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8 Diagnostik in der Chirurgie

Burkhard Paetz

8.1 Präoperative Routinediagnostik

Vor stationär durchgeführten Operationen ist eine gewisse Basisdiagnostik üblich, um schwerwiegende Vorerkrankungen zu erfassen. Der Umfang der Diagnostik ist jedoch nicht standardisiert und in den einzelnen medizinischen Einrichtungen unterschiedlich. Vor kleineren ambulant durchgeführten Operationen wird oft komplett auf Laboruntersuchungen verzichtet, wenn der Patient klinisch gesund ist.

8.1.1 Präoperative Laboruntersuchungen

Die folgenden Laboruntersuchungen gehören zur präoperativen Basisdiagnostik, die bei Bedarf reduziert oder ausgeweitet werden:

8.1.2 Ergänzende Routinediagnostik

Neben der folgenden Basisdiagnostik sind bei größeren Operationen spezielle Voruntersuchungen erforderlich, die weit über das Routineprogramm hinausgehen.

8.2 Spezielle diagnostische Verfahren

Pflegepraxis

Nüchternheit. Die Anforderungen vor diagnostischen Untersuchungen werden individuell und patientenorientiert vom Arzt festgelegt. Folgende Empfehlungen sind zu geben:

  • Sonografie des Abdomens: Trinken ist erlaubt, auch die täglichen Medikamente einnehmen. Essen ist nicht erlaubt

  • Doppler- und Farbduplexuntersuchungen: Essen und Trinken sind erlaubt (nicht nüchtern)

  • Endoskopie: Der Patient sollte nüchtern kommen

  • Magen-Darm-Passage (MDP): Der Patient sollte nüchtern kommen

  • Phlebografie: Essen und Trinken sind erlaubt (nicht nüchtern)

  • Angiografie: Trinken ist erlaubt, auch die täglichen Medikamente einnehmen. Essen ist nicht erlaubt

  • CT mit KM: Essen und Trinken sind erlaubt (nicht nüchtern)

  • PET-CT: Essen und Trinken sind erlaubt (nicht nüchtern)

  • MRT: Essen und Trinken sind erlaubt (nicht nüchtern)

  • Szintigrafie: Essen und Trinken sind erlaubt (nicht nüchtern)

Abführmaßnahmen Bei transoral durchgeführten Untersuchungen ("von oben") sind keine Abführmaßnahmen erforderlich. Das gilt z.B. für die Magenspiegelung (Gastroskopie) oder die Röntgenaufnahme des oberen Gastrointestinaltraktes (MDP = Magen-Darm-Passage).

Bei transrektal durchgeführter Diagnostik („von unten“) ist die vorherige Entleerung des Enddarmes sinnvoll, weil verbliebene Darminhalte die bildgebende Untersuchung beeinträchtigen. Die Verabreichung eines Klysmas ca. 1 Std. vor der geplanten Untersuchung ermöglicht dem Patienten eine weitgehende Darmentleerung und gilt in den meisten Kliniken als ausreichende vorbereitende Maßnahme.

Pflegepraxis

Abführmaßnahmen. Eine weitgehende Entleerung des Dickdarmes ist vor folgenden Untersuchungen erforderlich:

  • Rektoskopie (Spiegelung des Enddarmes)

  • Koloskopie (Spiegelung des Dickdarmes)

  • Kolon-KE (Röntgenuntersuchung des Dickdarmes)

8.2.1 Sonografie

Physikalische Grundlage der Sonografie (Ultraschall) ist die Tatsache, dass Ultraschallwellen von Grenzschichten innerhalb des Körpers reflektiert werden. Der Schallkopf wird über das zu untersuchende Organ gehalten. Damit nicht schon an der Hautoberfläche alle Wellen reflektiert werden, streicht man ein spezielles Gel zur Minderung des Hautbrechungsindex auf.

Die medizinischen Geräte vereinigen „Sender“ und „Empfänger“ für die akustischen Wellen innerhalb eines „Schallkopfs“.

8.2.1.1 Doppler-Sonografie

Die mit Ultraschallwellen arbeitende Methode misst die Blutströmung (Flow) in einem Blutgefäß. Eine Organdarstellung durch ein Bild erfolgt nicht.

Zusatzinfo

Doppler-Effekt. Grundlage der Doppler-Sonografie ist der Doppler-Effekt, benannt nach dem österreichischen Physiker Christian J. Doppler (1803–1853): Der Ton eines an einem Beobachter vorbeifahrenden hupenden Autos erscheint beim Herankommen höher (Frequenzerhöhung durch Fahrtgeschwindigkeit) als beim Entfernen (Frequenzabnahme).

Genauso ist es bei den Blutzellen: Bewegen sie sich auf den Schallkopf zu, resultiert eine Frequenzerhöhung; bei umgekehrter Fließrichtung (vom Schallkopf weg), nimmt die Frequenz ab.

Die Doppler-Sonde wird außen auf die Haut schräg in Verlaufsrichtung eines Blutgefäßes gehalten. Sie sendet einen Ultraschallstrahl konstanter Frequenz aus. Dieser wird von den im Blutgefäß fließenden Erythrozyten teilweise reflektiert. Das „Echo“ wird von derselben Sonde empfangen. Die Frequenzdifferenz zwischen Sende- und Empfangssignal wird durch spezielle Techniken hörbar oder sichtbar gemacht.

Klinische Anwendung Das Doppler-Verfahren ermöglicht mehrere klinische Anwendungen:

Abb. 8.1 Doppler-Sonografie. Messung des Blutdrucks an den Fußarterien (dopplersonografische Verschlussdruckmessung).

Doppler-Sonografie. Messung des Blutdrucks an den Fußarterien (dopplersonografische Verschlussdruckmessung).

8.2.1.2 Bildgebende Sonografie

Die Ultraschalldiagnostik liefert ein zweidimensionales Schnittbild ( ▶ Abb. 8.2). Das nichtinvasive und preisgünstige Verfahren ist leicht anwendbar und ohne Nebenwirkungen für den Patienten beliebig oft wiederholbar. Auch ist keine Vorbereitung des Patienten nötig.

Die Organdiagnostik ist begrenzt, weil Schallwellen durch Fett (z. B. adipöser Patient), Luft (Darmgasüberlagerung) oder Knochen behindert werden.

Abb. 8.2 B-Bild-Sonografie.

Abb. 8.2a Ultraschalluntersuchung des Oberbauchs.

Ultraschalluntersuchung des Oberbauchs.

Abb. 8.2b Gallenblase mit Stein (Pfeile).

Gallenblase mit Stein (Pfeile).

Klinische Anwendung

8.2.1.3 Farbduplex-Sonografie

Die Farbduplex-Sonografie stellt eine Kombination von bildgebender Sonografie und Doppler-Sonografie in einem Gerät dar.

Klinische Anwendung Das Verfahren dient der Untersuchung von Herz und Gefäßen und ermöglicht die Bestimmung des Blutflusses, wobei die untersuchte Region als zweidimensionales farbiges Bild gleichzeitig mit der Flusskurve auf einem Monitor abgebildet wird ( ▶ Abb. 8.3).

Abb. 8.3 Farbduplex-Sonografie. Dargestellt ist die Aufgabelung der Halsschlagader. ACC: A. carotis communis, ACE: A. carotis externa, ACI: A. carotis interna.

Farbduplex-Sonografie. Dargestellt ist die Aufgabelung der Halsschlagader. ACC: A. carotis communis, ACE: A. carotis externa, ACI: A. carotis interna.

8.2.1.4 Endosonografie

Der Schallkopf wird in Körperöffnungen eingeführt (Ösophagus, Rektum, Vagina), um die nähere Umgebung bildlich darzustellen. Auf diese Weise lassen sich innere Organe in guter Qualität zweidimensional abbilden. Man spricht auch von endoskopischem Ultraschall oder EUS.

Klinische Anwendung

Abb. 8.4 Endosonografie. Die Ultraschallsonde in einem flüssigkeitsgefüllten Ballon (in Bildmitte schwarz) dehnt den Enddarm zirkulär auf. Oben im Bild ein Rektumkarzinom.

Endosonografie. Die Ultraschallsonde in einem flüssigkeitsgefüllten Ballon (in Bildmitte schwarz) dehnt den Enddarm zirkulär auf. Oben im Bild ein Rektumkarzinom.

8.2.2 Knöchel-Arm-Index (ABI)

Der Knöchel-Arm-Index wird international mit ABI (ankle-brachial index) abgekürzt. Der errechnete Wert ist der Quotient aus den am Unterschenkel und am Oberarm gemessenen Blutdruckwerten. Der Blutdruck wird beidseits sowohl am Arm als auch am Knöchel gemessen. Der Wert am Knöchel wird durch den Wert am Arm geteilt. Der ABI ergibt einen Hinweis auf den Schweregrad einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK, Kap. ▶ 31.3). Normalerweise sind beide Werte gleich (ABI = 1,0). Bei schlechter Durchblutung der Beine ist der Blutdruck am Knöchel geringer als am Arm. Der Quotient liegt dann unter 1,0. Ein ABI von unter 0,5 bedeutet eine schwere arterielle Durchblutungsstörung, die den Erhalt des Beines gefährdet. Die ABI-Kategorien zur Abschätzung des Schweregrads einer pAVK finden Sie in ▶ Tab. 8.1 .

Tab. 8.1 ABI-Kategorien zur Einteilung einer pAVK.

Knöchel-Arm-Index

Schwergrad

ABI 1,0

Normalwert

ABI 0,9 bis 0,7

leichte pAVK

ABI 0,7 bis 0,5

mittelschwere pAVK

ABI unter 0,5

schwere pAVK

Hinweis. Ein ABI von über 1,0 spricht nicht für eine gute arterielle Durchblutung, sondern für eine krankhafte Arterienverkalkung (Mediasklerose), wodurch die Kompression der Arterie durch die Blutdruckmanschette behindert wird.

Fallbeispiel

ABI. Wenn Sie am Arm einen Blutdruck von 160 mmHg messen und am Knöchel einen Blutdruck von 80 mmHg, entspricht das einem ABI von 0,5 (80 : 160). Der Patient hat also eine schwere arterielle Durchblutungsstörung (pAVK) der Beine.

8.2.3 Endoskopie

Unter Endoskopie („Innenspiegelung“) versteht man die Inspektion verschiedener Organsysteme vom Körperinneren her ( ▶ Tab. 8.2 ).

Die endoskopische Entnahme einer Gewebeprobe ist ein gängiges Verfahren bei der Tumordiagnostik. Die Durchführung kleinerer operativer Eingriffe (Polypen- oder Fremdkörperentfernung) ist ebenfalls endoskopisch möglich.

Das Bild wird auf einen Monitor geleitet und aufgezeichnet (Videoendoskopie, ▶ Abb. 8.5). Zusätzlich verfügen alle Endoskope über einen Arbeitskanal, durch den Hilfsinstrumente an den Zielort vorgeschoben werden können. Mithilfe des Arbeitskanals sind therapeutische Aktionen (z.B. Polypenabtragung) unter Sicht möglich ( ▶ Tab. 8.3 ).

Abb. 8.5 Endoskopie. Blick auf ein Dickdarmadenom (Polyp).

Endoskopie. Blick auf ein Dickdarmadenom (Polyp).

Tab. 8.2 Endoskopie. Zugangswege und Terminologie.

Zugang

Bezeichnung

untersuchtes Organ

transoral

Ösophagoskopie

Speiseröhre

Gastroskopie

Magen

Duodenoskopie

Zwölffingerdarm

Bronchoskopie

Atemwege

transanal

Proktoskopie

Mastdarm

Rektoskopie

Enddarm

Sigmoidoskopie

S-Darm (Sigma)

Koloskopie

Dickdarm

transurethral

Urethroskopie

Harnröhre

Zystoskopie

Harnblase

Ureteroskopie

Harnleiter

Pyeloskopie

= Renoskopie

= Nephroskopie

Nierenbecken

transvaginal

Kolposkopie

Vagina, Zervix

transkutan

Thorakoskopie

Pleurahöhle

Mediastinoskopie

Mittelfellraum

Laparoskopie

Bauchhöhle

Pelvisskopie

kleines Becken

Arthroskopie

Gelenk (z. B. Knie)

Diskoskopie

Bandscheibe

intraoperativ

Choledochoskopie

Gallengang

Angioskopie

Blutgefäß

Arterioskopie

Arterie

Venoskopie

Vene

Tab. 8.3 Diagnostisches und therapeutisches Leistungsspektrum der Endoskopie.

Endoskopische Einsatzmöglichkeiten

Beispiele

Inspektion

makroskopische Beurteilung

Dokumentation

Foto, Video, EDV, Telemedizin

Biopsie = Probeexzision (PE)

histologische Untersuchung

Absaugen

z. B. Blut bei Notfallendoskopie

Blutstillung

durch Sklerosierung, Fibrinklebung oder Hitzekoagulation (Strom oder Laser)

Steinextraktion

aus Gallengang, Harnblase, Harnleiter

Fremdkörperextraktion

aus Speiseröhre, Magen, Darm, Bronchien

Steinzertrümmerung (Lithotripsie)

in Harnleiter, Gallengang, Pankreasgang

Tubusimplantation

bei stenosierendem Ösophaguskarzinom

endoskopische Papillotomie

Erweiterung der verengten Duodenalpapille durch Schlitzung mit dem endoskopischen Messer

innere Drainage

Einlegen eines Stents in den Gallengang bei stenosierendem Karzinom

Kontrastmittelapplikation

zur ERCP (endoskopische retrograde Cholangiopankreatikografie)

Manometrie

Druckmessung in Ösophagus, Papille (= Sphincter Oddi), Enddarm

Polypektomie

Tumorentfernung im oberen und unteren Magen-Darm-Trakt (Adenome, kleine Karzinome)

Platzierung von Ernährungssonden

PEG, Jejunalsonde

minimalinvasive Chirurgie = MIC

laparoskopische Cholezystektomie u. a.

Virtuelle Koloskopie Bei diesem Verfahren wird der Darm nicht endoskopiert. Der Patient erhält ein Computertomogramm. Aus den Schnittbildern werden im Rechner Bilder rekonstruiert, die denen einer echten Endoskopie ähneln ( ▶ Abb. 8.6). Eine therapeutische Aktion (z. B. Polypabtragung) ist mit dieser Methode nicht möglich.

Abb. 8.6 Virtuelle Koloskopie. Das Bild des Dickdarms wird aus Schnittbildern errechnet.

Virtuelle Koloskopie. Das Bild des Dickdarms wird aus Schnittbildern errechnet.

Kapselendoskopie Der Patient schluckt eine 2 cm kleine verkapselte Minikamera, die auf ihrem natürlichen Weg durch den Darmkanal digitale Bilder nach außen sendet ( ▶ Abb. 8.7). Das Empfangsgerät wird bei normalem Tagesablauf am Gürtel getragen. Nach ca. 8 Stunden scheidet der Patient die Einwegkapsel aus und gibt das Aufnahmegerät zur Auswertung ab. Die Methode eröffnet erstmals die Option, den gesamten Dünndarm untersuchen zu können, was mit der herkömmlichen Endoskopie weder von oben noch von unten möglich ist.

Abb. 8.7 Kapselendoskopie. Der Patient schluckt eine mit Elektronik ausgestatte Kapsel, die den gesamten Darm ablichtet.

Kapselendoskopie. Der Patient schluckt eine mit Elektronik ausgestatte Kapsel, die den gesamten Darm ablichtet.

8.2.4 Röntgen

Die nach dem Physiker Wilhelm Conrad Röntgen (1845–1923) benannten elektromagnetischen Wellen können den menschlichen Körper durchdringen. Die Strahlen werden in der Röntgenröhre erzeugt, durchqueren das Untersuchungsobjekt (Patient) und projizieren ein Bild.

Das Bild kann digital weiterverarbeitet und gespeichert werden (PACS = Picture Archiving Communication System). Auch die digitale Verbreitung über das Internet ist möglich (Telemedizin, Kap. ▶ 1.5.1).

Die Organe sind für Röntgenstrahlen unterschiedlich durchlässig. Sehr „transparent“ ist Luft. Lufthaltige Bereiche, wie die Lunge, lassen praktisch alle Strahlen passieren.
Umgekehrt absorbiert kalkhaltiges Gewebe (z. B. Knochen) fast die gesamte Strahlung. Knochen gehören deshalb zu den „röntgendichten“ Strukturen.

Ein Röntgenbild entspricht der zweidimensionalen Projektion einer dreidimensionalen Wirklichkeit. Um die räumlichen Verhältnisse besser beurteilen zu können, sollte deshalb jedes Organ in zwei verschiedenen Projektionsebenen abgebildet werden.

Üblich sind Aufnahmen in 2 senkrecht zueinander stehenden Ebenen (Abkürzung: ⊥), insbesondere bei Röntgenaufnahmen der Extremitäten ( ▶ Abb. 8.8) und des Schädels.

Abb. 8.8 Röntgenaufnahme des Handgelenks. Oft zeigt erst die 2. Ebene (b) das Ausmaß der Verletzung, hier ein Bruch der Speiche (Pfeil: distale Radiusfraktur).

Röntgenaufnahme des Handgelenks. Oft zeigt erst die 2. Ebene (b) das Ausmaß der Verletzung, hier ein Bruch der Speiche (Pfeil: distale Radiusfraktur).

Zusatzinfo

Angabe der Strahlenrichtung beim Röntgen. Es gibt gängige Abkürzungen, um die Richtung der Strahlen zu verdeutlichen:

  • „a.–p.“: von anterior (vorn) nach posterior (hinten). Der Patient steht also mit dem Rücken zum Film, die Strahlung durchdringt ihn von vorn nach hinten.

  • „p.–a.“: von posterior nach anterior. Die Strahlen dringen vom Rücken des Patienten ein und treten an der Vorderseite (zum Film gewandt) aus.

  • „seitlich“: Strahlenrichtung quer zur Sagittalebene des Patienten.

Unterschiedliche Gewebe mit gleicher oder ähnlicher Strahlendurchlässigkeit lassen sich im Röntgenbild schlecht voneinander abgrenzen. So projizieren sich die inneren Organe der Bauchhöhle mit kaum zu unterscheidenden Grautönen auf dem Film. Auch ist ein Gallen- oder Nierenstein im Röntgenübersichtsbild nicht erkennbar, wenn er keinen Kalk enthält.

Bei einigen Organsystemen kann dieser Nachteil durch „Anfärbung“ mit einem Kontrastmittel beseitigt werden. Es werden also Röntgenverfahren ohne Kontrastmittel von denen mit Kontrastmittel unterschieden.

8.2.4.1 Röntgenverfahren ohne Kontrastmittel

Die Organe werden ohne spezielle Vorbereitung abgebildet. Weil kein Kontrastmittel (KM) verabreicht wird, spricht man von Leeraufnahme oder Übersichtsaufnahme.

Zusatzinfo

Weichteilaufnahme. Mit spezieller Aufnahmetechnik lassen sich auch relativ schwache Gewebekontraste auf dem Film darstellen, so z. B. bei der Mammografie.

Klinische Anwendung Die Röntgenverfahren ohne Kontrastmittel kommen unter verschiedenen Aspekten zum Einsatz:

Merke

Röntgen. Bandzerrungen, Gelenkdistorsionen oder Sehnenrupturen sind in der Röntgen-Leeraufnahme nicht sichtbar.

8.2.4.2 Röntgenverfahren mit Kontrastmittel

Ein Kontrastmittel (KM) soll den bei einer Leeraufnahme nur geringen oder fehlenden Kontrast zwischen zwei Organstrukturen erhöhen. Die bildliche Darstellung erfolgt in einer Röntgenaufnahme. Oftmals gibt ein Computertomogramm (CT) nach Einbringen des KM mehr Informationen.

Die wichtigsten Kontrastmittel sind:

Zusatzinfo

Bariumsulfat darf nur innerhalb des Magen-Darm-Kanals angewendet werden, aus dem es mit dem Stuhlgang ausgeschieden wird. Gelangt die Substanz in die freie Bauchhöhle (Perforation) oder in anderes Gewebe, so wirkt sie äußerst toxisch und ruft schwere Nebenwirkungen hervor.

Je nach Indikation können die Kontrastmittel auf verschiedenen Wegen in den Körper eingebracht werden ( ▶ Tab. 8.4 ):

Merke

Allergie. Alle Kontrastmittel können schwere allergische Nebenwirkungen bis zum anaphylaktischen Schock hervorrufen, insbesondere bei intraarterieller oder intravenöser Verabreichung.

Tab. 8.4 Röntgenverfahren mit Kontrastmittel (KM). Übersicht nach Art der KM-Applikation.

KM-Applikation

Bezeichnung

untersuchtes Organ

oral

Ösophagusbreischluck

Speiseröhre

Magen-Darm-Passage (MDP)

Speiseröhre, Magen, Duodenum

MDP mit Verfolgung

Speiseröhre, Magen, Zwölffingerdarm, Dünndarm

ERCP (über Endoskop)

Gallenwege

Pankreasgang

rektal

Kolonkontrasteinlauf (KE)

Dickdarm

urethral

Zystogramm

Harnblase

Miktionszystogramm

Harnblase

retrogrades Urogramm

Harnleiter, Nierenbecken

vaginal

Hysterosalpingografie

Gebärmutter, Eileiter

intravenös

Venogramm = Phlebogramm

Venen

i. v. Urogramm (= i. v. Pyelogramm)

Niere, Nierenbecken, Harnleiter, Blase

i. v. Cholegramm (= i. v. Galle)

Gallenwege, Gallenblase

CT-Angiografie

Arterien

intraarteriell

Digitale Subtraktionsangiografie (DSA)

Arterien

Arteriografie (= Angiografie)

Arterien

intralymphatisch

Lymphografie

Lymphgefäße, Lymphknoten

weitere Röntgenverfahren mit Kontrastmittel

Fistelfüllung

Hautfisteln

Arthrografie

Gelenke

Myelografie

Spinalkanal

Bronchografie

Atemwege

Orale Kontrastmittelgabe

MDP Bei der Magen-Darm-Passage (MDP) kann der Radiologe die Passage des Kontrastmittels vom Rachenraum abwärts auf dem Bildschirm verfolgen. Der Kontrastmitteltransport bis in das Duodenum erfolgt innerhalb weniger Minuten.

MDP mit Verfolgung Von einer MDP mit Verfolgung spricht man, wenn der Transport des Kontrastmittels mit der Darmperistaltik über das Duodenum hinaus verfolgt wird. Dieses Verfahren wird beim Verdacht auf krankhafte Prozesse weiter kaudal im Dünndarm (z. B. Stenose, Bride, entzündliche Veränderungen bei Morbus Crohn) angewandt.

Pflegepraxis

Beratung. Bei einer MDP mit Verfolgung benötigt das Kontrastmittel (wie die Nahrung) zur Passage des gesamten Dünndarms mehrere Stunden. Die Untersuchung erstreckt sich mit Pausen über den ganzen Tag. Der Patient kann jedoch zwischenzeitlich die Röntgenabteilung verlassen und auf Station gehen.

ERCP Bei der ERCP (endoskopische retrograde Cholangio-Pankreatikografie) wird ein flexibles Endoskop bis in den Zwölffingerdarm eingeführt ( ▶ Abb. 8.9). Über das Endoskop wird wasserlösliches Kontrastmittel in die Duodenalpapille eingespritzt, womit sowohl eine retrograde Darstellung des Gallenganges wie auch des Pankreasganges möglich ist.

Die (invasive) ERCP findet Einsatz, wenn neben der Bildgebung auch eine therapeutische Maßnahme, wie die endoskopische Papillotomie mit Steinextraktion, vorgesehen ist. Für eine reine Diagnostik wird die (nicht invasive) ▶ MRCP bevorzugt.

Abb. 8.9 ERCP.

Abb. 8.9a Über den Arbeitskanal des Endoskops wird Kontrastmittel in die Duodenalpapille eingespritzt.

Über den Arbeitskanal des Endoskops wird Kontrastmittel in die Duodenalpapille eingespritzt.

Abb. 8.9b Dabei lässt sich röntgenologisch das Gallengangsystem (endoskopische retrograde Cholangiografie = ERC) darstellen.

Dabei lässt sich röntgenologisch das Gallengangsystem (endoskopische retrograde Cholangiografie = ERC) darstellen.

Abb. 8.9c Darstellung des Bauchspeicheldrüsengangs (endoskopische retrograde Pankreatikografie = ERP).

Darstellung des Bauchspeicheldrüsengangs (endoskopische retrograde Pankreatikografie = ERP).

Rektale Kontrastmittelgabe

Kolon-KE Beim Kolon-Kontrasteinlauf (Kolon-KE) wird Kontrastmittel rektal appliziert. Das KM füllt den (vorher abgeführten) Dickdarm und ermöglicht eine Röntgendarstellung ( ▶ Abb. 8.10) oder auch ein CT des Kolons. Die retrograde Darstellung gelingt üblicherweise bis zum Zäkum, der Dünndarm kann hingegen nicht beurteilt werden, weil das KM (wegen der Bauhin-Klappe) nicht dorthin übertritt. Der Kolon-KE dient zur Diagnostik von Dickdarmtumoren (Adenome, Karzinome) und entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa).

Abb. 8.10 Kolon-KE. Normalbefund. Der Patient liegt auf der rechten Seite, das Kontrastmittel bildet waagerechte Spiegel (*). R: Rektum, S: Sigma, CD: Colon descendens, CT: Colon transversum, CA: Colon ascendens.

Kolon-KE. Normalbefund. Der Patient liegt auf der rechten Seite, das Kontrastmittel bildet waagerechte Spiegel (*). R: Rektum, S: Sigma, CD: Colon descendens, CT: Colon transversum, CA: Colon ascenden

Intravenöse Kontrastmittelgabe Abhängig von der Art des Kontrastmittels sind verschiedene radiologische Organuntersuchungen möglich.

Phlebografie Über die Injektion in eine Armvene (z.B. V. brachialis) oder eine Fußrückenvene (z.B. V. dorsalis pedis) lässt sich das Venensystem einer Extremität zum Ausschluss oder Nachweis einer venösen Thrombose darstellen. Die Thrombosediagnostik erfolgt heute primär durch ▶ Farbduplex-Sonografie, weshalb eine Phlebografie nur in Ausnahmefällen indiziert ist.

Ausscheidungsurogramm Beim i.v.-Urogramm oder i.v.-Pyelogramm wird KM über eine Armvene injiziert. Das KM sammelt sich in den Nieren und wird über die Harnleiter ausgeschieden. Die Röntgenaufnahme stellt das gesamte ableitende Harnsystem dar ( ▶ Abb. 8.11). Für die Steindiagnostik wird in der Urologie die nicht invasive Sonografie bevorzugt.

Pflegepraxis

Labor. Intravenös oder intraarteriell appliziertes Kontrastmittel ist jodhaltig und wird über die Nieren ausgeschieden. Der Patient muss deshalb eine normale Schilddrüsenfunktion (TSH-Wert) und eine normale Nierenfunktion haben (Kreatinin-Wert).

Abb. 8.11 Urogramm. Darstellung der ableitenden Harnwege nach intravenöser Kontrastmittelgabe.

Urogramm. Darstellung der ableitenden Harnwege nach intravenöser Kontrastmittelgabe.

CT-Angiografie Das über eine Armvene (nicht Arterie) injizierte KM gelangt über das Herz in das Arteriensystem und ermöglicht im CT eine bildliche Darstellung der Arterien. Für die CT-Angiografie ist im Gegensatz zur Katheter-Angiografie (DSA) keine Arterienpunktion erforderlich.

Pflegepraxis

Medikamente. Das Antidiabetesmittel Metformin (z. B. Glucophage) kann zu schwerwiegenden Wechselwirkungen führen, wenn Kontrastmittel intravenös oder intraarteriell verabreicht wird. Metformin sollte deshalb 3 Tage vor der Untersuchung (z. B. Phlebografie, Angiografie, CT-Angio) abgesetzt werden.

Intraarterielle Kontrastmittelgabe Die Röntgendarstellung der Arterien nennt man Arteriografie oder Angiografie (kurz „Angio“). Das wasserlösliche Kontrastmittel wird direkt intraarteriell verabreicht. Üblicherweise wird dazu die Femoralarterie in der Leiste punktiert (seltener eine Armarterie) und ein flexibler Kunststoffkatheter unter Röntgendurchleuchtung zum gewünschten Ort vorgeschoben ( ▶ Abb. 8.12 u. ▶ Abb. 8.13).

Abb. 8.12 Intraarterielle Angiografie. Über einen von der Leistenarterie vorgeschobenen Katheter wird das Kontrastmittel injiziert. Abhängig von der Lage der Katheterspitze (s. Beschriftung) erhält man entsprechende Angiogramme.

Intraarterielle Angiografie. Über einen von der Leistenarterie vorgeschobenen Katheter wird das Kontrastmittel injiziert. Abhängig von der Lage der Katheterspitze (s. Beschriftung) erhält man entsprec

Abb. 8.13 DSA. Angiografie der linken Leistenregion in Subtraktionstechnik. Man erkennt nur die Arterien, die Knochen sind durch die Subtraktionstechnik nicht mehr sichtbar.

DSA. Angiografie der linken Leistenregion in Subtraktionstechnik. Man erkennt nur die Arterien, die Knochen sind durch die Subtraktionstechnik nicht mehr sichtbar.

DSA Bei der digitalen Subtraktionsangiografie werden die Arterien dargestellt. Durch digitale Verstärkung des Röntgenbilds und durch elektronische Subtraktion des Bildes ohne Kontrastmittel wird die Bildqualität der Angiografie verbessert.

Endovaskuläre Chirurgie Alle Maßnahmen der kathetergestützten interventionellen Therapie (Kap. ▶ 31) erfolgen nach dem gleichen Prinzip wie die DSA. Dazu gehören z.B. die PTA und die Stentimplantation.

Pflegepraxis

Verband und Lagerung. Um Nachblutungen und Hämatome nach einer Arterienpunktion zu vermeiden, wird bereits in der Röntgenabteilung an der Punktionsstelle ein Kompressionsverband angelegt, der 6–12 Stunden verbleiben muss. Aus demselben Grund muss jeder Patient nach transfemoraler Angiografie für diese Zeit absolute Bettruhe einhalten. Zudem muss der Verband regelmäßig auf Nachblutungen kontrolliert werden.

8.2.5 Computertomografie (CT)

Das Computertomogramm (CT) ermöglicht die Herstellung von Bildern, die anatomischen Querschnitten (Schichten) des menschlichen Körpers entsprechen ( ▶ Abb. 8.14 u. ▶ Abb. 8.15). Das Verfahren arbeitet mit Röntgenstrahlen.

Es sind dreidimensionale Bildrekonstruktionen möglich (3-D-Darstellung), die räumliche Anordnungen der Organe simulieren. Es können Schädel-, Thorax-, Oberbauch-, Becken- oder Extremitäten-CT erzeugt werden.

Abb. 8.14 Computertomografie (CT).

Abb. 8.14a Der Patient wird durch die Untersuchungsöffnung des Geräts gefahren.

Der Patient wird durch die Untersuchungsöffnung des Geräts gefahren.

Abb. 8.14b Dort wird er von beweglichen Röntgenröhren umkreist, deren Signale vom Computer zu einem zwei- oder dreidimensionalen Bild zusammengesetzt werden.

Dort wird er von beweglichen Röntgenröhren umkreist, deren Signale vom Computer zu einem zwei- oder dreidimensionalen Bild zusammengesetzt werden.

Abb. 8.15 Computertomografie (CT). Patient mit Aortenaneurysma.
1: Bauchmuskeln
2: Wirbelkörper
3: Spinalkanal
4: Dornfortsatz
5: Rückenmuskeln
6: Beckenschaufel
7: Rippe
8: Niere
9: Darmschlinge
10: Aortenaneurysma
11: Beckenarterie.

Abb. 8.15a 2-D-Darstellung.

2-D-Darstellung.

Abb. 8.15b 3-D-Darstellung.

3-D-Darstellung.

Die CT-Untersuchung kann mit KM erfolgen, wenn es die Fragestellung erfordert. Bei oraler oder rektaler KM-Gabe lässt sich der Magen-Darm-Trakt besser abgrenzen.

Nach intravenöser KM-Injektion färbt sich das Gehirn besser an, sodass Infarktareale oder Blutungen deutlicher werden. Auch Abszesse sind besser erkennbar, weil sich die gut durchblutete Hülle (Abszessmembran) durch das KM abgrenzt.

Selbst die Arterien lassen sich nach intravenöser (!) KM-Injektion im CT exakt darstellen und dreidimensional rekonstruieren. Diese Untersuchung nennt man CT-Angiografie ( ▶ Abb. 8.16).

Abb. 8.16 CT-Angiografie. Die Arterien des Beckens und Oberschenkels sind rot dargestellt. Normalbefund.

CT-Angiografie. Die Arterien des Beckens und Oberschenkels sind rot dargestellt. Normalbefund.

Pflegepraxis

Gesundheitsschädigung. Die Strahlenbelastung bei einem CT ist für den Patienten deutlich größer als bei herkömmlichen Röntgenuntersuchungen. Die Indikation zum CT sollte deshalb insbesondere bei jüngeren Menschen kritisch gestellt werden.

PET-CT Bei einem PET-CT wird das nuklearmedizinische Verfahren der Positronen-Emissions-Tomografie (PET) mit dem röntgenologischen Verfahren der Computertomografie (CT) in einem Gerät kombiniert.

Bei der PET werden radioaktive Zuckermoleküle (Tracer) verabreicht. Tumorzellen haben im Gegensatz zu gesunden Zellen einen höheren Zuckerstoffwechsel, weshalb das radioaktive Medikament von ihnen vermehrt gespeichert wird und die Zellen so im PET sichtbar gemacht werden können. Das gleichzeitig durchgeführte CT erlaubt die Zuordnung der Stoffwechselvorgänge zu anatomischen Strukturen und Organen.

Hauptindikation für ein PET-CT ist die Ermittlung des Tumorstadiums (Staging) bei Karzinomen. Auch für die Tumornachsorge ist ein PET-CT aussagekräftiger als ein herkömmliches CT. So findet sich bei einem Tumorrezidiv eine erhöhte Stoffwechselaktivität, bei Narbengewebe ein niedriger Stoffwechsel.

Ähnliche Ergebnisse liefert das MR/PET ( ▶ Abb. 8.17).

SPECT Die Einzelphotonen-Emissionscomputertomografie SPECT (single photon emission computed tomography) liefert Schnittbilder des menschlichen Körpers ähnlich einem CT. Es werden zusätzlich radioaktive Substanzen eingesetzt wie bei der PET, was Aussagen über den Stoffwechsel erlaubt. Das noch neue Verfahren findet erste Anwendungen:

8.2.6 Magnetresonanztomografie (MRT)

Die Magnetresonanztomografie (MRT) wird auch MR oder MRI (Magnetic Resonance Imaging) genannt. Sie liefert Querschnittsbilder des Körpers und 3-D-Darstellungen. Das MRT arbeitet mit starken Magnetfeldern, also nicht mit Röntgenstrahlen wie das CT.

Pflegepraxis

Herzschrittmacher und MRT. Das starke Magnetfeld im Bereich des MRT-Gerätes kann metallische Geräte durch den Raum schleudern oder zerstören. Patienten mit einem Herzschrittmacher dürfen nicht ins MRT, weil der Herzschrittmacher seine Funktion aufgeben könnte. Metallischer Schmuck (Ohrringe, Halskette, Piercing etc.) sind spätestens vor dem Untersuchungsraum abzulegen. Kreditkarten im Untersuchungsraum werden unlesbar. Zahnimplantate, Hüft-TEPs oder Stents machen hingegen keine Probleme.

Das MRT erlaubt bei parenchymatösen Weichteilorganen eine bessere Darstellung als das CT. Das gilt z.B. für das Gehirn, das Pankreas oder für Knorpel (Meniskus), Sehnen und Bandscheiben. Bei gezielter Fragestellung und entsprechender technischer Einstellung des Gerätes sind spezielle MRTs möglich. Beispiele:

MR/PET Die Kombination aus einem MRT-Bild mit der nuklearmedizinischen Tumoranreicherung (PET) ermöglicht ein differenziertes Tumorstaging ähnlich einem PET-CT (s.o.). Das MR/PET ist bei vielen Organen detailreicher. Auch in dieser Bildgebung findet sich bei einem Tumorrezidiv eine erhöhte Stoffwechselaktivität ( ▶ Abb. 8.17).

Abb. 8.17 Metastasiertes Prostatakarzinom im MR/PET. Die radioaktive Substanz wird über die Nieren (N) ausgeschieden, die sich deshalb hell darstellen. Die kleineren hellen Punkte entsprechen Knochenmetastasen (Pfeile).

(Mit freundlicher Genehmigung von Dr. M. Lentschig, Zemodi Bremen.)

Metastasiertes Prostatakarzinom im MR/PET. Die radioaktive Substanz wird über die Nieren (N) ausgeschieden, die sich deshalb hell darstellen. Die kleineren hellen Punkte entsprechen Knochenmetastasen

MRCP Die Magnetresonanz-Cholangiopankreatikografie (MRCP) erlaubt eine diagnostische Darstellung des Gallengangsystems der Bauchspeicheldrüse bei z.B. Pankreatitis und Tumoren. Im Gegensatz zur ERCP (s.o.) ist die MRCP nicht invasiv und erfordert keine Kontrastmittelgabe. Deshalb wird sie zur Bildgebung bevorzugt ( ▶ Abb. 8.18).

Im Gegensatz zur ERCP besteht allerdings keine Möglichkeit der therapeutischen Intervention, z.B. Gewinnung von histologischem Material oder zur therapeutischen Steinentfernung.

Abb. 8.18 MRCP. Die nicht invasive Magnetresonanz-Cholangiopankreatikografie (MRCP) zeigt die Gallenblase (GB), den Gallengang (GG) und den Pankreasgang (PG). Der Dünndarm (DD) färbt sich diffus an. Normalbefund.

(Mit freundlicher Genehmigung von Dr. M. Lentschig, Zemodi Bremen.)

MRCP. Die nicht invasive Magnetresonanz-Cholangiopankreatikografie (MRCP) zeigt die Gallenblase (GB), den Gallengang (GG) und den Pankreasgang (PG). Der Dünndarm (DD) färbt sich diffus an. Normalbefun

MR-Angiografie Auch mit der MRT ist eine isolierte Darstellung der Arterien möglich. Die Bildqualität ist allerdings geringer als bei der CT-Angio.

8.2.7 Szintigrafie

Die Szintigrafie ist eine nuklearmedizinische Untersuchung. Bei nuklearmedizinischen Untersuchungen wird die Strahlenenergie nicht außerhalb des Körpers in einer Röhre erzeugt, sondern direkt in den Körper eingebracht. Es handelt sich um radioaktive Substanzen (Isotope oder Nuklide), die zur Diagnostik intravenös injiziert, geschluckt oder inhaliert werden. Auch das PET-CT und die SPECT (s.o.) nutzen diesen nuklearmedizinischen Untersuchungsansatz. Die Strahlenbelastung ist bei szintigrafischen und nuklearmedizinischen Untersuchungen geringer als bei konventionellen Röntgenaufnahmen.

Aus der Vielzahl verfügbarer Isotope wählt man dasjenige aus, das sich in dem Organ, für das man sich interessiert, möglichst stark anreichert. Vom Körperinneren geben die Isotope ihre Strahlung nach außen ab (szinti, lat.: funkeln). Eine Kamera (Scanner), ähnlich einem Geigerzähler, misst die Strahlung und fertigt ein Bild des Organs an.

Von klinischer Bedeutung ist die Szintigrafie der Schilddrüse und des Skelettsystems. Dabei kann eine vermehrte Stoffwechselaktivität dargestellt werden, z. B. bei Arthrose, Osteomyelitis oder Knochenmetastasen.

Schilddrüsenszintigrafie Verwendet wird eine radioaktive Substanz (Technetium oder Jod 131), die sich wie normales Jod fast ausschließlich in der Schilddrüse anreichert. Man erhält eine selektive Abbildung der Thyreoidea ( ▶ Abb. 8.19).

Die Isotopendiagnostik liefert Einblicke in die Stoffwechselaktivität des Gewebes. Stark hormonproduzierende Bereiche, wie z. B. ein Adenom, speichern große Mengen des radioaktiven Jods. Der darüber platzierte Scanner wird durch die empfangene Strahlung stark stimuliert und zeichnet auf dem Bild entsprechende Signale auf (rote Striche). Ein solcher szintigrafisch aktiver Bereich heißt „heißer Knoten“. Nicht jodspeichernde Areale, wie z. B. Zysten oder Karzinome, geben dem Scanner keine Impulse und erscheinen im Bild ohne Striche („kalter Knoten“).

Abb. 8.19 Schilddrüsenszintigramm. Das normale Schilddrüsengewebe färbt sich hellblau und dunkelblau. Rechts im Bild (linke Schilddrüse) heißer Knoten mit intensiver Speicherung (grün/gelb/rot). Links im Bild speichert der tastbare obere Knoten nicht (kalter Knoten), der untere gering (warmer Knoten).

Schilddrüsenszintigramm. Das normale Schilddrüsengewebe färbt sich hellblau und dunkelblau. Rechts im Bild (linke Schilddrüse) heißer Knoten mit intensiver Speicherung (grün/gelb/rot). Links im Bild s