien umgeben. Die innere Einfassung misst 31 x 36 m mit vier jeweils etwa gleich großen Gopurams und Ecktürmen. Die zweite Einfassung (50 x 58 m) hat einen größeren Gopuram im Osten, einen ähnlichen im Westen, und zwei kleinere an der Nord- und Südseite.

Die Anlage wurde 1946 vom Dschungel befreit, restauriert wäre zu viel gesagt. Daher ist sie recht atmosphärisch. Wie an anderen Tempeln aus dieser Zeit, erkennt man stellenweise eine etwas weniger kunstvolle Bauweise; einige Steine wurden wenig sorgsam aufeinandergestapelt. Dennoch finden sich auch hier schöne Verzierungen und hübsche Devatas in den Nischen. An einigen Stellen erkennt man zerstörte Buddhareliefs an den Wänden, Zeugnis des hinduistischen Bildersturmes im 13. Jh. (siehe >>). Japanische Archäologen entdeckten 2001 etwas östlich vor dem Eingang der Anlage ein „Massengrab“ aus dieser Zeit: mit Hunderten buddhistischer Statuen, die meisten davon geköpft. Einige intakte Statuen, die ebenfalls gefunden wurden, sind vermutlich später von buddhistischen Mönchen aus Respekt vor den zerstörten dort beerdigt worden. Die Funde sind heute im Angkor Nationalmuseum in Siem Reap zu sehen (siehe >>).

Srah Srang

Image Datierung: spätes 12. Jh.

Image Königlicher Erbauer: Jayavarman VII. (1181–1220)

Image Stil: Bayon

Image Religion: Buddhismus

Image Lage: östlich gegenüber vom Banteay Kdei

Image Besuch: 15 Min., bei Sonnenaufgang auch länger

Der Srah Srang („königliches Bad“) ist ein relativ kleiner (700 x 300 m) Baray, in dem seit fast tausend Jahren Wasser steht. Man nimmt an, dass er zwei Jahrhunderte früher (unter König Rajendravarman II.) gegraben wurde; laut einer Inschrift „zum Nutzen aller Kreaturen“ – außer den „Deich-Brechern“ (gemeint waren wohl die Elefanten, die mit ihrem Gewicht die Uferbefestigung zerstören konnten). Jayavarman VII. ließ später den mit Naga-Balustraden und Wächterlöwen geschmückten Landungssteg anlegen. Von hier konnte der Herrscher zu dem Heiligtum fahren, das einst mitten im See stand – heute sind nur noch in der Trockenzeit, wenn der Wasserspiegel fällt, ein paar Steine davon zu erkennen.

Besonders schön ist ein Besuch hier zum Sonnenaufgang, wenn feenhaft die Dunstschleier über dem Wasser schweben. Die aufgehende Sonne taucht dann bei klarem Himmel die Nagas an den Enden der Balustraden in ein rötliches Licht – ein erinnerungswürdiger Auftakt für einen Tag in den Tempeln.

Prasat Kravan

Image Datierung: 1. Hälfte 10. Jh. (geweiht 921)

Image Erbauer: gestiftet von einem hohen Beamten unter Harshavarman I. (reg. 910–923)

Image Stil: Übergang von Bakheng zu Koh Ker

Image Religion: Hinduismus (Vishnu)

Image Lage: östlich von Angkor Wat und südlich von Banteay Kdei

Image Besuch: Kleine Tour; vormittags, mittags, etwa 20 Min.

Die fünf in Nord-Süd-Achse ausgerichteten Ziegeltürme des „Kardamom-Heiligtums“ (benannt nach einem Baum, der einst dort stand) wirken von außen wenig beeindruckend, bergen innen jedoch einige einzigartige Reliefs. Gestiftet wurde der Tempel nicht von einem König, sondern von einem hohen Würdenträger, der Anhänger des Vishnu war. Dessen Abbildungen auf den drei Basreliefs im zentralen Turm sind bemerkenswert kunstvoll ausgeführt. Ungewöhnlich ist die Darstellung mit acht statt vier Armen an der Westseite (gegenüber vom Eingang). Umgeben ist der Gott von 88 kleinen Figuren, die ihn anbeten. Über seinem Kopf ist ein Krokodil zu erkennen (früher wegen eines abgebrochenen Steins am Maul oft mit einem großen Gecko verwechselt), das eigentlich nur als Begleiter von Shiva bekannt ist. An der Südwand (links vom Eingang) überquert Vishnu in vierarmiger Darstellung mit einem großen Schritt den Ozean, der durch die Wellenlinien zu seinen Füßen symbolisiert wird. An der Nordwand sieht man ihn auf Garuda unter einem Triumphbogen reitend.

Der nördliche Turm enthält Basreliefs mit Darstellungen von Lakshmi, der Gefährtin Vishnus; an der südlichen Wand vierarmig, an der östlichen Wand zweiarmig. Die anderen Türme sind innen ohne Schmuck. Ob die Bauarbeiten unterbrochen wurden? Sicher ist jedenfalls, dass Prasat Kravan zu politisch unruhigen Zeiten gebaut wurde – kurz nach seiner Einweihung wurde die Hauptstadt nach Koh Ker verlegt.

Von außen präsentieren sich die Türme, die alle eng nebeneinander auf einer einzigen Plattform stehen, bis auf eine weitere Vishnu-Darstellung über der Tür des Südturms, schmucklos. Das eingestanzte Zeichen „CA“ auf einigen Ziegeln bedeutet „Conservation Angkor“, eine Erinnerung an die französischen Restaurationsarbeiten von 1968. Heute ist auch das GACP (German Apsara Conversation Project) am Schutz der Anlage beteiligt. Die Anlage wird meist im Rahmen der „Kleinen Tour“ als letzte nach dem Banteay Kdei besucht, also am Nachmittag. Wer seine Tour selbst zusammenstellt, sollte eher morgens oder mittags kommen, da die Innenräume dann etwas besser vom Sonnenlicht erhellt werden.

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Die Tempel der „Großen Tour“

Auf der etwas längeren „big tour“ (26 km) werden sehenswerte Monumente im Bereich des Östlichen Baray besucht.

Pre Rup

Image Datierung: 10. Jh. (geweiht 961)

Image Königlicher Erbauer: Rajendravarman II. (reg. 944–968)

Image Stil: Pre Rup

Image Religion: Hinduismus (Shiva)

Image Lage: nordöstlich von Srah Srang, 500 m südlich des Östlichen Baray

Image Besuch: am besten früher Morgen oder später Nachmittag, denn der Tempel wird nicht von Bäumen abgeschattet und wirkt im rötlichen Licht der tief stehenden Sonne besonders schön. 30–60 Min.

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Pre Rup war der Staatstempel von Rajendravarman II. und wahrscheinlich auch das Zentrum seiner Hauptstadt. Mit seinem annähernd quadratischen Grundriss, seiner Pyramidenform und seinen fünf Türmen soll er den Weltberg Mehru symbolisieren. Der moderne Name Pre Rup bedeutet „Drehen des Körpers“ und bezieht sich auf einen überlieferten Kremationsritus, bei dem der Körper des Toten gedreht wurde. Lokale Geschichten bringen den Tempel Kremation eines versehentlich durch einen Gärtner getöteten Königs mit Pre Rup in Verbindung. Dafür gibt es jedoch keine Anhaltspunkte. An der Stelle direkt östlich der Pyramide, an der diese Drehung stattgefunden haben soll, stand nach Meinung der meisten Forscher vermutlich eine Statue des Stiers Nandi.

Der Parkplatz des Tempels liegt östlich des Eingangs, und so betritt man das Heiligtum durch den Haupteingang, den östlichen Gopuram. Im umfassten Bereich befinden sich links drei und rechts zwei Türme (der dritte wurde wohl nicht fertiggestellt), die etwas hineingezwängt wirken und wohl später, vermutlich von Rajendravamans Sohn Jayavarman V., hinzugefügt wurden. Durch den nächsten Gopuram hindurch gelangt man zur inneren Einfassung; hier stößt man als Erstes auf die legendäre „Wendestelle“, einen ausgehöhlten Steinsockel. Zu beiden Seiten davon stehen zwei Ziegelstein-„Bibliotheken“. Eine Treppe führt auf die dreistufige Pyramide. Auf der ersten Ebene befinden sich zwölf kleinere Heiligtümer; ähnlich wie beim Bakheng.

Auf der oberen Ebene stehen die die fünf Gipfel des Weltberges symbolisierenden Türme. Das wichtigste Heiligtum, Shivas Darstellung in Gestalt des Lingams Rajendrabhadreshvara, war im zentralen Turm untergebracht. Eine weitere Shiva-Darstellung – diesmal in Gestalt des Königs – wurde im nordöstlichen Heiligtum verehrt. Der südöstliche Turm war Vishnu gewidmet, der südwestliche seiner Gefährtin Lakshmi. Hier finden sich einige interessante Devata-Reliefs, darunter an der Ostseite eine ungewöhnliche vierarmige, viergesichtige, die wahrscheinlich Sarasvati, die Gefährtin von Brahma, darstellt. Im südöstlichen Turm wurde Uma (Parvati) verehrt, die Gefährtin von Shiva.

Wer den „Weltberg“ erklommen hat, kann sich außerdem an der Aussicht erfreuen: nach Osten Richtung Phnom Bok und Kulen-Berge oder nach Westen, wo die Türme von Angkor Wat am Horizont zu erkennen sind.

Östlicher Mebon

Image Datierung: 10. Jh. (geweiht 953)

Image Königlicher Erbauer: Rajendravarman II. (reg. 944–968)

Image Stil: Pre Rup

Image Religion: Hinduismus (Shiva und Eltern des Königs)

Image Lage: in der Mitte des Östlichen Baray, 1,3 km nördlich von Pre Rup

Image Besuch: früher Vormittag, später Nachmittag, 30–45 Min.

Image Nicht verpassen: Die fein gearbeiteten Türstürze an den 5 Prasats gehören zu den schönsten, die Angkor zu bieten hat.

Nähert man sich heute dem Östlichen Mebon, so ist es schwer vorstellbar, dass er Mittelpunkt eines 7,5 x 1,8 km großen künstlichen Sees, des Östlichen Baray, war. König Yashovarman I. (reg. 890–ca. 915) hatte ihn zur Bewässerung seiner neuen Hauptstadt Yashodharapura anlegen lassen (siehe >>). Das 4 m tiefe Gewässer ist längst ausgetrocknet und durch seine Reisfelder von der Umgebung kaum zu unterscheiden. Die Lage im See bedingt jedoch, dass der Tempel nicht mit den üblichen weiten Umfassungsmauern und Wassergräben umgeben ist, sondern recht kompakt auf einer kleinen Anhöhe liegt.

Die Basis des Tempels besteht aus Laterit und misst 126 x 121 m. An allen vier Seiten gibt es kleine Landungsstege; an den vier Eckpunkten stehen Wächterelefanten aus Sandstein. Die äußere Umfassung (108 x 104 m) ist von einer Mauer umgeben, kreuzförmige Gopurams bilden die Eingänge. Auf dieser Ebene befanden sich an allen vier Seiten umlaufende Galerien. Der innere Tempelbereich steht auf einer 2,40 m hohen Terrasse. An den Aufgängen befinden sich acht paarweise angeordnete Heiligtümer. Die fünf größeren Gebäude („Bibliotheken“) enthielten vielleicht die religiösen Gegenstände, die für die Verehrung der Götter in den fünf Türmen auf der obersten Plattform benötigt wurden. Diese oberste Ebene liegt weitere 3 m höher und misst an jeder Seite 33 m. Die fünf Türme sind in Quincunx-Form angeordnet. Sie wirken auf den ersten Blick recht schmucklos; und die vielen Löcher in der Ziegelwand zeigen an, dass hier einst eine Verkleidung angebracht gewesen sein muss. Auch der Dachschmuck ist zerfallen.

Die Türstürze aus Sandstein jedoch sind in einem guten Zustand und lohnen nähere Betrachtung. Jeder weist ein anderes Motiv auf. Zum Beispiel am zentralen Heiligtum: An der Ostseite Indra auf seinem dreiköpfigen Elefant Airavata; aus dem umgebenden Blätterwerk brechen Reiter hervor, darüber ein Fries mit betenden Figuren. Oder am nordwestlichen Turm: über dem Osteingang Indra, flankiert von zwei Löwen, und am Ende ein gekrönter Elefant, der auf einem Ast reitet, der in einen Pferdekörper übergeht. Am Nordöstlichen Turm, Nordseite: Garuda, von zwei Löwen flankiert, an den Enden jeweils ein Bogenschütze, der auf einem Makara mit Elefantenkopf und Löwenkörper reitet. Wer ein Teleobjektiv mitbringt, kann hier wunderbare Detailfotos machen.

Ta Som

Image Datierung: spätes 12. und frühes 13. Jh.

Image Königlicher Erbauer: Jayavarman VII. (reg. 1181–1220)

Image Stil: Bayon

Image Religion: Buddhismus

Image Lage: 2 km nördlich vom Östlichen Mebon

Image Besuch: vormittags; Zugang von Westen; 30–45 Min.

Image Nicht verpassen: den von einer Baumwurzel umrankten Osteingang

Der kleine Tempel Ta Som gehört wie auch Ta Prohm und Preah Khan (siehe >>) zu den vielen Gründungen von Jayavarman VII. und unterscheidet sich kaum im Stil. Seine ursprüngliche Funktion ist unklar; keine Inschrift gibt darüber Auskunft. Seit einer vorsichtigen Restaurierung 1998–2012 durch ein kambodschanisches Team, das vom WMF (World Monuments Fund) der Unesco ausgebildet und finanziert wurde, ist der Tempel nun gut begehbar und eine recht ruhige Alternative zu seinen zwei größeren Brüdern.

Die Anlage ist umgeben von einer Außenmauer (240 x 200 m), die von zwei viergesichtigen Gopurams durchbrochen ist. Es folgen der Wassergraben und eine zweite Umfassung. Dahinter befindet sich eine Galerie (30 x 20 m), die das zentrale Heiligtum umgibt. Immer wieder stößt man auf schöne Details: Beachtenswert sind die anmutigen Devatas in verschiedenen Positionen: wie sie sich das Haar auswringen oder sich im Spiegel betrachten (nördlicher Gopuram der inneren Einfassung). Einige sind erstaunlich gut erhalten, andere mit Moos überwachsen – jedoch jeweils schön anzusehen.

Ein Highlight ist der von einem Baum umwachsene Osteingang. Um ihn zu sehen, muss man die Anlage einmal komplett durchqueren. Fotografen sollten unbedingt vormittags kommen, wenn der Gopuram im Licht der Sonne liegt.

Neak Pean

Image Datierung: spätes 12. Jh.

Image Königlicher Erbauer: Jayavarman VII. (reg. 1181–1220)

Image Stil: Bayon

Image Religion: Buddhismus

Image Lage: östlich des Preah Khan, 300 m südlich der Straße

Image Besuch: am besten Dezember–Januar, denn dann steht Wasser im Bassin; 30 Min.

Der Neak Pean ist ein ungewöhnliches, kleines Monument, das zur Zeit seiner Erbauung auf einer Insel mitten im heute längst trockenen Nördlichen Baray lag. Heute nähert man sich dieser Insel von der Straße aus über einen etwa 200 m langen hölzernen Steg, der über ein (je nach Jahreszeit) sumpfiges oder überflutetes Gebiet führt, aus dem abgestorbene Bäume ragen. An der Insel, auf der das Heiligtum liegt, sind noch die Reste einer Uferbefestigung oder eines Anlegers zu erkennen.

Das Heiligtum selbst ist ein einzelner Turm, der auf einer Basis steht, die durch zwei verschlungene Naga-Schlangen gebildet wird (Khmer: neak pean). Diese Basis bildet selbst wieder eine kreisrunde Insel inmitten eines quadratischen Teiches mit 70 m Seitenlänge. An allen vier Seiten dieses Gewässers sind mittig weitere quadratische Teiche mit jeweils 25 m Seitenlänge angelegt. Sie sind mit dem Hauptteich hydraulisch verbunden: Aus steinernen Wasserspeiern (im Osten ein menschliches Haupt, im Süden ein Löwen-, in Norden ein Elefanten- und im Westen ein Pferdekopf) sprudelte das Wasser des Zentralbecken in die vier Nebenbecken, an denen dann wohl rituelle Waschungen vorgenommen wurden.

Das zentrale Heiligtum hat eine Tür nach Osten, die anderen drei früher offenen Türen wurden nachträglich zugemauert. Die Giebelbilder zeigen Szenen aus dem Leben Buddhas – die Vermutung liegt nahe, dass Jayavarman VII. hier ein älteres hinduistisches Heiligtum zu einem buddhistischen, Lokeshvara gewidmeten umbauen ließ. Sein Bildnis ziert nun die drei blinden Türen. Auch die Pferdestatue östlich des Heiligtums ist mit dem Lokeshvara in Verbindung zu bringen: Denn in dieser Gestalt erschien der Bodhisattva, um in Seenot geratene Männer aus den Fängen Männer verschlingender Dämoninnen zu retten.

Heute ist nur noch der nördliche Teil der Anlage zugänglich: Ein Zaun hindert die Besucher daran, die bröckelnden Ufer dieses stillen Heiligtums als Picknickplatz zu missbrauchen.

Preah Khan

Image Datierung: 2. Hälfte 12. Jh. (geweiht 1191)

Image Königlicher Erbauer: Jayavarman VII. (reg. 1181–1220)

Image Stil: Bayon

Image Religion: Buddhismus (gewidmet dem Vater des Königs)

Image Lage: nördöstlich von Angkor Thom

Image Besuch: den ganzen Tag über; mind. 1 Std. Der Zugang geschieht üblicherweise von Westen, also durch die Hintertür. Es empfiehlt sich jedoch, von der Hauptstraße links in einen kleinen Pfad abzubiegen, der um den Tempel herumführt und den Zugang durch den Osteingang ermöglicht.

Image Nicht verpassen: die Halle der Tänzerinnen, die großen Garudas an der vierten Einfassung, den Tempel an sich

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Preah Khan („Heiliges Schwert“) ist das Zentrum einer Gruppe von Tempeln (Ta Som, Neak Pean), die Jayavarman VII. anlegen ließ, als er das Reich wiederherstellte (siehe >>). Preah Khan wurde recht früh in der Regierungszeit fertiggestellt; und seine großräumige Anlage als Tempelstadt mit vier Einfassungen und einem Wassergraben, über den breite Brücken mit Naga-Balustraden führen, legt einigen Forschern zufolge die Vermutung nahe, dass der König von hier aus dereinst regiert hat – bis seine neue Hauptstadt Angkor Thom und der Bayon fertiggestellt waren. Anschließend diente der Tempel als großes Kloster und buddhistische Universität, über tausend Lehrer sollen hier gewirkt haben. Einer Inschrift zufolge waren 5234 Dörfer mit 97 840 Bewohnern für die Versorgung der Stadt zuständig. 10 t Reis sollen täglich angeliefert worden sein. Dagegen wirkt der Schwarm von „Cold Drink“-Verkäuferinnen, die den Besucher am Parkplatz vor dem Westeingang umschwirrt, geradezu rührend harmlos.

Die äußere Einfassung des Tempels, die mit gigantischen Garudas geschmückt ist, misst 800 x 700 m. Innerhalb dieser Mauern lag die Tempelstadt. Hier lebten die Bewohner: neben dem Herrscher die aristokratischen Familien und die Brahmanen. Die dritte Einfassung, wie die äußere aus Laterit gebaut, misst 200 x 175 m und ist von vier Gopurams durchbrochen; der im Osten ist der größte. Innerhalb dieser befinden sich zum Tempel gehörige Gebäude wie die Halle der Tänzerinnen, die hinter dem Ost-Gopuram liegt. Sie ist besser erhalten als in anderen Tempeln aus der gleichen Epoche und zeigt oberhalb der Türen schöne Friese mit aufgereihten Tänzerinnen. Nördlich davon steht ein ungewöhnliches zweistöckiges Gebäude, in dem der Legende nach das preah khan, das heilige Reichsschwert, aufbewahrt wurde. Dieses wurde von Generation zu Generation weitervererbt und ist erst in den Wirren der Rote-Khmer-Zeit verlorengegangen. In den nördlichen, südlichen und westlichen Bereichen dieser Einfassung befinden sich zudem Galerien und Satellitentempel, und an den vier Ecken blieb Raum für kleine Teiche. Besonders die Satellitentempel lohnen nähere Betrachtung. So findet sich z. B. im nördlichen eine ausgesucht schöne Darstellung von Vishnu und Lakshmi, die auf einem drachenähnlichen Wesen ruhen; vielleicht eine Darstellung von Ananta Shesha, der Schlange, die die Welt umschlingt (östliche Wand in der östlichen Vorhalle des Zentralheiligtums).

Zwischen der zweiten Einfassung (85 x 76 m) und der inneren (62 x 55 m) ist nur wenig Platz. An der östlichen Seite ist er mit später hinzugefügten kleineren Gebäuden gefüllt. Überall finden sich Reliefs; verzierte Säulen, ornamentale Darstellungen, Devatas und Wächterfiguren – und hastig in die Wand gekerbt wirkende Figuren mit gekreuzten Beinen. Sie sind stumme Zeugen des Bildersturms unter Jayavarman VIII. (reg. 1243–1295), als buddhistische Darstellungen mit hinduistischen Bildern überdeckt wurden.

Die Enge in diesem Bereich ist aber nichts im Vergleich zu der scheinbar konfusen Anordnung der Gebäude im innersten Tempelbezirk: Kleine Schreine und andere Gebäude drängeln sich in allen vier Ecken, getrennt durch axiale Galerien, die zum zentralen Heiligtum führen. Dieses Sanktuarium ist – im Vergleich zu anderen Bereichen des Tempels – in einem recht guten Zustand. Die Wände sind von innen mit Löchern übersät; man nimmt an, dass sie mit Metallplatten (Bronze oder Gold?) verkleidet waren. In der Mitte des Raumes stand einst die Statue des Lokeshvara Jayavarmeshvara, durch die Jayavarmans Vater Dharanindravarman II. (reg. 1155–1160) verehrt wurde. Sie befindet sich heute im Nationalmuseum in Phnom Penh. An ihre Stelle rückte, vermutlich im 16. Jh., ein buddhistischer Stupa. Auch ihm wird große Verehrung zuteil. Davor brennen auf einem kleinen Tischchen die Räucherstäbchen, die jeden Tag von Besuchern entzündet werden. Wer ein paar Riel in die Opferschale wirft, kann hier seine Wünsche und Träume mithilfe des heiligen Rauches gen Himmel schicken.

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Ein steinerner Gott bewacht den Westeingang von Preah Khan.

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Die Roluos-Gruppe

Die drei Tempel der Roluos-Gruppe, Preah Ko, Bakong und Lolei, erstrecken sich über ein Gebiet von 3 km und liegen 13 km südöstlich von Siem Reap beim heutigen Dorf Roluos. Sie sind leicht über die Nationalstraße 6 zu erreichen. Zur Zeit ihrer Erbauung am Ende des 9. Jhs. waren sie Teil der neuen Hauptstadt Hariharalaya, mit der Jayavarman II. etwa hundert Jahre zuvor das Angkor-Reich begründete (siehe >>). Wer die Tempel vormittags besucht, kann auf dem kleinen Markt von Roluos einen kurzen Stopp einlegen und nach Textilien und Seide Ausschau halten. Die Roluos-Gruppe liegt zudem auf dem Weg nach Beng Mealea (57 km von Siem Reap, siehe >>) und kann als Zwischenstopp bei einem Besuch dieses Tempels eingeplant werden. Für einen Besuch ist ein Angkor-Ticket erforderlich.

Preah Ko

Image Datierung: spätes 9. Jh. (880)

Image Königlicher Erbauer: Indravarman I. (reg. 877–889)

Image Stil: Preah Ko

Image Religion: Hinduismus (Shiva)

Image Lage: Roluos, 400 m südlich der Straße

Image Besuch: 30 Min.

Der Preah Ko („Heiliger Bulle“) war der erste Tempel, den Indravarman I. in der Hauptstadt Hariharalaya anlegen ließ. Sechs elegante Ziegelsteintürme erheben sich auf einer Plattform, vor der drei Nandistatuen stehen – der Bulle, der Shivas Reittier ist, gab dem Tempel seinen Namen. Mehrere Mauern umgeben dieses Heiligtum; die äußere misst 500 x 400 m. Zwischen ihr und der zweiten Umfassung (97 x 94 m) war vermutlich Platz für die königliche Residenz und die Häuser seines Hofstaates. Da sie aus Holz gebaut waren, findet sich heute keine Spur mehr von ihnen. Innerhab der zweiten Einfassung haben wohl mehrere Gebäude aus Stein gestanden, von denen heute nur Reste und noch eine 2014 in Restaurierung befindliche „Bibliothek“ in der südwestlichen Ecke geblieben sind.

Eine weitere Mauer grenzt den inneren Bereich ab. Die Türme, in zwei Reihen angeordnet, waren über und über mit aufwendigen Stuckreliefs geschmückt. Noch heute sind einige erhalten. Wächterfiguren (skt: dvarapala) stehen in Nischen neben den Eingängen (von denen nur die nach Osten geöffnet sind). Über den Eingängen erkennt man Ranken und das Gesicht des Dämonen Kala. An den Türrahmen befinden sich reich verzierte oktagonale Säulen und Inschriften, die beschreiben, dass alle Türme Personen gewidmet sind: der mittlere, etwas zurückversetzte, dem König Jayavarman II., der linke dem Vater, der rechte dem Großvater von Indravarman. Alle werden mit posthumen Namen als Inkarnationen Shivas gefeiert. Die dahinterliegenden Türme sind den jeweiligen Ehefrauen zugeordnet.

Bakong

Image Datierung: spätes 9. Jh. (881)

Image Königliche Erbauer: Indravarman I. (reg. 877–889), Ergänzungen durch Yashovarman II. (reg. 1160–1165)

Image Stil: Preah Ko

Image Religion: Hinduismus (Shiva)

Image Lage: Roluos, südlich von Preah Ko

Image Besuch: 45–60 Min.

Der Bakong war der Staatstempel von Indravarman I., und er ist das beeindruckendste Monument dieser Gruppe. Er ist der erste bedeutende Pyramidentempel der Region; seine fünf Stufen symbolisieren den Weltberg Mehru. Gewidmet war es Shiva, der hier in Form des Lingams Sri Indresrava verehrt wurde. Das zentrale Heiligtum, wie es in seiner heutigen Form die oberste Plattform krönt, wurde vermutlich einige Jahrhunderte später durch Yashovarman I. hinzugefügt. Es diente in den 1960er-Jahren als Vorbild für das Unabhängigkeitsdenkmal in Phnom Penh (siehe >>).

Die gesamte Anlage ist mit einer äußeren Umfassungsmauer von 900 x 700 m umgrenzt. Hinter dieser Lateritmauer befand sich ein Wassergraben, der heute an manchen Stellen zu erkennen ist. Er umgrenzt die zweite Einfassung (400 x 300 m), die ebenfalls aus Laterit gebaut ist. Innerhalb dieser Mauern liegen rechter Hand die Räumlichkeiten eines modernen Klosters, das sich auf dem Gelände befindet. Die Mönche und Novizen sind an ihren orangefarbenen Gewändern zu erkennen.

Die innere Einfassung misst 160 x 120 m. Ein mit Steinen begrenzter Weg, der vom Ost-Gopuram zum Tempel führt, ist von zwei lang gestreckten Bauten gesäumt. Sie sind im Angkor-Wat-Stil gebaut und werden der Zeit des späteren Umbaus zugesprochen. Acht Ziegelsteintürme in verschiedenen Stadien der Restaurierung (an einigen wird zurzeit gearbeitet) umgeben den Tempelberg. Bemerkenswert sind die Türrahmen, die nicht, wie sonst, aus zwei horizontalen und zwei vertikalen Steinen gebaut sind, sondern aus einem einzigen großen Stein geschlagen wurden. An den falschen Türen dieser Ziegelsteintürme finden sich interessante Türknäufe, die wie ein Löwenkopf gestaltet sind.

Die fünfstufige Tempelpyramide hat einen fast quadratischen Grundriss. Die unterste Ebene misst 67 x 65 m, die oberste 20 x 18 m. An allen vier Seiten führen Stufen nach oben. Die untersten drei Ebenen sind an den Ecken mit Wächterelefanten bestanden, auf der vierten Ebene befinden sich zwölf kleinere Schreine. Der einzelne Turm auf der obersten ist im Angkor-Wat-Stil gebaut. Über den Türen sieht man schöne Darstellungen eines tanzenden Shiva (Osten), vom Kirnen des Milchozeans (Süden), Vishnu auf der Weltenschlange Ananta (Westen) und von Rama und Lakshmana, die von einer Schlange gefesselt sind – eine Geschichte aus dem Ramayana (Norden).

Es ist kaum vorstellbar, dass dieser heute so gut zu begehende Tempelberg vor hundert Jahren ein undefinierbarer Haufen Steine und Erde war. Nur durch die bewundernswerte Leistung des französischen Archäologen Maurice Glaize konnte dieser Tempel zwischen 1936 und 1943 in seiner heutigen Form wiederhergestellt werden.

Lolei

Image Datierung: spätes 9. Jh.

Image Königlicher Erbauer: Yashovarman I. (reg. 889–ca. 915)

Image Stil: Übergang von Preah Ko nach Bakheng

Image Religion: Hinduismus (Shiva)

Image Lage: Roluos, 600 m nördlich der Straße

Image Besuch: 15 Min.

Dass dieses Heiligtum einst auf einer künstlichen Insel in einem großen künstlichen See stand, würde man heute nicht mehr vermuten. Es lässt sich jedoch nachweisen, dass schon unter Indravarman I. (reg. 877–889) die Grundsteine für diese Anlage gelegt wurden. Es war jedoch seinem Sohn Yashovarman I. vorbehalten, die Deiche zu schließen und die Türme fertigzustellen. Es war dessen letzte Tat in Hariharalaya, wie die Hauptstadt beim heutigen Roluos damals hieß – kurz darauf zog er mit seinem gesamten Hof nach Angkor um und gründete eine neue Hauptstadt mit dem Bakheng als Zentrum.

Die Anlage liegt auf einer Plattform, die von großen Lateritblöcken begrenzt wird – die damalige Uferbefestigung. Die vier Ziegelsteintürme sind in keinem guten Zustand mehr: Auf den Dächern wächst Gras, und der südöstliche ist 1968 ganz zusammengestürzt. Im Jahr 2014 war der nordöstliche Turm eingerüstet; vorsichtig versucht man, ihn vom Pflanzenwuchs zu befreien und vor dem weiteren Verfall zu bewahren. Die wenigen erhaltenen Reliefs lassen erahnen, dass die Türme einst aufwendig dekoriert waren: Die Türstürze sowie die Wächterfiguren und Devatas neben den Türen sind mit großer Kunstfertigkeit gearbeitet. Beachtenswert auch die in Schönschrift ausgeführten Sanskrit-Inschriften.

Auf dem Gelände liegt heute ein modernes Kloster. Man sollte die Mönche in ihren nahe gelegenen Wohnhäusern nicht behelligen. Der Vihara jedoch ist frei zugänglich und lohnt einen Blick: Er ist innen bis unter das Dach mit bunten Darstellungen aus Buddhas Leben verziert.

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Weitere Heiligtümer in der Umgebung

Abseits der zentralen Gebiete um Angkor Wat, Angkor Thom und den Östlichen Baray finden sich weitere interessante Bauwerke. Vor allem der Banteay Srei zieht viele Besucher an.

Westlicher Mebon

Image Datierung: Mitte 11. Jh.

Image Königlicher Erbauer: Udayadityavarman II. (reg. 1050–1066)

Image Stil: Baphuon

Image Religion: Hinduismus (Vishnu und Shiva)

Image Lage: im Westlichen Baray

Image Besuch: 40 Min. (inkl. Bootsfahrt)

Der Westliche Mebon liegt mitten im Westlichen Baray, der während der Regierungszeit von Suryavarman I. (reg. 1001–ca. 1050) gegraben wurde. Mit einer Ausdehnung von 8 x 2,2 km und einer Tiefe von durchschnittlich 7 m ist er die größte Wasserfläche in Angkor und „funktioniert“ im Gegensatz zu vielen anderen heute noch: Am Ende der Regenzeit steht das Wasser fast auf der gesamten Fläche, am Ende der Trockenzeit immerhin noch auf der (westlichen) Hälfte – Fischreservoir und Naherholungsgebiet für die Bevölkerung. Vom Tempel, der im Zentrum der Insel stand, ist jedoch nicht viel übrig geblieben: Die meisten Türme sind zusammengefallen, nur an der Ostseite der Insel sind noch Reste zu erkennen. Gegen Ende der Trockenzeit, wenn der Wasserspiegel niedrig ist, kann man bei einem Spaziergang um das Heiligtum auf dem trocken liegenden Grund des Sees große Mengen herabgefallener Steine sehen.

Berühmt ist der Westliche Mebon für eine Statue, die hier gefunden wurde: Bei der großen Vishnu-Bronze, deren Bruchstücke heute im Nationalmuseum in Phnom Penh zu sehen sind, handelt es sich wahrscheinlich um ein von Chou Ta-Kuan erwähntes Bildnis. Entdeckt wurde es 1936 von dem französischen Archäologen Maurice Glaize (1186–1964), der, so erzählt es die Überlieferung, durch den Traum eines Bauern auf den Fundort aufmerksam wurde.

Banteay Samre

Image Datierung: 1. Hälfte 12. Jh.

Image Königlicher Erbauer: Suryavarman II. (reg. 1113–ca. 1155)

Image Stil: Angkor Wat

Image Religion: Hinduismus (Vishnu)

Image Lage: 500 m östlich vom Östlichen Baray; Abzweig von der Hauptstraße im Dorf Pradak, nach 2,2 km südlich der Straße

Image Besuch: mind. 45 Min. Empfehlenswert, da ruhig: Der Tempel steht nur selten auf dem Programm von Tourgruppen. Kann mit einem Besuch von Banteay Srei verbunden werden.

Image Nicht verpassen: Die Reliefs – nur in Angkor Wat finden sich noch reichere Darstellungen indischer Mythen und Götter.

Auch wenn im Banteay Samre keine Inschriften über seine Gründung berichten, so legen doch die Architektur der Gesamtanlage und viele Details nahe, dass er zur Zeit von Angkor Wat erbaut wurde. Wie z. B. auch im Thommanon und im Chao Say Thevoda, erhebt sich über dem zentralen Heiigtum ein einzelner Turm, den ein kurzer Korridor (skt: antarala) mit einer Vorhalle verbindet (skt: mandapa). Zu beiden Seiten stehen jeweils eine „Bibliothek“, und konzentrische Galerien mit annähernd quadratischem Grundriss fassen die Anlage ein. Die innere Einfassung misst 44 x 38 m, die äußere 83 x 77 m. Dadurch wirkt der Tempel recht kompakt. An den Schnittpunkten der Mittelachsen mit den Einfassungen befinden sich kreuzförmige Gopurams; nur der Osteingang der äußeren Umfassung scheint nicht fertiggestellt oder zerstört worden zu sein.

Vom Parkplatz kommend, betreten die meisten Besucher den gut restaurierten Tempel durch den Nordeingang. Sinnvoller ist es, links um die Anlage herumzugehen und den Osteingang zu benutzen; vom Haupteingang aus erschließt sich die Anlage am besten. Auffällig ist der erhöhte Weg, der vom Osteingang wegführt; er endet nach über 200 m in einer kreuzförmigen Terrasse mit Naga-Balustrade und steinernen Wächterlöwen. Auch auf der gegenüberliegenden Seite, am Westeingang, führt ein solcher Weg (über 350 m) vom Tempel weg. Die Vermutung liegt daher nahe, dass der Banteay Samre der Mittelpunkt einer größeren Stadt war.

Die drei Tore der äußeren Umfassung weisen eine Vielfalt hinduistischer Motive auf. Am Giebel des Nordtores sieht man Rama und den vielarmigen Ravana kämpfend auf ihren Streitwagen. Auch der Giebel des Westtores zeigt eine Schlachtszene aus dem Ramayana: Hier kämpft eine Dämonenarmee gegen eine Streitmacht aus Affen. Am Giebel des Südtores sieht man den im Kampf verletzten Lakshmana, dem seine Affenkrieger eine Medizin bringen. Viele weitere schön ausgearbeitete Szenen schmücken auch die anderen Eingänge, Giebel und Türstürze. Das zentrale Heiligtum, das auf einer hohen Plattform steht, weist weitere Motive auf – wer sich für hinduistische Mythologie interessiert, kann hier Stunden zubringen.

Banteay Srei

Image Datierung: 2. Hälfte 10. Jh. (geweiht 967)

Image Erbauer: gestiftet von einem Brahmanen namens Yajnavaraha zur Zeit von Rajendravarman II. (reg. 944–968) und Jayavarman V. (reg. 968–1001).

Image Stil: Banteay Srei

Image Religion: Hinduismus (Shiva)

Image Lage: 37 km nördlich von Siem Reap

Image Besuch: mind. 1 Std. (ohne Anfahrt, diese dauert ca. 45 Min.). Früh aufbrechen, um die großen Besuchergruppen zu vermeiden. Kann auch ohne Angkor-Ticket besucht werden und kostet dann 2000 Riel Eintritt. Angemessene Kleidung erforderlich (Knie und Schultern bedeckt). bis 17 Uhr.

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Detailansicht der Karte folgt

Reliefs:

Image Vishnu als Mann-Löwe

Image Entführung der Sita (I)

Image Ravana lässt Berg Kailash erbeben

Image Kama und Shiva

Image Entführung der Sita (II)

Image Schlacht zwischen Valin und Sugriva

Image Krishna tötet Kamsa

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Banteay Srei ist der Lieblingstempel vieler Besucher und wird oft als das Juwel unter den Tempeln von Angkor bezeichnet. Sein Name bedeutet „Zitadelle der Frauen“ und wird seiner zarten, unvergleichlichen Schönheit zugeschrieben. Eine Schönheit, die zerbrechlich ist: Um Schäden durch den wachsenden Besucherstrom zu vermeiden, ist der zentrale Teil der Anlage abgesperrt. Ein kleines Fernglas kann nützlich sein, um die Reliefs genauer zu betrachten.

Der hübsche Tempel wurde von französischen Archäologen 1914 „entdeckt“, doch erst zehn Jahre später vom Dschungel befreit. Kurz vorher gab es einen großen Skandal, als eine Gruppe von Europäern unter der Leitung des französischen Schriftstellers André Malraux wertvolle Skulpturen und Türstürze zu rauben versuchte; sie wurden entdeckt, in Phnom Penh inhaftiert und erst nach Rückgabe der Stücke wieder freigelassen. Ironie der Geschichte: 1959 wurde der ehemalige Kunstdieb Malraux unter Charles de Gaulle französischer Kulturminister. Der Zwischenfall sorgte immerhin dafür, dass die archäologische Arbeit 1924 aufgenommen und der Tempel besser geschützt wurde. Er ist der erste, der anhand der Technik der Anastylosis wieder hergestellt wurde – so erfolgreich, dass die Technik seitdem auch für weitere Tempel angewandt wurde.

Der heutige Besucher muss zuerst ein Besucherzentrum mit Schautafeln und Souvenirshops (sowie Toiletten) passieren, ehe er nach einem kurzen Gang das Tempelgelände an dessen östlicher Seite erreicht. Durch einen üppig verzierten Eingangspavillon, dessen Giebel Indra auf einem dreiköpfigen Airavata zeigt, betritt man die 67 m lange Prozessionsstraße, die zum kreuzförmigen Gopuram der Außenmauer (110 x 95 m) führt. Dabei passiert man die Reste einiger Gebäude, deren Bedeutung unklar ist. Durch den Gopuram der Außenmauer (sein herabgefallener östlicher Tympanon ist auf dem Boden abgestellt und zeigt die Entführung von Sita) geht es weiter in einen Zwischenbereich, der von einem Wassergraben gefüllt ist. Er kann trockenen Fußes über den steinernen Weg überquert werden. Eine zweite Lateritmauer (42 x 38 m) umfasst nun den inneren Tempelbereich. Parallel dazu stehen sechs teilweise erhaltene Galerien; jeweils zwei an den von Gopurams durchbrochenen Ost- und Westseiten der Mauer, und jeweils eine im nördlichen und südlichen Abschnitt.

Von der inneren Mauer, die den Tempel einst umschloss, ist bis auf die Gopurams nur wenig erhalten. Stattdessen ist rund um den zentralen Bereich nun eine Absperrung, angebracht von der „Apsara Authority“ – näher heran geht es nur mit Fernglas oder Teleobjektiv. In der Mitte steht das T-förmige Zentralheiligtum auf einer Plattform. An den sechs Aufgängen knien Wächterfiguren: Affen, Löwen und Garudas. Darunter sind auch neuere Nachbildungen: Die Originale wurden gestohlen oder befinden sich heute im Museum. Der Wandschmuck hat, dank des harten Sandsteins, in den er tief eingearbeitet wurde, die Zeiten gut überdauert. Das Rankwerk und die hübschen weiblichen Figuren gehören zu den Ikonen der Khmer-Kunst; ebenso wie die Verzierungen an den beiden kleinen „Bibliotheken“, die das Zentralheiligtum flankieren.

Der Giebelschmuck über dem östlichen Eingang der nördlichen „Bibliothek“ zeigt eine Episode aus dem altindischen Mahabharata-Epos: Indra (auf seinem Reittier Airavata) lässt es auf den Wald Khandava regnen, den der Feuergott Agni entzünden wollte, um den Naga-König Takshaka zu töten. Arjuna und Krishna, die beiden Bogenschützen in den unteren Ecken des Bildes, helfen Agni bei der Ausführung seines Plans, indem sie einen Schild von Pfeilen über den Wald decken. Über dem westlichen Eingang sieht man eine Kampfszene in einem Palast; im mittleren Bild steht Krishna mit erhobenem Schwert über seinem grausamen Onkel, dem Dämonen Kamsa, den er bei den Haaren gefasst hat. Von den Seiten schauen Frauen entsetzt bei der Hinrichtung zu.

Etwas versöhnlicher sind die Darstellungen der südlichen „Bibliothek“: So sieht man über dem östlichen Eingang den vielarmigen, vielköpfigen Dämonen Ravana, wie er den wie eine Stufenpyramide geformten Berg Kailash erschüttert, auf dem Shiva und seine Gemahlin Uma sitzen. Shiva kann den Berg jedoch mit einem Fuß stabilisieren. Auch über dem westlichen Eingang sieht man Shiva auf dem Kailash; hier schießt gerade der Liebesgott Kama einen Pfeil auf ihn ab, während Shiva eine Rose an die neben ihm sitzende Uma reicht.

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Die Skulpturen und Reliefs im Banteay Srei gehören zum Besten, was die Khmer-Kunst zu bieten hat.

Beng Mealea

Image Datierung: Mitte 12. Jh.

Image Königlicher Erbauer: vermutlich Dharaindravarman II. (reg. ca. 1150–1160)

Image Stil: Angkor Wat

Image Religion: Hinduismus, Buddhismus

Image Lage: 40 km östlich von Angkor Wat. Anfahrt: über den NH6 Richtung Phnom Penh, nach 37 km in Dam Dek links auf die N66 abbiegen; nach weiteren 31 km liegen der Parkplatz und der Eingang hinter der (nicht zu nehmenden) 90-Grad-Linkskurve nach Koh Ker (N210). Kann mit dem Besuch von Phnom Kulen/Kbal Spean verbunden werden.

Image Besuch: ganztags, 45–90 Min., Eintritt US$5. Vorsicht bei Klettertouren!

Wer erleben möchte, wie die europäischen Entdecker im 19. Jh. die Tempel von Angkor wahrgenommen haben, kann einen Ausflug zum Beng Mealea unternehmen: Denn dieser große Tempel liegt noch völlig in Trümmern und ist vom Dschungel überwachsen. Er wurde erst im Jahr 2000 für den Tourismus geöffnet, vorher gehörte er in den Einflussbereich der letzten Roten Khmer und war stark vermint. Heute ist ein Besuch gefahrlos möglich – allerdings sollte man ein wenig Übung im Klettern mitbringen. Lokale Guides der Apsara Authority können erklären, ob bzw. wo dies erlaubt ist. Der erhöhte, aus Holz gebaute Weg, der zum Zentrum führt, wurde für die Dreharbeiten zu Jean-Jaques Arnauds Film Two Brothers (2004) errichtet. Die Geschichte der beiden kleinen Tiger spielt zum Teil in diesem romantisch zerfallenen Tempel.

Beng Mealea war das Zentrum einer Stadt, die von einem 45 m breiten, 1025 x 875 m großen Wassergraben umgeben war. Von allen Himmelsrichtungen führten gepflasterte Wege zum Tempel, der wie üblich auf einer Ost-West-Achse ausgerichtet ist. Der Zugang geschieht heute jedoch von Süden. Am südlichen Zugang rechts fällt eine Naga-Balustrade auf, die fast aussieht wie neu: Jahrhundertelang schlummerte sie vor den Elementen geschützt im Erdreich und wurde dort erst 2009 entdeckt und ausgegraben.

Der Grundriss des Tempels erinnert ein wenig an Angkor Wat, allerdings sind keine erhöhten Ebenen vorhanden. Heute ist die Gesamtstruktur mit drei konzentrischen Galerien, die das eingefallene Zentralheiligtum umgeben, aufgrund des Zustandes der Anlage nur noch zu erahnen. Wer etwas herumklettert, entdeckt an den Gopurams Reliefs, die hinduistische und buddhistische Motive zeigen. Auch ungewöhliche Darstellungen fallen auf: z. B. die einer Apsara, die sich durch das Haar streicht und ihre rechte Brust mit einer Hand unterstützt (am südöstlichen Eckpavillon der äußeren Umfassung). Das große Highlight ist jedoch die Atmosphäre an sich: Mehr Indiana-Jones-Feeling geht in Angkor nicht!

Kbal Spean

Image Datierung: 11. Jh.

Image Königlicher Erbauer: Udayadityavarman II. (reg. ca. 1050–1066)

Image Stil: Baphuon

Image Religion: Hinduismus

Image Lage: ca. 13 km nördlich von Banteay Srei, im westlichen Teil vom Phnom Kulen.

Image Besuch: 1 Std. plus Aufstieg etwa 30 Min. Achtung: Minengefahr! Nicht von den markierten Wegen abweichen! Ein Besuch in der Regenzeit (Juli–Nov) verspricht die schönsten Eindrücke. Kann verbunden werden mit einem Besuch in Banteay Srei (beides zusammen dauert einen halben Tag) und einer Weiterfahrt nach Beng Mealea (alles zusammen ein ganzer Tag). bis 15 Uhr.

Kbal Spean (Khmer: Steinbrücke) bietet etwas Abwechslung zu den vielen Tempeln, die in der Region Angkor besucht werden können. Hier ist die Hauptattraktion – ein Fluss. An seinen Ufern finden sich viele hinduistische Reliefs, und in das Flussbett wurden unzählige Lingams gearbeitet; „der Fluss der tausend Lingams“ ist folgerichtig ein Beiname dieses Ortes.

Vom Parkplatz aus führt ein etwa halbstündiger, zum Teil recht steiler Aufstieg zu dem bemerkenswerten, etwa 150 m langen Flussabschnitt. Zuerst wird ein etwa 7 m hoher Wasserfall erreicht. Teile der hinduistischen Motive, die den Sandstein geschmückt haben, über den sich das Wasser ergießt, wurden von Kunsträubern gestohlen. Oberhalb des Falls ist ein kleiner rechteckiger Pool in das Flussbett gegraben. Das Bildnis eines schlafenden Vishnu an seiner Innenwand ist nur in der Trockenzeit gut zu sehen. Der Weg führt weiter flussaufwärts und endet an der namensgebenden Steinbrücke. Auf halbem Wege sieht man im Flussbett eine Yoni-Darstellung, in der fünf Lingams in Quincunx-Form stehen. Weitere Lingams umgeben die Figur.

Die Steinbrücke am oberen Ende des Weges ist ein natürlicher Sandsteinblock, unter dem sich das Wasser einen Tunnel gegraben hat. Von dieser Brücke aus ergibt sich ein schöner Blick flussaufwärts; man erkennt die in das Flussbett gehauenen Lingams sowie ein Bild von Shiva und Uma, die gemeinsam auf dem Bullen Nandi reiten. Gleich nördlich der Brücke verdient eine Darstellung des auf der Weltenschlange Ananta ruhenden Vishnu Aufmerksamkeit. Vishnu lässt auf diesem Bild den Kosmos im Traum entstehen; aus seinem Nabel entspringt ein Lotos, der sich öffnet und Brahma freigibt: Symbol eines neuen Lebenszyklus. All diese Bilder und Lingams heiligen das Wasser, das über sie sprudelt. Der Fluss mündet schließlich in den Siem-Reap-Fluss, der wiederum die Bewässerungsanlagen von Angkor speiste – so segnete das geheiligte Wasser die ganze Stadt.

Phnom Kulen

Image Lage: 50 km nördlich von Siem Reap

Image Besuch: Eintritt US$20

Der Phnom Kulen ist für die Kambodschaner der heiligste Berg des Landes und an Wochenenden und Feiertagen ein beliebtes Ziel. Das Plateau mit einer Größe von 37,5 km2 wurde 1993 zum Nationalpark erklärt. An der Südseite des Phnom Kulen genießt ein aus der Post-Angkor-Periode stammender, 5 m großer liegender Buddha („Preah An Thom“), der in den Sandstein geschlagen wurde, viel Verehrung. Im Fluss der tausend Lingams (rechts der Straße, die zum liegenden Buddha führt) wurde, ähnlich wie bei Kbal Spean, das Flussbett mit den phallischen Shiva-Symbolen verziert. Ein Wasserfall mit kleineren Badegelegenheiten zieht die Bevölkerung an. Das alles könnte auch westliche Besucher ansprechen – doch die US$20 Eintritt, die ein privater Geschäftsmann kassiert, der die Straße auf den Berg bauen ließ, schreckt die meisten ab. Zu Recht: Für diesen Einsatz (plus Anfahrt) kann man in Angkor Besseres erleben.

Historisch ist der Berg von großer Bedeutung, denn hier begann vor über 1200 Jahren der Aufstieg des Reichs von Angkor, als anno 802 Jayavarman II. sich hier zum Gottkönig erklären ließ. Viele Heiligtümer wurden in der Folgezeit auf dem Berg errichtet, doch sie sind heute nur sehr begrenzt zugänglich, da das Gebiet lange Zeit von den Roten Khmer beherrscht wurde. Viele Minen aus dieser Zeit lauern noch heute im Boden und warten auf ihre Opfer. Wer die wenigen Überreste des pyramidenförmigen Staatstempels von Jayavarman II., Prasat Rong Chen, oder einen der vielen Ziegelsteintürme aufsuchen möchte, sollte dies unbedingt nur in Begleitung eines einheimischen Führers tun. Und auch dies ist nicht 100 % sicher, denn in der Regenzeit werden viele Minen fortgeschwemmt und können so auch an schon als sicher geglaubten Wegen wieder auftauchen. Auch der schwer zu findende „Elefantenteich“ Sra Damrei an der Südseite des Berges mit seinen lebensgroßen steinernen Elefantenfiguren darf nur mit einem Führer, der sich hier gut auskennt, besucht werden.

Phnom Bok

Image Datierung: frühes 10. Jh.

Image Königlicher Erbauer: Yashovarman I. (reg. 889–ca. 915)

Image Stil: Bakheng

Image Religion: Hinduismus (Trimurti)

Image Lage: ca. 5 km nordöstl. von Banteay Samre

Image Besuch: vormittags, wenn die Sonne noch tief steht. Sonst wird der Aufstieg über die 600 Stufen zu anstrengend.

Der kleine Tempel auf dem 210 m hohen Berg (schöne Aussicht: Phnom Kulen im Norden und die Ebene von Angkor im Süden) hat einen quadratischen Grundriss. Die drei nebeneinander stehenden zentralen Türme waren Shiva (Mitte), Vishnu (Norden) und Brahma (Süden) gewidmet. Die gut erhaltenen Köpfe der Statuen, die hier standen, sind heute im Musée Guimet in Paris zu bewundern. Einen Blick wert sind auch die Nebengebäude, die zum Teil aus Sandstein gearbeitet sind. Die gesamte Anlage ist in einem mäßig guten Zustand, Pflanzen wachsen zwischen den Steinen. Besucher sind hier selten, sodass eine friedvolle Atmosphäre herrscht. Im westlichen Bereich der Bergkuppe, etwa 100 m vom Tempel entfernt, befindet sich eine quadratische Plattform aus Laterit. Hier liegt ein abgebrochener Lingam mit einem Durchmesser von 1,20 m – er muss eine Länge von 4–5 m gehabt haben. 100 m östlich des Tempels befindet sich ein tiefes künstliches Wasserreservoir.

Phnom Krom

Image Datierung: frühes 10. Jh.

Image Königlicher Erbauer: Yashovarman I. (reg. 889–ca. 915)

Image Stil: Bakheng

Image Religion: Hinduismus (Trimurti)

Image Lage: 12 km südwestlich von Siem Reap am Ufer des Tonle-Sap-Sees

Image Besuch: später Nachmittag, zum Sonnenuntergang (Angkor-Ticket erforderlich)

Der Tempel auf dem Berg Phnom Krom (137 m) ähnelt in der Gesamtstruktur stark demjenigen auf Phnom Bok, ist jedoch stärker vom Zahn der Zeit angenagt. Kaum etwas von der Wanddekoration ist übrig geblieben. Am oberen Teil des nördlichen Turmes (Vishnu gewidmet) sind noch Fragmente zu erkennen. Die Shivastatue, die einst im zentralen Turm stand, kann heute im Nationalmuseum in Phnom Penh bestaunt werden.

Obwohl „in Sachen Tempel“ hier oben nicht viel zu sehen ist, lohnt sich der etwa 20-minütige Aufstieg: der Aussicht auf den Tonle-Sap-See wegen. Vor allem zum Sonnenuntergang empfehlenswert – und am besten am Ende der Regenzeit, wenn das Wasser hoch steht, die Felder überflutet sind und man fast das Gefühl hat, auf einer Insel zu sein.

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6 HIGHLIGHT

Tonle-Sap-See

Siem Reap liegt nicht nur vor den Toren Angkors, sondern auch am größten und einem der interessantesten Seen Südostasiens: dem Tonle Sap. Eine faszinierende Lebenswelt offenbart sich hier den Besuchern. Die Menschen, die auf und um den See leben, haben sich den extrem schwankenden Wasserständen angepasst. Für sie ist der See Wohnort, Verkehrsweg, Nahrungs- und Einkommensquelle in einem. Die Bewohner leben in Hausbooten oder haben ihre Häuser auf schwimmende Bambusplattformen gebaut. Andere Dörfer bestehen aus Stelzenhäusern. 170 schwimmende Dörfer gibt es insgesamt auf dem Tonle-Sap-See, rund 80 000 Menschen leben auf dem Wasser. Überwiegend sind es Vietnamesen, denen der Landbesitz untersagt ist. Aber nicht nur den Menschen bietet der Tonle Sap einen Lebensraum, auch unzählige Wasservögel nisten hier.

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Das ganze Leben spielt sich auf dem Wasser ab: Kinder im schwimmenden Dorf Mechrey.

Schwimmende Dörfer

Von Siem Reap aus lassen sich vier schwimmende Dörfer bequem auf einem Halb- oder Tagesausflug erreichen. Manche Besucher sind fasziniert von dem Leben, das sich auf dem Wasser abspielt, andere empfinden den Ausflug als zu touristisch oder sogar voyeuristisch. In der Hauptsaison drängen Touristenboote durch die Kanäle, dicht vorbei an schwimmenden Wohnstätten. Weniger überlaufen sind das kleine Dorf Mechrey und die schwimmende Stadt Kompong Khleang.

Chong Khneas

Das schwimmende Dorf Chong Khneas liegt Siem Reap am nächsten. Die Fahrt dorthin führt durch die hübschen Dörfer Aranh und Phnom Krom, deren Bewohner in Stelzenhäusern am Fluss leben. Einen kleiner Abstecher lohnen eine Lotos-Farm (siehe >>). Chong Kneas heißt nicht nur das Dorf auf dem Wasser, auch die Siedlung auf dem Festland, wo die Boote ablegen, trägt den gleichen Namen. An der Zufahrtsstraße zum Hafenterminal liegt das GECKO-Umweltzentrum. Schautafeln liefern zahlreiche Informationen über Flora und Fauna des Tonle Sap (Eintritt frei).

Viele Bewohner sind vom schwimmenden Dorf aufs Festland gezogen, Stelzenhäuser, ein Kindergarten, die Kranken- und Polizeistation stehen an der Zufahrtstraße zum Hafen. Einige Bewohner gehören der Minderheit der Cham an, deren kleine Moschee man am Wegesrand erblickt. In einem modernen Terminal werden Bootstickets für eine Rundfahrt in das schwimmende Dorf Chong Khneas, nach Battambang oder Phnom Penh verkauft.

Die kurzweilige Bootsfahrt zum schwimmenden Dorf führt vorbei an Wohn- und Geschäftshäusern auf dem Wasser, deren Bambusunterlage alle sechs bis acht Jahre ausgetauscht wird. Während der Regenzeit liegt das Dorf näher am Festland, in den Trockenmonaten ziehen die Bewohner mit ihren Häusern Richtung Seemitte. Halbjährlich folgen sie somit dem Auf und Ab des Tonle Sap und sind so zu Wassernomaden geworden. Von den 3000 Bewohnern sind 65 % Vietnamesen und 35 % Khmer. Das Dorf besitzt eine vietnamesische Pagode und zwei Schulen. Eine davon ist eine katholische Grundschule, das Gebäude wird zugleich als Kirche genutzt. Die überwiegende Anzahl der Bewohner lebt vom Fischfang, darüber hinaus werden drei Fisch- und Krokodilfarmen sowie fünf Restaurants betrieben. Viele Tourgruppen machen an einem der Lokale Halt. Die Bootstour stoppt zudem an einer Krokodilfarm mit angegliedertem Souvenir-Shop. Häufig wird ein zweiter Stopp eingelegt, diesmal an einer Schule, wo Sach- oder Geldspenden gesammelt werden.

Auf eigene Faust gelangt man mit dem Tuk-Tuk/Motorradtaxi für US$15/7 in 20 Min. nach Chong Khneas. Mit dem Fahrrad sind die 13 km ebenfalls gut zu bewältigen. Knapp 1 1/2-stündige Bootsfahrt inkl. Englisch sprechendem Guide für US$20 p. P. (2–4 Pers.), ab 5 Pers. US$15.

Organisierte Touren über Guesthouses ab US$15 p. P. inkl. Transport und Boot.

Capitol Tours, Tel. 012-830 170, www.capitoltourscambodia.com. Tagestour inkl. Wat Thmei und ein Besuch bei Artisans d’Angkor. 1–2 Pers. mit dem Tuk-Tuk, ab 3 Pers. mit dem Minivan inkl. Transport, Boot, Tourguide und Wasser. US$25 p. P.

Tara Boat, Tel. 092-957 765, www.taraboat.com. Halbtagestour für US$27 inkl. Transfer, Boot, Eintrittsgebühren, Tourguide, Essen und zwei Getränken auf dem Tara Boat.

Tonle Sap

Der Tonle-Sap-See ist der größte und einer der fischreichsten Süßwasserseen in Südostasien. Er wird von mehreren Zuflüssen im Norden gespeist, der südliche Ablauf ist der Tonle-Sap-Fluss, der bei Phnom Penh in den Mekong mündet.

In der Regenzeit schwillt der See von 2500 km2 auf über 10 000 km2 an, die Seetiefe steigt von 2 m auf bis zu 14 m. Der Grund ist ein einzigartiges Naturphänomen: Die Fließrichtung des Tonle-Sap-Flusses ändert sich.

Der Beginn der Regenzeit im Juni fällt mit der Schneeschmelze im Himalaya-Gebirge zusammen, in dem der Mekong entspringt. Der Mekong führt zu dieser Zeit viermal mehr Wasser als üblich. Wo der Mekong auf den Tonle-Sap-Fluss trifft, drücken die Wassermassen des Mekong den Tonle-Sap-Fluss in die umgekehrte Fließrichtung und füllen so den See. Am Ende der Regenzeit, wenn die Wassermassen des Mekong geringer werden und der Druck nachlässt, kehrt sich die Fließrichtung wieder um. Die Kambodschaner feiern dieses Ereignis mit dem Wasserfest Bonn Om Tuk im November bei Vollmond.

Der nährstoffreiche Mekong, der Tonle Sap und der Fluss Bassac bilden ein einzigartiges Ökosystem, in dem über 300 verschiedene Fischarten leben. Mehr als die Hälfte der in Kambodscha verzehrten Fische stammen aus dem Tonle Sap. Der Fischreichtum des Tonle Sap war einst legendär. Henri Mohout, jener Forscher, der einst die Tempel von Angkor ergründete und sie im Westen populär machte, schrieb: „Der große See ist eine Quelle des Reichtums für die ganze Nation. Es gibt so viel Fisch, dass wenn das Wasser niedrig steht, sie von den Booten zerdrückt werden und das Eintauchen der Ruder verhindern.“ Unzähligen Wasservögeln, darunter Pelikane, Störche, Fischadler, der bedrohte Schwarzkopfibis, Großer Ibis und der Große Marabu, bietet der See eine Heimat. Zudem leben über 30 verschiedene Arten von Reptilien, z. B. Krokodile, im See. Auch zahlreiche Otter haben hier ihr Zuhause. 1997 wurde das Gebiet von der Unesco zum Biosphärenreservat erklärt. Ziel ist es, den Schutz der Umwelt mit ökonomischen Bedingungen zu vereinbaren.

Aber auch dieses Ökosystem ist in Gefahr. Insgesamt sinkt der Wasserspiegel, was nicht nur mit der Ablagerung von Sedimenten während der Regenzeit zu tun hat, sondern auch mit der Abholzung der Wälder. Zudem hat Überfischung zum Rückgang des Fischreichtums geführt. Über den Fluss gespannte Nylonnetze haben längst die traditionellen Wurfnetze oder einfachen Bambusfallen ersetzt. Auch Krokodile sind in freier Wildbahn selten geworden. Die meisten werden in Farmen gehalten, wo sie als Fleisch und vor allen Dingen als Lederproduzent dienen. Wasserschlangen, bisher zum eigenen Verzehr gejagt, werden nun kommerziell gefangen, um sie an die Krokodile zu verfüttern. Über 7 Mio. Schlangen sterben so jährlich auf den Farmen. Schildkröten ersetzen nun die Schlangen in den Kochtöpfen.

Auch die zunehmende Verschmutzung des Mekong durch industrielle Einleitungen aus Thailand und China belasten das Ökosystem. Die Auswirkungen der Staudammprojekte in Kambodscha, Laos, Thailand und China auf das fragile Ökosystem sind bisher kaum abzuschätzen.

Kompong Phluk

Kompong Phluk liegt etwa 20 km südöstlich von Siem Reap. Viele Touristen verbinden den Besuch von Kompong Phluk mit der Besichtigung der Roluos-Gruppe (siehe >>). 700 Familien, insgesamt 4000 Menschen, leben hier in Pfahlhäusern. In der Regenzeit steht das Wasser bis fast zur Türschwelle, während zur Trockenzeit die Stelzen 6–7 m aus dem Wasser ragen. Auf dem Hauptkanal gewinnt man einen ersten Eindruck, die Fahrt führt vorbei an Häusern, der Polizeistation und der Grundschule. In schwimmenden Gärten wird Gemüse angebaut. Wer das Dorfzentrum und den überschwemmten Wald sehen möchte, steigt auf Holz-Einbäume um. Maximal drei Personen sitzen hintereinander in den schmalen Booten, die von einheimischen Frauen gerudert werden (US$5 zugunsten der Dorfgemeinschaft). Entlang den engen Kanälen in der Dorfmitte stehen einfache Bambushütten auf Pfählen, aber auch große Holzhütten mit Wellblechdach und blumengeschmückten Veranden. Daneben die Pagode des Dorfes, eine Krankenstation, Handyladen und ein Restaurant. Die meisten Bewohner sind an das Stromnetz angeschlossen, Fernsehantennen und Mobilfunkmasten ragen in den Himmel. Beschaulich ist die Fahrt durch den überschwemmten Wald. Je nach Wasserstand geht es vorbei an versteinerten Bäumen oder durch grüne Wipfel. Die Fahrt endet an einem der drei großen Restaurants, an denen auch Tourgruppen Rast machen. Zurück geht es wieder im großen Boot.

ÜBERNACHTUNG

Homestay-Übernachtungen organisiert das Garden Village Guesthouse für US$50 p. P. inkl. Transport, Boot, Übernachtung, Frühstück und Abendessen.

TRANSPORT

Von Siem Reap mit dem Tuk-Tuk/Motorradtaxi für US$20/10 in 40 Min. Ab Anleger 2-stündige Bootstour für US$20 p. P., Fahrten mit dem Einbaum zzgl. US$5 p. P.

Von Chong Khneas aus mit dem Boot in 1 1/4 Std. (US$80 p. P.).

Als organisierte Tour mit Tara Boat, Tel. 092-957 765, www.taraboat.com. Tagesausflüge US$60 p. P. Inkl. Mittagessen und Getränke; bei Capitol Tours für US$35 inkl. Hotelabholung, 2 Pers. per Tuk-Tuk, ab 3 Pers. Minivan, Boot, Lunchpaket, zzgl. US$5 für die Fahrt mit dem Einbaum. In einigen Guesthouses wie Mandalay Inn ab US$20 inkl. Transport und Boot.

Mechrey

Das kleine schwimmende Dorf Mechrey liegt etwa 20 km südwestlich von Siem Reap zwischen Chong Khneas und Prek Toal. Das Dorf liegt malerisch an einer Pagodeninsel und wird nur von wenigen Touristen besucht. Etwa 250 Familien leben hier in schwimmenden Häusern, die sich mit dem Wasserspiegel bewegen. Die Häuser bestehen aus einfachen Palmmatten auf einer Bambusplattform. Die Bewohner halten Schweine und Hühner in Käfigen über dem Wasser. Das Dorf bietet einen schwimmenden Supermarkt, eine Krokodilfarm und ein Restaurant mit Aussichtsplattform.

TRANSPORT

Von Siem Reap mit dem Tuk-Tuk/Motorradtaxi für US$20/10 in 40 Min. 2-stündige Bootstour für US$20 p. P. (kommt der Dorfgemeinschaft zugute). Am Ticketschalter können auch Ochsenkarren-Rundfahrten gebucht werden (US$4 für 30 Min.).

Als Halbtages-Kajaktour über Unique Kajak Cambodia Tours, Tel. 097-456 3131, www.uniquekayakcambodia.com, für US$115 p. P. Mit dem Boot von Mechrey bis Prek Toal US$70 p. P.

Kompong Khleang

Kompong Khleang liegt etwa 50 km südöstlich von Siem Reap und ist die größte Stadt auf dem See. 10 000 Familien leben in den Stelzenhäusern über dem Wasser. In der Regenzeit steht das Wasser fast bis an die Türschwelle, in der Trockenzeit ragen die Häuser mehrere Meter aus dem See. Nur wenige Touristen besuchen die abgelegene Stadt. Die breite Wasserstraße zwischen den Häusern gleicht einer geschwungenen Allee, erst hinter dem Hauptweg werden die Wasserwege enger. Drei Pagoden zählt Kompong Khleang, ferner eine Tankstelle, Restaurants, eine Krokodilfarm und viele Geschäfte. Die Stadt wirkt relativ wohlhabend, die Häuser sind mit Wellblech gedeckt, fast überall erblickt man eine Fernsehantenne auf dem Dach. Bootstouren führen über den Hauptwasserweg mit Abstechern in die kleineren Kanäle. Hier bekommt man einen Eindruck vom Leben auf dem Wasser, ohne aufdringlich zu sein.

TRANSPORT

Von Siem Reap mit dem Tuk-Tuk/Motorradtaxi für US$30/20 in 1 1/2 Std. Ab Anleger 2-stündige Bootstour für US$20 (pro Boot, max. 8 Pers.). In der Regenzeit bzw. je nach Wasserstand befindet sich der Anleger weiter landeinwärts, dann kostet die Fahrt US$25.

Kombinierte Bootstour Kompong Khleang und Kompong Phluk US$80.

Von Chong Khneas mit dem Boot für US$70 p. P. (2 Pers., ab 5 Pers. US$50). Als organisierte Tour mit Tara Boat, Tel. 092-957 765, www.taraboat.com, für US$72.

Prek Toal

Das Schutzgebiet Prek Toal an der Nordwestspitze des Tonle Sap umfasst 312 km2. Tausende von Zugvögeln kommen jedes Jahr zum Brüten hierher. Während der Trockenzeit von Januar bis April ist der Anblick der enormen Vogelschwärme besonders beeindruckend. In den Baumwipfeln der überschwemmten Wälder nisten viele gefährdete große Vogelarten wie der Große Adjudant, Graupelikane oder Milchstörche neben Graukopf-Seeadlern, Kormoranen, Schwarzkopfibissen, Schlangenhalsvögeln und Reihern. Nicht nur Vogelliebhaber sind begeistert von der Vielzahl der Vögel mit den teils imposanten Flügelspannweiten. Die beste Zeit zur Vogelbeobachtung ist der frühe Morgen oder späte Nachmittag. Enthusiasten, die den frühen Morgen zur Vogelbeobachtung nutzen, können in einfachen Unterkünften im Parkbüro für US$20 übernachten. Unbedingt Kopfbedeckung und Sonnenschutz mitnehmen.

TOUREN

Image Naturschutzzentrum Sam Veasna, 63 St. 26, Siem Reap, Tel. 063-963 710, www.samveasna.org. Tagestour US$115 p. P. bei 4 Pers.

Image Osmose, Tel. 012-832 812, www.osmosetonlesap.net. Tagestouren für US$105 p. P. ab 4 Pers. Ein Teil des Erlöses geht an ein Projekt, das Dorfbewohnern und deren Kindern das Ökosystem des Sees erklärt und so das Umweltbewusstsein schärft. Beide Angebote inkl. Transport, Eintrittsgebühren, Tourguides, Dorfbesuch und Essen. Start gegen 6 Uhr morgens im Hotel, Rückkehr gegen 18 Uhr. Beide Anbieter haben auch Touren mit Übernachtung im Programm.

Weitere Anbieter sind Tara Boat mit Tagesausflügen für US$125 p. P., und Capitol Tour (US$95 p. P.) inkl. Transport bis Chong Khneas, Boot, Eintritt und Boot im Nationalpark.

TRANSPORT

Von Siem Reap mit dem Tuk-Tuk/Motorradtaxi für US$15/7 in 20 Min. zum Hafen in Chong Khneas. Von da aus mit dem Boot zum Parkbüro Prek Toal (Hin- und Rückfahrt US$50 p. P., ab 2 Pers. in 1 Std.). Ab Prek Toal geht es mit einem kleinen Boot ins Vogelreservat (Eintritt US$20, Boot US$30 inkl. Führer, 1 Std.).

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